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Veröffentlicht am 25.03.2026

Fotografin

Die weiße Nacht
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Kurz vor Weihnachten des Jahres 1946 ist das Leben in Berlin hart. Die Fotografin Lou Faber weiß manchmal nicht wie sie für sich und ihren Mitbewohner Bruno an etwas zu essen kommen soll. Eines Abends ...

Kurz vor Weihnachten des Jahres 1946 ist das Leben in Berlin hart. Die Fotografin Lou Faber weiß manchmal nicht wie sie für sich und ihren Mitbewohner Bruno an etwas zu essen kommen soll. Eines Abends findet sie die Leiche einer jungen Frau. Während sie auf die Polizei wartet, macht sie ein paar Fotos von der im Schnee liegenden Frau. Kommissar Alfred König entlässt Lou nach einem kurzen Gespräch. Der Kommissar beginnt mit den Ermittlungen, an denen Laien natürlich nicht beteiligt werden. Allerdings hat er nicht mit Lous Finesse gerechnet. Vielleicht sollten die Beiden ihre Kräfte bündeln.

In diesem ersten Band der Reihe um Kommissar König und die Fotografin Lou Faber, die im Berlin der Nachkriegsjahre ermitteln. Hier lernen sie sich kennen, wollen die Bekanntschaft jedoch eigentlich nicht vertiefen. Beide haben Erfahrungen mit dem untergegangenen Regime, die sie nicht unbedingt teilen wollen. Die Menschen in Berlin stehen immer noch unter dem Eindruck des Krieges. Sie wollen davon nichts mehr wissen, müssen sich mitunter doch ihren Taten stellen. Andere wiederum sind auf die Füsse gefallen, hin und wieder auch im öffentlichen Dienst, dessen Mitarbeiter doch unbelastet sein sollten. Lou begegnet König mit Misstrauen, gehen seine Einschränkungen auf Kriegsverletzungen zurück?

Die Autorin Anne Stern ist vielleicht bekannt durch ihre Romane über Fräulein Gold. Auch in ihrem neuen Buch hat sie sich einer geschichtsträchtigen Zeit angenommen. Die ersten Nachkriegsjahre waren durch Entbehrungen, Hunger und ein karges Leben gekennzeichnet. Dies wird eindringlich und anschaulich beschrieben. Man sollte wirklich keinen Krieg herausfordern und schon gar keinen anfangen. In diese Schilderung ist ein Fall eingebettet, der Lou Faber und Alfred König letztlich doch gemeinsam ermitteln lässt. Man bekommt einen Eindruck wie perfide das Regime handelte und möchte sich schütteln wegen der Schlechtigkeit. Das wird sehr packend vorgetragen von Julia Nachtmann. Genau solche klug aufgebauten und genau recherchierten historischen Romane liest oder hört man gerne. Auch die Gestaltung des Buchumschlags mit seiner Mischung aus Düsternis und Freude passt sehr gut in die Zeit, in der die Handlung angesiedelt ist.


Veröffentlicht am 22.03.2026

Königin in spe

Red as Royal Blood
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Im Reich Lumaria lebt die zwanzigjährige Dienstmagd Ruby. Dienstbotin zu sein, ist nicht gerade ihr Lebenstraum. Allerdings kann sie als Findelkind wohl froh sein, überhaupt vom Palast angenommen worden ...

Im Reich Lumaria lebt die zwanzigjährige Dienstmagd Ruby. Dienstbotin zu sein, ist nicht gerade ihr Lebenstraum. Allerdings kann sie als Findelkind wohl froh sein, überhaupt vom Palast angenommen worden zu sein. Immerhin hat sie einiges an Bildung genossen und ihre heimlichen Schachspiele mit Prinz Rowan sind auch eine Freude für sie. Plötzlich jedoch trifft den Palast die Nachricht, dass der König, der sehr um seinen ältesten Sohn trauerte, gestorben ist. Konnte er die Trauer nicht verwinden? Nun trauert der ganze Hof und muss die aufwühlende Kunde verdauen, dass der König mit seinem letzten Willen Ruby zu seiner Nachfolgerin bestimmt hat.

Ruby, nicht plötzlich Prinzessin, sondern gleich Königin in spe. Wer wäre da nicht überrascht, überfordert und auch entsetzt? Die junge Frau weiß nicht wie ihr geschieht. Die angestammte königliche Familie ist durch die Verfügung nicht mehr so königlich. Die Witwe des Königs, die Prinzen Asher, Rowan und Cedric und schließlich Prinzessin Belle sollen ihren Status aufgeben? Fieberhaft wird nach einer Lösung gesucht. In den Gemächern des verstorbenen Königs findet Ruby inzwischen einen Hinweis, dass der König einem Mord zum Opfer gefallen sein könnte. Wie sie es vom Schachspiel her gewohnt ist, versucht Ruby zu durchdenken, wer hier welchen Zug gemacht hat.

