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Veröffentlicht am 10.09.2018

Die dritte Generation

Die letzte Terroristin
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Wer den etwas raueren Erzählton zu Beginn nicht so mag, keine Angst: er setzt sich nicht in dieser Art fort. Ganz im Gegenteil: der spezielle Stil tritt zugunsten von wunderbaren Stimmungsbildern und Beschreibungen ...

Wer den etwas raueren Erzählton zu Beginn nicht so mag, keine Angst: er setzt sich nicht in dieser Art fort. Ganz im Gegenteil: der spezielle Stil tritt zugunsten von wunderbaren Stimmungsbildern und Beschreibungen von Umgebung und Personen etwas zurück. Vermutlich wollte man die Leseprobe hier etwas schärfen.

Der Autor kombiniert hier meisterhaft Deutschlands reale Ereignisse und Charaktere aus der Zeit nach der Wende mit fiktiven Elementen. Er verändert die Namen bekannter Persönlichkeiten, jedoch wenig am geschichtlichen Ablauf. Daher der Tipp: erst nach dem Ende des Buches genauer recherchieren, was nun exakt wann und wo passiert ist, sonst könnte man sich Teile des Thriller vorwegnehmen.

Dies allerdings sei wärmstens empfohlen. Es unterhält auch nach dem Ende des Romans gut, nachzulesen und selbst festzustellen, welche Figur im Buch nun welche reale Person darstellt. Manche sind sehr einfach zu finden, bei manchen ist es schwieriger. Teilweise hat Georgi - und das darf die Fiktion natürlich - auch mehrere Biografien in einem Charakter verarbeitet. So liest sich alles sehr realistisch (weil jeder Teil so oder sehr ähnlich passiert ist), ist aber dennoch kein zeitgeschichtliches Werk und hat auch gar nicht diesen Anspruch.

Abgesehen von den Taten, Opfern und Fakten die wir kennen und recherchieren, wurden auch die Theorien mit eingearbeitet, die es teilweise nach wie vor gibt. Vieles, was die dritte Generation der RAF tat, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Was jedoch eindeutig ist und im Buch sehr gut herausgearbeitet wird: Von solchen Taten sind nicht nur Opfer und Täter betroffen, sie ziehen weite Kreise darüber hinaus. Wie geht es den Opferfamilien? Und vor allem: was passiert den Angehörigen der Täter, ob nun zu Recht oder zu Unrecht beschuldigt? Ein Werk, das auf vielen Ebenen zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 08.09.2018

Einer für alle, alle für einen

Slow Horses
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Aus großartigem Thrill zum Einstieg, der einen atemlos zurücklässt, wird danach ein eigenwilliger britischer Geheimdienst-Krimi. Um das Buch weiterhin zu genießen, darf man da dem Anfang nicht zu sehr ...

Aus großartigem Thrill zum Einstieg, der einen atemlos zurücklässt, wird danach ein eigenwilliger britischer Geheimdienst-Krimi. Um das Buch weiterhin zu genießen, darf man da dem Anfang nicht zu sehr hinterhertrauern. Die Geschichte die dann beginnt ist gut, unterhaltsam und dreht sich um (ehemalige) Mitglieder des Geheimdienstes die alle auf ihre Art Fehler machten und dafür aufs Abstellgleis, ins Slough House, kommen.

Zwischen den aktuellen Entwicklungen um einen politischen Entführungsfall stehen die abgehalfterten Top-Agenten im Fokus. Mit viel Gefühl und Ausdauer zeichnet der Autor die so unterschiedlichen Charaktere, die wenig gemeinsam haben und dennoch alle im gleichen Boot sitzen. Er zeigt anschaulich, dass auch die von außen schroff und professionell wirkenden Persönlichkeiten so ihre Päckchen zu tragen haben, ohne um Mitleid zu buhlen.

Als der MI5 der Gruppe in Slough House ein misslungenes Manöver anhängen will, werden die mittlerweile demoralisierten und gelangweilten “Slow Horses” eine Einheit wider Willen. Sie graben ihre lange nicht benötigten Fähigkeiten und ihren Spürsinn aus und wehren sich dagegen, die Pläne des MI5 hinzunehmen, wie sie das bisher taten.

Eine kleine Gruppe von Musketieren rebelliert gegen den übermächtigen Agenten-Apparat. Somit nimmt der Krimi nach Vorstellung aller gegen Mitte des Buches mehr Fahrt auf und kann mit der einen oder anderen kleinen Wendung durchaus überraschen.

Veröffentlicht am 01.09.2018

Aufgerieben zwischen West und Ost

Die Tote im Wannsee
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Beklemmend aber auch humorig beschreibt das Autorentrio, das ein gemeinsames Pseudonym hat, das Berlin von 1968. Gefühlt ist das Kriegsende noch nicht lange her, haben die Bewohner mit einer neuen Einschränkung ...

