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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2021

Mahnend und drastisch

2,5 Grad - Morgen stirbt die Welt
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Vielleicht nicht morgen, aber unser Planet bekommt durch uns Menschen auf jeden Fall ernste Probleme. Unter den meisten ist es unbestritten, dass etwas passieren wird und dass wir einiges ändern müssen.

Mit ...

Vielleicht nicht morgen, aber unser Planet bekommt durch uns Menschen auf jeden Fall ernste Probleme. Unter den meisten ist es unbestritten, dass etwas passieren wird und dass wir einiges ändern müssen.

Mit “2,5 Grad - Morgen stirbt die Welt” gibt es einen weiteren Roman/Thriller der diese Thematik aufgreift. Mittels einer fiktiven, teils sehr drastischen Geschichte rund um eine junge Frau, die beschließt, die Untätigkeit der Obersten nicht länger hinzunehmen.

Die Handlung spielt in näherer Zukunft, Extremwetterereignisse passieren quasi monatlich und viele Städte an Deutschlands Küsten sind regelmäßig überschwemmt, in Asien wurden Mauern gegen den steigenden Meeresspiegel gebaut, und diverse Inseln gibt es nicht mehr. Alles Science Fiction?

Möglich. Aber das Buch zeigt auch, dass radikale Kräfte in solchen Krisen Nährboden finden, dass die Politik hilflos ist, teilweise auch aufgrund des Mehrheitsprinzips, und dass die Reichen letztendlich aufgeben und nur mehr ihren Hintern retten wollen.

Viele Elemente dieser Geschichte kommen uns frappierend vertraut vor. Auch die Verzweiflung, die Menschen wie hier Leela (gesprochen Lila) Faber innerhalb von nur zwei ereignisreichen Wochen zu schier unfassbaren Taten zwingt.

Noch sind solche Bücher unterhaltsam, wenn auch mahnend. Tun wir alles dafür, dass das so bleibt.

Noah Richter ist ein Pseudonym von Uwe Wilhelm.

Veröffentlicht am 23.01.2021

Sind wir laut, wird sie schwach

Das dunkle Dorf
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Ländlich, brummelig aber keineswegs eigenbrötlerisch oder auf den Kopf gefallen ist der sympathische Commissario Johann Grauner. Als er mit seinem kleinen Team einen Mord im Grödnertal aufklären soll, ...

Ländlich, brummelig aber keineswegs eigenbrötlerisch oder auf den Kopf gefallen ist der sympathische Commissario Johann Grauner. Als er mit seinem kleinen Team einen Mord im Grödnertal aufklären soll, stolpert er direkt in eine viel größere Sache.

Steht das Verbrechen im Zusammenhang mit Südtiroler Drogengeschäften? Wer steht hinter diesen Machenschaften? Grauner ist zu Beginn ratlos, scheint doch einiges auf Mafia-Beteiligung hinzudeuten. Ins beschauliche Südtirol scheint das nicht zu passen, in sein Weltbild erst recht nicht.

Doch als sein Ispettore Claudio Saltapepe, gebürtig aus dem italienischen Süden, von seiner Vergangenheit eingeholt wird, ist Grauner nicht mehr so sicher. Er entdeckt zudem geheime Absprachen innerhalb seiner eigenen Behörde und beschließt, dem Ganzen auf den Grund zu gehen. Und als wäre das nicht genug, macht er sich auch noch Sorgen um seine rebellische Tochter Sara.

297 vollgepackte Seiten mit Spannung, Freundschaft und Familie lassen keine Langeweile und keine unnötigen Längen aufkommen. Krimit von Lenz Koppelstätter sind ein wenig wie Grauner selbst: ehrlich, geradlinig, durchdacht und manchmal mahnend (siehe Seite 4). Eine Portion Humor und Lokalkolorit runden die Sache ab.

“Das dunkle Dorf” ist bereits Band 6 der Reihe um Grauner, nach “Der Tote am Gletscher”, “Die Stille der Lärchen”, “Nachts am Brenner”, “Das Tal im Nebel” und “Das Leuchten über dem Gipfel”.

Veröffentlicht am 16.01.2021

Brandaktuell und fantastisch

Der neunte Arm des Oktopus
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“Fantastisch” wird heutzutage gerne nur als “großartig” verwendet, hat aber im Wortstamm die wichtigere Bedeutung: die der Wunschbilder und Illusionen.

Auf “Der neunte Arm des Oktopus” trifft für mich ...

“Fantastisch” wird heutzutage gerne nur als “großartig” verwendet, hat aber im Wortstamm die wichtigere Bedeutung: die der Wunschbilder und Illusionen.

Auf “Der neunte Arm des Oktopus” trifft für mich mehr zweiteres als ersteres zu. Der Thriller ist gut gemacht, unterhält und hat viele authentische Details. Er ist gut recherchiert, Dirk Rossmann und seine Helfer haben viel Arbeit reingesteckt.

Der Autor versucht aber auch, einen möglichen (baldigen) Ausweg aus der Klimakrise zu finden, der natürlich an politischen Allianzen nicht vorbei kann und Gegner auf den Plan ruft. Das liest sich alles gut, aber für mich zu fantastisch, zu unwahrscheinlich, dass wir das so schaffen werden. Ad hoc habe ich auch nicht “die” Lösung, aber ich vermute, dass es - sollte es doch noch gelingen, anders passieren wird.

