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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2025

Eine Sprache der schillernden Opaleszenz

Der Menschensohn
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Jean-Baptiste Del Amo ist ein preisgekrönter französischer Autor auf der Suche nach dem Essentiellen. Das spürt man schon im ersten Abschnitt, kursiv gehalten und besonders beeindruckend.
Die herausragende ...

Jean-Baptiste Del Amo ist ein preisgekrönter französischer Autor auf der Suche nach dem Essentiellen. Das spürt man schon im ersten Abschnitt, kursiv gehalten und besonders beeindruckend.
Die herausragende Sprache prägt das Buch. Es ist anspruchsvolle Literatur, doch die Sprache nimmt den Leser schnell gefangen.
Erst dann setzt die eigentliche Romanhandlung ein.
Ein Mann war 6 Jahre verschwunden und taucht plötzlich bei Frau und dem 9jährigen Sohn wieder auf. Der ist geschockt, dass der Vater wieder da ist und einfach so seinen Platz wieder einnehmen will. Der Mann nimmt die beiden mit in eine abgelegene Gegend in den Bergen. Der Versuch eines Neuanfangs, doch schließlich kippt die Stimmung um. Eine bedrohliche Atmosphäre durchzieht den Roman.
Alle 3 Figuren sind übrigens namenlos. Das macht das ganze abstrakt.
Die Übersetzung erfolgt aus dem Französischen von Karin Uttendörfer und mein Eindruck ist, auch das eine große Leistung.

Veröffentlicht am 28.02.2025

Die weiße Hirschkuh

Hier draußen
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Dieses Romandebüt ist für den LitCologne-Debütpreis nominiert. Da ist man als Leser besonders gespannt.
Ein Paar, Lara und Ingo, ziehen mit ihren Kindern aufs Land.
Schon zu Beginn gibt es einen Zwischenfall ...

Dieses Romandebüt ist für den LitCologne-Debütpreis nominiert. Da ist man als Leser besonders gespannt.
Ein Paar, Lara und Ingo, ziehen mit ihren Kindern aufs Land.
Schon zu Beginn gibt es einen Zwischenfall mit einem Wildunfall, eine weiße Hirschkuh. Das bringt Unglück.
Eine Rolle spielen auch die Nachbarn: die Bauern Uwe Hennemann und Enno Wirtz, Tove, Söhnke, Jutta und Armin. Es gibt also viel Romanpersonal.
Das Buch ist sehr von seinem Schauplatz in Schleswig-Hosleing geprägt. Das Norddeutsche Naturell steht im Vordergrund. Dabei verzichtet die Autorin auf übliche Klischees. Sie schildert realistsich und glaubwürdig und vermittelt auch das Lebensgefühl aller Figuren ganz gut.
Kritisch muss ich aber sagen, dass mich die Figuren teilweise nicht so richtig erreichen. Das liegt daran, dass sie weit weniger komplex angelegt sind als zum Beispiel die Figuren aus den vergleichbaren Romanen von Reinhard Kaiser-Mühlecker.
Davon abgesehen liest sich Hier draußen flott und gut!

Veröffentlicht am 27.02.2025

Marie

Chopin in Kentucky
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Chopin in Kentucky ist ein kleiner, amüsanter Roman, der durch die umwerfende 10jährige Icherzählerin Marie getragen wird. Ein quirliges, phantasiebegabtes Mädchen, dass ausgerechnet Chopin als unsichtbaren ...

Chopin in Kentucky ist ein kleiner, amüsanter Roman, der durch die umwerfende 10jährige Icherzählerin Marie getragen wird. Ein quirliges, phantasiebegabtes Mädchen, dass ausgerechnet Chopin als unsichtbaren Freund hat und mit ihm schlagfertige Dialoge austauscht.
Das Buch spielt 1977 und das prägt das Buch mit.
Marie ist lebhaft, leidet aber durch de Gewalttätigkeit des cholerischen Vaters. Dennoch kann sie sich furchtlos ein Stück weit befreien und beginnt sogar mit Ballett, während ihre beste Freundin Misty eine Elvis-Imitatorin wird. Die Handlung streckt sich über ca. 4 Jahre. Wie sich Marie weiterentwickelt, ist interessant zu lesen.

Elizabeth Heichelbech legt Tempo vor und entwickelt viel Wortwitz.
Eine vielversprechende Autorin, die ich gerne wieder lesen würde.

Veröffentlicht am 27.02.2025

Eine zerbrechliche Gemeinschaft

Hier. Dort. Fort
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Angelika Waldi ist eine erfahrene Schweizer Autorin mit einem ganz eigenen, eigenwilligen Stil, an den man sich erst gewöhnen muss. Es sind kurze Sätze, prägnant. Die Perspektiven wechseln. Am wichtigsten ...

Angelika Waldi ist eine erfahrene Schweizer Autorin mit einem ganz eigenen, eigenwilligen Stil, an den man sich erst gewöhnen muss. Es sind kurze Sätze, prägnant. Die Perspektiven wechseln. Am wichtigsten sind Mina und ihr Mann Rick sowie die Jugendliche Effi, die schließlich aufeinandertreffen. Denn Mon ist bereit die elternlose und orientierungslose Effi bei sich aufzunehmen. Und dann ist da noch Tom, in den Effi sich verliebt. Wie es mit dieser zerbrechlich wirkenden Gemeinschaft weitergeht, sei hier noch nicht verraten. Es ist ein interessantes Buch.

Veröffentlicht am 27.02.2025

Der Familiengeschichte auf der Spur

Unentdeckt
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Gabriela Wiener vereint mehrere Themen in ihrem ungewöhnlichen, autofiktionalen Buch.
Zum einen ist es die Geschichte ihres Vaters, der lange Jahre eine Geliebte hatte, mit der auch ein Kind und der gerade ...

Gabriela Wiener vereint mehrere Themen in ihrem ungewöhnlichen, autofiktionalen Buch.
Zum einen ist es die Geschichte ihres Vaters, der lange Jahre eine Geliebte hatte, mit der auch ein Kind und der gerade gestorben ist.
Zudem spürt Wiener der Geschichte ihres Urgroßvaters, Charles Wiener nach.
Und zuletzt ist es auch ihre Geschichte zwischen Peru und Spanien, z.B. wie sie schon als Kind Rassismus erlebte oder wie sie in Madrid in einer Dreierbeziehung Freiheit empfand.

Einiges an dem Buch fand ich interessant, stilistisch blieb ich etwas skeptisch. Manches erreichte mich, anderes weniger. Insgesamt ist es aber eine gute Arbeit.

Das Buch war auf der Longlist des Booker Awards und hatte viel Aufmerksamkeit bekommen.