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Veröffentlicht am 26.08.2022

Die Leichenflüsterin

Wer mit den Toten spricht
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Cassie Raven, die als Assistentin in der Gerichtsmedizin arbeitet, kommt anfangs ein wenig schräg und überspitzt gezeichnet daher, was einerseits an ihrem eher unkonventionellen Äußeren liegt, andererseits ...

Cassie Raven, die als Assistentin in der Gerichtsmedizin arbeitet, kommt anfangs ein wenig schräg und überspitzt gezeichnet daher, was einerseits an ihrem eher unkonventionellen Äußeren liegt, andererseits an der Tatsache, dass sie mit den Toten spricht.
So auch, als eines Tages der 15-jährige Bradley auf dem Seziertisch landet.
Während Cassie seiner Todesursache schrittweise näher kommt, ist sie dem zuständigen Pathologen stets ein Dorn im Auge.

In Band 2 muss sich Cassie aber hauptsächlich mit ihrer Vergangenheit auseinander setzen.

Als sie klein ist, sterben ihre Eltern bei einem Autounfall, zumindest wird sie jahrelang in dem Glauben gelassen. Sie wächst bei ihrer polnischen Großmutter Weronika auf und erfährt erst viel später, dass die Wahrheit eine ganz andere ist. Ihr Vater Callum soll ihre Mutter ermordet haben und saß dafür 17 Jahre im Gefängnis.
Als er unerwartet den Kontakt zu ihr sucht, blockt sie ihn zunächst ab.
Stimmt die Behauptung ihres Vaters, unschuldig zu sein?

Mit der Unterstützung von DS Phyllida Flyte begibt sie sich auf Spurensuche und kommt dem Täter unerwartet nah.

Wer Band 1 vorab nicht gelesen hat, kann hier trotzdem gut in die Story einsteigen und bekommt stellenweise sogar einen kleinen Rückblick zum Vorgänger.
Die Charaktere sind authentisch und einnehmend gezeichnet, ohne dabei rollenbedingte Klischees zu bedienen.

Während in Band 2 Geheimnisse nach und nach ans Licht kommen und stückchenweise wie Puzzleteile im Verlauf der Geschichte immer mehr ein logisches Gesamtbild ergeben, verliert die Story bis zum Ende nicht an Spannung und Glaubwürdigkeit.

Und obwohl die Erzählperspektive häufig zwischen Cassie und DS Flyte hin und her wechselt, bleibt die Handlung erfrischend übersichtlich und einnehmend.

Gerade der Anteil über die Vorgänge der Gerichtsmedizin ist anschaulich, interessant und spannend dargestellt.
Hierbei wartet die Autorin ganz klar mit beeindruckender Authentizität durch gut recherchiertes medizinisches Fachwissen auf und lässt damit bei der Leichenschau tief blicken und hat mich gerade an diesen Stellen besonders überzeugen können.

Dank Oma Wenronika gibt es übrigens noch zusätzlich einen Polnisch-Sprachexkurs für den nächsten Urlaub gratis oben drauf!

Abschließend ist „Wer mit den Toten spricht“ ein wahrhaftig formvollendeter, ausgereifter Thriller der nichts vermissen lässt, mich begeistern hat und auch eine starke und gelungene Fortsetzung zu Band 1 darstellt.

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Veröffentlicht am 24.08.2022

Nichts für schwache Nerven!

Der Insasse
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Nachdem der Sohn von Feuerwehrmann Till Berkhoff spurlos verschwindet, lässt sich dieser unter einem Vorwand und auf der Suche nach Antworten in den Hochsicherheitstakt der Psychiatrie einweisen.
Denn ...

Nachdem der Sohn von Feuerwehrmann Till Berkhoff spurlos verschwindet, lässt sich dieser unter einem Vorwand und auf der Suche nach Antworten in den Hochsicherheitstakt der Psychiatrie einweisen.
Denn dort sitzt seit kurzem ein Kindermörder, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auch seinen Sohn Max auf dem Gewissen hat, bisher aber keine weiteren Taten gestanden hat.


Das erste Kapitel bildet einen genialen Auftakt für das, was in den weiteren noch auf den Lesenden wartet.
Die Entwicklungen in der Story ist voller unvorhersehbarer Kniffs und Wendungen und bis zum Schluss wird man vom Autor schön an der Nase herumgeführt.
Der konstant hochgehaltene Spannungsbogen, der Schreibstil und die recht kurz gehaltenen Kapitel, haben mich das Buch geradezu verschlingen lassen!
Und das, obwohl ich zunächst die Befürchtung hatte, das Buch vorzeitig abbrechen zu wollen, da es in der Handlung auch um einen Kindesmörder geht und mir diese Thematik momentan nicht sonderlich liegt.
Die Sorge erwies sich letztlich als unbegründet, trotzdem ist das Buch nichts für Zartbesaitete!

