Ein Netz aus Schweigen und Zweifeln
Wer ein rasanten Actionfeuerwerk sucht, wird hier enttäuscht. MK Pagano setzt in ihrem Debüt auf etwas viel Subtileres: eine schleichende, ungemütliche Atmosphäre, die einen langsam einwickelt. Die Geschichte ...
Wer ein rasanten Actionfeuerwerk sucht, wird hier enttäuscht. MK Pagano setzt in ihrem Debüt auf etwas viel Subtileres: eine schleichende, ungemütliche Atmosphäre, die einen langsam einwickelt. Die Geschichte dreht sich um Addie, die den vermeintlichen Freitod ihrer Schwester Fiona nicht wahrhaben will. Als dann ihr Hauptverdächtiger an derselben Klippe umkommt und sie selbst ins Visier gerät, beginnt ein psychologisches Verwirrspiel.
Die Dynamik der Kleinstadt, in der jeder Dreck am Stecken hat, wird hervorragend spürbar. Besonders die Kluft zwischen Arm und Reich wird intensiv beleuchtet, wenn auch manchmal eine Nuance zu oft. Die Erzählung springt geschickt zwischen den Zeitebenen, was den Charakteren eine enorme Tiefe verleiht. Man blickt hinter die Masken einer scheinbar perfekten Gemeinschaft.
Paganos Sprachstil ist wunderbar unkompliziert. Die Sätze transportieren die tiefe Melancholie und Isolation der Protagonistin, ohne überladen zu wirken. Es liest sich mühelos weg, während man ununterbrochen eigene Theorien aufstellt – nur um sie kurz darauf wieder zu verwerfen. Addie ist keine unfehlbare Heldin; sie agiert oft distanziert und verbissen, was sie greifbar macht. Auch das Zusammenspiel mit Seth sorgt für echte emotionale Reibungspunkte.
Zwar verliert der Plot im Mittelteil etwas an Tempo, doch das clevere Versteckspiel macht das locker wett. Wer unvorhersehbare Rätselkrimis mag, kommt hier voll auf seine Kosten.