Cover-Bild Tokyo Sympathy Tower
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18,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Hoffmann und Campe
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 09.05.2025
  • ISBN: 9783455019360
Rie Qudan

Tokyo Sympathy Tower

Ursula Gräfe (Übersetzer)

Japan in der nahen Zukunft. Statt Kriminelle zu bestrafen, begegnet man ihnen mit Milde und Mitgefühl. So soll die renommierte Architektin Sara Machina nun ein modernes Gefängnis gestalten. Im Zentrum Tokios wird ein Luxusturm für die innovative Inhaftierung von Straftätern entstehen. Doch Sara zweifelt an dem Konzept: verdienen Verbrecher es wirklich, dass man ihnen Wohlwollen entgegenbringt? Schon der Name "Sympathy Tower" behagt ihr nicht. In ihrer kreativen Krise wendet sie sich ratsuchend an einen Chatbot, nur um festzustellen, dass auch dieser nicht frei von Ideologie antwortet.
Ein brandaktueller, fesselnder Roman über Moral und die Vereinnahmung von Sprache, über Kunst und Identität im Zeitalter der künstlichen Intelligenz.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Interessante Thematik

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INHALT
Im Buch gehts und eine fiktionale Idee eines neu gedachten Gefängnisses in Japan. Die Architektin Sara bekommt den Auftrag, einen „sympathy Tower“ zu entwerfen. Eine neue Variante eines klassischen ...

INHALT
Im Buch gehts und eine fiktionale Idee eines neu gedachten Gefängnisses in Japan. Die Architektin Sara bekommt den Auftrag, einen „sympathy Tower“ zu entwerfen. Eine neue Variante eines klassischen Gefängnisses, eine Luxusvariante an Ausstattung und grenzenloser positiver Stimmung für die „Insassen“. Es geht um das zentrale Thema Mitgefühl statt Strafe. Auch Sara selbst kam den Abgründen ganz nah und hat selbst traumatisches erlebt. In diesem Zusammenhang stellt sie die Frage, ob das Vorhaben moralisch haltbar ist.

„Diskriminierungfreie Kommunikation ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer glücken und inklusiven Gesellschaft, in der Empathie, Verständnis und Zusammenarbeit wertgeschätzt werden.“ Seite 24

EINDRUCK UND FAZIT
Ich mochte die Grundidee, eine super spannende Frage, die mich auch nach dem beenden des Buches noch beschäftigt. Wie würde sich das Projekt in Deutschland umsetzen lassen und die Gesellschaft, welcher hierzulande eine sehr radikale Haltung zu Straftätern pflegt, reagieren? Den Schreibstil fand ich recht kühl, auch Saras eigene Geschichte, hat mich wenig berührt. Die KI- Einbindung fand ich spannend und super aktuell; auch wenn es sich für mich in einem Buch irgendwie falsch anfühlt. Spannend fand ich auch die Gegenüberstellung von moderner Kunst und Gestaltung des Towers und moralischen Ansichten bzgl. des Inhaltes. Spannend!

„Es gilt heute als unwissenschaftlich, das Abgleiten eines Menschen in die Kriminalität auf seine Charakter oder willensschwäche zurückzuführen. Aber hier klappen Wort und Wirklichkeit weit auseinander. Viel schlimmer, finde ich die Menschen, die sich überlegen führen und kriminelle Pauschal ausgrenzen ihnen. Fehlt es ein Objektivität. Denn wer wirklich über Selbstbeherrschung, hohe Intelligenz und eine hervorragend Charakter verfügt, sollte in der Lage sein, Menschen, die in einem anderen Umfeld hineingeboren, wohnen, zu respektieren und echte Empathie für sie zu empfinden.“ Seite 49

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Ziemlich widersprüchlich

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Tokyo in der nahen Zukunft: Statt Gefängnismauern gibt’s einen Luxusturm für Straftäter. Architektin Sara Machina soll ihn entwerfen, doch sie zweifelt. „Sympathy Tower“ nennt sich das Ganze, und der Name ...

Tokyo in der nahen Zukunft: Statt Gefängnismauern gibt’s einen Luxusturm für Straftäter. Architektin Sara Machina soll ihn entwerfen, doch sie zweifelt. „Sympathy Tower“ nennt sich das Ganze, und der Name ist schon Programm: Empathie statt Strafe, Täter und Opfer gleichwertig. Klingt radikal, oder absurd? Das lässt Rie Qudan offen und genau das ist mein Problem mit dem Buch.

Rie Qudan packt auf gerade mal 160 Seiten Themen rein, die locker für drei Bücher gereicht hätten: sexuelle Gewalt, Gleichberechtigung, Zensur, gesellschaftliche Oberflächlichkeit, Umgang mit Tätern, künstliche Intelligenz, emotionale Kontrolle. Das ist mutig, aber es kratzt eben vieles nur an. Und vor allem: Ich konnte die moralische Haltung der Autorin nicht greifen. Mal wirkt es wie ein Lob auf eine egalitäre Gesellschaft, mal wie eine Warnung vor ihrer Absurdität. Dazu mischen sich Vorurteile und subtile rassistische Stereotype, gleichzeitig aber auch Gleichheit und Empathie rein.

Spannend ist, dass Japan real gesehen fast das komplette Gegenteil lebt: ein hartes Strafsystem, hohe Verurteilungsquote, soziale Ausgrenzung. In diesem Kontext wirkt die Idee vom „Sympathy Tower“ fast schon wie ein Tabubruch. Aber will Qudan provozieren oder ernsthaft ein neues Gesellschaftsmodell entwerfen? Keine Ahnung und genau das macht’s für mich so frustrierend.