Mit „Der Insasse“ habe ich nun meine Fitzek-Premiere gefeiert, heißt auch, ich konnte vollkommen unvoreingenommen an die Story herangehen und bin schlussendlich wirklich begeistert!
Ich freue mich auf die weiteren Ausgaben, die bereits auf meinem SuB auf mich warten!

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Veröffentlicht am 10.08.2022

Ein Leben für den Widerstand

Die Wagemutige
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Die Roman-Biografie handelt von der österreichischen Widerstandskämpferin Lisa Fittko, die während der Nazi-Zeit, unter Einsatz ihres Lebens und zusammen mit ihrem Mann Hans, zahlreiche Menschen über die ...

Die Roman-Biografie handelt von der österreichischen Widerstandskämpferin Lisa Fittko, die während der Nazi-Zeit, unter Einsatz ihres Lebens und zusammen mit ihrem Mann Hans, zahlreiche Menschen über die französisch-spanische Grenze in die Freiheit schleust.

Nachdem sie 1933 aus Deutschland ausgewiesen wird, flieht sie nach Frankreich ins Exil.
Als die Nationalsozialisten hier einmarschieren, landet sie jedoch als „feindliche Ausländerin“ in einem südfranzösischen Internierungslager, aus dem ihr gemeinsam mit ihrer Freundin Paulette 1940 die Flucht nach Marseille gelingt.
Während Lisa hofft, dort auf Hans zu treffen, verliebt sie sich Hals über Kopf in einen anderen Mann.
Als die Möglichkeit zur Ausreise für sie in greifbare Nähe rückt und die Schlinge der Nazis sich immer weiter zu zieht, entscheidet sie sich gegen ein Leben in Sicherheit und für die Rettung weiterer Regime-Flüchtlinge.

Autorin Caroline Bernard nimmt die Autobiografie der als Lisa Fittko bekannten Widerstandskämpferin, stellvertretend für die zahlreichen mutigen und entschlossenen Frauen, die im Exil und Widerstand gegen das Hitler-Regime gekämpft haben.

Mit der Einbindung einer fiktiven romantischen Liebesgeschichte zwischen Lisa und dem Amerikaner Louis, wird die Handlung zwischenzeitlich spürbar aufgelockert, ohne dass die Thematik an Ernsthaftigkeit, Aussagekraft und Bedeutsamkeit verliert.
Vielmehr gelingt es der Autorin in ihrem Roman, die Gefahren, den die Charaktere ständig ausgesetzt sind, anschaulich und greifbar zu transportieren, so dass man mit ihnen mitfiebert und fühlt.

Der Gesamteindruck überzeugt trotz eines kleinen historisch-inkorrekten Fauxpas zu Beginn des Buches.

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Veröffentlicht am 05.08.2022

Abgründe der Menschlichkeit

Krähenmädchen
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„Krähenmädchen“ von dem Autorenduo Erik Axl Sund, erschienen im Goldmann-Verlag, bildet der Auftakt der Victoria Bergman-Triologie.

In Schwedens Hauptstadt tauchen in kurzen Abständen Leichen von zu Tode ...

„Krähenmädchen“ von dem Autorenduo Erik Axl Sund, erschienen im Goldmann-Verlag, bildet der Auftakt der Victoria Bergman-Triologie.

In Schwedens Hauptstadt tauchen in kurzen Abständen Leichen von zu Tode misshandelten Jungen auf, deren Identitäten nicht festgestellt werden können, da es sich offensichtlich um Kinder handelt, die keiner vermisst.
Auf der Suche nach dem Täter kreuzen sich hierbei die Wege von Polizeikommissarin Jeanette Kihlberg und der Psychologin Sofia Zetterlund.
Es stellt sich die Frage:
„Wie viel Leid kann ein Mensch verkraften, eher er selbst zum Monster wird!“

Auf den 480 Seiten wird man zwangsläufig immer wieder mit den Abgründen der Menschlichkeit konfrontiert, in der Gewissheit, dass dies nicht einfach der Phantasie der zwei Autoren entspringt, sondern für viele Kinder bittere Realität ist oder war!
Die Geschichte thematisiert nicht nur Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch, sondern auch die vielschichtigen Auswirkungen, die dies auf die menschliche Psyche hat.

