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tinten_fischchen

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Wunderschöne Geschichte über die, die man sonst nicht sieht

Ein Hund namens Katze
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Vor Jahrzehnten durfte ich einen Vortrag des “Armenpfarrers” Wolfang Pucher beiwohnen. In Erinnerung blieb mir sein Vergleich zwischen “schöner” und “hässlicher” Armut. Während Erstere beispielsweise in ...

Vor Jahrzehnten durfte ich einen Vortrag des “Armenpfarrers” Wolfang Pucher beiwohnen. In Erinnerung blieb mir sein Vergleich zwischen “schöner” und “hässlicher” Armut. Während Erstere beispielsweise in Form einer Familie die nach dem plötzlichen Tod eines Elternteiles vor dem finanziellen Ruin steht, uns rührt und zu helfen animiert, verschließen wir uns nur zu gerne vor letztere.

Dichter und Autor Tomi Kontio macht das nicht und schreibt einfach ein Kinderbuch über die, die man sonst gerne aus dem Stadtbild vertreiben möchte. Diesen Mut muss man erst mal haben.

Der titelgebende Hund wurde bereits als Außenseiter in eine dysfunktionale Familie geboren. Schon früh ist er auf sich selbst gestellt. Erst als er auf den stinkenden, schmutzigen Obdachlosen Marder trifft, beginnt er zu begreifen, dass die Welt auch schön sein kann. Dass es so etwas wie Liebe, Freundschaft und einfach nur Akzeptanz gibt.

Das Buch beschönigt nichts. Vor allem die Szene, in der Katze und Marder sich gegenseitig mit den abwertenden Bezeichnungen, die sie von der Gesellschaft immer wieder an den Kopf geworfen bekommen, beschreiben, hat mich mal schlucken lassen.

“Ein Hund namens Katze” ist ein unglaublich mutiges Kinderbuch. Es zeigt, dass die Würde eines Menschen nicht von seiner Herkunft oder seiner Stellung innerhalb der Gesellschaft abhängt. Ein Thema, das man seinen Kindern auch schon zumuten kann.

Andere Rezensenten bekritteln die teils recht harte Sprache, die auch Bezeichnungen wie “Alki” enthält. Aber früher oder später werden Kinder noch weit schlimmeres zu hören bekommen. Wobei die Altersgrenze mit 6 bei manchen Kindern schon etwas optimistisch ist. Mein Älterer hätte es in diesem Alter noch nicht verstanden. Aber das macht nichts, das Buch ist ein Gewinn bis ins Erwachsenenalter.

Natürlich muss ich auch noch die wunderschönen Illustrationen von Elina Warsta erwähnen. Diese machen das Buch zu einem wahren Kunstwerk und Schatz. Warsta schafft es den titelgebenden Katze gleichzeitig verlottert und süß darzustellen. Fast schon zärtlich wird die harte Geschichte dargestellt. Auch feiner Humor blitzt immer wieder durch.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Chaos im Kopf

Ich erzähle von meinen Beinen
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Cornelia Travnicek verarbeitet in diesem Buch wie sich das Leben mit Neurodivergenz anfühlt. Selbst beim Lesen des Buches fühlt sich das anstrengend an.

“Ich erzähle von meinen Beinen” ist ein faszinierendes ...

Cornelia Travnicek verarbeitet in diesem Buch wie sich das Leben mit Neurodivergenz anfühlt. Selbst beim Lesen des Buches fühlt sich das anstrengend an.

