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Veröffentlicht am 12.04.2026

Starker Einstieg mit deutlichem Gefälle

ZIMMER 706
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Eine Frau, die alles im Griff hat. Die ihren beruflichen und familiären Alltag bis ins kleinste Detail plant. Die in ihrem Leben keinen Platz lässt für Unvorhergesehenes. Bis zu dem Tag, als sie sich von ...

Eine Frau, die alles im Griff hat. Die ihren beruflichen und familiären Alltag bis ins kleinste Detail plant. Die in ihrem Leben keinen Platz lässt für Unvorhergesehenes. Bis zu dem Tag, als sie sich von einer Sekunde auf die andere in einer lebensbedrohlichen Extremsituation wiederfindet.

Besagte Frau - Kate - ist Mutter, Ehefrau und Geliebte. Während sie für ihre Kinder und ihren Mann eine recht klassische familiäre Rolle einnimmt, zeigt sie sich für ihren Lover James von einer gänzlich anderen Seite. Ihre Affäre, die bereits über sechs Jahre läuft, führt beide in regelmäßigen Treffen in irgendwelche Londoner Hotelzimmer.

Die Neuerscheinung führt die Leser in ein Hotelzimmer mit der namensgebenden Nummer 706. Exakt dieses Zimmer können die beiden verheirateten Erwachsenen mit einem verheimlichten Doppelleben nach ihrem Stelldichein jedoch nicht mehr verlassen, weil das gesamte Hotel von Terroristen eingenommen wurde. Polizei und Presse ist vor Ort. Alle Menschen im Hotel - Gäste wie Bedienstete – gelten nun als Geiseln.

Der Leser erlebt die sehr unterschiedlichen Reaktionen zweier Erwachsener unter maximalem Stress. Wer holt die Kinder ab, wenn ich hier nicht rauskomme? Werden mich meine konstruierten Ausreden entlarven? Wie wird mein Partner reagieren, wenn er durch die Polizei oder die Presse erfahren wird, dass ich mit einem Mann / einer Frau in einem Hotelzimmer feststecke, in dem ich garnicht sein sollte?

Der Roman ist wahnsinnig spannend konstruiert. Die ersten Kapitel sind zweifelsohne packend. Im Laufe des Buches rücken die Vergangenheit und die Charaktere der beiden Lover stärker in den Vordergrund. Die Spannung nimmt deutlich ab, dafür sind es die Dialoge und die Empfindungen, die alle folgenden Kapitel bestimmen.

Das Buch wird direkt auf Cover und Klappentext als mitreißend und thrillerartig beschrieben. Etwas, was dem Buch eher nicht guttut. Meine Erwartungen waren dadurch hoch angesetzt. Nach den ersten Kapiteln verblassten die thrillerartigen Elemente jedoch und ich war kaum noch mitgerissen. Aus der Story hätte die Autorin meiner Ansicht nach viel mehr rausholen können, denn der Plot ist absolut grandios.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Zwischen Trends und Tatsachen

Der hochfrequente Mensch
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Ein Sachbuch, das auf den ersten Blick gleich mit einer ganzen Reihe von Superlativen arbeitet: Hochsensibel, hochbegabt, hochfrequent. Wer genau ist damit gemeint? Sind nicht nahezu alle gesunden Kinder ...

Ein Sachbuch, das auf den ersten Blick gleich mit einer ganzen Reihe von Superlativen arbeitet: Hochsensibel, hochbegabt, hochfrequent. Wer genau ist damit gemeint? Sind nicht nahezu alle gesunden Kinder hochbegabt, bevor sie im Leistungsdruck des deutschen Schulsystems bestehen müssen? Empfinden sich nicht mehr und mehr Menschen als hochsensibel in einer immer schneller agierenden und immer ruppiger werdenden Gesellschaft? Und was könnte es bedeuten, gar als hochfrequent bezeichnet zu werden? All diese Fragen wird in dieser Neuerscheinung nachgegangen.

Die Begrifflichkeiten dahinter führen den Leser in erklärende Kapitel zur Neurologie, Psychologie und Quantentheorie. Letztendlich bestimmt die individuelle – energetische - Schwingung eines jeden Menschen sein Verhalten nach außen und sein Selbstverständnis nach innen. In feinen Differenzierungen kann sich der Leser unter Umständen in einer oder mehrere der Beschreibungen wiederfinden.

