Profilbild von walli007

walli007

Lesejury Star
offline

walli007 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit walli007 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2025

Baulöwe

Betongold
0

Da liegt er in der Baugrube, der Schani. In ihrer Jugend waren die drei Freunde der Sepp, der Hias und der Schani unzertrennlich. Doch nach der Schule machte der Schani eine Ausbildung und hat später das ...

Da liegt er in der Baugrube, der Schani. In ihrer Jugend waren die drei Freunde der Sepp, der Hias und der Schani unzertrennlich. Doch nach der Schule machte der Schani eine Ausbildung und hat später das Gerüstbauunternehmen übernommen. Der Sepp ging zur Polizei und der Hias auf Weltreise. Nun sind die Jahre ins Land gegangen. Der Schani liegt tot in der Grube. Der Hias hat die Kneipe seiner verstorbenen Frau übernommen und heißt jetzt Moni. Und der Sepp ist Frührentner. Wegen seinem Bechterev und der Schmerztherapie heißt er jetzt Smokey. Tja, der Smokey will herausfinden wieso der Schani tot ist.

Drei Freunde seit Kindertagen und doch sind sie unterschiedliche Wege gegangen. Der Schani kam aus einfachen Verhältnissen. Vielleicht wollte er deshalb immer hoch hinaus. Eine Firma und noch eine Firma; ein Grundstück und noch ein Grundstück. In München, das muss doch eine Lizenz zum Geld drucken sein. Jedoch irgendetwas läuft nicht so. Sonst würde es die Baugrube nicht geben. Dort stand nämlich des Häuschen der Mutter vom Schani, auch unter Denkmalschutz. Und nun ist da die Baugrube und der Schani tot. Es lässt dem Smokey keine Ruhe. Was ist in der Nacht passiert? Er muss bohren, obwohl das nicht mehr seine Aufgabe ist, aber der Schani war ein Freund.

In ganz eigener Sprache, die einen nahe an die Gedanken der Personen bringt, wird die Geschichte von drei Freunden erzählt, die sich recht unterschiedlich entwickelt haben. In kurzen Rückblenden erfährt man, wie sie durchs Leben gegangen sind. Nur der Moni hat eine Tochter. Und irgendwie hat das Leben sie zusammengeschweißt fast wie eine Familie. Und doch fragt man sich, wie kann es dann zu diesem Todesfall kommen. Ist der Schani mit seinen Bau- und Grundstücksgeschäften irgendwo angeeckt? So gerissen wie er sich als Geschäftsmann verhalten hat, liegt der Gedanke irgendwie nahe. In ruhigen Worten wird das erzählt und doch baut sich beim Lesen eine Spannung auf. Man will wissen, wo es der Schani übertrieben hat. So wie der Sepp einmal sagt, es gab zwei Schanis, den Geschäftsmann und den Freund. Und es geht auch um die Lösung, welcher von Beiden umgebracht wurde.

Veröffentlicht am 08.03.2025

Marmorstaub

Ein Schimmern am Berg
0

Das mit der Frührente hat nicht geklappt. Kommissar Grauner wird zu einem Mordfall in den Marmorort Laas gerufen. Eine Bildhauerin wurde ermordet und verstümmelt aufgefunden. Es ist nichts davon bekannt, ...

Das mit der Frührente hat nicht geklappt. Kommissar Grauner wird zu einem Mordfall in den Marmorort Laas gerufen. Eine Bildhauerin wurde ermordet und verstümmelt aufgefunden. Es ist nichts davon bekannt, dass sie Feinde gehabt haben soll. Umso rätselhafter ist die besonders grausame Tötung. Hat etwa Hofer, ein Arbeiter im Steinbruch, mit der Sache zu tun? Er war wohl verliebt in das Opfer, wurde aber von ihr abgewiesen. Inzwischen wurde am Verwaltungsgebäude des Bruchs ein Akt von Vandalismus begangen. Staatsanwalt Belli lässt es sich nicht nehmen, Grauner zu diesem Tatort zu begleiten. Derweil sind Inspettore Saltapepe und Silvia Tappenheimer in Amerika und genießen ihren Urlaub.

Zum zehnten Mal ermittelt Commissario Grauner, diesmal zunächst ohne sein Team. Dafür hat er den Staatsanwalt an der Backe, der immer noch sauer ist, dass Grauner das mit der möglichen Beförderung hintertrieben hat. Für die Untersuchungen müssen diese persönlichen Animositäten jedoch hintenangestellt werden. Privat hängt der Haussegen bei Grauner etwas schief. Seine Tochter will die Alm für viel Geld renovieren und seine Frau Alba ist nicht mit seinem Verhalten einverstanden. Dafür geht es den Urlaubern recht gut, Amerika ist ein Land, das zu besuchen sich lohnt. Man kann ja zum Glück auch wieder heim. Saltapepe und Silvia ahnen nicht, dass sie in den Vereinigten Staaten noch wichtig werden.

