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Annaliebtbuecher

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

Wilde Hühner Vibes

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Sophie steckt in ihrem Leben fest und beschließt, etwas zu verändern: Sie kauft kurzerhand ein Haus in der Provinz. Dass dieses in Ostdeutschland liegt und zudem renovierungsbedürftig ist, nimmt sie wegen ...

Sophie steckt in ihrem Leben fest und beschließt, etwas zu verändern: Sie kauft kurzerhand ein Haus in der Provinz. Dass dieses in Ostdeutschland liegt und zudem renovierungsbedürftig ist, nimmt sie wegen des günstigen Preises in Kauf. Die ruhige, abgelegene Lage und die damit verbundene Einsamkeit prägen die besondere Atmosphäre des Romans.

Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst vor Ort zu sein – man kann sich das Haus, die Umgebung und auch die Stille sehr gut vorstellen. Der Schreibstil von Anna Katharina Scheidemantel ist dabei sehr zugänglich und schafft es, die Gedanken und Gefühle der Protagonistin greifbar zu machen. Besonders gelungen fand ich, wie die Mischung aus Überforderung, Unsicherheit und dem Wunsch nach Veränderung dargestellt wird ohne die Renovierungsarbeiten und den Ausbruch aus dem Alltag zu romantisieren.

Der Roman greift viele Fragen auf, mit denen man sich gerade in den Zwanzigern (und ehrlich gesagt auch darüber hinaus) beschäftigt: Wo will ich hin? Was bedeutet ein erfülltes Leben? Sophie wirkt dabei gleichzeitig entschlossen und verloren, was sie sehr authentisch macht. Ihr Versuch, sich aus dem gewohnten Alltag zu lösen und etwas Eigenes aufzubauen, steht im Mittelpunkt der Geschichte.

Auch wenn der Roman alles andere als plottgetrieben ist und oft nicht viel im klassischen Sinne passiert, konnte mich das Buch dennoch fesseln. Es lebt stark von der inneren Entwicklung der Figur und eher von Stimmungen als von Handlungen. Gerade das hat für mich den Reiz ausgemacht.
Insgesamt ist es ein stiller, nachdenklicher Roman, der sich Zeit lässt und gut in den (Früh-) Sommer passt.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Ein Fels in der Brandung

Felsenfest
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„Felsenfest“ von Nora Imlau ist für mich kein klassischer Erziehungsratgeber, den man einmal liest und dann ins Regal stellt. Vielmehr ist es ein Buch, das immer wieder daran erinnert, worauf es im Familienalltag ...

„Felsenfest“ von Nora Imlau ist für mich kein klassischer Erziehungsratgeber, den man einmal liest und dann ins Regal stellt. Vielmehr ist es ein Buch, das immer wieder daran erinnert, worauf es im Familienalltag wirklich ankommt: nicht auf Perfektion, sondern auf echte Verbindung, Verständnis und innere Stabilität.
Besonders berührt hat mich die ruhige, klare Art, mit der Nora Imlau beschreibt, wie Eltern auch in herausfordernden Momenten ein sicherer Anker für ihre Kinder sein können. Dabei verbindet sie fachliches Wissen mit ehrlichen, alltagsnahen Beispielen, sodass sich vieles vertraut und gut umsetzbar anfühlt. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, abgeholt und verstanden zu werden.
Das Buch nimmt spürbar Druck raus: Man muss nicht alles „richtig“ machen, sondern darf auch Fehler machen . Wichtig ist, Verantwortung zu übernehmen und authentisch zu bleiben. Es geht darum, präsent zu sein, zuzuhören und auch mal Abweichungen zu Routinen zu erlauben.
Die kurzen Texte, Gedankenanstöße und liebevollen Illustrationen von Frau Annika machen „Felsenfest“ zudem zu einem besonderen Leseerlebnis, das sich eher wie eine kleine Auszeit anfühlt als wie ein typischer Ratgeber.
Für mich ist es ein stärkendes, ehrliches Buch, das Mut macht, den eigenen Weg als Familie zu gehen. Mit mehr Vertrauen, Leichtigkeit und innerer Ruhe. Ideal auch als Geschenk für andere Eltern oder einfach für sich selbst.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Spannung mit kleinen Schwächen

Ultramarin
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Ultramarin beginnt mit einer intensiven und vielversprechenden Atmosphäre. Das Setting an der dänischen Küste und die Einblicke in Lous Gedankenwelt lassen früh erkennen, dass sich die Geschichte um Macht, ...

Ultramarin beginnt mit einer intensiven und vielversprechenden Atmosphäre. Das Setting an der dänischen Küste und die Einblicke in Lous Gedankenwelt lassen früh erkennen, dass sich die Geschichte um Macht, Abhängigkeit und unausgesprochene Gefühle dreht. Besonders die Beziehung zwischen Lou und Raf sorgt von Anfang an für eine spürbare Spannung.

