Jahreshighlight 2024
Blutverschmiert und barfuß lief Carolyn allein die zweispurige Asphaltstraße entlang, die die Amerikaner Highway 78 nannten. Die meisten Bibliothekare, Carolyn eingeschlossen, betrachteten sie eher als ...
Blutverschmiert und barfuß lief Carolyn allein die zweispurige Asphaltstraße entlang, die die Amerikaner Highway 78 nannten. Die meisten Bibliothekare, Carolyn eingeschlossen, betrachteten sie eher als Tacostraße, zu Ehren eines mexikanischen Restaurants, zu dem sie sich gelegentlich schlichen. - Seite 8
Es ist schon ein paar Wochen her, dass ich "Die Bibliothek am Mount Char" von Scott Hawkins gelesen habe, aber das Buch spukt mir weiterhin immer wieder durch die Gedanken und ich weiß ehrlich nicht, wie ich diese Gedanken in Worte fassen soll.
Einerseits möchte ich unfassbar viel über das Buch erzählen, gleichzeitig aber auch überhaupt nichts, um ja nicht zu viel vorwegzunehmen. Genau deswegen verzichte ich auch auf eine eigene Inhaltsangabe. Ich würde das Buch vermutlich sowieso nicht sinnvoll beschreiben können.
Als ich mit "Die Bibliothek am Mount Char" angefangen habe, war ich zunächst etwas enttäuscht. Ich kam nicht so richtig in die Story rein, alles war unheimlich verwirrend und nichts schien so richtig zusammenzupassen. In meinem Kopf war ein unfassbar riesiges Fragezeichen und ich bin ganz ehrlich - hätte ich das Buch nicht als BuddyRead gelesen, hätte ich es vermutlich abgebrochen. So hat es dann noch etwas länger die Chance bekommen, mich noch zu überzeugen.
Puuh und wie dieses Buch die Chance genutzt hat! Hätte mir jemand am Anfang gesagt, dass "Die Bibliothek am Mount Char" zu einem meiner Jahreshighlights 2024 wird, hätte ich die Person vermutlich ausgelacht, da ich mir das so überhaupt nicht vorstellen konnte.
Von Anfang an war die Atmosphäre richtig düster und bedrückend, es war alles so skurril. Das habe ich direkt gemocht, aber es war mir echt schon fast ein bisschen zu wirr.
Nach rund 150 oder 200 Seiten fing alles endlich an, mehr Sinn zu ergeben, ich habe angefangen, den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Perspektiven zu sehen. Ab der Hälfte konnte ich das Buch dann kaum noch aus der Hand legen - es ist so krass, sehr komplex, skurril, hat einen ganz speziellen Humor, steckt voller Gewalt und Grausamkeit. Gleichzeitig gibt es aber auch Hoffnung und die Erkenntnis, dass Wissen eine große Macht besitzt. Ich bin richtig beeindruckt, was sich aus diesem.. merkwürdigen Anfang alles entwickelt hat, wie die verschiedenen Perspektiven und Charaktere zusammenhängen, wie sich die Story und die vielen Charaktere entwickelt haben. Das war wirklich ganz großes Kino!
Mein Fazit:
Nach einem eher enttäuschenden Start hat sich "Die Bibliothek am Mount Char" zu einem echten Überraschungshit und einem der besten Bücher entwickelt, die ich 2024 gelesen habe. Die Atmosphäre ist so bedrückend und düster und hat mich nach und nach in ihren Bann gezogen, die Story war wirr, doch nach und nach lichtete sich das und die Zusammenhänge waren richtig krass.
Das Buch ist jedoch nicht für schwache Nerven, es steckt voller Brutalität und Grausamkeit - hier hätte ich mir tatsächlich Content Notes gewünscht.