Trotzdem mochte ich Sara als Figur. Sie ist kalt und emotional zugleich, voller innerer Konflikte und damit ein gutes Spiegelbild des ganzen Romans. Tokyo Sympathy Tower ist widersprüchlich, manchmal überladen, aber irgendwie hat es mich trotzdem gepackt, es hätte nur mehr Raum gebraucht, um sein volles Potenzial zu entfalten.

6/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/08/05/rie-qudans-tokyo-sympathy-tower-kritik-oder-vision/

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Interessante Idee, bleibt aber fragmentarisch

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Die Architektin Sara Makina befindet sich im wichtigsten Wettbewerb ihrer Karriere. Sie will es sein, die den s.g. „Tokyo Sympathy Tower“ errichtet, einen 70-stöckigen Gefängnisturm, der mitten in einem ...

Die Architektin Sara Makina befindet sich im wichtigsten Wettbewerb ihrer Karriere. Sie will es sein, die den s.g. „Tokyo Sympathy Tower“ errichtet, einen 70-stöckigen Gefängnisturm, der mitten in einem Park in Shinjuku entstehen und in dem die Insassen ein luxuriöses Leben führen sollen. Eine Meinung will sie sich zum Projekt nicht erlauben – und dass, obwohl es in ihrer Vergangenheit durchaus ein Erlebnis gibt, weswegen sie den Turmbau ablehnen müsste.

„Tokyo Sympathy Tower“ ist das erste Werk der Autorin Rie Qudan, das ins Deutsche übersetzt wurde – und zwar von Ursula Gräfe, die auch schon die Texte von Haruki Murakami oder Sayaka Murata übertrug. Der Roman schildert die Ereignisse vor und nach dem Bau des Turms, wobei der Erzähler sowohl die Perspektive von Sara, als auch die ihres 15 Jahre jüngeren Liebhabers Takuto Tojo einnimmt. Das ist durchaus spannend, weil beide – vielleicht aufgrund ihres Alters, vielleicht aber auch aufgrund ihres Charakters oder ihrer Erfahrungen – eine sehr unterschiedliche Haltung zum Turm aufweisen.

Das Konzept, das zum Bau des Turms führte, erdachte der Soziologe und Glücksforscher Masaki Seto. Ihm zufolge steht dem „Homo felix“, dem glücklichen Menschen, der „Homo miserabilis“ gegenüber, also derjenige, der unser Mitleid verdient. So möchte er Kriminelle von nun an bezeichnet wissen und fordert unsere Empathie für Menschen ein, deren Schicksal oder Umstände ihnen weniger günstige Karten in die Hände gespielt haben. Dass diese Haltung nicht jeder teilt und es zu Demonstrationen, Bomben- und Morddrohungen und schließlich auch zu einem Attentat aufgrund des Turmbaus kommt, scheint nicht weiter verwunderlich.

Die Autorin stellt hier zwei sehr gegensätzliche Haltungen einander gegenüber, deren Wahrheit wohl irgendwo dazwischenliegt. Takuto unterstützt den Bau des Turms und lebt nach der Fertigstellung selbst dort. Der Journalist Max Klein, der einen Artikel über ihn schreiben soll, vertritt die Gegenposition. Ihm ist der Gedanke verhasst, dass Verbrecher im Luxus leben sollen, während er selbst zu kämpfen hat. Ein grundsätzlich sehr interessanter Roman, der aber fragmentarisch wirkt.

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Veröffentlicht am 09.05.2025

Architektur und Sprache

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Sara Machina ist eine bekannte Architektin in Japan und steht nun vor der Herausforderung, einen Gefängnisturm zu planen, der neben dem Olympiastadion in Tokio errichtet werden soll. Das Besondere an ...

Sara Machina ist eine bekannte Architektin in Japan und steht nun vor der Herausforderung, einen Gefängnisturm zu planen, der neben dem Olympiastadion in Tokio errichtet werden soll. Das Besondere an diesem Turm wird sein, dass er ein Gefängnis beherbergt, wobei aber das Wort „Gefängnis“ tunlichst vermieden wird. Die Inhaftierten sind dort Gäste, die in ansprechenden Appartements leben, die sich in Bibliotheken bilden können und denen man mit Fürsorge und Wohlwollen begegnet. Machina steht dem Konzept skeptisch gegenüber, möchte den Wettbewerb dann aber doch nicht einfach anderen überlassen.

Ein spannendes Thema, Architektur und Sprache sind interessant, der neu gedachte Umgang mit Straftätern weckt mein Interesse. Allerdings kommt im Roman dann alles anders als erwartet. Die Erkenntnis, dass Worte die Wirklichkeit prägen, wird mit einer Künstlichen Intelligenz diskutiert, aber wie sich dies tatsächlich auf die Menschen auswirkt, ob das Ausklammern von abwertenden Wörtern Vorteile nach sich zieht und die Turmbewohner bessere Menschen werden lässt, bleibt ein offenes Experiment. Denn im Buch geht es vielmehr um die Architektin selbst und ihre innere Zerrissenheit zwischen diversen Problemfeldern. Da kommen Themen zur Sprache wie Gendergerechtigkeit oder sexuelle Gewalt, Körpergerüche und porentiefe Hygiene, Euphemismen und bewusste Veränderung der Sprachstruktur. In inneren Monologen oder Dialogen, zum Teil mit einen Chatbot, wird dann diskutiert und überlegt.

Leider konnte mich dieser Roman weder inhaltlich noch sprachlich fesseln, die etwa 160 Seiten werden nicht durch eine stringente Handlung geprägt, sondern durch eine Fülle an Gedanken, welche teils vom Menschen, teils von der Künstlichen Intelligenz genährt werden. Möglicherweise bin ich mit einer falschen Erwartungshaltung an dieses Buch herangegangen, andere werden mitunter eher etwas mit dem Text anfangen können.