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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.04.2026

Spannungsarm

Bachelorette Party
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Tessa macht ihrer Freundin Anneliese eine Freude und trifft sich mit ihr auf einer abgelegenen Schäreninsel. Dort möchte Anneliese ihren Junggesellinnenabschied feiern, fernab der Zivilisation und ohne ...

Tessa macht ihrer Freundin Anneliese eine Freude und trifft sich mit ihr auf einer abgelegenen Schäreninsel. Dort möchte Anneliese ihren Junggesellinnenabschied feiern, fernab der Zivilisation und ohne Handys. Doch Tessa hat ein ungutes Gefühl, denn ein Cold Case geht ihr nicht aus dem Kopf, vier Frauen sind vor zehn auf einer Schäreninsel spurlos verschwunden. Können Tessas Bedenken so viele Jahre später noch berechtigt sein?

Bachelorette Party von Camilla Sten konnte mich leider in sehr vielen Punkten nicht überzeugen. Der erste Kritikpunkt hat dabei noch nicht einmal etwas mit der Autorin zutun, sondern mit dem Klappentext. Es nimmt dem Inhalt jegliche Spannung, wenn dieser fast 2/3 des Buchs beschreibt und damit viel zu viel vorwegnimmt. Lange Zeit würde ich auch eher von einem Spannungsroman a la Lucy Clarke sprechen, nur dass die Spannung eben komplett flöten gegangen ist. Ja und dann die Auflösung, auch die war leider komplett vorhersehbar und damit wurde auch ganz offen gespielt, denn Finten sucht man hier vergeblich. Und dann kommt das Ende, das dann den Namen Thriller alle Ehre macht, aber so gar nicht in das Tempo des Buches passt und daher lediglich übertrieben und unstimmig wirkt. Schade, denn Potenzial war durchaus vorhanden. Der Schreibstil der Autorin ist leicht und trägt einen durch die Geschichte, auch die Protagonistin ist tiefgründiger beschrieben, wenn mir auch nicht wirklich sympathisch. Die Nebencharaktere bleiben jedoch eher blass.

Alles in allem hat Bachelorette Party mich leider enttäuscht und die zwei Sterne gibt es nur, weil ich durch den guten Schreibstil schnell durchs Buch gekommen bin und das obwohl der Inhalt zäh war.

Veröffentlicht am 09.04.2026

Falsche Botschaft!

Meine dunkle Vanessa
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Vanessa schläft mit fünfzehn das erste Mal mit ihrem Englisch-Lehrer, Jacob Strane. Strane ist der einzige Mensch, der sie wirklich versteht und für sie steht fest: es ist Liebe und alles was zwischen ...

Vanessa schläft mit fünfzehn das erste Mal mit ihrem Englisch-Lehrer, Jacob Strane. Strane ist der einzige Mensch, der sie wirklich versteht und für sie steht fest: es ist Liebe und alles was zwischen den beiden passiert, passiert mit ihrem Einverständnis. Jahre später wird Strane von einer ehemaligen Schülerin wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt, ändert das Vanessas Blick auf ihre eigene Vergangenheit?

Meine dunkle Vanessa von Kate Elizabeth Russell erleben wir aus der Perspektive Vanessas zu drei verschiedenen Zeitpunkten. Russell gelingt es unglaublich gut diese Perspektiven und Gedanken zu beleuchten und einzufangen, dabei geht sie ins Detail und man kann die Dunkelheit der Geschichte förmlich spüren.

Und obwohl Russell wirklich gut den Inhalt übermittelt und man die Details der Geschichte erkennt, die Arbeit darin förmlich spürt, gibt es zu viel Aspekte, die mir absolut nicht gefallen.

Weswegen es mir selten schwerer fiel eine (schlechte) Rezension zu schreiben, auch weil ich das Thema und das Gespür für solche Übergriffe super wichtig finde, dennoch bleibt am Ende ein fader Beigeschmack an der Geschichte haften.

Aber von vorn: Vanessas Perspektive aus der Vergangenheit gefällt mir am besten. Ihre ambivalenten Gefühle für die Situation, das Erlauben von Dingen und doch der große Zwiespalt, die Zweifel und immer wieder der Schimmer von Erkenntnissen, dass er vielleicht doch mehr dafür macht, dass sie etwas zustimmt, was sie eigentlich nicht möchte. Diese Details wurden unglaublich gut gestreut und dennoch fühlt man als Leser:in, dass Vanessa Opfer wurde.

Umso schlimmer ist dann die Perspektive Vanessas in der Gegenwart. Opfer sexuellen Missbrauchs werden kleingeredet, weil sie weniger schlimme Dinge erfahren haben als sie selbst und das obwohl ihr selbst weiterhin die Erkenntnis fehlt, dass ihr wirklich etwas angetan wurde. Ja, diese Gedankenwelt gibt es und doch fehlt mir der Aufbruch, der extrem wichtig ist. Opfer haben es heutzutage schwer genug, da braucht es keine Protagonistin, die klaren Missbrauch nicht erkennt. In diesem Buch wird sämtliche Hoffnung zerstört, dass Opfern geglaubt wird und ich hatte am Ende das Gefühl, dass der Geschichte der rote Faden fehlt. Ich weiß nicht, was die Autorin mir mit dieser Geschichte vermitteln wollte.

Auch die ambivalenten Gefühle in der Gegenwart hätten (!) funktionieren können, wenn der Aufbruch gekommen wäre, wenn Vanessa den Punkt erreicht hätte zu Erkennen, dass sie zum Opfer wurde. Aber der kam nicht und so bleibt Vanessa als unsympathische Protagonistin zurück und das obwohl ihr Leid aus der Vergangenheit enorm groß ist.