Mit viel Liebe schildert der Autor die Gegend um den kleinen Ort Laas, der durch den Marmorabbau geprägt ist. Bekannt ist der Landstrich auch für die Kultivierung von Marillenbäumen und die Ernte und Verarbeitung der Früchte. In gewisser Weise konkurrieren die beiden Haupteinkunftsquellen des Ortes. Und nun dieser Mord. Das Idyll ist jäh zerstört. Commissario Grauner schwankt zwischen seiner Tätigkeit als gewissenhafter Ermittler und dem Versinken in Gedanken an seine privaten Problemen. Da ist das Glück der Frischverliebten eine echte Aufhellung. Doch Grauner besinnt sich auf den Fall und so löst er ein kompliziertes Rätsel in bekannter Manier. Diese Krimireihe kommt zwar mit leichten Worten daher, bietet aber dennoch spannende und intelligente Unterhaltung. Wie bei vielen Krimis mit lokalem Bezug, kommt auch hier der Wunsch auf, sich die Gegend mal im echten Leben anzuschauen.

Veröffentlicht am 08.03.2025

Dies ist kein Liebeslied

Die Liste
0

Noch knapp ein Monat bis zur Hochzeit. Ola und Michael freuen sich darauf und feiern in einem Club. Am nächsten Morgen bricht ihre Welt auseinander, denn es taucht eine Liste auf Social Media auf, mit ...

Noch knapp ein Monat bis zur Hochzeit. Ola und Michael freuen sich darauf und feiern in einem Club. Am nächsten Morgen bricht ihre Welt auseinander, denn es taucht eine Liste auf Social Media auf, mit neben etlichen anderen Männern auch Michael bezichtigt wird, übergriffig geworden zu sein. Weder Ola noch Michael bekommen zunächst etwas davon mit, obwohl die Liste viral geht. Ola ist die erste, die ihre Nachrichten liest und sie ist entsetzt. Das kann einfach nicht wahr sein, oder? In Ola kommen Zweifel auf. Und dann verlangt auch ihre Chefin, sie soll einen Bericht über die Liste für das Online-Magazin schreiben.

Was geschieht mit einer Beziehung in einer solchen Situation? In Ola kommt schon der Gedanke auf, die Hochzeit abzublasen. Aber das wäre doch eine Vorverurteilung. Schließlich beteuert Michael, dass er nie einer Frau gegenüber ausfällig geworden ist. Aber das Misstrauen ist da. Einiges, was auf der Liste behauptet wird, stimmt. Heißt das, alles stimmt? Michael sollte einfach seine Unschuld beweisen. Etwas zu beweisen, was man nicht getan hat, ist allerdings nicht unbedingt einfach. Und sowohl Ola als auch Michael stehen aufgrund ihres Berufes, sie als feministische Journalistin, er als relativ erfolgreicher Moderater, zwar nicht an vorderster Front in der Öffentlichkeit, aber eben doch.

Schnell kann ein zuversichtliches Dasein auf den Kopf gestellt werden. Wie so häufig, spielt das Internet, die Sozialen Medien eine unrühmliche Rolle. Natürlich hat ein Mensch die Liste gepostet. Eine Person, die sich wohl keine Gedanken über die Konsequenzen gemacht hat. Zwischen Ola und Michael wird Misstrauen gesät. Und viele haben etwas zu dem Thema zu sagen. Wenn vielleicht so eine Liste grundsätzlich nicht falsch ist, was ist, wenn doch jemand fälschlich beschuldigt wird? Wie kann man die Aussagen verifizieren? Wäre es nicht besser, man prüft den Wahrheitsgehalt, bevor etwas veröffentlicht wird? Die Folgen sind schließlich unabsehbar. Gerade im Moment gewinnt dieser Roman noch mehr an Aktualität. Zwar werden feministische Themen durch das Vordringen alter Männer zurückgedrängt. Aber die Debatte um das Internet, in dem die Nettikette über Bord geworfen wurde und jede Wahrhaftigkeit als Einschränkung der Pressefreiheit deklariert wird, gewinnt immer mehr an Brisanz. Allerdings eher in Offline-Publikationen, bei denen Regeln noch etwas gelten. Ein Liebesroman ist dieses Buch nicht, eher eine Beschreibung, wie unbedachte Worte ein Eigenleben bekommen und dadurch mehr kaputt geht als vielleicht beabsichtigt war.

Veröffentlicht am 05.03.2025

True Crime

Kaltblütig
0

Die Clutters waren eine angesehene Familie, die Eltern und ihre vier Kinder. Die älteste Tochter war schon verheiratet, die zweite verlobt und die Hochzeit sollte bald stattfinden. Die beiden jüngeren ...

Die Clutters waren eine angesehene Familie, die Eltern und ihre vier Kinder. Die älteste Tochter war schon verheiratet, die zweite verlobt und die Hochzeit sollte bald stattfinden. Die beiden jüngeren Kinder Tochter und Sohn lebten noch daheim. Sie waren beliebt in der Gemeinde Holcomb des Jahres 1959 und doch wurden sie einfach umgebracht. Kaltblütig erschossen. Zunächst gab es keine Hinweise auf die oder den möglichen Täter. Deshalb geriet zunächst der Freund der jungen Nancy in Verdacht. Er hatte seine Liebste am Abend besucht und war so kurz vor der Tatzeit noch auf der Farm.