An der Schwelle zum Erwachsenenleben kann es schon zu einschneidenden Ereignissen kommen, aber lötzlich Thronfolgerin zu sein, ist dann doch überraschend. Die Darstellung von Ruby als kluger, freundlicher Dienstmagd, die durchaus gerne mehr möchte, die sich aber damit abgefunden hat, nicht alles erreichen zu können, ist sehr gelungen. Noch besser gefällt allerdings, wie sie die unerwartete Aufgabe annimmt, durchdenkt und ihre nächsten Schritte plant. Wie Rowan irgendwann erkannt hat, sind Dienstboten genauso intelligent wie andere und es sollte diese Trennung der Schichten überhaupt nicht geben. Und Ruby lebt diese Erkenntnis aufs Beste, sie versucht gerecht zu sein. Gleichzeitig will sie das Rätsel um den Tod des Königs lösen. Wer spinnt hier welche Intrige? Eine intelligente junge Frau kann etwas schaffen. Dieses Jugendbuch macht auch Erwachsenen Spaß.

Das Cover ist so gestaltet, dass ein genauerer Blick die Details offenbart. Dabei ist es nicht so überladen, was es positiv hervorhebt. Ein Hingucker ist der fein gestaltete Farbschnitt.

Veröffentlicht am 21.03.2026

Eli erzählt

Goldstrand
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Mit seinen um die Sechzig hat Eli schon einiges gesehen und erlebt. Gezeugt wurde er wohl in Bulgarien, wo nach der Fertigstellung der Urlaubsort Goldstrand entstehen sollte. Aufgewachsen ist Eli allerdings ...

Mit seinen um die Sechzig hat Eli schon einiges gesehen und erlebt. Gezeugt wurde er wohl in Bulgarien, wo nach der Fertigstellung der Urlaubsort Goldstrand entstehen sollte. Aufgewachsen ist Eli allerdings in Rom bei seinen Großeltern, die meinten, seine Mutter sei doch noch zu jung gewesen. Irgendwie mochten seine Großeltern ihn schon, er war ja nicht schuld, aber eine gewisse Distanz blieb. Allerdings durfte er ein Mal in der Woche zu seiner Mutter, was ihnen beiden guttat. Irgendwann lernte er seine Frau kennen und gemeinsam bekamen sie eine Tochter. Gemeinsam kümmerten sie sich um seine Großeltern und dann trennte sie sich. Und das alles und noch viel mehr erzählt Eli der Dottoressa.

Vielleicht ist es ein guter Zeitpunkt sich mit um die sechzig mal auf die Couch zu legen und einer Therapeutin von seinem Leben zu erzählen. Oder auch manches nicht, hin und wieder schweift er auch ab. Wenn die Dottoressa nachhakt, verschließt sich Eli hin und wieder. Und doch wurde Eli in eine wechselvolle und geschichtsträchtige Zeit hineingeboren. Das wirkt sich durchaus auf sein Leben auf. Ein Leben, das ihm mal ereignislos erscheint und dann wieder so actionreich und schnell vorbeirauscht, das es kaum zu glauben ist.

Von der ARDAudiothek (jetzt ARDSounds) zur Verfügung gestellt wird dieses Hörbuch, dem in der App ein sehr ansprechendes Titelbild entworfen wurde. Ob es irgendwo zum Kauf angeboten wird, war nicht feststellbar. Es wird gelesen von Harald Schrott, der mit seiner warmen Stimme durch Elis Erzählung führt.

Das Buch hat in diesem Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten. Mit Eli erzählt hier schon ein Durchschnittsmensch, dessen Leben dennoch besonders ist. Manchmal will er damit nicht so richtig herausrücken, vielleicht war auch mal etwas nicht so leicht für Eli. Und doch scheint sein Leben in einigen Momenten wie von der warmen Sonne angestrahlt, die man sich für den Goldstrand vorstellt, nachdem man geschaut hat, wo diese Urlaubslage zu verorten ist. Ein kleiner und feiner Roman.

Veröffentlicht am 18.03.2026

Ein neuer Koch

The House Witch 1
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Das Königreich Daxaria braucht einen neuen Koch. Da kommt Ein Ashowan gerade recht. Zwar weiß König Norman nicht, wen er sich da einhandelt, aber Fins Kochkünste sprechen tatsächlich für sich. Wie Fn den ...

Das Königreich Daxaria braucht einen neuen Koch. Da kommt Ein Ashowan gerade recht. Zwar weiß König Norman nicht, wen er sich da einhandelt, aber Fins Kochkünste sprechen tatsächlich für sich. Wie Fn den gesamten Haushalt des Königs bekochen soll, ist kaum vorstellbar. Jedoch akzeptiert Fin zunächst nur wenige Gehilfen. Als seine Küchenhilfe Hannah von den Rittern, die sich in seiner Küche rumtreiben, belästigt wird, unternimmt Fin einiges, um ihr zu helfen. Das führt dazu, dass die Ritter ihr unbotmäßiges Verhalten schließlich als unterste Küchenhilfen büßen müssen. Schnell nimmt Fin Einfluss in die Strukturen des Hofes. Er versucht, sein Haus, seine Küche warm und sicher zu gestalten.

