Kindheitsträume
Kinder träumen davon, eine Superkraft zu besitzen: unsichtbar sein, fliegen können, stärker als alle zu sein, u. v. m.
Für die Kinder in dieser Geschichte wird die Superkraft „fliegen zu können“ für einen ...
Kinder träumen davon, eine Superkraft zu besitzen: unsichtbar sein, fliegen können, stärker als alle zu sein, u. v. m.
Für die Kinder in dieser Geschichte wird die Superkraft „fliegen zu können“ für einen Sommer lang Wirklichkeit – mit allem, was dazu gehört.
Charlotte und ihre kleine Schwester Emma treffen eines Tages auf ihrem Schulweg einen seltsamen Jungen, der Ähnlichkeiten mit einem Vogel hat und nicht zur Schule geht, ihnen aber bald anbietet, das Fliegen beizubringen.
Dieses Versprechen hält er auch und bringt es sogar noch ihrer ganzen Klasse bei. So folgt für alle ein toller Sommer, nicht ohne Streit und Ärger mit Eltern, aber doch in einer nie gekannten Freiheit und Leichtigkeit durch das Fliegen.
Doch als der Sommer zu Ende geht, muss Charlotte für alle entscheiden, wie es weitergehen soll.
Dieses Kinderbuch ist eine Neuauflage mit neuer Übersetzung der (fast) zeitlosen Geschichte, die die Autorin 1962 in England veröffentlichte und die 1987 auch auf Deutsch erschien.
Die Träume und das Leben der Kinder kurz vor dem Erwachsenwerden werden hier aufgegriffen, denn den geheimnisvollen Jungen können – bis auf ihre Klassenlehrerin - nur die Kinder sehen. Der letzte, unbeschwerte Sommer – hier noch mit dem Fliegenkönnen unterstrichen – gilt als Sinnbild für das Ende der Kindheit, dem sich alle irgendwann stellen müssen.
Als der Junge am Ende – wie in Rattenfängermanier (S. 148) - den Kindern verspricht, wenn sie mit ihm kämen, könnten sie für immer fliegen, stellt sich ihm nur Charlotte in den Weg. Sie ahnt, dass es so nicht gehen kann und darf, denn das Erwachsenwerden geschieht einfach, auch wenn wir es nicht wollen, und wir müssen das Beste daraus machen. Keiner kann für immer Kind bleiben.
Das Buch hält seine Spannung bis zum Ende, auch wenn es nicht die Rasanz heutiger Kinderbücher bietet. Es erzählt in einem ruhigen, fließenden Tempo, in dem auch Gefühle und Landschaften zum Zuge kommen.
Untermalt wird dies durch die Illustratorin, die das träumerische und märchenhafte der Erzählung in ihren ab und an verschieden groß eingestreuten, verwaschenen Zeichnungen aufgreift. Leider sind diese im Gegensatz zum Cover nur in schwarz-weiß gehalten, was ihnen oft einen leicht düsteren Touch verleiht.
Eine märchenhafte, ruhige Parabel auf das Erwachsenwerden.