Durch Rückblenden erfährt man nach und nach mehr über ihre Beziehung – vom ersten Kennenlernen bis zu den Momenten, in denen Rafs kontrollierendes Verhalten immer deutlicher wird. Diese Perspektivwechsel geben der Geschichte zwar Tiefe, wirken später aber stellenweise etwas unklar, da vieles nur angedeutet bleibt.
Dann taucht Nora auf und die Dynamik verändert sich was neue Spannung reinbringt.

Trotzdem verliert die Geschichte im Verlauf etwas an Stärke, sodass das Ende nicht ganz die Wirkung entfaltet, die der Anfang verspricht.
Insgesamt zeigt Ann-Christin Kumm ein gutes Gespür für komplexe Beziehungen, auch wenn nicht alle Ansätze vollständig ausgearbeitet wirken.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Ein besonderer Roadtrip

Grüne Welle
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Nach einem Kinoabend steigt eine Frau in ihren alten Golf und fährt los – eigentlich nur nach Hause. Doch sie verpasst die Abfahrt, dann die nächste, und plötzlich folgt sie einfach der „grünen Welle“ ...

Nach einem Kinoabend steigt eine Frau in ihren alten Golf und fährt los – eigentlich nur nach Hause. Doch sie verpasst die Abfahrt, dann die nächste, und plötzlich folgt sie einfach der „grünen Welle“ durch die Nacht. Aus einer scheinbar spontanen Entscheidung entwickelt sich eine längere Fahrt, die immer mehr zu einem inneren Prozess wird. Während die Kilometer vorbeiziehen, denkt sie über ihr Leben nach: über ihre Beziehung, Erwartungen und die Rolle, in die sie sich selbst gebracht hat.

Die nächtliche Autobahn und der begrenzte Raum des Autos schaffen eine dichte Atmosphäre. Gleichzeitig wird dieser Raum zu einem Rückzugsort, in dem Erinnerungen und Zweifel auftauchen. Lange begleitet die Frage die Geschichte, warum die Protagonistin nicht einfach umkehrt. Antworten entstehen nur nach und nach, oft eher zwischen den Zeilen als in klaren Erklärungen.

Der Roman lebt weniger von äußerer Handlung. Innerlich passiert dagegen sehr viel in der Frau. Obwohl man der namenlosen Hauptfigur nicht wirklich nahe kommt, wirkt sie in ihrem Verhalten und ihrer Entwicklung sehr menschlich und nachvollziehbar. Mit ruhiger, atmosphärischer Sprache baut die Autorin eine stetige Spannung auf und zeichnet einen Roadtrip, der sich zugleich wie eine Reise zu sich selbst anfühlt.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Endlich neue Geschichten von Herrn Hütchen

Herr Hütchen sagt Gute Nacht - Neue Einschlaf-Geschichten aus dem Wald
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„Herr Hütchen sagt Gute Nacht. Neue Einschlafgeschichten aus dem Wald“ ist ein liebevolles Vorlesebuch für Kinder ab etwa fünf Jahren, das sich wunderbar als Einschlafbegleitung eignet.
Im Mittelpunkt ...

„Herr Hütchen sagt Gute Nacht. Neue Einschlafgeschichten aus dem Wald“ ist ein liebevolles Vorlesebuch für Kinder ab etwa fünf Jahren, das sich wunderbar als Einschlafbegleitung eignet.
Im Mittelpunkt steht wie in Band 1 Herr Hütchen, ein fürsorgliches Eichelmännchen, das mit seinen Leuchtpilzen durch den Wald zieht und den Tieren beim Einschlafen hilft. Manchmal bekommt er Unterstützung vom eigentlich fürs Wecken zuständigen Käfer Klickklack, der trotz seiner etwas rauen Art schnell unser heimlicher Lieblingscharakter wurde.

In den einzelnen Kapiteln begleiten wir die unterschiedlichsten Waldbewohner, die aus ganz eigenen Gründen nicht zur Ruhe kommen. Herr Hütchen hört zu, nimmt Sorgen ernst und findet behutsame Lösungen – mal durch kleine Fantasiereisen, mal durch praktische Einschlafrituale oder eine kindgerechte „Checkliste“ fürs Zubettgehen. Selbst Themen wie Albträume werden ruhig und einfühlsam aufgegriffen, ohne dabei zu aufregend zu werden. Besonders schön ist das wiederkehrende Gute-Nacht-Lied, das Kinder schnell zum Mitsingen einlädt.
Es gibt im Verhältnis zu Bildern relativ viel Text, meine Kinder wurden manchmal ungeduldig aber die Kapitel haben mit etwa sechs bis acht Minuten eine ideale Länge für das Abendritual. Die Geschichten sind abwechslungsreich und zugleich durch wiederkehrende Figuren miteinander verbunden, sodass eine stimmige Gesamtatmosphäre entsteht.

Auch optisch überzeugt das Buch: Die Illustrationen von Barbara Scholz sind warmherzig, detailreich und unterstreichen die ruhige, geborgene Stimmung der Erzählungen. Insgesamt ist „Herr Hütchen sagt Gute Nacht“ ein rundum gelungenes Vorlesebuch, das Kinder sanft in den Schlaf begleitet und Eltern ein verlässlicher Begleiter für entspannte Abendstunden sein kann.

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