Beklemmend aber auch humorig beschreibt das Autorentrio, das ein gemeinsames Pseudonym hat, das Berlin von 1968. Gefühlt ist das Kriegsende noch nicht lange her, haben die Bewohner mit einer neuen Einschränkung zu kämpfen, die Stadt ist durch Mauerwerk und Drahtzaun geteilt. Dieser Faktor spielt auch im Kriminalfall eine wesentliche Rolle. Die Situation West gegen Ost beeinflusst das Arbeits- und Alltagsleben der Protagonisten.

Wolf Heller, ein Kriminalpolizist mit Ehrgefühl und Gerechtigkeitssinn, stößt in diesem System immer wieder auf Widerstand. Er soll den Fall einer ermordeten Frau klären, deren Mann plötzlich verschwunden ist. Eine Familientragödie nimmt ihren Lauf und die Kollegen sehen dabei zu. Diese Ermittlung birgt mehr Brisanz als Heller zunächst vermutet.

Besonders an diesem Krimi ist, wie die damaligen Zustände dem Leser Schritt für Schritt offenbart werden. Die fiktiven Personen und die Handlung werden umsichtig und realistisch mit der Zeitgeschichte verwoben. Neben einem spannenden Roman erfährt man Details und Abläufe von damals hautnah, fühlt mit jenen, die vieles entbehren mussten und wundert sich über die Zustände in den Kommunen.

Es entsteht ein wilder Strudel der Ereignisse, der Polizei, Opfer, Täter, Studenten und Spione mitreißt und den Leser sehr gut unterhält.

Veröffentlicht am 21.08.2018

Ein Arzt, ein Pfarrer und ein Inspector…. ermitteln

Mord in Cornwall
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Dieser liebevoll gezeichnete Krimi erschien erstmals 1935 und spielt auch um diese Zeit. Es ist wunderbar, wiederentdeckte Geschichten heute zu lesen und sich am damaligen Schreib- und Erzählstil erfreuen ...

Dieser liebevoll gezeichnete Krimi erschien erstmals 1935 und spielt auch um diese Zeit. Es ist wunderbar, wiederentdeckte Geschichten heute zu lesen und sich am damaligen Schreib- und Erzählstil erfreuen zu können.

Wie auch “Geheimnis in Rot” gehört dieser Briten-Krimi zur neuen Auflage bei Klett-Cotta, mit wunderbar “altmodisch” gewählten Cover und Textileinband. Ein haptisches und emotionales Lesevergnügen bietet also der Roman, der in Boscawen, einem malerischen Fischerdorf, spielt.

Wie damals üblich, stellt hier nicht nur die Polizei in Gestalt von Inspector Bigswell eine Autorität dar, sondern auch der Pfarrer Dodd und dessen Freund, Pendrill, der Arzt des Dorfes. Die beiden lieben Kriminalromane und sind zuerst wie elektrisiert als sie erfahren, dass nun tatsächlich ein Mord verübt wurde.

Die beiden, vor allem Dodd, stehen dem Inspector, der nicht aus Boscawen stammt, mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum geht, Ortsbewohner einzuschätzen oder die geografischen Gegebenheiten zu verstehen.
Action sucht man hier eher vergeblich, doch das angenehme Erzähltempo lässt den Leser selbst mitermitteln. Es gibt keine plötzlichen oder unglaubwürdigen Wendungen, dafür feine Deduktion, klassische Ermittlungsarbeit und humorvolle Dialoge.

Veröffentlicht am 21.08.2018

Forscher Mallorca-Krimi zwischen Geschichte und Moderne

Die Blutfinca
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Die Hauptfigur in diesem atmosphärisch gelungenen Mallorca-Krimi ist Marc Renner, deutscher Ex-Kriminaler und nun Restaurantbesitzer auf der spanischen Insel. Renner ist sympathisch und extrem cholerisch ...

Die Hauptfigur in diesem atmosphärisch gelungenen Mallorca-Krimi ist Marc Renner, deutscher Ex-Kriminaler und nun Restaurantbesitzer auf der spanischen Insel. Renner ist sympathisch und extrem cholerisch zugleich. Innerhalb kurzer Zeit durchläuft er viele zum Teil gegensätzliche Emotionen.

Langweilig ist es mit Renner nie. Zwischen der modernen Zeit und alten Erzählungen gefangen stolpert er mitten in einen Kriminalfall. Im kleinen Ort Cala Pi geht ein Mörder um, Frauen verschwinden und ihre Leichen tauchen blutlos wieder auf.

Renner wird als Zeuge in die Sache hineingezogen und nach anfänglicher Skepsis ermittelt er zusammen mit den spanischen Kollegen. Luca Péron von der Policia Local und Renner verstehen sich auf Anhieb gut und auch der Comisario der Policia Nacional, Arturo Miller, taut im Lauf der Ermittlungen auf. Das ungleiche Gespann heftet sich an die Fersen des Mörders. Der aktuelle Fall entpuppt sich als komplexe, weit in die Vergangenheit reichende Verwicklung. Ein Krimi voll Blut, Aberglaube, Leidenschaft und tiefer Trauer.