“Ich erzähle von meinen Beinen” ist ein faszinierendes Werk. Der Inhalt der Geschichte hat vermutlich auf einen Bierdeckel Platz. Der Rest spielt sich nur im Kopf der ich-Erzählerin ab. Ein langer Monolog, oder sind es mehrere? über das Leben, ihre Beziehung, Mutterschaft, Mental Load, Social Anxiety. Über alles was ihr in dem Sinn kommt. Unnützes Wissen, Stammtisch Philosophische Betrachtungen und viel Blödsinn. Erzählt wird die Geschichte so nebenbei. Es gibt Foreshadowing, die Erzählung macht wilde Sprünge, Abschweifungen, noch mehr Ausufernde Abschweifungen und die eigentlichen Sachen passieren im Hintergrund. Nein, auf den Punkt kommt die Erzählerin nicht. Sie verliert sich ständig in Nebensächlichkeiten, prokrastiniert und verliert mehr und mehr den Halt. Den es für sie nie gab.

Das macht Spaß beim Lesen, ist aber auch anstrengend. Aber nicht so anstrengend wie die Ich-Erzählerin. Ich sags ehrlich: Ich würde es mit einem solchen Menschen nicht aushalten.
Und kann verstehen, dass die Ich-Erzählerin sich eigentlich auch nicht aushält.

Wobei viele ihrer Gedanken und Probleme natürlich relatable sind. In vielen habe ich mich selbst auch erkannt.

Das dürfte von der Autorin natürlich gewollt sein. Sprachlich fein herausgearbeitet wird das schwierige Thema auf spannende Weise behandelt. Kein normaler, gewöhnlicher Roman. Und genau deshalb auch so stark. Wobei ich manchmal der Ich-Erzählerin aufgrund ihrer Wortwahl die 40+ nicht wirklich abnehmen konnte

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Emotionale Tour-De-Force

Die Namen
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Das ist glaub ich, das erste Mal, dass ich meinen Leseeindruck mit einer Triggerwarnung versehe. Aber dieses Mal muss es sein. Anders als der Cover-Text vermuten lässt, zeigt das Buch nicht, wie ein Name ...

Das ist glaub ich, das erste Mal, dass ich meinen Leseeindruck mit einer Triggerwarnung versehe. Aber dieses Mal muss es sein. Anders als der Cover-Text vermuten lässt, zeigt das Buch nicht, wie ein Name und seine Erwartungen ein Leben beeinflussen. Sondern wie eine fast alltägliche Handlung eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang bringen kann. Hinter der Bezeichnung “herrischer Männer” im Klapptext versteckt sich Sadismus, häusliche Gewalt, psychischer und psychischer Missbrauch. Auch das Thema Femizid kommt vor.

Florence Knappt packt viele Themen ins Buch und die unterschiedlichen Lebensläufe. Für mich das spannendste Buch, das ich in diesem Jahr bisher lesen durfte. Die Geschichten zeigen wie unsere Umgebung, unsere Eltern, ihre Erwartungen an uns, uns prägen. Durch die knapp 350 Seiten ist man schnell durch, da das Buch ein Pageturner ist. Wobei man manchmal auch Pausen braucht, da die Geschichten immer wieder mit emotionaler Wucht zuschlagen.

Dem schnellen Lesefluss hilft es auch, dass die Erzählung und Figuren alles andere als subtil ausgefallen sind. Dinge werden teilweise auch unnötig breit getreten. Unglücklich fand ich auch die Vermischung zwischen Mord und Totschlag. Keine Ahnung, ob diese der Übersetzung geschuldet ist.

Interessant auch der Anhang, in der auf die Kunst und KünstlerInnen die das Buch inspiriert haben eingegangen wurde. Schade, dass die deutsche Ausgabe nicht über die Illustrationen von Sam Scales verfügt.

Trotz einiger Schwächen hat das Buch mir sehr gut gefallen. Neben dem faszinierenden Gedankenexperiment glänzt Florence Knapps Debutroman vor allem durch seine emotionale Dichtheit und den Figuren die einem ans Herz wachsen.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Auch für Leute die noch nicht betroffen sind erhellend

Gamechanger Abnehmspritze
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Die Abnehmspritze ist in alle Munde. Ständig ließt man über sie, erfährt welcher Star dank ihrer Hilfe abgenommen hat. Und auch die Nebenwirkungen sind medial überrepräsentiert.

„Gamechanger Abnehmspritze“ ...

Die Abnehmspritze ist in alle Munde. Ständig ließt man über sie, erfährt welcher Star dank ihrer Hilfe abgenommen hat. Und auch die Nebenwirkungen sind medial überrepräsentiert.

„Gamechanger Abnehmspritze“ ermöglicht einen fundierten Überblick zum Thema, wenn man mehr als nur Schlagzeilen wissen möchte. Dazu wird auch viel auf die Themen Übergewicht und Abnehmen eingegangen. Sehr hilfreich auch für Leute die nicht adipös sind. Der Autor schafft es, das teils doch recht trockene Thema spannend zu erklären.

Faszinierend fand ich die Einblicke in die moderne Medizin. Was allein in der Diagnostik heute schon alles möglich ist. Oder möglich wäre. Der Autor macht keinen Hehl daraus, das eine gute Diagnostik teuer ist. Und wer sich das nicht leisten kann oder will durch die Finger schaut. Ufff. Als Leser merkt man schnell, dass die oft gescholtene Zwei-Klassen Medizin noch viel schlimmer ist als gedacht. Und das man vieles am Gesundheitssystem hinterfragen kann.

Ab und an liest sich das Buch wie Werbung für die Abnehmspritze. Man darf natürlich nicht vergessen dass Dr.Dr. Jahl damit gutes Geld verdient. Daher ist es nicht verwunderlich, das sich der Teil über die Nebenwirkungen fast wie ein Werbetext liest.

Fairerweise muss man aber auch sagen, dass das Buch den Leser auch die Wichtigkeit eines gesundes Gewichts und Körpers vor Augen führt. Und das die Arbeit von DDr. Jahl wichtig ist.

Dazu passte der Weg von Herbert Hirschler, der es schaffte durch die Gewichtsreduktion chronische Erkrankungen abzuschwächen und teils sogar los zu werden. Sehr schön ist auch, dass der Autor immer wieder zeigt, dass man sich nicht nur auf die Spritze verlassen darf und dass das Abnehmen ganzheitlich betrachtet werden muss.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Kafka im Kreisverkehr

Schleifen
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Eine kurze Liste der Dinge die ich während des Lesens über den Autor und das Buch recherchiert habe:

Punkt 1: Elias Hirschl ist ein ehemaliger Mathematik-Student
Punkt 2: Elias Hirschl hat Philosophie ...

Eine kurze Liste der Dinge die ich während des Lesens über den Autor und das Buch recherchiert habe:

Punkt 1: Elias Hirschl ist ein ehemaliger Mathematik-Student
Punkt 2: Elias Hirschl hat Philosophie studiert. Eventuell im Wien. Das würde das Vorkommen des Wiener Kreises im Buch erklären
Punkt 3: Das Buch entstand aus einer Fülle an Kurzgeschichten die erst später mit einer Rahmenhandlung verknüpft wurden

„Schleifen“ liest sich so, wie es die oben genannten Punkten vermuten lassen würden. Das Buch ist speziell, im besten Sinne. Absurd, kreativ, humorvoll aber auch voll brutaler, roher Schönheit. Ein wilder mix aus Sprachtheorie, Wissenschaft, Philosophie, Geschichte, Kunst. Ein wenig Mathematik ist auch dabei. Selbstreflexiv. Teilweise auch kindisch, fast schon dumm. Einmal Lesen reicht vermutlich nicht, um alle Feinheiten entdecken zu können. Reale Figuren werden mit fiktiven vermischt. Biblische Geschichten neu gedeutet. Raum und Zeit neu vermessen.

Kein einfaches Buch für nebenbei. Aber ein Buch, das Spaß macht, wenn man sich darauf und die verrückten Ideen, die darin durchgekaut werden, einlassen kann. Ich habe es geliebt, weiß aber, dass das Buch alles andere als Mainstream ist.

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