Cover-Bild Nicht
(4)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 192
  • Ersterscheinung: 22.04.2026
  • ISBN: 9783257073881
Dror Mishani

Nicht

Markus Lemke (Übersetzer)

Ein Mann in seinen Fünfzigern. Er hat offenbar nichts mehr zu verlieren, obwohl noch so viel vor ihm liegt. Die Kinder sind aus dem Haus, KI bedroht seine Arbeit als Übersetzer. Vor allem hat der Tod seiner Frau alles infrage gestellt. Eine solche Liebe, da ist er sich sicher, wird er kein zweites Mal finden. Bis ihm bei gemeinsamen Freunden eine Cellistin begegnet. Es entspinnt sich, so leicht, als ob es Vorsehung wäre, ein verheißungsvolles Verhältnis, und plötzlich steht wieder alles auf dem Spiel.

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.05.2026

Von der Lüge und ihren Konsequenzen

0

"Nicht" von Dror Mishani ist ein Büchlein von nicht einmal 200 Seiten, das sich schnell und leicht liest, und trotzdem oder gerade deshalb tief nachhallt und es so richtig in sich hat.

Worum geht es? ...

"Nicht" von Dror Mishani ist ein Büchlein von nicht einmal 200 Seiten, das sich schnell und leicht liest, und trotzdem oder gerade deshalb tief nachhallt und es so richtig in sich hat.

Worum geht es? Eli ist Anfang 50, verwitwet und mit erwachsenen Kindern, und kann sein Glück kaum fassen, als er die faszinierende Künstlerin Lia kennen lernt, sich in sie verliebt und eine Beziehung mit ihr beginnt. Wie schön, dass ihm noch einmal eine Chance auf so ein schönes Liebesglück gewährt wird!

Doch genau genommen ist es eine Dreierbeziehung, denn eine sehr große Liebe gibt es schon in Lias Leben: ihren langjährigen treuen Begleiter, den Kanaan-Hund Felix. Eli hatte bisher nicht viel mit Hunden zu tun und weiß nicht wirklich etwas über den Umgang mit ihnen, doch Lia zuliebe ist er bereit, den Hund auch in sein Leben zu lassen und sagt sogar zu, sich während eines mehrtägigen Auslandsaufenthaltes seiner neuen Partnerin um diesen zu kümmern. Ein eigenwilliger, kräftiger Hund und ein etwas zögerlicher Mann, der nichts von diesen Tieren versteht... kann das gut gehen? Tut es natürlich nicht, und so kommt es, wie es kommen muss: der Hund läuft davon, kommt zu Schaden und ist erst einmal weg, als Lia von ihrer Reise zurückkehrt.

Eli ist fest davon überzeugt, dass er nun sein neues Liebesglück mit Lia zerstören würde, wenn er ihr ehrlich gestehen würde, welchen Anteil er am Verschwinden des Hundes hatte und was wirklich geschehen ist. Und so erzählt er eine erste Lüge, die rasch weitere Lügen nach sich zieht, sodass er sich in ein ganzes Netz von Lügen verstrickt und immer weniger Möglichkeiten sieht, sich aus diesem zu befreien. Bis es zu einer unerwarteten Wendung kommt.

Das, und vieles mehr, ist die vordergründige Handlung des Buches.

Verfasst ist das Buch ungewöhnlicherweise in der Du-Form: "Du malst dir aus, wie du in vier Tagen zu einer Koryphäe für klassische Musik wirst, und wenn Lia aus Wien zurückkommt und dich fragt, was sollen wir heute Abend hören, sagst du: Das Streichquartett in g-Moll von Debussy würde zu unserer Stimmung passen, oder? Mittags läufst du durch ihr Viertel wie ein japanischer Tourist durch Venedig, suchst dir ein Café aus und bestellst einen Caprese-Salat und ein Glas Weißwein mitten am Tag. Du bist umgeben von Schränken, die du öffnen kannst und in denen sich Abschnitte ihres Lebens verstecken, von denen du nichts weißt - vielleicht sogar dunkle Kapitel oder gar Leichen - , aber du machst sie nicht auf, aus Respekt vor Lias Privatsphäre und für das Vertrauen, das sie dir schenkt." (S. 55/56)

Diese Erzählweise wirft interessante Fragen danach auf, wer hier eigentlich die Geschichte aus welcher Perspektive erzählt. Und immer wieder schimmern, so wie auch in der oben zitierten Textstelle, Hinweise auf die verborgene Tiefe der mehreren Jahrzehnte Erwachsenenlebens, die beide schon ohne einander verbracht und durchlebt haben, und die damit möglicherweise verbundenen Prägungen und Geheimnisse durch. Es ist eben nicht das gleiche wie im jungen Erwachsenenalter, wenn sich zwei Menschen im mittleren Lebensalter neu kennen lernen und verlieben, und beide tragen wohl ihr Päckchen mit sich herum.

