Cover-Bild Tokyo Sympathy Tower
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23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Hoffmann und Campe
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 160
  • Ersterscheinung: 09.05.2025
  • ISBN: 9783455019346
Rie Qudan

Tokyo Sympathy Tower

Ursula Gräfe (Übersetzer)

Japan in der nahen Zukunft. Statt Kriminelle zu bestrafen, begegnet man ihnen mit Milde und Mitgefühl. So soll die renommierte Architektin Sara Machina nun ein modernes Gefängnis gestalten. Im Zentrum Tokios wird ein Luxusturm für die innovative Inhaftierung von Straftätern entstehen. Doch Sara zweifelt an dem Konzept: verdienen Verbrecher es wirklich, dass man ihnen Wohlwollen entgegenbringt? Schon der Name “Sympathy Tower” behagt ihr nicht. In ihrer kreativen Krise wendet sie sich ratsuchend an einen Chatbot, nur um festzustellen, dass auch dieser nicht frei von Ideologie antwortet.

Ein brandaktueller, fesselnder Roman über Moral und die Vereinnahmung von Sprache, über Kunst und Identität im Zeitalter der künstlichen Intelligenz.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2025

Ganz anders als erwartet

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Es ist lange her, dass mir eine Rezension so schwergefallen ist.

Vorab: Es hat mir gut gefallen, doch die Einordnung war eine Herausforderung. Basierend auf dem Klappentext hatte ich tatsächlich etwas ...

Es ist lange her, dass mir eine Rezension so schwergefallen ist.

Vorab: Es hat mir gut gefallen, doch die Einordnung war eine Herausforderung. Basierend auf dem Klappentext hatte ich tatsächlich etwas ganz anderes erwartet: eine Auseinandersetzung mit dem Umgang von Kriminellen und dem weitreichenden Einfluss von KI auf uns.

Die Geschichte entpuppt sich als recht verschachtelt und behandelt meine ursprünglichen Erwartungen nur am Rande. Dafür taucht sie in zahlreiche andere Themen ein, allen voran den inneren Zensor und die gesamte Gedankenwelt der Architektin. Dies zu verfolgen, ist absolut spannend, wenn auch manchmal etwas verwirrend. Völlig unerwartet kamen für mich die Perspektivwechsel zu ihrem Freund und später einem Journalisten. Diese bereicherten die Erzählung um zusätzliche, wirklich faszinierende Aspekte, die allerdings wiederum neue Fragezeichen aufwarfen.

Einiges war befremdlich, manches sehr nebulös, was dem Buch viel Interpretationsspielraum verleiht – und genau das macht seinen Reiz aus. Besonders fesselnd war für mich der Fokus auf die Sprache oder die zahlreichen kleinen, versteckten Kritiken.

Der Stil ist hervorragend und die Übersetzung wirkt überaus sauber und stimmig, sodass das ursprüngliche Gefühl des Textes erhalten bleibt.

Ein außergewöhnliches Buch, das mich überrascht und dessen Inhalt mich noch immer beschäftigt.
Ich kann es also weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Schwer einzuordnende, aber empfehlenswerte Utopie

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Das Buch spielt in der Zukunft, in den nächsten paar Jahren an kurzen Zeiträumen jeweils vor und nach dem Turmbau in Tokio. Dabei wird die Geschichte jeweils aus verschiedenen Perspektiven erzählt, es ...

Das Buch spielt in der Zukunft, in den nächsten paar Jahren an kurzen Zeiträumen jeweils vor und nach dem Turmbau in Tokio. Dabei wird die Geschichte jeweils aus verschiedenen Perspektiven erzählt, es dreht sich aber alles um dieses Gebäude, seine Bewohner und dessen Architektin Sara sowie ihres jungen Freundes. Anfangs hatte ich leichte Probleme, mich zurecht zu finden, aber durch die kurzen Abschnitte und Perspektivwechsel konnte ich mich gut orientieren. Die Themen Gefängnis und Sprache (wie sich die Wahrnehmung verändert wenn man etwas anders nennt), fand ich interessant und sie regen zum Nachdenken an. Gleichzeitig werden einige Themen der Gegenwart, wie Chatbot, politische Korrektheit und Cancel Culture auf ein neues Level gehoben und durch die Übertreibungen wirkte auf mich vieles absurd. Tatsächlich hat mich aber die Geschichte Saras und die Beziehung zu ihrem Freund mehr angesprochen als das eigentliche Thema. Das Thema Ungleichbehandlung wird leider nur kurz angerissen. Alles in allem fand ich die Lektüre interessant und aufgrund der Kürze des Buchs macht man nichts falsch, wenn man mal einen Blick hinein wirft und sich eine eigene Meinung bildet.

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Interessant, rätselhaft und philosophisch

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Dieser Roman der jungen Schriftstellerin Rie Qudan wurde mit dem Akutagawa Prize, dem renommiertesten Literaturpreis Japans, ausgezeichnet. Richtig Aufsehen erregte Qudan jedoch, als sie auf der den Preis ...

