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Veröffentlicht am 25.04.2021

Papierflieger

Schwarzwälder Morde
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Das Wetter ist schön und die Bürger von Wildbad haben etwas Besseres zu tun als ihre Polizei zu beschäftigen. So kommt es, dass ein Papierflieger durch das Fenster der Wache entflieht. Zum Glück können ...

Das Wetter ist schön und die Bürger von Wildbad haben etwas Besseres zu tun als ihre Polizei zu beschäftigen. So kommt es, dass ein Papierflieger durch das Fenster der Wache entflieht. Zum Glück können die Kommissare ihre Anzeige retten. Bald wird die Ruhe gestört, denn einem Böblinger Anwalt sind die Reifen seines Sport SUV zerstochen worden. Es ist bekannt, dass Streitigkeiten zwischen ihm und dem örtlichen Schnapsbrenner bestehen. Kein Wunder, dass die ersten Ermittlungen zur Brennerei mit den neuen Verkostungsräumen führen. Willi Hauck streitet jedoch jede Beteiligung an der Tat ab, die für ihn kaum mehr als ein Bubenstreich ist.

In seinem zweiten Fall ermittelt der Schwarzwaldbulle Justin Schmälzle, dessen leibliche Mutter aus Haiti stammt, gekonnt. Mit dem Dialekt der Ortsansässigen tut er sich noch schwer, aber manchmal kann er seinen Kollegen und Postenleiter Scholz mit seinen Sprachkenntnissen überraschen. Ja, Schmälzle wird sich einleben. Schließlich muss auch noch der erworbene Bungalow renoviert um nicht zu sagen saniert werden. Eine Aufgabe, die sich gut aufschieben lässt, die Arbeit geht schließlich vor. Wie allerdings sind die beiden Kontrahenten aneinander geraten? Sowohl die geplante Ferienanlage als auch der neue Brennereianbau könnten zur Touristenattraktion werden. Wären da nur nicht die Grundstücksgrenzen, die sich nicht an die Vorstellungen der Eigentümer halten.

Auf spannende Weise werden hier Vergangenheit und Gegenwart verwoben. Schmälzle setzt seinen Ehrgeiz daran eine alte Sache aufzuklären, ohne zu ahnen wie sehr das in den neuen Fall hineinspielt. Als Leser ist man gepackt und neugierig auf die Entdeckungen, die einem bevorstehen. Wenn die Charaktere der Ermittler noch etwas klarer herausgearbeitet sein könnten, so erfährt man doch genug, dass einem beide Kommissare auf andere Art sympathisch werden. Auch wird durch einige Andeutungen das Interesse an einem möglichen nächsten Fall geweckt. Doch zunächst bleibt man gefesselt von dieser Handlung und genießt das Drumherum des Schwarzwalds, welches sicher mal zu einer Reise einladen könnte.

Veröffentlicht am 24.04.2021

Dsa Geschenk

Mord frei Haus
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Daphne und ihr Mann Francis wollen den Morgen bei einem Sonnenaufgang an Land’s End genießen. Doch die Freude und Ruhe währen nicht lange. Zunächst stößt der Vogelbeobachter Eddie zu ihnen, der sich an ...

Daphne und ihr Mann Francis wollen den Morgen bei einem Sonnenaufgang an Land’s End genießen. Doch die Freude und Ruhe währen nicht lange. Zunächst stößt der Vogelbeobachter Eddie zu ihnen, der sich an dem Picknick gütlich tut. Und dann ruft Daphnes Cousine Annabelle an. Vor ihrer Haustür liegt die Leiche des ungeliebten Nachbarn, der Annabelle und nicht nur ihr das Leben schon seit längerem schwer gemacht hat. Selbstverständlich eilt Daphne sofort zurück nach Fowey, um ihrer Cousine beizustehen. Francis nimmt wieder daheim einen Termin bei Lady Wickelton, um mit ihr über das Hafenmuseum zu sprechen, das möglicherweise in ihrem Landsitz errichtet werden soll.

Bereits zum dritten Mal trägt Daphne Primrose, die ihren Namen der zu Lebzeiten in der Nähe ansässigen Daphne du Maurier verdankt, nicht nur Post aus. Diesmal ist es ihre Cousine Annabelle, die zwar unverschuldet, aber doch logischerweise unter Verdacht gerät und vor der Verhaftung bewahrt werden muss. Und das obwohl DCI Vincent ihr verbietet rumzuschnüffeln. Als ob Daphne eine Aufforderung gebraucht hätte. Selbstverständlich wird sie herausfinden, wie der Tote in Annabelles Garten gelandet ist und das noch als Geschenk verschnürt. Leider hätte Annabelle, die von dem Nachbarn wirklich drangsaliert wurde, damit ein Motiv gehabt.