Bereits beim Lesen des ersten Kapitels wurde mir klar, dass dieses Buch nichts für schwache Nerven ist!
Auch wenn es nicht konkret angesprochen wird, lassen die Schilderungen sehr viel Interpretationsspielraum für das, was an Grausamkeiten vermutlich im Anschluss noch auf den Lesenden wartet.
Allein die Vorstellungen des Möglichen haben mich daran zweifeln lassen, ob ich dieses Buch wirklich weiterlesen möchte.
Während die Grundsubstanz mich stellenweise fassungslos gemacht und entsetzt hat, wirken die Nebenstränge der Handlung, wie bespielsweise die Eheprobleme der Hauptprotagonistin Jeanette Kihlberg mit dem brotlosen Künstler teilweise langatmig, zusammenhanglos und unnötig.
Das Buch ist durchzogen von ständigen Orts- und Zeitwechseln, die viel Aufmerksamkeit erfordern, um der Geschichte in der Gesamtheit folgen zu können.
Einen Spannungsaufbau kann man hierbei jedoch nicht erwarten und so plätschert die Story mehr oder weniger vor sich hin.
Der einzige Höhepunkt bildet der Cliffhänger am Ende.

Letztlich habe ich deutlich mehr von diesem Buch erwartet. Es konnte mich keineswegs so weit fesseln, dass ich im Anschluss nun unbedingt Teil 2 und 3 lesen möchte.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Schöne Romantic-Escape-Story

Das kleine Café in Kopenhagen
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Kate, Angestellte in einer PR-Agentur, wird bei der anstehenden Beförderung von ihrem Kollegen Josh hinterrücks ausgebootet und sieht eine neue Chance mit der PR-Kampagne für das dänischen Hjem-Kaufhaus.
Dafür ...

Kate, Angestellte in einer PR-Agentur, wird bei der anstehenden Beförderung von ihrem Kollegen Josh hinterrücks ausgebootet und sieht eine neue Chance mit der PR-Kampagne für das dänischen Hjem-Kaufhaus.
Dafür muss sie 6 Journalisten für eine 5-tägige Entdeckungsreise nach Kopenhagen gewinnen, die dort mit dem dänischen „Hygge“ auf Tuchfühlung gehen sollen, um die Briten für die Lebensweise des glücklichsten Volkes auf dem Erdball zu begeistern.
Jedoch gestaltet sich dieses Vorhaben zunächst schwieriger als gedacht.
Kate hat anfangs Mühe, die mitunter sehr egozentrischen Charaktere zusammen zu halten und auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Und dann ist da auch noch Ben, der Wirtschaftsjournalist der zunächst gar keine Lust auf „Hygge“, „Kanelsnegle“ und die gesamte Pressereise hat und in dessen Gegenwart die Luft zu knistern anfängt.
„Das kleine Café in Kopenhagen“ ist das erste Buch aus der Romantic-Escape-Reihe von Julie Caplin.
Die Autorin verfügt über einen sehr angenehmen, flüssigen Schreibstil und hat es direkt geschafft, mich in Dänemarks wunderschöne Hauptstadt mitzunehmen und mit ihren detaillierten Beschreibungen gleich ein kleines bisschen Fernweh nach Dänemark auszulösen.
Mit Kate und Ben hat sie zudem zwei sehr sympathische Hauptprotagonisten geschaffen, bei denen es wirklich Spaß macht, die anfänglichen Schlagabtausche und mitzuerleben und dabei zu zuschauen, wie mit der Zeit die Funken zwischen den Beiden sprühen.
Der bunte Strauß an Nebencharakteren, der sich zunächst wie ein Sack voll Flöhe auf Klassenfahrt verhält, wirkt spätestens nach dem ein oder anderen Seelenstriptease nur noch halb so wild und es entwickelt sich eine zunehmend harmonische Gruppendynamik, die bis zum Ende anhält.
Am Schluss hat mich das Buch ein wenig enttäuscht, auch weil die Hauptprotagonistin durchaus mehr Selbstbewusstsein verdient hätte, als die Autorin ihr im Verlauf der Geschichte zugestand.
Insgesamt ein kurzweiliges Lesevergnügen, das mich an einigen Stellen zum Lachen gebracht hat und mir gleichzeitig Lust auf einen Dänemark-Urlaub bescherte.

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