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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2026

Tolle Sommerlektüre

Weißer Sommer
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"Weißer Sommer" erzählt die Geschichte von Alma und Théo, zwei jungen Künstler:innen, die sich in Südfrankreich kennenlernen und eine intensive Beziehung aufbauen. Als Théo später zu Alma nach München ...

"Weißer Sommer" erzählt die Geschichte von Alma und Théo, zwei jungen Künstler:innen, die sich in Südfrankreich kennenlernen und eine intensive Beziehung aufbauen. Als Théo später zu Alma nach München zieht, wird schnell deutlich, dass Liebe allein nicht alle Unsicherheiten und Unterschiede ausgleichen kann. Während beide versuchen, ihren Platz im Leben und ihre eigene Identität zu finden, geraten ihre Beziehung und ihre Zukunft immer wieder ins Wanken.
Besonders gelungen fand ich, wie nahbar und echt die Figuren wirken. Man begleitet Alma und Théo über verschiedene Zeitebenen hinweg durch ihren Alltag, ihre Zweifel, Sehnsüchte und unausgesprochenen Konflikte. Gerade Théos innere Zerrissenheit zwischen Heimatgefühl, Neuanfang und der Angst, sich in der Beziehung selbst zu verlieren, hat mich sehr berührt.

Der Schreibstil ist atmosphärisch und bildhaft, sodass man beim Lesen oft das Gefühl hat, mitten in den Szenen zu sein. Das sommerliche Setting in Südfrankreich, die melancholische Grundstimmung und die leisen, emotionalen Momente erinnern stellenweise an die Atmosphäre von Call Me by Your Name, die Beziehung der beiden an Normal People.
Anfangs haben mich die Perspektivwechsel und Zeitsprünge zwar etwas herausgefordert, aber sobald ich in die Geschichte hineingefundenhatte, konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Für mich ist es ein sehr emotionales und beeindruckendes Debüt über Liebe, Selbstfindung und die Frage, was man eigentlich vom Leben erwartet.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Spannendes Debüt

Wassermann
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Der Roman „Wassermann“ von Lukas Hoffmann fällt schon durch sein ruhiges, stimmungsvolles Cover auf, das die nachdenkliche Atmosphäre der Geschichte widerspiegelt. Im Mittelpunkt steht Luk, der auf der ...

Der Roman „Wassermann“ von Lukas Hoffmann fällt schon durch sein ruhiges, stimmungsvolles Cover auf, das die nachdenkliche Atmosphäre der Geschichte widerspiegelt. Im Mittelpunkt steht Luk, der auf der Suche nach seinem Platz im Leben ist und gleichzeitig mit der schweren Krankheit seiner Mutter umgehen muss. Sein Auslandssemester in Barcelona wirkt dabei wie ein Versuch, Abstand zu gewinnen und sich selbst neu zu orientieren.
Die Geschichte ist leise, emotional und stellenweise auch schwer auszuhalten. Sie wird bewusst fragmentarisch erzählt, lässt Fragen offen und schafft dadurch Raum für eigene Gedanken.
Hoffmanns Schreibstil ist klar und reduziert, aber sehr wirkungsvoll. Die Figuren wirken authentisch, weil sie Zweifel, Unsicherheiten und Entwicklung zeigen. Auch gesellschaftliche Ereignisse wie die Unruhen in Barcelona werden realistisch eingebunden.
Insgesamt ist „Wassermann“ ein ruhiger, tiefgründiger Roman, der durch seine emotionale Ehrlichkeit überzeugt und lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Intensiv und ungewöhnlich

Die Routinen
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Das Debüt von Son Lewandowski hat mich überrascht – Leistungssport war bisher kein Thema, zu dem ich gegriffen hätte, aber dieses Buch hat mich sofort gepackt. Die Geschichte spielt während der Turn-Europameisterschaften ...

