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Veröffentlicht am 03.04.2024

Kinder an die Macht

Supernova
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Nach der Explosion einer Supernova finden die Wissenschaftler heraus, dass alle Menschen, die über 13 Jahre sind, nach maximal einem Jahr sterben werden. Die Erwachsenen versuchen diese Zeit bestmöglich ...

Nach der Explosion einer Supernova finden die Wissenschaftler heraus, dass alle Menschen, die über 13 Jahre sind, nach maximal einem Jahr sterben werden. Die Erwachsenen versuchen diese Zeit bestmöglich zu nutzten, um den älteren Kindern einen guten Start in eine Welt ohne Erwachsene zu geben. Die Kinder zweifeln, ob es wirklich so ernst kommen wird, doch je mehr Zeit verstreicht, desto mehr müssen sie einsehen, dass die Prognosen wohl stimmen. Und eines Tages machen sich die Erwachsenen auf ihren letzten Weg. Und nun gilt es für die Kinder, in der neuen Welt zu bestehen.

Kinder, die zu Staatenlenkern ausgewählt und ausgebildet werden. Erwachsene, die den Kindern ein Überleben oder Leben wie bisher ermöglichen wollen. Die Erwachsenen können nicht wissen, was wird, wenn sie nicht mehr da sind. Wahrscheinlich versuchen sie ihr Bestes. Kinder, die nie damit rechnen mussten, müssen plötzlich die Verantwortung übernehmen. Dabei sind sie doch selbst noch Kinder, nur eben etwas älter als die Kleinen. Haben ihnen die Erwachsenen genug Rüstzeug an die Hand gegeben, genug Technik? Am liebsten wäre es Ihnen, es wäre alles nur ein Spiel und ihre Eltern, Lehrer, die Erwachsenen eben, würden ihnen die Verantwortung wieder abnehmen.

Wenn man von Tri Solaris das beeindruckende Hörspiel kennt, ist man neugierig auf weitere Bücher des Autors. Vielleicht kommt einem die Trilogie um die drei Sonnen etwas umfangreich vor, dann hat man hier die Gelegenheit, sich dem Autor über seinen Debütroman zu nähern. Supernova ist eine Dystopie, die man sich nicht wünscht. Ob der Ansatz mit einer Strahlenkrankheit, die eher die Erwachsenen angreift, so glauben kann, sei dahingestellt. Und doch ist das Gedankenexperiment, ob es die Kinder besser machen würden, ein spannender Ansatz. Man hofft auf eine Welt, in der die Erwachsenen den Kindern alles an die Hand gegeben haben, damit die das Leben einfach so weiterführen könnten, wenn sie die Regeln weiter einhalten. Aber können Kinder, die zur des Aussterbens der Alten maximal knapp vierzehn sind, das überhaupt leisten? Recht offen spielt der Autor seine Theorie durch. Und als Leser hat man daran doch etwas zu knabbern. Man wünscht sich sowas nicht, aber wahrscheinlich muss man sich dem stellen, dass Kinder ihre eigenen Regeln aufstellen. Ganz schön hart, mit einem Schuss Hoffnung.

Veröffentlicht am 03.04.2024

Das Armband

Adas Raum
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Im Jahr 1459 stirbt Adas kleiner Sohn kurz nach der Geburt. Er soll seinen Totenritus bekommen. Im Jahr 1848 trifft Ada King auf Charles Dickens, was nicht schlimm wäre, gäbe es nicht einen Mr. King. Im ...

Im Jahr 1459 stirbt Adas kleiner Sohn kurz nach der Geburt. Er soll seinen Totenritus bekommen. Im Jahr 1848 trifft Ada King auf Charles Dickens, was nicht schlimm wäre, gäbe es nicht einen Mr. King. Im Jahr 1945 versucht Ada in Nordhausen zu überleben. Und irgendwann ist Ada in Berlin. Dort hat sie es nicht leicht bei der Wohnungssuche. Zum Glück hat sie einen britischen Pass und eine Schwester, die ihr hilft. Und immer wieder taucht das Armband auf, dass die Jahrhunderte ebenso überdauert wie eine Form von Ada.

Diese ungewöhnliche Geschichte erzählt von verschiedenen Adas, die aber doch irgendwie die selbe Ada sind. In allen Formen ist Adas Leben nicht leicht. Sie erfährt viel Leid und hin und wieder glückliche Momente. Und auch das Armband durchreist die Zeit. Es will behütet werden. Fast wie das verstorbene Kind. Was für Zeiten sind es, in denen Ada landet? Die Zeit der Kolonialherren, die Zeit der ersten Sozialkritik, die Zeit des Krieges, die Zeit des heutigen Berlins, in der auch nicht eitel Sonnenschein herrscht. Eine abenteuerliche Seelenreise durch verschiedene Zeitalter.

