Cover-Bild Evil Eye
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6,99
inkl. MwSt
  • Verlag: pola
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 25.04.2025
  • ISBN: 9783759600158
Etaf Rum

Evil Eye

Roman | Feinsinniger Pageturner der palästinensisch-amerikanischen Bestsellerautorin
Heike Reissig (Übersetzer)

Nach außen hin führt Yara ein perfektes Leben: Sie hat ein abgeschlossenes Studium, einen guten Job, erzieht parallel die beiden Töchter und bereitet das Abendessen vor, wenn ihr Mann nach langen Arbeitstagen nach Hause kommt. Doch wieso fühlt es sich nicht richtig an? Woher kommen ihre Unzufriedenheit, ihre Wutausbrüche, ihre zunehmende Verzweiflung? Als Yara nach einem Zwischenfall auf der Arbeit gezwungen wird, eine Auszeit und psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen, kommt ein Stein ins Rollen und sie beginnt, sich ihren Gefühlen zu stellen. Evil Eye erzählt von der Bedeutung eines erfüllten Lebens und wie unsere unbewältigte Vergangenheit unsere Gegenwart beeinflusst.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.06.2025

Ein berührendes Werk

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"Evil Eye" war der erste Roman von Etaf Rum, den ich gelesen habe. Es wird sicher nicht dabei bleiben!

Yara, die Hauptprotagonistin, ist in Amerika geboren, hat aber palästinensische Wurzeln. Sie hat ...

"Evil Eye" war der erste Roman von Etaf Rum, den ich gelesen habe. Es wird sicher nicht dabei bleiben!

Yara, die Hauptprotagonistin, ist in Amerika geboren, hat aber palästinensische Wurzeln. Sie hat ein abgeschlossenes Studium, arbeitet halbtags, kümmert sich um ihre beiden Kinder, versorgt den Haushalt und sorgt außerdem dafür, dass ihr Ehemann Fadi abends pünktlich im Bett vor dem Fernseher sein Abendessen bekommt. Das alles unter der ständigen Kritik ihrer Schwiegermutter, die sehr traditionell denkt. Als Yara in ihrem Beruf gegenüber einer Kollegin laut wird, wird ihr empfohlen, eine Therapie zu machen. Es dauert lange, bis Yara bereit ist, sich ihren Gefühlen und deren Ursachen zu stellen.

Yara's Geschichte, ihre Vergangenheit und ihr Leben haben mich sehr berührt. Etaf Rum beschreibt in sehr eindringlicher und wunderbarer Sprache ihren Weg zu sich selbst, aber auch die Ursachen ihrer Wutanfälle. Yara arbeitet mittels eines Tagebuchs ihre Kindheitstraumata auf, die sich auf ihr ganzes Leben auswirken. Sie beschreibt die toxische Beziehung zu Fadi, häusliche Gewalt und Depression. Empfindliche Personen sollten unbedingt die im Buch enthaltene Triggerwarnung beachten! Der Roman schildert Yara's Leben heute und wird immer wieder durch ihre Tagebucheinträge unterbrochen, Immer mehr verstehen die Leser:Innen Yara und ihre Persönlichkeit.

Ein lesenswertes Werk, eine Geschichte, die wütend und zugleich traurig macht. Ich bin froh, es gelesen zu haben! Es ist keine leichte Lektüre, es ist ein Buch, dass lange nachhallt. >Ein Buch, das hoffentlich vielen Frauen in ähnlichen Situationen Mut macht, sich ihrer Vergangenheit und sich selbst zu stellen und nicht zu versuchen, alles alleine zu bewältigen.

Dieser Roman gehört sicher zu meinen Jahreshighlights und ich empfehle es sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Die Erwartungen der anderen nicht mehr erfüllen

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"Alles in ihrem Leben war eine Aufeinanderfolge von Dingen, die sie eigentlich gar nicht machen wollte, Erwartungen, zu deren Erfüllung sie sich verpflichtet fühle: Sie hatte geheiratet, um ihrem Elternhaus ...

"Alles in ihrem Leben war eine Aufeinanderfolge von Dingen, die sie eigentlich gar nicht machen wollte, Erwartungen, zu deren Erfüllung sie sich verpflichtet fühle: Sie hatte geheiratet, um ihrem Elternhaus entfliehen zu können. Sie war in eine Kleinstadt nach North Carolina gezogen, weil ihr Mann dort arbeitete. Sie hatte Kinder bekommen, weil die Frauen in ihrem Leben das schon immer so machten. Sie hatte einen öden Job angenommen, weil er mit den Stundenplänen ihre Kinder vereinbar war. Hatte sie alles nur getan, um der Welt etwas zu beweisen, oder sich selbst? Hatte sie sich selbst beweisen wollen, dass sie ihren eigenen Weg gehen konnte, oder die Traditionen aufzugeben? Dass sie beides haben konnte, Freiheit und Familie, ohne das eine für das andere opfern zu müssen?
Doch warum fühlte es sich trotzdem so an, als hätte sie etwas geopfert? Warum ließ sie das zu?
Als ihr die Antwort klar wurde, kaute Yara auf der Innenseite ihrer Wange, bis der Schmerz sie beruhigte. Sie hatte es zugelassen, weil sie von klein auf gelernt hatte, dass Gehorsam ein größeres Gefühl von Sicherheit bot als Freiheit."