Die Cornwall-Krimi Reihe von Thomas Chatwin lädt immer zu unterhaltsamen Lesestunden ein. Natürlich hat man die Bilder vor Augen, die man aus TV-Filmen kennt und vielleicht ist man im Geiste auch schon dabei, die Rollen zu besetzen. Schlägt man das Buch auf, ist es schon ein wenig wie nach hause kommen. Daphne ist eine gewitzte Detektivin, die sich als Postbotin natürlich bestens in Fowey auskennt. Im Gegensatz dazu liegt DCI Vincent mit seinen Einschätzungen manchmal oder auch häufiger mal falsch. Diesmal ist der Fall für Daphne nicht so ganz einfach, weil es sie doch auch persönlich betrifft. Jedenfalls ist es regelmäßig ein Vergnügen Daphne und ihren Freunden literarisch zu begegnen, mehr über Cornwall zu erfahren und wenigstens gedanklich in die Ferne zu schweifen.

Veröffentlicht am 23.04.2021

Trauerjahr

Der Moment zwischen den Zeiten
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Seit einigen Jahren sind Paula und Mauro verheiratet. Paula ist glücklich in der Ehe und auch mit ihrer Arbeit als Ärztin auf der Frühchenstation. Eines Mittags treffen sich die Beiden zum Essen und Mauro ...

Seit einigen Jahren sind Paula und Mauro verheiratet. Paula ist glücklich in der Ehe und auch mit ihrer Arbeit als Ärztin auf der Frühchenstation. Eines Mittags treffen sich die Beiden zum Essen und Mauro sagt, er wolle sich trennen. Paula fällt aus allen Wolken. Kurz darauf kommt Mauro bei einem Unfall ums Leben. Wie soll Paula nun weiterleben? Wie soll sie trauern, wo sie doch eigentlich getrennt war? Und wer ist die andere? Kann sie sich überhaupt jemals wieder öffnen? Eine Stütze ist Paula ihre Arbeit mit den Frühgeborenen. Auch hier ist es nicht immer einfach, aber wenn es eines der Kleinen schafft, ist es einfach das Beste.

Zwei Schicksalsschläge so kurz nacheinander sind nicht leicht zu verarbeiten. Wie kommt Paula damit klar? Vielleicht sucht sie nach der anderen, vielleicht streift sie durch die Wohnung, erinnert sich. Oder sie stürzt sich in die Arbeit. Vielleicht findet sie Halt bei ihrer Familie oder der von Mauro. Vielleicht bietet sich ein Abenteuer eine Ablenkung. Möglichkeiten gibt es genug. Manchmal kann sie der Schwere einfach nicht entfliehen. Sie ist traurig und verletzt und sieht natürlich anfangs kein Licht am Ende des Tunnels.

Nach der Beschreibung hofft man auf einen ansprechenden Roman, in dem es um die Bewältigung der beiden Schicksalsschläge geht. Man denkt vielleicht, es wird mehr zu den Gründen für die Trennung geben. Oder Mauro hätte noch etwas zu verbergen gehabt. Irgendwie war ein Wunsch da, Paula möge aktiver sein. Aber irgendwie trauert sie als hätte die Trennung keine Bedeutung. Und damit geht möglicherweise die Idee oder der Ansatz des Buches verloren. Wenn man einfach über eine trauernde Frau hätte lesen oder wie hier hören wollen, hätte man jedes Buch über eine trauernde lesen können. Fesselnd wäre gewesen zu erfahren, inwieweit die vorherige plötzliche Trennung einen Unterschied macht. Man kommt zu dem Schluss, in diesem Fall gar keinen. Zum Glück kann man Hörbücher auch beim Spazieren hören, so dass die Zeit gut verbracht ist.

Veröffentlicht am 21.04.2021

Ein guter Mensch

Der Junge, der das Universum verschlang
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Im Jahr 1983 führt Eli Bell nicht gerade das Leben eines gewöhnlichen Jungen. Bei seinem Babysitter und besten Freund handelt es sich um einen ehemaligen Sträfling, der mehrfach ausgebrochen ist. Beim ...

Im Jahr 1983 führt Eli Bell nicht gerade das Leben eines gewöhnlichen Jungen. Bei seinem Babysitter und besten Freund handelt es sich um einen ehemaligen Sträfling, der mehrfach ausgebrochen ist. Beim letzten Mal hat Slim das Gefängnis allerdings durch die Tür verlassen. Gus, Elis älterer Bruder, spricht nicht mehr, er malt Worte in die Luft und Eli ist einer der Wenigen, die es lesen können. Und Elis Mutter und sein Stiefvater dealen mit Drogen. Dennoch haben Eli und Gus eine Kindheit, denn ihr Stiefvater behandelt sie relativ gut. Doch als Lyle beginnt, auf eigene Faust zu arbeiten, gerät die vermeintlich heile Kinderwelt aus den Fugen.

