Viel Atmosphäre, wenig greifbare Handlung
Schon das Cover vermittelt eine warme und gleichzeitig leicht melancholische Sommerstimmung, die sich durch das gesamte Buch zieht. Die Geschichte begleitet eine Gruppe ehemaliger Studienfreunde während ...
Schon das Cover vermittelt eine warme und gleichzeitig leicht melancholische Sommerstimmung, die sich durch das gesamte Buch zieht. Die Geschichte begleitet eine Gruppe ehemaliger Studienfreunde während einiger gemeinsamer Tage in einem Haus am See. Schnell wird deutlich, dass sich vieles verändert hat und alte Verbindungen längst nicht mehr so selbstverständlich sind wie früher.
Besonders stark fand ich die Atmosphäre des Romans. Zwischen gemeinsamen Essen, Gesprächen und stillen Momenten entsteht ständig das Gefühl, dass unter der Oberfläche etwas brodelt. Viele Figuren wirken unzufrieden oder unsicher, obwohl nach außen alles harmonisch erscheint.
Der Fokus liegt weniger auf einer klassischen Handlung als auf Beziehungen, Gedanken und Stimmungen. Genau das machte das Buch stellenweise interessant, manchmal aber auch etwas anstrengend. Einige Themen und Konflikte wurden angeschnitten, ohne wirklich weitergeführt zu werden. Dadurch blieb bei mir öfter das Gefühl zurück, dass noch mehr möglich gewesen wäre.
Die Figuren waren für mich teilweise schwer greifbar und blieben emotional eher auf Distanz. Trotzdem mochte ich die Beobachtungen über Freundschaft, Erwachsenwerden und unterschiedliche Lebensentwürfe. Besonders gelungen fand ich, wie die Autorin dieses Gefühl eingefangen hat, sich trotz gemeinsamer Vergangenheit langsam voneinander entfernt zu haben.
Der Schreibstil liest sich flüssig und ruhig. Vor allem die Naturbeschreibungen und die sommerliche Stimmung konnten mich immer wieder abholen. Das Ende wirkte auf mich allerdings etwas abrupt und ließ einige Fragen offen.
Komplett überzeugt hat mich der Roman zwar nicht, aber atmosphärisch war er trotzdem etwas Besonderes. Vor allem Leserinnen und Leser, die ruhige, charakterorientierte Geschichten mögen, könnten hier viel für sich mitnehmen.