Die junge Protagonistin Yara in Etaf Rums Roman "Evil Eye" ist Tochter palästinensischer Einwanderer in Amerika, hat zwei Töchter, ist verheiratet und arbeitet als Kunstdozentin. Obwohl sie sich selbst als privilegiert betrachtet, besonders im Gegensatz zu ihrer Mutter früher, ist sie unzufrieden mit ihrem Leben. Sie wollte immer frei sein, als Künstlerin arbeiten und reisen. Nichts davon kann sie umsetzen. Sie ist unzufrieden, alles fühlt sich falsch an und sie neigt zu Wutausbrüchen und Niedergeschlagenheit. Nach außen hin funktioniert sie, innerlich ist sie unruhig. Yara ist alleine mit ihren Gefühlen, sie hat keine Freundschaften außerhalb der Ehe.
Als Yara nach einem Zwischenfall auf der Arbeit gezwungen wird, eine Auszeit sowie psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen, muss sie sich ihren Gefühlen und dem Trauma ihrer Kindheit stellen. Doch dies fällt Yara sehr schwer.

"Worte sind mir schon immer schwer gefallen. Manches lässt sich durch Sprache einfach nicht ausdrücken."

"William sagt, durch das Schreiben lasse sich das Unaussprechliche in eine Geschichte verwandeln. Aber ich will keine Geschichte erzählen. Ich will mich befreien."

Nach und nach begreift Yara, dass sie so nicht weitermachen kann. Es ging ihren Eltern damals und geht ihrer Familie, ihrem Umfeld immer noch hauptsächlich darum, dass sie die kulturell geprägten Rollenbilder, Erwartungen und Verpflichtungen erfüllt.

"Wss würden die Leute denken? Es wäre zwecklos gewesen, weiter mit ihm darüber zu reden, da die Meinung andere Leute im grundsätzlich mehr wert war als die Wünsche seiner eigenen Tochter. Ihre Brüder dagegen hatten ihre Träume ungehindert verwirklichen dürfen."

Als Yara ihren Job verliert, ist sie erst verzweifelt. Doch dank einer neuen Therapeutin, sich entwickelnden Freundschaften und mithilfe eines Tagebuchs gelingt es ihr, die transgenerationalen Traumata zu durchbrechen und den Mut für ein selbstbestimmtes Leben zu finden.

"'Dein Ruf ist alles, was Du in dieser Welt hast', sagte Baba. 'Sonst hast Du nichts.'
'Oh doch', erwiderte Yara. 'Du hast deinen Anstand. Deine Familie. Die Gewissheit, dass du ein ehrbares Leben führst. Und du hast die Chance, ehrlich zu dir selbst zu sein. Und deinen Kindern ein gutes Vorbild zu sein und sie in einer liebevollen Umgebung aufzuziehen. 'Sie wischt sich die Tränen von der Wange. 'Wen kümmert es, was die Leute denken, wenn du nicht das Rückgrat hast, in den Spiegel zu schauen?'"

„Evil Eye“ ist ein ruhiges, feinfühliges und sehr intensives Buch, das mich von Anfang an in den Bann gezogen hat. Ich mochte den Schreibstil der Autorin sowie Aufbau des Romans sehr. Dank der Tagebucheinträge konnte man sich noch mehr in Yara hineinversetzen.
Gegen Ende geht alles ein wenig schnell im Vergleich zum vorher eher langsamen Aufbau, dennoch hat mich „Evil Eye“ voll überzeugt. Ein Roman über patriarchale Strukturen, psychische Gesundheit, kulturelle Identität und Herkunft, Mutterschaft und vieles mehr.
Von mir gibt es hier eine ganz klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Außergewöhnlich

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„Evil Eye“ von Etaf Rum erzählt die Geschichte von Yara, einer jungen Frau, die alles hat, was man sich wünschen sollte: Studium abgeschlossen, guter Job, Familie. Doch unter der glatten Oberfläche brodelt ...

„Evil Eye“ von Etaf Rum erzählt die Geschichte von Yara, einer jungen Frau, die alles hat, was man sich wünschen sollte: Studium abgeschlossen, guter Job, Familie. Doch unter der glatten Oberfläche brodelt es – sie ist gereizt, unglücklich, innerlich zerrissen. Erst ein Vorfall bei der Arbeit zwingt sie zum Innehalten. In der Therapie beginnt sie, den Blick nach innen zu richten – und zu begreifen, wie sehr alte Wunden ihr heutiges Leben bestimmen.

Das Buch erzählt von Selbstfindung, familiärer Prägung und dem Mut, den es braucht, um sich ein eigenes Leben aufzubauen — vor allem wenn man so aufgewachsen ist, wie die Protagonistin. Ihre Geschichte hat mir sehr viel gegeben und ich habe mit ihr mitgefühlt, sie angefiebert und so darauf gehofft, dass das Buch ein positives Ende nimmt.

Etaf Rum beschäftigt sich in „Evil Eye“ damit, wie es ist, als ethnische Minderheit in den USA aufzuwachsen, mit Migranten als Eltern und einem Trauma, das Yaras Familie schon seit Generationen begleitet. Das hat mir mal wieder gezeigt, wie wichtig es ist, dass mehr diverse Geschichten die Buchbranche erobern.

Neben den Thematiken des Romans hat mir auch der Schreibstil gut gefallen. Einfühlsam und einzigartig versetzt die Autorin die Leser:innenschaft in Yaras Welt. Einzig die oft sehr ausführlichen gedanklichen Ausflüge haben das Lesen für mich zäher gestaltet als nötig. Dennoch ein sehr gutes Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen möchte — vor allem, wenn man als Leser:in über den Tellerrand schauen möchte. Ich vergebe vier Sterne.

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