Ganz anders als erwartet
Es ist lange her, dass mir eine Rezension so schwergefallen ist.
Vorab: Es hat mir gut gefallen, doch die Einordnung war eine Herausforderung. Basierend auf dem Klappentext hatte ich tatsächlich etwas ...
Es ist lange her, dass mir eine Rezension so schwergefallen ist.
Vorab: Es hat mir gut gefallen, doch die Einordnung war eine Herausforderung. Basierend auf dem Klappentext hatte ich tatsächlich etwas ganz anderes erwartet: eine Auseinandersetzung mit dem Umgang von Kriminellen und dem weitreichenden Einfluss von KI auf uns.
Die Geschichte entpuppt sich als recht verschachtelt und behandelt meine ursprünglichen Erwartungen nur am Rande. Dafür taucht sie in zahlreiche andere Themen ein, allen voran den inneren Zensor und die gesamte Gedankenwelt der Architektin. Dies zu verfolgen, ist absolut spannend, wenn auch manchmal etwas verwirrend. Völlig unerwartet kamen für mich die Perspektivwechsel zu ihrem Freund und später einem Journalisten. Diese bereicherten die Erzählung um zusätzliche, wirklich faszinierende Aspekte, die allerdings wiederum neue Fragezeichen aufwarfen.
Einiges war befremdlich, manches sehr nebulös, was dem Buch viel Interpretationsspielraum verleiht – und genau das macht seinen Reiz aus. Besonders fesselnd war für mich der Fokus auf die Sprache oder die zahlreichen kleinen, versteckten Kritiken.
Der Stil ist hervorragend und die Übersetzung wirkt überaus sauber und stimmig, sodass das ursprüngliche Gefühl des Textes erhalten bleibt.
Ein außergewöhnliches Buch, das mich überrascht und dessen Inhalt mich noch immer beschäftigt.
Ich kann es also weiterempfehlen.