Der Autor Truman Capote hat sich hier einer Tat gewidmet und sie akribisch nachgezeichnet, die tatsächlich geschehen ist. Der Tatsachenroman, der sich daraus entwickelt hat, könnte ein neues Genre begründet haben. Die Tat ist ausgesprochen grausam und erscheint völlig sinnlos. Mr. Clutter war dafür bekannt, dass er kaum Bargeld bei sich trug. Ein Raubmord hätte also keine große Beute gebracht. Also kann nur ein persönliches Motiv in Betracht kommen? Schließlich war Mr. Clutter gegen eine dauerhafte Beziehung Nancys zu ihrem Freund. Erst nach wirklich genauer Untersuchung fällt auf, dass doch ein paar Dinge aus dem Haus fehlen. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel.

Bei Truman Capote handelte es sich um einen genialen Autor. Zwar ist eher sein Werk „Frühstück bei Tiffany“ bekannt und das wahrscheinlich auch eher in der verfilmten Version, aber auch der vorliegende Bericht besticht durch seine präzise Sprache. Es werden einem die Menschen nahe gebracht. Zunächst die unbescholtene Familie Clutter, rechtschaffene Leute, die geplant hatten zu leben und nicht zu sterben. Doch auch die Täter lernt man kennen. Zwangsläufig können sich nicht sympathisch werden, denn mit ihrer grausamen Tat haben sie dieses Recht verwirkt. Auch wenn ihr Leben nicht immer einfach war, rechtfertigt doch nichts diese sinnlosen Morde. Gleichzeitig verfolgt man, mit welcher Hartnäckigkeit die Polizeibeamten versuchen, die Killer ausfindig zu machen. Obwohl es sich um einen Tatsachenbericht handelt, ist die Schilderung sehr spannend. Mit ein paar Bildern, die im Internet zu finden sind, kann man sich das Geschehen noch besser vorstellen. Auch dieses Buch des Autors wurde verfilmt.

Veröffentlicht am 03.03.2025

Tief verwurzelt

Der verschwundene Buchladen
0

Endlich hat Martha sich von ihrem Ehemann getrennt. Mit letzter Kraft hat sie es nach Dublin geschafft und sich auf eine Stelle als Haushälterin beworben. Ms Bowden scheint recht exzentrisch zu sein und ...

Endlich hat Martha sich von ihrem Ehemann getrennt. Mit letzter Kraft hat sie es nach Dublin geschafft und sich auf eine Stelle als Haushälterin beworben. Ms Bowden scheint recht exzentrisch zu sein und doch richtig. Vor dem Haus lernt Martha den Doktoranden Henry kennen, der nach einem verschwundenen Buchladen sucht. Die beiden sind sich sofort sympathisch. Marthas großer Traum ist es, zu studieren. Sie weiß nur noch nicht, wie sie das mit der Lektüre schaffen soll, denn sie hat eine seltsame Scheu davor zu lesen. Vielleicht hat Henry eine Idee, wie sie die Sache angehen kann.

Martha und Henry sind nicht unbedingt freigiebig was gewisse Informationen angeht. Ihr Weg ist dadurch nicht so geradlinig wie anderenfalls möglich. Doch ihre Suche nach der Geschichte von Opaline, die auf einer anderen Zeitebene erzählt wird, schweißt sie zusammen. Opaline sollte in den 1920ern gegen ihren Willen verheiratet werden. Im Gegensatz zu vielen anderen jungen Frauen wehrt sie sich dagegen und flieht nach Paris. Dort lernt sie eine Welt der Bücher kennen, die die Erfüllung der meisten ihrer Träume bedeuten könnte. Werden Martha und Henry es schaffen, Opalines Weg zu den Büchern zu verfolgen?

So einen verschwundenen Buchladen möchte man auch gerne suchen, das aufwendig gestaltete Cover mit Farbschnitt macht direkt Lust auf den Roman. Von Opalines Schicksal zu lesen, ist manchmal nicht leicht zu ertragen. Sie versucht ihr Leben nicht nach den Konventionen zu leben und muss dabei Rückschläge hinnehmen. Wie hinterhältig und gemein Frauen damals mitunter behandelt wurden. Doch auch Martha ist, was das angeht, nicht auf Rosen gebettet. Man wünscht ihr wirklich, dass sie ihr Leben in den Griff bekommt. Zwar unternimmt ihre Beziehung zu Henry etwas eigenartige Verläufe, dennoch spürt man die tiefe Verbundenheit zwischen den beiden. Richtig schön und interessant wird es jedoch, wenn es um die Suche nach seltenen oder verloren geglaubten Büchern geht. Da kann man eintauchen und förmlich den Duft von alten Büchern wahrnehmen. Ein schönes und spannendes Buch, dass gerne empfohlen wird.