Das Cover dieses Buches ist in seiner Schlichtheit ein echter Hingucker, auch wenn man vielleicht etwas länger überlegt, kaufen oder nicht, landet es schließlich doch im eigenen Bücherschrank, Die Handlung des Romans ist ein wenig schwierig nachzuvollziehen. Auch wenn sich die unterschiedlichen Zeitebenen deutlich getrennt aneinanderreihen, fehlt etwas der rote Faden. Wieso taucht Ada immer wieder auf und was genau sind die Inkarnationen des Dings, wieso gibt es sie? Natürlich wäre der Gedanke schön, es sei eine Art Schutz. Doch würde es dann gute Arbeit leisten? Dennoch ist die Erzählung interessant. Gerne folgt man Ada von Ghana über London nach Deutschland, wo sie schließlich in Berlin landet. Zwar fühlt man sich so als habe man den Sinn nicht richtig erfasst, aber von der Story war man gefesselt und schließt den Roman in gutem Einvernehmen.

Veröffentlicht am 01.04.2024

Die andere Schwester

So wie du mich kennst
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Karla ist auf dem Rückweg von New York. Dabei hat sie die Urne ihrer Schwester Marie. Sie hat es fast bis zu ihrem Elternhaus in Nordbayern geschafft als ihr Wagen liegenbleibt. Die letzten Kilometer muss ...

Karla ist auf dem Rückweg von New York. Dabei hat sie die Urne ihrer Schwester Marie. Sie hat es fast bis zu ihrem Elternhaus in Nordbayern geschafft als ihr Wagen liegenbleibt. Die letzten Kilometer muss die zu Fuß bewältigen. Ein schwerer Weg, auch weil die Urne aus massiven Eichenholz einiges wiegt. Schwer wiegt auch die Trauer um Marie. Karlas Eltern sind wie erstarrt. Doch Karla, die in der nächstgrößeren Stadt als Lokaljournalistin arbeitet, fliegt zurück nach New York. Maries Wohnung muss aufgelöst werden und Karla will das Unbegreifliche begreifen.

Marie ist erst Anfang Dreißig als sie bei einem Unfall stirbt. Für ihre Eltern und ihre Schwester Karla ist es schrecklich. Wieder nach New York zu gehen und sich mit Maries letzten Tagen und Wochen zu beschäftigen, sich dem Verlust zu stellen. Karla findet heraus, dass sie Einiges über ihre Schwester nicht gewusst hat. Marie war als Fotografin erfolgreich. Sie hatte sich von ihrem Mann scheiden lassen. Sie führte ein nach außen selbstbewusstes Leben in der Metropole New York. Doch war tatsächlich alles easy? Karla hat jeden Tag mit Marie telefoniert. Sie wusste aber nicht alles, wie sie jetzt feststellt. Sie sieht Marie in einem neuen Licht.

Ein Familienroman über Verlust und Trauer, aber auch ein Brechen des Schweigens, einer kleinen Hoffnung. Es zerreißt Karla förmlich das Herz als sie ihre tote Schwester heimbringen muss, als sie die Spuren Maries in New York auflösen muss. Ihre Eltern sind wie erstarrt und auch Karla behält ihre Gedanken für sich. Doch sie muss feststellen, dass Marie eine andere war. Sie war nicht nur die selbstbewusste und erfolgreiche Fotografin. Sie hatte eine andere Seite. Warum hat Maire nicht gesprochen. Will Karla es ihr nachtun? Schließlich wirkt es so als ob der Leser oder die Leserin mehr weiß. Und so kann gesagt werden, so läuft es in Familien. Und es wäre schön, wenn mehr und offener geredet würde. Wenn man die eigenen Eltern oder Geschwister besser kennen würde, gäbe es mehr echtes Verständnis und nicht nur Annahmen, mit denen man richtig oder nicht richtig liegen kann.

Veröffentlicht am 31.03.2024

Der Fall Kovic

Bluttat
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Kommissar Alexander Blix’ Kollegin Kovic hat in alten Fällen eine Spur entdeckt, die auf ungesühnte Taten hindeuten. Kovic ermittelt verdeckt, weil sie nicht weiß, wer in die Sache verwickelt ist. Auch ...

Kommissar Alexander Blix’ Kollegin Kovic hat in alten Fällen eine Spur entdeckt, die auf ungesühnte Taten hindeuten. Kovic ermittelt verdeckt, weil sie nicht weiß, wer in die Sache verwickelt ist. Auch Blix ist nicht über alles informiert. Genauso wie seine anderen Kollegen ist er völlig entsetzt als Kovic in ihrer Wohnung erschossen wird. Aufgebracht versucht er, den Täter schnellstens zu finden und dingfest zu machen. Dabei unterstützt ihn die Journalistin Emma Ramm, die ihm mit ihren intelligenten Schlussfolgerungen schon häufiger geholfen hat. Im Laufe der Untersuchung kommt ein Verdächtiger ums Leben.

Im dritten Band der gemeinsamen Fälle von Alexander Blix und Emma Ramm sind es eben diese beiden, die befragt werden. Nachdem ein Verdächtiger gestorben ist, muss der Hergang geklärt werden. Wie ist es zu dem Ereignis gekommen? Was ist in den letzten vier Tagen seit Kovics Tod geschehen? Der Fall ist scheinbar gelöst, aber Blix kann nicht locker lassen solange er nicht weiß, wonach Kovic wirklich gesucht hat. Hartnäckig ermittelt er weiter, obwohl er eigentlich befangen ist. Seine Karriere als Polizist ist ihm so langsam egal. Er hat nicht mehr das Gefühl, der er sich auf überhaupt jemanden verlassen kann.

Die in der ersten Hälfte des Buches gewählte Darstellungsform ist mal etwas anders, was dem Kriminalroman eine Frische gibt und die Spannung erhöht. Allerdings muten die Autoren ihren Lesern etwas zu, was schwer zu verdauen und auch nicht so leicht zu verzeihen ist. Blix’ Position ist in Frage gestellt, obwohl er weiterhin ein gewiefter Ermittler ist. Wenn die Polizisten persönlich betroffen sind, ist es immer so eine Sache, ob einem das gefallen muss, ebenso wie es nicht immer gefällt, wenn sie zu viele Probleme haben. Blix wird in diesem Roman Einges aufgeladen, wie will er das bloß überstehen. Trotzdem ist die Handlung fesselnd. Auch wenn der Täter am Schluss möglicherweise nicht mehr völlig überrascht, ist der Krimi doch gut konstruiert und reichlich perfide, Insgesamt ein gut zu lesender Kriminalroman.

Veröffentlicht am 31.03.2024

Die große Schlacht

Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Titanenkampf
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Die ganze Stadt Chicago wird bedroht, nicht nur ihre magische Seite, sondern alle Einwohner. Magier Harry Dresden wird von Mab beauftragt, in den Kampf zu ziehen. Die Gegnerin ist fast unbesiegbar, doch ...

Die ganze Stadt Chicago wird bedroht, nicht nur ihre magische Seite, sondern alle Einwohner. Magier Harry Dresden wird von Mab beauftragt, in den Kampf zu ziehen. Die Gegnerin ist fast unbesiegbar, doch Harry soll ihr mit der Kraft des Winterritters entgegentreten. Freunde und Feinde finden zusammen, um die große Schlacht zu schlagen. Ihre Chance steht nicht besonders gut, aber sie ist da. Mal wieder stellt sich heraus, dass Harry nicht immer aufmerksam genug war. Vieles von dem, was er bisher erlebt hat, war nicht so wie gedacht. Seine Erfahrungen erweisen sich als nützlich.

Dieser siebzehnte Band der Reihe um Chicagos einzigen Magier Harry Dresden gehört eigentlich noch zum Vorgängerband, der wegen des Umfangs in zwei Teilen veröffentlicht wurde. Und deshalb beinhaltet dieser Band sehr viele Kampfbeschreibungen. Dennoch erfährt Harry einige Dinge über sich selbst und es tun sich einige offene Fragen auf. Der Gedanke, es könnte sich um das Finale der Reihe halten, ist wohl unbegründet. Zumal auch auf der website des Autors von weiteren Bänden die Rede ist. Harrys Geschichte soll weitergehen, allerdings ist auch auf Englisch noch nichts vom Erscheinen eines neuen Bandes bekannt.

Das sich üblicherweise die Geschichten um Harry Dresden meist in einen Teil mit mehr Handlung und einen mit einer Betonung auf Kampfgetümmel aufteilen, ist aus den anderen Büchern bekannt. Dieser Band ist tatsächlich in zwei Teilen erschienen. Leider verlieren beide Bücher durch die Aufteilung. Möglicherweise hätte eine Straffung und eine einbändige Ausgabe gutgetan. Die starke Betonung auf die Kämpfe machen die Lektüre etwas mühsam. Hinzu kommt, dass der Autor einen Handlungstwist verwendet, der wohl nicht jeden Leser begeistert. Natürlich kann auch das zum Plan gehören, aber das müsste dann schon ein sehr großer Plan sein. Nun gut, da Harry noch gebraucht wird, überlebt er alle Gefahren. Es bleibt zu hoffen, dass, wenn weitere Abenteuer folgen, schließlich alles zu einem guten Ende kommt.