Eli ist eben verwitwet, zu den Kindern hat er ein eher distanziertes Verhältnis und innerlich hat er in sich viele ungelöste Fragen, insbesondere in Bezug auf all das, was rund um den Tod seiner früheren Frau Oschra "nicht" passiert ist. Wenn man das Buch sorgfältig liest, findet man viele diesbezügliche Referenzen auf den Titel der deutschsprachigen Fassung des Buches, die zum Nachdenken anregen (man zähle z.B. in dieser Textstelle all die nicht/nichts/keine):

"Oschra ist gestorben, weil sie nicht mehr leben wollte", formst du Worte, von denen du einen Augenblick zuvor noch nicht gewusst hast, dass du sie sagen würdest. Nicht wegen der Krankheit, an der sie litt. Sie hat gesagt, sie habe keine Gründe weiterzuleben. Dass sie nicht mehr würde tanzen können und ihre große Karriere ohnehin verpasst hatte. Aber ich denke, es gab noch mehr Dinge, die sie beeinflusst haben und von denen ich nichts weiß, weil sie mir nichts darüber erzählt hat. Ich habe alles versucht, was ich konnte, um sie zu überreden, sich behandeln zu lassen, aber sie wollte davon nichts hören, und mein Sohn verzeiht mir das bis heute nicht. Ich weiß nicht, ob er denkt, sie wollte wegen mir nicht mehr leben oder dass ich beharrlicher hätte versuchen müssen, sie am Leben zu halten. Aber ich habe es versucht. Und nicht geschafft. Ich weiß nicht, was ihr passiert wäre, wäre sie mit jemand anderem verheiratet gewesen. Sie hat gesagt, das Leben habe ihr genügt. Dass sie nicht wieder gesund werden wolle. Das hat sie gesagt, gleich als wir von der Ärztin kamen, beim ersten Mal. Auf der Straße noch. Dass sie nicht mehr leben wolle. Und das war es." (S. 182)

Ich spüre beim Verfassen dieser Rezension, wie mich dieses Buch auch mehrere Wochen nach Beenden der Lektüre emotional tief berührt und mich zum Nachdenken auf verschiedenen Ebenen und über verschiedene Themen anregt. Da gibt es die vordergründige Handlung und die damit verbundenen Themen Vertrauen, Ehrlichkeit und Lüge in Beziehungen und die Frage, ob und unter welchen Bedingungen, vielleicht auch für welche Persönlichkeiten, sich auf einer kleinen Lüge, die weitere nach sich zieht, überhaupt eine tragfähige Beziehung aufbauen lassen kann.

Doch darunter liegen weitere Fragen wie die nach einem Neuanfang in der Mitte des Lebens, der eine Neudefinition der eigenen Persönlichkeit verlangt, aber gleichzeitig so viel biografisches Untergrundmaterial hat, auf dem diese zwangsläufig aufbauen muss. Damit ist es auch ein Buch, das die Frage nach dem stellt, was wir nicht nur tun, sondern auch unterlassen, nach unserer Verantwortung und Schuld im Leben, nach dem Bedauern danach, und was all diese Gefühle mit uns machen und wie diese schwere Last der Vergangenheit die Leichtigkeit einer neuen Verliebtheit mitbeeinflusst.

Es ist eine große Meisterschaft, in ein so kurzes und unterhaltsames Buch so viele tiefgründige existenzielle Lebensfragen einzubauen! Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen und kann es allen, die philosophische und zweideutige Bücher mögen, die auf clevere Weise zum Nachdenken anregen, sehr empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.05.2026

Sprachgewaltig - wie ein Sog

0

Meine Meinung

Nicht mein erstes und auch nicht mein letztes Buch vom israelische Schriftsteller Dror Mishani.

Wer seine Bücher kennt, weiß wie sprachgewaltig Mishani in seinen Büchern ist. Auch bei "Nicht" ...

Meine Meinung

Nicht mein erstes und auch nicht mein letztes Buch vom israelische Schriftsteller Dror Mishani.

Wer seine Bücher kennt, weiß wie sprachgewaltig Mishani in seinen Büchern ist. Auch bei "Nicht" ist es ihm gelungen. Das Buch mit weniger als 200 Seiten, hatte ich innerhalb von einem Tag gelesen.

Die Erzählperspektive, aus welcher der Autor das Buch, schildert ist speziell, denn er selbst, der Protagonist Eli, wird in der Du - Form beschrieben.

Was er erzählt ist ein intensives Porträt eines Mannes, Eli, der nach dem Tod seiner Frau zwischen Stillstand (Trauer um Oschra) und Hoffnung auf einen Neuanfang gefangen ist. Ich habe mich in seinen inneren Konflikten, seinen Ängsten und seinem vorsichtigen Wieder‑Öffnen für Nähe immer wieder wiedergefunden.

