Eine Liebeserklärung an Sizilien
Als Tita die Nachricht erhält, dass ihr Onkel in Sizilien verstorben ist und ihr das Familienanwesen Magní hinterlassen hat, reist sie nach vielen Jahren in die Heimat ihres verstorbenen Vaters zurück. ...
Als Tita die Nachricht erhält, dass ihr Onkel in Sizilien verstorben ist und ihr das Familienanwesen Magní hinterlassen hat, reist sie nach vielen Jahren in die Heimat ihres verstorbenen Vaters zurück. Mit jedem Schritt über die Insel werden Erinnerungen an ihre Kindheit wach und sie beginnt, sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Parallel erzählt der Roman vom Leben ihres Vaters Gianni, der einst als einer der ersten Gastarbeiter Sizilien verließ, um sich in Deutschland eine Zukunft aufzubauen. Zwischen Heimweh, Neuanfang und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit entfaltet sich eine berührende Familiengeschichte über zwei Generationen.
Schon nach wenigen Seiten hat mich der Roman nach Sizilien entführt. Die Landschaften, die kleinen Orte, die Gerüche und die kulinarischen Köstlichkeiten werden so lebendig beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, selbst durch die Gassen zu schlendern oder unter der sizilianischen Sonne zu sitzen. Dabei gelingt es der Autorin, nicht nur die Schönheit der Insel einzufangen, sondern auch ihre Gegensätze und Eigenheiten zu zeigen.
Besonders gut gefallen hat mir der Erzählstrang rund um Gianni. Seine Geschichte als junger Mann, der seine Heimat verlässt, in Deutschland ein neues Leben beginnt und dennoch nie ganz mit Sizilien abschließen kann, hat mich sehr berührt. Seine Zerrissenheit zwischen zwei Welten, das Heimweh und der Wunsch, sich gleichzeitig eine Zukunft aufzubauen, werden authentisch und nachvollziehbar geschildert. Dass der Roman auf der Familiengeschichte der Autorin basiert, verleiht ihm zusätzlich eine besondere Glaubwürdigkeit.
Auch Titas Rückkehr nach Sizilien hat mir gefallen. Nach und nach setzt sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinander und entdeckt die Heimat ihres Vaters neu. Themen wie Familie, Herkunft, Identität und Zugehörigkeit ziehen sich dabei durch die gesamte Geschichte und verleihen ihr viel Wärme und Tiefe.
Etwas stärker fand ich allerdings die Vergangenheitsebene. Giannis Lebensgeschichte konnte mich emotional deutlich mehr fesseln als Titas Gegenwartshandlung. Diese verläuft stellenweise etwas ruhiger und Tita blieb für mich insgesamt etwas blasser als ihr Vater.
Trotzdem ist Nostalgia Siciliana ein sehr stimmungsvoller Familienroman, der Fernweh weckt und gleichzeitig zum Nachdenken über Heimat, Familie und die eigenen Wurzeln anregt. Wer atmosphärische Geschichten mit viel Herz und italienischem Flair mag, sollte diesem Buch eine Chance geben.