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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2026

Bei uns eher unbekannter Klassiker im neuen Gewand

Sie flogen einen Sommer lang
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“Sie flogen einen Sommer lang", sticht sofort ins Auge. Der poetische Titel, das wunderschöne Cover, alles wirkt sehr hochwertig. Die wunderschönen Illustrationen von Barbara Yelin tun ihr Übriges. Die ...

“Sie flogen einen Sommer lang", sticht sofort ins Auge. Der poetische Titel, das wunderschöne Cover, alles wirkt sehr hochwertig. Die wunderschönen Illustrationen von Barbara Yelin tun ihr Übriges. Die Geschichte selbst hat schon über 60 Jahre auf dem Buckel, und das merkt man. Die Erzählweise und Figurenzeichnung wirkt teils etwas angestaubt, vor allem im Hinblick der Haushälterin. Mein ältester Sohn fand die Erzählung etwas langweilig, kamen doch keine richtigen Abenteuer darin vor. Meiner Nichte hingegen, die schon etwas älter ist, hat die Geschichte gut gefallen.

Die Probleme und das Lebensgefühl der Kinder wurden gut eingefangen. Auch heutige Kinder können sich noch damit identifizieren. Die kleinen Gemeinheiten, die Banden, die Rivalitäten und Freundschaften sind zeitlose Themen.

Die Geschichte spielt rein aus Sicht der Kinder und da bleiben die Erwachsenen meist blass. Wobei Penelope Farmer auch andeutet, dass Erwachsenwerden auch mit Verlusten verbunden ist. Mir persönlich hat das Ende sehr gut gefallen und ich denke, dass es ein Buch ist, das einen durch die Adolescence begleiten kann.

Auch wenn streckenweise etwas angestaubt, schafft es die Geschichte zeitlos zu bleiben. Durch ihren Realismus und den Fokus auf Psychologie und weniger Action ist sie eher für ältere Leser geeignet.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Vielschichtiges Porträt einer jungen Frau und Künstlerin

Fünf Tage im Licht
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"Fünf Tage im Licht" ist eines der Bücher die zu überraschen vermögen. Aufgrund des Covers und der Inhaltsbeschreibung rechnete ich mit einem leichten Sommerroman. Bekommen haben ich ambivalente ...

"Fünf Tage im Licht" ist eines der Bücher die zu überraschen vermögen. Aufgrund des Covers und der Inhaltsbeschreibung rechnete ich mit einem leichten Sommerroman. Bekommen haben ich ambivalente Figuren und eine bittere Abrechnung mit unserer Gesellschaft und Zeit. Die Themen Unterdrückung und Ungleichheit und das daraus entstandene Machtgefälle schwingen im Hintergrund immer mit.

Vor allem der erste Teil, die ersten fünf Tage der Geschichte gehen unter die Haut. Langsam, Stück für Stück werden die Figuren und ihre Beziehungen enthüllt. Neben Feministischen und Sozialen Themen kreisen die Gedanken der Hauptfigur um die Themen Mutterschaft und Kunst. Lassen sich beide Pole vereinbaren und wenn ja wie? Kurz angeschnitten wird noch so viel mehr. Und nichts davon arg mit dem Holzhammer, wie es leider bei "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl der Fall ist.

Rhiannon Lucy Cosslett wirkt noch sehr jung. Sie hat sich mit dem Buch viel vorgenommen und nicht alles geht auf. Der Mittelteil, nachdem die Männer gekommen sind, ist etwas langatmig und gefühlt bewegt sich da alles nur im Kreis. Aber auch eine passende Metapher für die Langeweile und Dröge des Sommers auf einer Touristeninsel ist.

Original-Titel und Cover finde ich übrigens um Welten besser und passender.

Mein Fazit: Klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Strategien gegen Angst

Wenn kleine Igel mutig sind
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Angst ist normal. Vor der Dunkelheit, vor lauten Geräuschen, vor fremden Situationen. Auch in "Wenn kleine Igel mutig sind" ist Angst ein normales Gefühl. Nicht nur der kleine Igel kennt sie, ...

Angst ist normal. Vor der Dunkelheit, vor lauten Geräuschen, vor fremden Situationen. Auch in "Wenn kleine Igel mutig sind" ist Angst ein normales Gefühl. Nicht nur der kleine Igel kennt sie, selbst der Hund und der Leuchtkäfer kennen sie. Wobei es schön gewesen wäre, wenn der kleine Igel auf seiner Reise auch ein richtig großes, starkes Tier getroffen hätte.

Die Geschichte ist recht simpel und kann auch von kleineren Kindern nachvollzogen werden. Im Laufe der Geschichte lernt der Igel die unterschiedlichsten Bewältigungsstrategien kennen und probiert sie auch aus. Nicht jede passt für ihn, nicht alles kann er umsetzen. Erzählt wird dies mit einem Augenzwinkern und Humor.

Die hübschen Bilder zeigen freundliche Tiere. Bei uns waren die Katze und die Glühwürmchen der Hit. Die Bilder sind schlicht und übersichtlich gehalten. Witzige Details findet man kaum. Dadurch eignet es sich sowohl für kleinere Kinder als auch perfekt zum Anschauen vor dem Schlafengehen.

Hilfreich ist auch die Zusammenfassung des "Gelernten" auf den letzten beiden Seiten.

Die hochwertige Verarbeitung, sei es in der Haptik oder in der Gestaltung und den Zeichnungen hat mein Herz als Elternteil höher schlagen lassen. Die gewohnte Ravensburger Qualität, aber trotzdem erwähnenswert. Der einzige Schnitzer: Auf manchen Seiten ist ein schwarzer Text über einen dunklen Hintergrund auf manchen Seiten bei gedimmten Licht etwas schwer zu lesen.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Wunderschöne Geschichte über die, die man sonst nicht sieht

Ein Hund namens Katze
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Vor Jahrzehnten durfte ich einen Vortrag des “Armenpfarrers” Wolfang Pucher beiwohnen. In Erinnerung blieb mir sein Vergleich zwischen “schöner” und “hässlicher” Armut. Während Erstere beispielsweise in ...

Vor Jahrzehnten durfte ich einen Vortrag des “Armenpfarrers” Wolfang Pucher beiwohnen. In Erinnerung blieb mir sein Vergleich zwischen “schöner” und “hässlicher” Armut. Während Erstere beispielsweise in Form einer Familie die nach dem plötzlichen Tod eines Elternteiles vor dem finanziellen Ruin steht, uns rührt und zu helfen animiert, verschließen wir uns nur zu gerne vor letztere.

Dichter und Autor Tomi Kontio macht das nicht und schreibt einfach ein Kinderbuch über die, die man sonst gerne aus dem Stadtbild vertreiben möchte. Diesen Mut muss man erst mal haben.

Der titelgebende Hund wurde bereits als Außenseiter in eine dysfunktionale Familie geboren. Schon früh ist er auf sich selbst gestellt. Erst als er auf den stinkenden, schmutzigen Obdachlosen Marder trifft, beginnt er zu begreifen, dass die Welt auch schön sein kann. Dass es so etwas wie Liebe, Freundschaft und einfach nur Akzeptanz gibt.

Das Buch beschönigt nichts. Vor allem die Szene, in der Katze und Marder sich gegenseitig mit den abwertenden Bezeichnungen, die sie von der Gesellschaft immer wieder an den Kopf geworfen bekommen, beschreiben, hat mich mal schlucken lassen.

“Ein Hund namens Katze” ist ein unglaublich mutiges Kinderbuch. Es zeigt, dass die Würde eines Menschen nicht von seiner Herkunft oder seiner Stellung innerhalb der Gesellschaft abhängt. Ein Thema, das man seinen Kindern auch schon zumuten kann.

Andere Rezensenten bekritteln die teils recht harte Sprache, die auch Bezeichnungen wie “Alki” enthält. Aber früher oder später werden Kinder noch weit schlimmeres zu hören bekommen. Wobei die Altersgrenze mit 6 bei manchen Kindern schon etwas optimistisch ist. Mein Älterer hätte es in diesem Alter noch nicht verstanden. Aber das macht nichts, das Buch ist ein Gewinn bis ins Erwachsenenalter.

Natürlich muss ich auch noch die wunderschönen Illustrationen von Elina Warsta erwähnen. Diese machen das Buch zu einem wahren Kunstwerk und Schatz. Warsta schafft es den titelgebenden Katze gleichzeitig verlottert und süß darzustellen. Fast schon zärtlich wird die harte Geschichte dargestellt. Auch feiner Humor blitzt immer wieder durch.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Chaos im Kopf

Ich erzähle von meinen Beinen
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Cornelia Travnicek verarbeitet in diesem Buch wie sich das Leben mit Neurodivergenz anfühlt. Selbst beim Lesen des Buches fühlt sich das anstrengend an.

“Ich erzähle von meinen Beinen” ist ein faszinierendes ...

Cornelia Travnicek verarbeitet in diesem Buch wie sich das Leben mit Neurodivergenz anfühlt. Selbst beim Lesen des Buches fühlt sich das anstrengend an.

“Ich erzähle von meinen Beinen” ist ein faszinierendes Werk. Der Inhalt der Geschichte hat vermutlich auf einen Bierdeckel Platz. Der Rest spielt sich nur im Kopf der ich-Erzählerin ab. Ein langer Monolog, oder sind es mehrere? über das Leben, ihre Beziehung, Mutterschaft, Mental Load, Social Anxiety. Über alles was ihr in dem Sinn kommt. Unnützes Wissen, Stammtisch Philosophische Betrachtungen und viel Blödsinn. Erzählt wird die Geschichte so nebenbei. Es gibt Foreshadowing, die Erzählung macht wilde Sprünge, Abschweifungen, noch mehr Ausufernde Abschweifungen und die eigentlichen Sachen passieren im Hintergrund. Nein, auf den Punkt kommt die Erzählerin nicht. Sie verliert sich ständig in Nebensächlichkeiten, prokrastiniert und verliert mehr und mehr den Halt. Den es für sie nie gab.

Das macht Spaß beim Lesen, ist aber auch anstrengend. Aber nicht so anstrengend wie die Ich-Erzählerin. Ich sags ehrlich: Ich würde es mit einem solchen Menschen nicht aushalten.
Und kann verstehen, dass die Ich-Erzählerin sich eigentlich auch nicht aushält.

Wobei viele ihrer Gedanken und Probleme natürlich relatable sind. In vielen habe ich mich selbst auch erkannt.

Das dürfte von der Autorin natürlich gewollt sein. Sprachlich fein herausgearbeitet wird das schwierige Thema auf spannende Weise behandelt. Kein normaler, gewöhnlicher Roman. Und genau deshalb auch so stark. Wobei ich manchmal der Ich-Erzählerin aufgrund ihrer Wortwahl die 40+ nicht wirklich abnehmen konnte

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