Dieser Roman der jungen Schriftstellerin Rie Qudan wurde mit dem Akutagawa Prize, dem renommiertesten Literaturpreis Japans, ausgezeichnet. Richtig Aufsehen erregte Qudan jedoch, als sie auf der den Preis begleitenden Pressekonferenz bekannte, einen Teil des Romans mit Hilfe von KI verfasst zu haben.
In einem späteren Interview zeigt sich Qudan überrascht vom Ausmaß der Diskussionen und der Kontroversen, die dieses “Bekenntnis” in der Öffentlichkeit ausgelöst haben und rechtfertigt den Einsatz mit der Verbesserung der Qualität ihrer Arbeit und im Dienste von hochwertiger Kunst.
Gleichzeitig mahnt sie eine sorgfältige Abwägung von Vorteilen und Risiken im Einsatz von künstlicher Intelligenz an.

Das hat mich natürlich sofort interessiert und während dem Lesen ihres Romans versuchte ich den Anteil und den Einfluss der KI zu erkennen. Aber wie du dir denken kannst, war mir das nicht möglich.
Übrigens glaube ich, dass viele Autor*innen mittlerweile auf Unterstützung durch KI zurückgreifen, aber die wenigsten sprechen darüber.

Künstliche Intelligenz spielt auch inhaltlich eine große Rolle in dem sehr philosophischen Text, wobei, wie Qudan in dem Interview sagt, es eigentlich um Menschen geht, die sich Einfluss von KI nicht mehr entziehen können.

Eine davon ist die Architektin und Protagonistin Sara Makina, die mit dem Entwurf eines neuen Wolkenkratzers, dem Tokyo Sympathy Tower, beauftragt wird, der das Stadtbild Tokyos nachhaltig verändert soll.
Und nicht nur das Stadtbild. Der Tokyo Sympathy Tower steht als Luxusgefängnis mit allem erdenklichen Komfort gleichzeitig für ein neues Menschenbild. In diesem Gefängnis soll es keine “Kriminellen” mehr geben, sondern “homo miserabilis, also Menschen, die unser Mitgegfühl verdienen.

Rie Qudan macht sich in ihrem Roman viele Gedanken, wie Namen und Wording unsere Wahrnehmung und Realität verändern.

“Namen sind vielleicht nicht materiell, aber sie sind Worte, und Worte prägen die Wirklichkeit. Die Realität beginnt immer mit Worten. Nicht die Menschen, die gut in Mathematik und Physik sind, bewegen die Welt, sondern die, die gut reden können.”

In dem dünnen Roman stecken verdichtet sehr viele Themen. Der Klappentext greift mit seiner Beschreibung zu kurz und erfasst das Abstraktionspotential des Textes nur ungenügend.
Ich finde in „Tokyo Sympathy Tower“ einen sehr interessanten und anregenden Roman, der mir nur manchmal vielleicht etwas zu wenig greifbar war.

“Unablässig fluten Fragen mein Inneres, durchtränken meine Pfeiler und Balken und zwingen mich, Antworten zu finden. Ich muss nachdenken.”

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Anders als erwartet

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Japan in naher Zukunft: Mitten in Tokyo soll ein Luxusgefängnis entstehen, inklusive jedem erdenklichen Komfort, denn Empathie ist das höchste Gut, auch wenn es um Kriminelle geht. Die 37-jährige Architektin ...

Japan in naher Zukunft: Mitten in Tokyo soll ein Luxusgefängnis entstehen, inklusive jedem erdenklichen Komfort, denn Empathie ist das höchste Gut, auch wenn es um Kriminelle geht. Die 37-jährige Architektin Sara Makina wird mit der Planung und dem Bau beauftragt. Sara gefällt der Name nicht und auch das Konzept selbst bereitet ihr Kopfzerbrechen. Ihre Bedenken diskutiert sie mit einem KI-Chatbot, der eine eigene Meinung vertritt.

Dystopie, Utopie oder einfach ein Buch über die zukünftigen und gar nicht mehr so kleinen Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz? Fest steht, dass das vorliegende Buch durch den Akutagawa-Preis, die bedeutendste Auszeichnung für japanische Literatur, nicht so viel Berühmtheit erlangte, wie durch die Dankesrede der Autorin, in der diese zugegeben hat, einzelne Passagen im Buch mithilfe der KI geschrieben zu haben. Dies führte zu einer umfassenden Berichterstattung in den Medien sowie zahlreichen Interviews und Diskussionen über Kunst, Literatur sowie das Urheberrecht.

Der Klappentext versprach eine Geschichte, die ich nicht bekommen habe. Zu Beginn fand ich das Spiel mit der Sprache noch ganz amüsant, als jedoch die Gespräche - wenn man von solchen überhaupt sprechen kann, wenn ein Gesprächspartner künstlich ist - mit der KI begannen und der junge Liebhaber der Architektin ins Spiel kam und übernahm, war ich allerdings maximal verwirrt. Nicht nur verwechselte ich eine lange Zeit beide, ohne es zu merken, auch wusste ich mehrfach nicht, wer die dritte Person ist. War es die KI, waren es Aufzeichnungen einer weiteren Person, oder bin ich irgendwo falsch abgebogen, sodass ich nun nicht mehr folgen kann? Und wer zum Teufel ist Masaki Seto - war dies ein Traum oder Realität? Irgendwann kam ich mir selbst vor wie eine Figur in einem schlechten Film.

Leider erreichte mich das Buch überhaupt nicht. Für Leserinnen und Leser von Zukunftsromanen, die das Spiel mit Worten mögen und ungewöhnliche Plots lieben, ist es sicherlich eher die richtige Lektüre. Reinlesen lohnt sich.

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