Das Debüt von Son Lewandowski hat mich überrascht – Leistungssport war bisher kein Thema, zu dem ich gegriffen hätte, aber dieses Buch hat mich sofort gepackt. Die Geschichte spielt während der Turn-Europameisterschaften 2003 in Antalya und begleitet die Turnerin Amik, die nach einem Unfall ihrer jüngeren Teamkollegin beginnt, ihre eigene Karriere und ihr Verhältnis zum Sport zu hinterfragen.
Besonders gelungen fand ich den Wechsel zwischen Amiks Perspektive und den Einblicken in das Leben anderer Turnerinnen. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild eines Sports, der nach außen glänzt, aber hinter den Kulissen von enormem Druck, Disziplin und oft auch Ausbeutung geprägt ist. Themen wie Körperbilder, Konkurrenz, Machtmissbrauch und die fehlende Kindheit der Athletinnen werden eindringlich verarbeitet.
Der Roman ist zudem in reale Hintergründe eingebettet, was die Geschichte noch beklemmender macht. Er zeigt schonungslos, welchen Preis diese jungen Mädchen für Erfolg zahlen – körperlich wie emotional.
Ein sprachlich starkes und inhaltlich intensives Buch, das lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Liebe und Abhängigkeit

Sommer der schlafenden Hunde
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Mich hat das Buch vor allem durch seine direkte, ungeschönte Art und die intensive Spannung zwischen Lena, Trice und Sascha gepackt. Die Beziehungen fühlen sich dabei alles andere als harmonisch an. Eher ...

Mich hat das Buch vor allem durch seine direkte, ungeschönte Art und die intensive Spannung zwischen Lena, Trice und Sascha gepackt. Die Beziehungen fühlen sich dabei alles andere als harmonisch an. Eher widersprüchlich, aufgeladen und geprägt von einem ständigen Wechsel aus Nähe und Distanz. Gerade zwischen Lena und Trice entsteht keine typische Freundschaft, sondern eine komplizierte, teils zerstörerische Verbindung voller Abhängigkeit und Verlangen.
Beim Lesen baut sich eine dichte, fast drückende Stimmung auf, in der sich Liebe und Gewalt immer wieder überschneiden.
Saschas Tod zieht sich dabei wie ein wunder Punkt und ein roter Faden und durch die ganze Geschichte und durch das Leben von Trice und Lena.
Insgesamt ist der Roman keine leichte Lektüre sondern eine eindringliche Erinnerung dran, wie gefährlich Nähe sein kann und wie schwer es ist, Grenzen zu setzen und zu wahren.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Sehr eindringlich

Schlaf
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"Schlaf" von Honor Jones ist ein leiser, aber zutiefst eindringlicher Roman über Kindheit, Mutterschaft und die Art, wie alte Wunden unser Leben auch Jahrzehnte später prägen. Die Geschichte folgt Margaret ...

"Schlaf" von Honor Jones ist ein leiser, aber zutiefst eindringlicher Roman über Kindheit, Mutterschaft und die Art, wie alte Wunden unser Leben auch Jahrzehnte später prägen. Die Geschichte folgt Margaret in zwei Zeitebenen: als Kind in einem instabilen Elternhaus und als frisch geschiedene Mutter, die versucht, ihre Tochter großzuziehen und dabei nicht dieselben Fehler von früher zu wiederholen.
Ihre Mutter Elizabeth ist emotional nicht verfügbar, oft überfordert und schnell bereit, Margaret die Schuld an allem zu geben. Dahinter steht jedoch ein noch schwereres Thema: Margaret wurde als Kind sexuell missbraucht, und ihre Mutter sah weg.
Das Buch beschreibt diese Thematik nicht grafisch oder sensationsheischend, sondern sensibel und nüchtern und genau dadurch wirkt es umso stärker.

Im Erwachsenenalter, nun selbst Mutter einer Tochter im ähnlichen Alter wie sie damals, beginnt Margaret ihre Vergangenheit neu zu betrachten. Der Roman zeichnet diesen Prozess der Selbstreflexion sehr feinfühlig nach: Wie wir geprägt wurden, wie wir uns verändern und wie wir trotz allem weiterleben. Die Figuren sind komplex, fehlbar und erschreckend realistisch. Der Text enthält viele wunderschöne, poetische Passagen, ohne die Schwere des Themas zu beschönigen.

"Schlaf" ist ein intensiver, introspektiver Roman, der keine Vergebung fordert, sondern zulässt, dass alle Widersprüche und Verletzungen nebeneinander existieren dürfen.
Triggerwarnungen sollten beachtet werden, denn einige Ereignisse aus Margarets Kindheit sind schwer auszuhalten.

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