Bei diesem Roman handelt es sich um den ersten Band einer mehrteiligen Reihe. Von einer Haushexe hat man vielleicht noch nicht gehört. Und hier erfährt man, dass es sowohl männliche als auch weibliche Hexen gibt. In seiner Kindheit hatte es Fin einfach und schwer zugleich. Seine Mutter hat sich liebevoll gekümmert. Sein Vater hat ihn allerdings nicht anerkannt und er hat die Familie früh verlassen. Als Hexe war Fin ein Außenseiter. Trotzdem ist er ein begnadeter Koch und seine neue Küche ist der Mittelpunkt seiner kleinen Welt. Er beschützt seine Gehilfen, er freundet sich mit dem siebenjährigen Sohn des Königs an, er hilft dem König und der Königin. Ja, er will, dass es allen gutgeht, dass sie sicher sind.

Wenn man zwar schon Cozy Crime aber noch nicht Cozy Fantasy gelesen hat, dann kann man es mit diesem Roman super ausprobieren. Man fühlt sich beim Lesen so richtig schön hyggelig umarmt. Fin Ashowan ist kein Held im üblichen Sinne. Er will aber das Beste für die Menschen in seinem Kreis und er beschützt sie und das gemeinsame Heim. Dass er dabei manchmal ein wenig direkt agiert, ist ausgesprochen unterhaltsam. Seine vermeintlichen Unzulänglichkeiten schätzt er selbst als gravierender ein als sie möglicherweise sind. Und mit seiner im Ganzen sehr liebenswerten Art gewinnt er sein Umfeld für sich, was sich in besonderen Momenten auch auszahlt. In der manchmal dunkeln Welt freut man sich richtig über Bücher in dieser Art, die ein warmes Gefühl hinterlassen.

Das Cover verdient einen genaueren Blick. Es gibt einige Details zu entdecken, die man im Buch wiederfindet. Gespannt darf man wahrscheinlich auch sein, dieses Buch im Laden in der Hand zu halten und sie sehen, welche Überraschungen das Design noch bereithält.

Veröffentlicht am 17.03.2026

Limoncello

39 Grad Mord
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Die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix hat einen richtig guten Roman geschrieben. Davon will aber niemand etwas wissen, auch nicht die Leser. Alle, besonders auch ihr Lektor Bastian, warten auf den ...

Die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix hat einen richtig guten Roman geschrieben. Davon will aber niemand etwas wissen, auch nicht die Leser. Alle, besonders auch ihr Lektor Bastian, warten auf den zweiten Krimi. Der steckt allerdings nicht in ihrer Feder. Hannah gerät langsam in Verzweiflung und in Geldnot. Da drängt ihr Bastian einen Aufenthalt auf Sizilien auf. Dort kann sie in einer kleinen Villa mit Meerblick einige Zeit verbringen, um endlich mit dem Krimi anzufangen. Nun mit dem Krimi will es erstmal nichts werden. Dafür lernt Hannah ein Ehepaar aus Dänemark kennen, dass sie in ihrer größeren Villa übernachten lässt. Am nächsten Morgen ist die Frau Greta tot und Hannah in einen echten Mord verwickelt.

Zum zweiten Mal landet Hannah Krause-Bendix auf einer Insel, um mit einem Roman voranzukommen, den es noch nicht gibt. Hannah sucht jede Ablenkung, damit sie nicht mit dem Schreiben beginnen muss. Mit einem Glas Wein in den Sonnenuntergang zu blicken ist doch viel schöner als auf einen leeren Bildschirm zu starren. Und dann dieser Mord, den Hannah zum Glück verschlafen hat. Dennoch ist es schrecklich, die Tote aus nächster Nähe zu sehen. Die Situation ist unklar, was dazu führt, dass sogar Hannah unter Verdacht gerät. Bald wird jedoch Hans, der Ehemann der Verstorbenen festgenommen.

Auf diesen Kriminalroman hat man sich gefreut, denn der erste Roman um die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix als unfreiwillige Krimiautorin war richtig witzig. Doch kann das Konzept ein zweites Mal funktionieren? Nicht ganz so wie erhofft, denn dieser Band ist irgendwie ein normaler Krimi, bei dem eine Hobbydetektivin in einen Mordfall gerät und selbst anfängt, Nachforschungen anzustellen, weil ihr die Ermittlungen der Polizei zu einseitig erscheinen. Dabei jagt sie den Spuren nach landet so manchen Zufallstreffer. Es wirkt so als werden die Verdächtigen abgearbeitet bis nur noch etwas übrig bleibt, dass sich eher am Anfang aufgedrängt hätte, am Schluss aber eher kurios wirkt. Immerhin könnte man sich nach der Lektüre gut vorstellen, einmal auf Sizilien Urlaub zu machen. Und auch Hannas Liebesleben scheint sich zu entwickeln.

Die warmen Farben des Covers lassen einen beinahe die Sommerhitze führen und gleichzeitig denkt man an die Villa mit Meerblick, die abends vielleicht in ähnlichen Farben erstrahlt.