Was bedeutet es für einen Menschen, in seiner Frequenz „anders“ zu sein als der Durchschnitt der Gesellschaft? Was bedeutet es konkret für unzählige Alltagssituationen, die Rolle in der Familie und in einem beruflichen Kontext? Was in der Regel als eine Schwäche ausgelegt wird – zu sensibel zu sein, zu still zu sein, zu introvertiert zu sein – gehört in Zukunft gesellschaftlich neu ausgerichtet. Auch diese Menschen – oder GERADE diese Menschen – bringen in ein Team, in eine Familie, in unsere Gesellschaft etwas ein, was andere Charaktere nicht tun.

Hochfrequente Tendenzen als ein positives Alleinstellungsmerkmal zu erkennen, dafür setzt sich die Autorin Cordula Roemer ein. Sie betont in ihrem Buch mehrfach, dass sich die Menschheit energetisch derzeit in einem Wandel befindet. Hochfrequente Menschen sieht sie quasi als eine Art Vorreiter in diesem energetischen Shift.

„Der hochfrequente Mensch“ fordert vom Leser ein gutes Maß an Konzentrationsfähigkeit, denn die Erklärungen sind detailliert und anspruchsvoll. Auch ein Mindestmaß an Weltoffenheit sollte der Leser mitbringen, denn es werden physikalische und medizinische Tatsachen angesprochen, die landläufig eher weniger bekannt sind. Dafür wird der Leser mit tief anregenden Kapiteln belohnt, die einen wohlwollenden Blick auf die Zukunft unserer Gesellschaft werfen. Wir alle sind Teil einer fortlaufenden Anpassung des Menschen an seine Umwelt.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Am Mindset arbeiten

Glimmer
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Gar nicht mal so selten erzähle ich davon, wer oder was mich im Alltag „getriggert“ hat. Der englische – eingedeutschte - Begriff hat mittlerweile einen festen Bezug erhalten und wird von meinem Gegenüber ...

Gar nicht mal so selten erzähle ich davon, wer oder was mich im Alltag „getriggert“ hat. Der englische – eingedeutschte - Begriff hat mittlerweile einen festen Bezug erhalten und wird von meinem Gegenüber problemlos verstanden. Dass es jedoch auch das exakte Gegenteil eines Triggers gibt, wissen hingegen die Wenigsten. Diese „Glimmer“ stehen im Zentrum der gleichnamigen Neuerscheinung.

Ein Trigger übt negative Reize aus und lässt negative Emotionen entstehen, während ein Glimmer positive Reize ausübt und positive Emotionen nach sich zieht. So weit, so einfach. Auf individueller Ebene ist das Thema jedoch weitaus komplexer: Was den Einen triggert, lässt den Anderen total kalt. Was dem Einen sein Glimmer, dem Anderen seine Gleichgültigkeit.

Wie kann der Leser nun seine ganz individuellen Triggerpunkte und Glimmerpunkte erkennen? Genau dazu leitet der Autor Bernhard Tewes an. Hier fungiert das Buch als eine Art Leitfaden für ein verändertes Mindset: Wissen anhäufen und meine ganz eigene Sichtweise der Dinge clever anpassen – mit dem Ziel, a) mehr Glimmer in meinem Leben zu erkennen und b) meinen Triggern weniger Raum zu lassen.

Über leitende Fragestellungen und ausführliche Erfahrungsberichte anderer Personen ist das Buch locker aufgebaut. Auch gibt der Autor durch konkrete Übungen immer wieder kleinere Impulse, das Gelesene auch direkt in den Alltag zu überführen. Mindset in the making…

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Fragile Psyche in fragiler Natur

Das Nest
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Diese Neuerscheinung transportiert eine ganz eigenen Atmosphäre: Mit wenigen Stilmitteln schafft es die Autorin beim Leser ein Gefühl der Bedrohung zu erzeugen. Durch die kalten Wetterlagen der Geschichte ...

Diese Neuerscheinung transportiert eine ganz eigenen Atmosphäre: Mit wenigen Stilmitteln schafft es die Autorin beim Leser ein Gefühl der Bedrohung zu erzeugen. Durch die kalten Wetterlagen der Geschichte und die eher düstere Stimmung meiner Ansicht nach ein perfektes Buch für zum Beispiel einen kalten Januar.

"Das Nest" spielt an der englischen Küste, genauer gesagt in und um eine Wohnwagensiedlung für Touristen. Fran hat in dieses Unternehmen investiert und lebt seitdem mit ihrem Mann und ihrem Sohn als Besitzerin und Verwalterin an der eher einsamen Küste. Frans Leidenschaft jedoch ist die Ornithologie. Sie ist nahezu immer auf der Suche nach Gelegenheiten, um die Vogelwelt zu beobachten. So ist das titelgebende Nest auch ein Vogelnest, welches kurzzeitig auch eine konkrete Rolle in diesem Roman erhält.