Die Kindheit und Jugend zweier außergewöhnlicher Brüder in Australien. Die Jungen müssen einiges ertragen und sie bleiben dabei Jungs. Da ihr Leben eben so ist, finden sie nichts so besonderes daran, dass ihr Stiefvater mit Drogen handelt. Eher wollen sie mitmischen. Allerdings strebt besonders Eli nach einer normalen Zukunft. Sein Traum ist es, Journalist zu werden. Doch erstmal geht er der Frage nach, was es heißt, ein guter Mensch zu sein. Sein großes Vorbild ist dabei Slim, dessen Worte immer in Elis Gedanken sind.

Es könnte beinahe schon eine Phase sein, der ungewöhnlichen Familienromane, die man in letzter Zeit gelesen hat. Doch dieser Roman ist so speziell, dass er eine Alleinstellung beansprucht. Zum einen, weil die Geschichte von Slim Halliday einen realen Hintergrund hat und zum anderen, weil die Kindheit von Gus und Eli einen viel darüber nachdenken lässt, was Kinder alles aushalten können und wie sie zu einer glücklicheren Zukunft finden. Was heißt es, ein guter Mensch zu sein oder auch ein böser? Kann man sich ändern? Kann man vom Weg, der vorgegeben scheint, abbiegen? Diese beiden Jungen entwickeln eine unglaubliche Kraft, die auch ein wenig auf den Leser abstrahlt. Die Suche nach dem Guten ist eingebettet in eine spannende Story um Drogen und das Verschwinden von Lyle, die zu einem Finale führt, mit dem man nie rechnen würde.

Veröffentlicht am 20.04.2021

Die Ungewollten

Die Toten vom Gare d’Austerlitz
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Im Juli 1940 wird Paris von den Deutschen besetzt. Zuvor war der Krieg noch nicht ganz so nah, doch nun muss man bei jedem Schritt Obacht geben. Der noch vom ersten Weltkrieg gezeichnete Polizist Édouard ...

Im Juli 1940 wird Paris von den Deutschen besetzt. Zuvor war der Krieg noch nicht ganz so nah, doch nun muss man bei jedem Schritt Obacht geben. Der noch vom ersten Weltkrieg gezeichnete Polizist Édouard Giral wird zum Gare d’Austerlitz gerufen. Vier Männer sind dort tot aufgefunden worden. Kaum hat er mit den Ermittlungen begonnen tauchen auch schon die ersten Deutschen auf, unter ihnen der Major Hochstetter, der in Giral eine Art Verbindungsoffizier sehen möchte. Doch nicht nur Hochstetter, auch die Wehrmacht, die Gestapo und eine geheime Feldpolizei stecken ihre Nasen in den Fall.

Giral ist schon seit langen Jahren bei der Polizei und immer war es ihm ein Anliegen, Täter zu finden, damit Opfern Gerechtigkeit widerfahren kann. Und so geht er auch hier mit vollem Einsatz an die Untersuchung. Er will wissen, wieso die vier Männer sterben mussten. Und während der Suche nach der Wahrheit geht er seinen eigenen Weg. Dass er sich mit den Besatzern auseinandersetzen muss, stört ihn schon sehr. Angenehmer ist der Kontakt mit Mitgliedern des Widerstands, doch Giral ist nicht sicher, ob er da jedem trauen kann. Und Giral ist auch einer, der mitunter an sich selbst zweifelt.

In diesem interessanten historischen Kriminalroman wird ein Kriminalfall beschrieben, der unter der deutschen Besatzung gelöst werden muss. Der französische Ermittler Giral will sich selbst treu bleiben und wird doch verpflichtet mit den verhassten Feinden irgendwie zu kooperieren. Unklar bleibt lange, wer da welche Ziele verfolgt und wer wem wieso in die Parade fährt. Der eigentliche Fall geht vor den verzwickten halbpolitischen Verwicklungen etwas in den Hintergrund. Doch mit großen Interesse verfolgt man die Spannungen und Intrigen, die vor allem zwischen den deutschen Diensten herrschen. Eddie Giral ist von früheren Erlebnissen, über die teilweise in Rückblenden berichtet wird, gezeichnet. Auch wenn seine Handlungen nicht immer leicht nachzuvollziehen sind, ist er doch ein sehr gewissenhafter und ehrenvoller Polizist, dem seine Familie ausgesprochen wichtig ist. Mal wieder ein Kriminalroman vor historischem Hintergrund, der gleichzeitig lehrreich und fesselnd ist.