Aber zurück zum Buch: Am Beispiel Einzelner führt der Autor uns in größeren und kleineren Schritten vom Jahr 2018 bis 2100. Gleichzeitig gibt es noch biologische Exkurse zum Oktopus und seiner Rolle in dieser Geschichte.

Kann die Wende tatsächlich gelingen, können die Menschen die Erde “retten”? “Der neunte Arm des Oktopus” ist kurzweilig und spannend, gleichzeitig regen einzelne Details und (bei allem Fantasmus) Fakten zum Nachdenken an. Reicht es, zu hoffen, dass “wir” es schaffen? Was kann ich als Einzelner tun? Nachhaltige Gedanken zwischen zwei Buchdeckeln.

Veröffentlicht am 05.01.2021

Viele Namen, viele Handlungsstränge

Tod eines Eisfischers
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Nordische Kälte und gleichzeitig weihnachtliche Gemütlichkeit strahlt dieser Krimi aus. Da sich die Handlung auf mehrere Orte erstreckt, ist es kein reiner “Schweden-Krimi”, aber der Großteil spielt auf ...

Nordische Kälte und gleichzeitig weihnachtliche Gemütlichkeit strahlt dieser Krimi aus. Da sich die Handlung auf mehrere Orte erstreckt, ist es kein reiner “Schweden-Krimi”, aber der Großteil spielt auf Smögen, einer kleinen schwedischen Insel in der Nordsee.

Normalerweise passiert hier nicht viel und auf der zuständigen Polizeistation Kungshamn geht es eher beschaulich zu. Vorbereitungen für das Luciafest und baldige Urlaubsfahrten laufen. Doch dann legt ein Schiff an und bringt einen Toten an die Küste.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist für “südlichere” Leser, dass die meisten der Charaktere kaum je mit vollem Namen genannt werden, man liest insbesondere von Dennis und Sandra (die Ermittler) und vielen weiteren Personen aus dem Dorf, sowie ihren Bekannten und Familienmitgliedern. Das ist lange Zeit etwas unübersichtlich gestaltet, vor allem da es viele Nebenschauplätze gibt.

Zwischendurch sind noch Rückblicke eingelagert, von denen man zuerst nicht weiß wie sie in die Geschichte hineinpassen. Also sollte man darauf gefasst sein, sich manches Mal zu fragen “Wer was das nun?”.

Andere Personen hingegen wie der Kapitän kommen fast nur mit Nachname vor und wieder andere immer schön übersichtlich mit vollem Namen (wie das Opfer). Das klassische “du” zwischen sich nicht näher bekannten Personen wurde aber nicht in die deutsche Übersetzung übernommen, das “Sie” wird wie für uns üblich angewendet.

“Tod eines Eisfischers” ist Band 2 einer Reihe, es gibt auch hin und wieder Anspielungen auf Ereignisse aus dem Sommer vor diesem harten Winter der die Handlung hier prägt. Aber das stört nicht besonders. Störender empfand ich dafür dass durch die kleinen Nebenhandlungen der Dorfbewohner viel von der Krimigeschichte abgelenkt wird, diese blähen das Buch auf aber wären auf weniger Seiten auch erzählt gewesen. Aber vielleicht fehlte mir da auch das Vorgängerbuch um da alles gut zu durchblicken.

Veröffentlicht am 28.12.2020

Eine Stimme für Kinder ohne Heim

Die Schweigende
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Anhand einer fiktiven Hauptperson und ihrer Familie spricht Ellen Sandberg hier in ihrem Roman (wie auch in den Vorgängern) wieder ein ernstes, wichtiges Thema an. Nachdem der Zweite Weltkrieg schon länger ...

Anhand einer fiktiven Hauptperson und ihrer Familie spricht Ellen Sandberg hier in ihrem Roman (wie auch in den Vorgängern) wieder ein ernstes, wichtiges Thema an. Nachdem der Zweite Weltkrieg schon länger vorbei war, wurde vielen Kindern in Deutschland dennoch das Leben, zumindest aber ihre Jugend richtiggehend versaut.

Und das im Namen der katholischen Kirche in bestimmten Heimen. Auf die Umstände wurde erst viel später hingewiesen und die betreffenden Institute geschlossen. Wie lange Betroffene damit zu kämpfen hatten und haben, ist schwer vorstellbar. Einen kleinen Einblick gibt die Autorin in “Die Schweigende”.

Über welche Geheimnisse in ihrer Familie lange geschwiegen wurde, erfährt Imke Remy eher durch Zufall und da sie neugierig ist, forscht sie nach. Die beiden Bücher, die sie zum Thema Kinderheime liest, sind ebenfalls fiktiv, aber Ähnliches findet man online auf jeden Fall.

Die Geschichte um Imke wird ergänzt durch Rückblicke, die erschreckend authentisch wirken. Ein wenig viel Raum nehmen aktuelle Streitereien zwischen Familienmitgliedern ein, da steigern sich die Charaktere schon stark hinein und das wirkt etwas zu überzeichnet.

Alles in allem ein wichtiges Thema spannend und eindringlich umgesetzt, ein Roman mit Krimi-Elementen und einem Cameo-Auftritt einer aus anderen Büchern bekannten Ermittlerin.