Aspekte eines Familienromans werden hier mit Aspekten eines Kriminalromans gemischt. Einmal sind es die Beziehungen der Menschen untereinander, einmal sind es konkrete strafrechtliche Vergehen, die diese düstere Stimmung erzeugen. Als Leser hatte ich rasch das Gefühl, niemand aus der ganzen Reihe von Protagonisten ist dort glücklich und nahezu niemand ist dort ehrlich. Aus den unterschiedlichsten Hintergründen ist dort nahezu jede Person direkt oder indirekt bedroht.

Einige Handlungen erschienen mir nicht wirklich logisch. Viele Verhaltensweisen der Personen konnte ich ebenfalls nicht recht nachvollziehen. Vielleicht greifen hier Emotionen und Logik so ineinander, wie es für mich persönlich einfach nicht typisch wäre. Vielleicht schwingt hier aber auch eine kulturelle Komponente mit ein, was den Typ Mensch im rauen, ländlichen England ausmacht?

Ein stimmungsstarkes Buch. Die Beklemmungen beim Lesen waren für mich spürbar. In diesem Aspekt ein wirklich starker Schreibstil.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Bestärkung zur Abgrenzung - lass die andern sich verändern und bleib so wie du bist

Die LET THEM Theorie
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Glücklich ist, wer versteht welche Aspekte er in seinem Leben ändern kann und sie auch tatsächlich ändert. Und wer versteht, die Aspekte, die er eben partout nicht ändern kann, einfach zu lassen.

Die ...

Glücklich ist, wer versteht welche Aspekte er in seinem Leben ändern kann und sie auch tatsächlich ändert. Und wer versteht, die Aspekte, die er eben partout nicht ändern kann, einfach zu lassen.

Die deutsche Übersetzung des U.S.-amerikanischen Bestsellers, Die LET THEM-Theorie, bietet Menschen eine Anleitung zur bewussten Abgrenzung. Zum Erkennen, wo unser Einfluss endet. Kann oder kann ich nicht die Beziehung/Situation/Abläufe ändern? Im Zweifelsfall lass sie!

Insbesondere richten sich die Ansätze auf dein Gegenüber: Wir können das Verhalten der Menschen um uns herum nicht ändern. Wir können vor allem nicht beeinflussen, was sie über uns denken. Sobald wir das verstanden haben, lassen wir sie einfach. Das macht uns frei von deren Urteilen. Das nimmt uns den Druck anderen immer gefallen zu wollen.

Diese Denkansätze sind wahrlich nicht neu. Ganz im Gegenteil eher so alt wie manch historischer Philosoph. Doch derart inspirierend geschrieben, vermischt mit persönlichen Erfahrungen, ergibt sich daraus ein Buch für Erwachsene aller Altersgruppen, die über sich selbst reflektieren möchten. Die Autorin will ihre Leser bestärken, eine bewusste Abgrenzung vorzunehmen zu all den Situationen, die wir eh nicht beeinflussen können. Selbstzweifel und Perfektionismus können damit über Bord geworfen werden und eine neue Leichtigkeit kann in den Alltag einziehen.

Wird das LET THEM-Prinzip konsequent gelebt, ergeben sich zwangsläufig massig Situationen, wo eine Abgrenzung auch zu Partnern, Familienmitgliedern und Freunden nötig würde. Ab dem Punkt der engsten Beziehungen konnte ich nicht mehr vollends mit der Autorin mitgehen. Da war meine persönliche Grenze der Abgrenzung erreicht. Wichtig und richtig empfinde ich in dem Zusammenhang die explizite Betonung der Autorin, dass sich die LET THEM-Theorie ausschließlich auf die Beziehung von Erwachsenen untereinander richtet. Kinder und Jugendliche sollten keinesfalls derartig „gelassen“ werden - sie brauchen zwingend liebevolle Anleitungen.

Nahezu täglich kommt mir seit Lesen des Buches ein LET THEM in den Sinn. Bei flüchtigen Bekannten oder gänzlich Unbekannten ist das im Alltag tatsächlich mein vorherrschender Ansatz geworden. Es gibt meiner Ansicht nach zwei Typen von Menschen, die von der LET THEM-Theorie besonders profitieren könnten: Sehr gefallsüchtige Menschen und sehr aufbrausende Menschen. Gerade diese Charaktere könnten durch die Anwendung von LET THEM langfristig mehr Distanz und mehr Ruhe in ihre Beziehungen bringen.

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