Die Handlung selbst bleibt bewusst klein und doch riesig (und schlimm) - ein Hund, ein Unfall, eine verschwiegene Wahrheit. Doch aus dieser kleinen Verfehlung entwickelt Mishani eine stille Spannung, die sich immer weiter verdichtet. Ich mochte, wie er aus alltäglichen Situationen existenzielle Fragen formt – über Schuld, Verantwortung, Wahrheit und die Zerbrechlichkeit neuer Liebe. Lia bleibt dabei bewusst schemenhaft, fast neblig, was für mich perfekt funktioniert: Sie ist weniger Figur als Spiegel für Elis innere Bewegung. Was mich am meisten überzeugt hat, ist die emotionale Präzision. Jede Szene sitzt, jede Andeutung trägt, jede Leerstelle wirkt.


Für mich ist das einer dieser Romane, die lange nachhallen, weil sie mehr fühlen lassen als erzählen.

Fazit / Folge nach dem Buch: Vielleicht habe ich jetzt auch ein wenig Trust - Issues, wenn jemand während ich Verreist bin, sich um meine Haustiere kümmert...


Klappentext

Ein Mann in seinen Fünfzigern. Er hat offenbar nichts mehr zu verlieren, obwohl noch so viel vor ihm liegt. Die Kinder sind aus dem Haus, KI bedroht seine Arbeit als Übersetzer. Vor allem hat der Tod seiner Frau alles infrage gestellt. Eine solche Liebe, da ist er sich sicher, wird er kein zweites Mal finden. Bis ihm bei gemeinsamen Freunden eine Cellistin begegnet. Es entspinnt sich, so leicht, als ob es Vorsehung wäre, ein verheißungsvolles Verhältnis, und plötzlich steht wieder alles auf dem Spiel.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2026

Tolles Buch

0

Zum Inhalt:
Ein Mann in den Fünfzigern, der seine Frau verloren hat, die Kinder aus dem Haus und einen Beruf als Übersetzer, der vermutlich demnächst von KI übernommen wird. Er ist sicher, dass die Liebe ...

Zum Inhalt:
Ein Mann in den Fünfzigern, der seine Frau verloren hat, die Kinder aus dem Haus und einen Beruf als Übersetzer, der vermutlich demnächst von KI übernommen wird. Er ist sicher, dass die Liebe ihm nicht mehr begegnen wird, doch dann lernt er eine Frau kennen und alles ist so schön bis ein Unfall alles wieder zu zerstören droht.
Meine Meinung:
Was für ein ungewöhnliches Buch. Schon die Art, wie es geschrieben war, hat mir ungeheuer gut gefallen. Eli und Lia haben mir im Zusammenspiel und wie sie beschrieben werden, gut gefallen. Man fragt sich auch zwischendurch, wie man selbst in der Situation gehandelt hätte, aber wie Eli sich immer mehr in Lügen verstrickt, zeigt wirklich deutlich, dass es so hart auch ist, besser bei der Wahrheit zu bleiben. Eli hat damit beinahe wieder alles aufs Spiel gesetzt. Lias Reaktion auf das Ereignis fand ich teilweise schon etwas sehr dramatisch, aber wenn man selbst nicht in so einer Situation steckt oder mal gesteckt hat, ist das natürlich leicht zu sagen. Besonders gut hat mir der außergewöhnlich Schreibstil gefallen.
Fazit:
Tolles Buch

Veröffentlicht am 29.04.2026

Hat mir nicht so gefallen

0

Das ganze Buch dreht sich um Eli, Lia und den Hund Felix. Eli passt auf Lias Hund auf. Dabei läuft der Hund weg und wird überfahren. Eli schafft es nicht, es Lia zu erzählen und begräbt den Hund heimlich. ...

Das ganze Buch dreht sich um Eli, Lia und den Hund Felix. Eli passt auf Lias Hund auf. Dabei läuft der Hund weg und wird überfahren. Eli schafft es nicht, es Lia zu erzählen und begräbt den Hund heimlich. Jetzt dreht sich alles um die Suche nach dem Hund.
Der Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Das Buch ist in der Du-Form geschrieben. Dialoge sind im Fließtext kursiv geschrieben. Wer gerade spricht, ist nur im Kontext zu erkennen. Die Dialoge sind in der Ich-Form. Außerdem waren mir die Protagonisten unsympathisch. Anfangs hätte ich das Buch am liebsten abgebrochen. Aber im Laufe der Zeit habe ich mich an den Schreibstil gewöhnt und das Buch hat einen gewissen Sog entwickelt. Nur was will der Autor außer dem Seelen-Striptease noch sagen.
Bis jetzt kannte ich nur die Krimis dieses Autors, die mir gut gefallen haben. Dieses Buch ist ganz anders und hat mir nicht so gefallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere