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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.01.2026

Eine Ahnung

Die Lotsin
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Ein Notruf geht ein, eine Wissenschaftlerin ist von einem Forschungsschiff verschwunden. Einige Teilnehmer einer Übung der niederländischen und deutschen Grenzschützer helfen bei der Suche, die allerdings ...

Ein Notruf geht ein, eine Wissenschaftlerin ist von einem Forschungsschiff verschwunden. Einige Teilnehmer einer Übung der niederländischen und deutschen Grenzschützer helfen bei der Suche, die allerdings erfolglos verläuft. Unter ihnen ist auch Xander Rimbach, der dann erste Vernehmungen führt. Sein erfahrener Kollege Liewe Cupido versucht aus der Ferne eine gewisse Hilfestellung zu geben. Es sieht so aus, als könne es sich um einen Unfall handeln. Da die Forscherin wohl depressiv war, könnte sie sich auch das Leben genommen haben. Doch die Stimmung auf dem Schiff ist eigenartig und Xander führt die Befragungen intensiver als geplant. Ein weiterer Hinweis bestärkt das ungute Gefühl.

Zum vierten Mal ermitteln Liewe Cupido und Xander Rimbach. Teilweise muss sich Xander hier alleine behaupten. Bei seinen Kollegen kommt das nicht nur gut an. Allerdings ist auf seine Spürnase mehr Verlass als ihm selbst bewusst ist. Liewe Cupido ermittelt schweigsam wie immer. Da unterscheiden er und Rimbach sich doch sehr und ergänzen sich beinahe perfekt. Die Nachforschungen in einem Fall, der vielleicht keiner ist, gestalten sich dennoch nicht einfach. Keiner erweckt den Eindruck als würde er gerne mit der Polizei zusammenwirken. Wenn niemand etwas zu verbergen hat, müsste den Einsatz der Beamten doch eigentlich leichter vonstatten gehen.

Wenn man in die Welt von Liewe Cupido eintaucht, ist man zeitweilig für die wahre Welt verloren. Bei den Alltagsproblemen, die man vielleicht so hat, bietet dieser wunderbare Kriminalroman eine schöne Auszeit. Man begibt sich auf Schiffe, sieht Wellen rollen, spürt förmlich wie einem der Wind um die Nase weht. Cupido und Rimbach bilden ein Team mit Ecken und Kanten, das sich Schwierigkeiten eingestehen kann und auch die Fähigkeit hat, sich zusammenzuraufen. Die Nachforschungen um die Hintergründe zum Tod gestalten sich so spannend, dass man einfach immer weiterlesen will. Für ein Buch andere Dinge liegen zu lassen, passiert auch nicht so oft. Hier gibt man dem Buch immer wieder den Vorzug. Man gibt sich Wind und Wetter hin und den Stimmungen. Und wenn die letzte Seite umgeblättert ist, muss man leider wieder auftauchen und auf den nächsten Fall von Cupido und Rimbach warten. Diese Reihe kann jedem Krimilesenden, ach allen, die Bücher lieben empfohlen werden.

Veröffentlicht am 18.01.2026

Nanning

Amrum
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Das Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht mehr weit hin. Das können der Schüler Nanning und sein Freund Hermann natürlich nicht wissen. Nanning ist ganz froh, dass er bei der Bäuerin Tessa aushelfen kann. ...

Das Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht mehr weit hin. Das können der Schüler Nanning und sein Freund Hermann natürlich nicht wissen. Nanning ist ganz froh, dass er bei der Bäuerin Tessa aushelfen kann. In seiner kindlichen Unwissenheit erzählt er seiner Mutter etwas, dass die Bäuerin betrifft. Er weiß, dass seine Mutter Nationalsozialistin ist, ebenso wie sein Vater, der eine Position in Hamburg bekleidet. Allerdings hätte er nicht gedacht, dass seine Mutter die Bäuerin denunzieren würde. Wo soll er denn jetzt, die Nahrungsmittel herbekommen, die seine Mutter braucht, die hochschwanger ist. Da muss sich Nanning wohl etwas einfallen lassen.

Der Film „Amrum“ von Fatih Akin ist möglicherweise bekannt. Hier hat der Schauspieler und Regisseur Hark Bohm seine Kindheitserinnerungen mit Hilfe seines Freundes Fatih Akin in bewegte Bilder gefasst. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit Philipp Winkler. Obwohl Nanning in einer Nazi-Familie lebt, wundert man sich, dass der im System durchaus höhergestellte Vater nicht für die Versorgung seiner Familie sorgt. Die Familie seiner Mutter stammt von Amrum, nur deshalb können sie dort leben und sind von den Auswirkungen des Krieges relativ sicher. Seine Tante Ena immerhin versucht leider vergeblich, seine Mutter zur Vernunft zu bringen. Nanning selbst durchblickt noch nicht, was Nationalsozialismus bedeutet. Ein Glück vielleicht für sein späteres Leben.

Allem Anschein nach sind Buch und Film ziemlich ähnlich. Möglicherweise bekommt man noch einen besseren Einblick, wenn man beide Herangehensweisen kennt. Allerdings hat man beim Buch durchaus den Vorteil, dass man die Lesegeschwindigkeit selbst wählt. Gerade zu Beginn wirken die Beschreibungen der Insel etwas sehr ruhig. Hat man die Strömungen zwischen den Menschen auf der Insel erstmal durchschaut, zieht einen das Buch doch in seinen Bann. Natürlich bleibt die Sicht eines Kindes, das noch nicht wie ein Erwachsener reflektieren kann. Das ist vielleicht nicht so schlecht, dann muss man diese Aufgabe selbst übernehmen und sich sein Teil denken. Wie haben es die eigenen Vorfahren gehalten? Man muss sich wohl einer Wahrscheinlichkeit stellen, dass es nicht so viele wie die Bäuerin Tessa oder Tante Ena gegeben hat. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt und in Erinnerung bleibt.

Veröffentlicht am 17.01.2026

Prüfungen

The Ordeals
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Sophia de Winter ist häufig für ihren Onkel Unterweg, um andere zu binden. Dabei gerät sie schon mal in gefährliche Situationen. Sie selbst ist durch ein Armband an ihn gebunden und das will sie endlich ...

Sophia de Winter ist häufig für ihren Onkel Unterweg, um andere zu binden. Dabei gerät sie schon mal in gefährliche Situationen. Sie selbst ist durch ein Armband an ihn gebunden und das will sie endlich ändern. Die einzige Möglichkeit dies zu schaffen, ist die Teilnahme an den Aufnahmeprüfungen der magischen Akademie Killmarth. Ihre eigenen magischen Begabungen kann sie nicht einschätzen, aber sie ist begabt, das weiß sie. Sophia ahnt nicht, was alles auf sie zukommt. Denn es geht nicht nur um die schwierigen Aufgaben, für die Sophia garnicht die geforderte Vorbildung hat. Nein, sie muss auch mit ihren Mitbewerbern klarkommen.

Bei diesem Roman handelt es sich um den Start einer Reihe, die auf mindestens zwei Bände angelegt ist. Auch wenn Sophia nicht auf die richtigen Schulen gegangen ist, findet sie sich an der Akademie besser zurecht als erwartet. Zwar hält sie ihre eigenen Fähigkeiten nicht für so stark, aber immerhin hält sie mit und sie trainiert in jeder freien Minute. Sie lernt ihre Mitstudenten kennen und knüpft Freundschaften. Damit hatte sie nicht gerechnet. Doch natürlich gibt es auch harte Konkurrenzkämpfe, denn es sind nur zwanzig Studienplätze an die Besten zu vergeben. Zudem muss Sophia aufpassen, dass sie sich von Gefühlen nicht allzu sehr ablenken lässt.

Dieser Roman bietet viel, Fantasy, Romance, Magie und vieles mehr. Trotzdem wirkt er nicht überladen. Vielleicht fragt man sich am Anfang, wo soll das hinführen. Den Beginn einer Antwort bekommt man relativ schnell. Die Kombinationen aus verschiedenen Handlungssträngen ist sehr interessant. Gespannt entdeckt man mehr über Sophias Hintergrund. Man verfolgt, wie sich zwischen ihr und einigen anderen Studenten Freundschaften bilden, dass es eben nicht nur um Konkurrenz geht, sondern dass auch Zusammenarbeit wichtig ist. Tja, und dann ist da noch Alden Locke. Ob man jede Schilderung von brutalen Kämpfen haben muss, nun ja. Entschädigt wird man aber, für die packende Geschichte, bei der etliche Geheimnisse geklärt werden, aber noch genug Rätsel für zumindest den bereits angekündigten nächsten Band übrig bleiben.

Dabei ist die Print-Ausgabe des Romans sehr schön und aufwendig gestaltet, ein Schmuckstück für das Bücherregal.

Veröffentlicht am 15.01.2026

Die geheime Gesellschaft

Oxen. Interregnum
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Sie hatten angenommen, es sei geschafft. Doch der alte und nun kommissarische Chef der PET Axel Mossman war misstrauisch und das war gut so. Aber der richtige Plan, Schlimmeres zu verhindern, fehlt. Da ...

Sie hatten angenommen, es sei geschafft. Doch der alte und nun kommissarische Chef der PET Axel Mossman war misstrauisch und das war gut so. Aber der richtige Plan, Schlimmeres zu verhindern, fehlt. Da wird der Generalstaatsanwalt Eilertsen bei seinem Ferienhaus in Schweden tot aufgefunden. Das bringt alle Mutmaßungen durcheinander. Mossman ruft seine geheimen Mitstreiter zusammen. Der ehemalige Jägersoldat Niels Oxen und Margarethe Franck stoßen zum Team. Fast gleichzeitig scheint es so als hätte ein chinesischer Student sich selbst getötet. Die örtliche Ermittlerin wird allerdings misstrauisch und beginnt genauer nachzuforschen. Derweil versuchen Oxen und seine Kollegen herauszufinden, was hinter dem vermeintlichen Unfalltod von Eilertsen steckt.

Dies ist der siebte Band der Reihe um den ehemaligen Jägersoldaten Niels Oxen. Dieser leidet in manchen Momenten immer noch unter seiner posttraumatischen Belastungsstörung. Meist sind seine Fähigkeiten jedoch unverzichtbar. Allerdings sorgt er sich um seinen Sohn Magnus, mit dem er endlich eine Beziehung aufgebaut hat. Margarethe Franck hat mitunter die besten Ideen und trotz ihrer körperlichen Einschränkung hält sie den Kollegen den Rücken frei. Mossman ist wie immer einer, der nicht in jeder Sekunde alles teilt. Doch mit seinen Schlussfolgerungen hat er ein gutes Gespür.

Die Gestaltung des Covers passt gut zu den anderen Bänden der Reihe. Das hat einen schönen Wiedererkennungseffekt. In diesem Band stellt man fest, die alten besiegt geglaubten Feinde sind noch da. Und diesmal muss es wirklich gelingen. Die Handlung wird auf mehrere Handlungsstränge verteilt, die unterschiedlich schnell vorangetrieben werden. Da möchte man an einer Stelle wissen wie es weitergeht und muss doch eine Weile warten, weil andere spannende Entwicklungen dazwischen kommen. Das liest sich ausgesprochen fesselnd. Auch die eigentliche Handlung ist interessant und die einzelnen Fäden sind intelligent verknüpft. Die kleinen Anleihen bei der Wirklichkeit können einem schon einen Schauer über den Rücken jagen. Man kann nur hoffen, dass es im Leben auch einen Mossman geben möchte, der die Chance auf eine bessere Welt erhöht. Ein spannender Thriller, der in Teilen sehr realistisch wirkt und einen manchmal staunen lässt, was alles möglich ist.

Veröffentlicht am 14.01.2026

Das Mutter-Tochter-Ding

Halbinsel
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Eines Tages erhält Annett einen Anruf aus Berlin, ihre Tochter Linn ist während eines Vortrags, den sie gehalten hat, einfach umgekippt. Sofort macht sich Annett auf den Weg, um nach ihrer Tochter zu sehen. ...

Eines Tages erhält Annett einen Anruf aus Berlin, ihre Tochter Linn ist während eines Vortrags, den sie gehalten hat, einfach umgekippt. Sofort macht sich Annett auf den Weg, um nach ihrer Tochter zu sehen. Linn kann schon bald entlassen werden und Annett nimmt sie erstmal mit auf die Halbinsel in der Nordsee, wo sie das Familienhaus schon seit langem bewohnt. Natürlich ist es schön, Linn daheim zu haben. Aber der Aufenthalt der Tochter, die nach dem Studium einen tollen Job gefunden hatte, dehnt sich doch viel länger aus als erwartet. Annett versucht, die Hintergründe zu entschlüsseln und gleichzeitig werden Erinnerungen an ihren vor langen Jahren verstorbenen Mann wieder wach.

Wie ist es, wenn die Tochter, die eigentlich aus dem Haus war, auf einmal wieder da ist? Hauptsächlich aus Sicht Annetts kann man erfahren, dass das nicht nur eitel Freude ist. Annett muss feststellen, dass sie manchmal genervt ist, weil Linn allem Anschein nach nach den Ereignissen während des Vortrags nicht so richtig wieder in die Gänge kommt. Das kann doch irgendwie nicht sein, es lief doch alles. Annett versucht herauszufinden, was bei dem Vortrag wirklich geschehen ist. Da gibt es tatsächlich ein paar Ungereimtheiten, die zu klären sind.

Dieses Hörbuch wird sehr angenehm vorgetragen von Isabelle Redfern. Sie versteht es sehr gut, eine ruhige Küstenstimmung entstehen zu lassen.

Man meint ja immer, es ist das höchste für die Eltern, wenn die Kinder zu Hause sind. Wie erfrischen ist es, hier zu lesen, dass auch die Eltern, hier eben die Mutter, sich daran gewöhnen, wenn die Nachkommen nicht mehr daheim wohnen, dass sie sich ihren eigenen Rhythmus geschaffen haben. Dann ist es nicht so einfach, wenn die Tochter plötzlich da ist und nicht mal nur zu Besuch. Das ist schon eine Umgewöhnung. Es geht nicht so nach der Nase der Mutter, aber natürlich kümmert sie sich. Und sie möchte, dass es ihrer Tochter wieder besser geht. Wenn das Buch nicht einfach so mitten in der Bewegung aufhören würde, wäre es beinahe perfekt. Es ist klasse, mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen und dabei von einer spannenden Geschichte zu erfahren.

Für gewisse Dinge haben die Töchter nach Abschluss der Ausbildung im Übrigen selbst Sorge zu tragen.