Komplexe Geschichte mit wenig Emotionen
Die Schatten der Solaren UnionIm Prolog starten wir kurz vor den Wahlen des Präsidenten der Solaren Union. Es wird gleich klar, wie aufgeheizt die Stimmung ist. Obwohl die Menschheit inzwischen verschiedene Planeten unseres Sonnensystems ...
Im Prolog starten wir kurz vor den Wahlen des Präsidenten der Solaren Union. Es wird gleich klar, wie aufgeheizt die Stimmung ist. Obwohl die Menschheit inzwischen verschiedene Planeten unseres Sonnensystems besiedelt hat, schlagen sie sich immer noch mit den immer gleichen Problemen unserer Zeit herum. Minderheiten werden gehasst und für Schwierigkeiten und Katastrophen verantwortlich gemacht.
In dieser aufgeheizten Stimmung verfolgen wir die politische Elite der Solaren Union. Schon kurz nach den Wahlen müssen sich der Präsident Julius Marek und die Vizepräsidentin Selena Veyra mit den eskalierenden Problemen der Solaren Union herumschlagen. Dabei scheint jeder seine ganz eigenen Ziele zu verfolgen.
Ich hatte das Glück, an einer Leserunde teilnehmen zu dürfen, an der sich auch der Autor selbst beteiligt hat. Er will mit seinem Buch zum Nachdenken anregen und hat auch die Leserunde dementsprechend gestaltet. Die Diskussionen dort haben mir sehr viel Spaß gemacht.
Allerdings wäre das Buch für mich ohne diese Leserunde vielleicht ein völliger Flop geworden. Ich hätte es wahrscheinlich sogar abgebrochen. Und das liegt nicht daran, dass die Welt nicht durchdacht oder der Schreibstil grundsätzlich schlecht wäre. Das größte Problem für mich war die Distanz, die der gewählte neutrale Erzähler zwischen mir und den Figuren erzeugte. Wir erhalten keinerlei direkten Einblick in die Gedanken oder Emotionen. Darüber hinaus fehlen Rückblenden, die uns Charaktereigenschaften näherbringen könnten. Für mich blieben die Figuren damit bloße Projektionsflächen und manche Handlungen schienen nicht zu der bisherigen Darstellung zu passen. Leider blieben mir die Charaktere am Ende auch völlig egal.
Darüber hinaus haben mich die ausschweifenden Beschreibungen von Räumen und vor allem der Kleidung der Charaktere aus dem Lesefluss gebracht. Die vielen Details waren für mich oft zu viel und sie waren auch in der weiteren Geschichte oft völlig belanglos. Oft hatte ich das Gefühl, dass ich eine verborgene Botschaft erkennen müsste, die aber nie geliefert wurde.
Leider fühlte ich mich von den verschiedenen Wendungen im Buch auch nicht wirklich überrascht. Alle Charaktere lassen schon relativ am Anfang durchscheinen, dass sie einige Opfer für ihre Ziele bringen würden.
Insgesamt bin ich nicht überzeugt von den „Schatten der Solaren Union“. Es gibt aber sehr unterschiedliche Meinungen über die Geschichte und ich denke, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, ob dieser Erzählstil dem eigenen Geschmack entspricht. Es kann auch sein, dass sich noch einiges im zweiten Teil der Dilogie aufklärt, ich bin aber momentan nicht sicher, ob ich noch weiterlesen werde.