Veröffentlicht am 02.04.2026

Wohlfühlen in Lower Whilby

The Iced Caramel Coffee Agreement
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Eleanore liebt ihre Heimatstadt Lower Whilby und ist in dieser als hilfsbereite und zuverlässige Frau bekannt. Doch sie hat auch das Gefühl, dass sie in ihrer Heimat immer das Mauerblümchen sein und von ...

Eleanore liebt ihre Heimatstadt Lower Whilby und ist in dieser als hilfsbereite und zuverlässige Frau bekannt. Doch sie hat auch das Gefühl, dass sie in ihrer Heimat immer das Mauerblümchen sein und von keinem Mann jemals richtig wahrgenommen wird. Plötzlich kommt ihr Jugendschwarm Dex wieder zurück nach Lower Whilby, ausgebrannt und verbittert von seinem Leben, möchte er sich selbst finden. Gemeinsam schmieden sie einen Plan und wollen sich gegenseitig zur Hilfe stehen.

The Iced Caramel Coffee Agreement von Kyra Groh ist der zweite Teil der Reihe, der uns in das gemütliche Kleinstädtchen Lower Whilby entführt. Nachdem mich der erste Band nicht richtig abholen konnte, weil es sich einerseits wie eine Einführung in das Städtchen gefühlt hat und ich andererseits mit den beiden Protagonist:innen nie richtig warm wurde, war ich ganz gespannt, wie mir der zweite Band gefallen würde und was soll ich sagen? Eleanore, Dex und Kyra haben mich nicht enttäuscht!

Kyras Schreibstil ist wie immer erste Klasse, der Humor, die zahlreichen Metaphern und die Atmosphäre sorgen nicht nur für eine Menge Lesespaß, sondern auch für ein kurzweiliges Lesevergnügen und dann sind da die beiden Protagonist:innen. Eleanore ‚Nore’ mit ihren vielen Zweifeln, den endlosen Gedanken nicht genug zu sein wirkt aus dem Leben gegriffen. Ich konnte mich in ihr selbst sehen, aber ich konnte auch ganz viele Freunde in ihr wieder erkennen und das hat sie von der ersten Seite an nahbar und authentisch gemacht. Und obwohl Dex scheinbar genau das Gegenteil von Nore ist, hat auch er Seiten an sich, die nicht nur verständlich sind, sondern auch die Realität vieler widerspiegelt. Das macht beide Protagonist:innen zu Empathieträgern mit denen man unfassbar gerne mitfiebert und die man ins Herz schließt.

Das Städtchen Lower Whilby und ihre Bewohner:innen war dieses Mal im genau richtigen Maße präsent und hat den beiden Protagonist:innen nicht die Show gestohlen. Und obwohl Jude und James mir als Nebencharaktere manchmal wieder etwas zu viel waren, gehört The Iced Caramel Coffee Agreement definitiv zu einem meiner absoluten Lieblingsbüchern von Kyra Groh.

Veröffentlicht am 30.03.2026

Mittagspausen-Romantik

Old-fashioned Cupcake 1
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Sanae Nozue hängt mit 39 Jahren mitten in seinem Leben fest, er ist beliebt bei den Kolleg:innen, doch für Nozue ist alles im Leben erreicht und er hat nicht das Gefühl, dass er in seinem Alter noch irgendetwas ...

Sanae Nozue hängt mit 39 Jahren mitten in seinem Leben fest, er ist beliebt bei den Kolleg:innen, doch für Nozue ist alles im Leben erreicht und er hat nicht das Gefühl, dass er in seinem Alter noch irgendetwas an diesem ändern könnte und das obwohl er alles andere als glücklich ist. Doch als sein Kollege Minoru Togawa erkennt Nozues Lage erkennt, startet er eine Gegenmaßnahme, möchte Nozue aus seinem Hamsterrad befreien und vielleicht auch etwas mehr.

Old-fashioned Cupcake ist der erste Band von Sagan Sagan und ein ruhiger Boys-Love-Manga. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich langsam, im Vordergrund steht vor allem Nozues Ausbruch aus seinen eigenen Fesseln, die er sich über die Jahre angelegt hat. Das macht Nozue zu Beginn an manchen Stellen vielleicht etwas unsympathisch, weil er ziemlich alte Denkmuster vertritt und doch wird er umso sympathischer, als er sich und seine Ansichten reflektiert und dabei stetig zu sich selbst und seinem Glück findet.

Besonders gut gefallen haben mir die Zeichnungen, die teilweise deutlich ausdrucksstärker sind als der Text und extrem detailliert daherkommen. Außergewöhnlich sind auch die Panels, die teilweise nur Objekte zeigen und damit doch viel zum Ausdruck bringen. Diese Art des Mangas hat mich wirklich beeindruckt.

Einzige Kritik ist das Tempo, das mir am Ende etwas zu schnell wurde und nicht ganz zum Rest gepasst hat. Auch ergibt sich mir daraus nicht ganz, wie es in Band zwei weitergeht, aber da lasse ich mich sehr gerne überraschen!

Veröffentlicht am 30.03.2026

Das fehlende Etwas

Summer Tides
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Scarlett kehrt London den Rücken und möchte in St. Ives einen Strandkiosk eröffnen, um sich aber vor allem ihrem beziehungsunfähigen Partner Eric etwas zu beweisen. Jonah arbeitet momentan wieder in seiner ...

Scarlett kehrt London den Rücken und möchte in St. Ives einen Strandkiosk eröffnen, um sich aber vor allem ihrem beziehungsunfähigen Partner Eric etwas zu beweisen. Jonah arbeitet momentan wieder in seiner Heimat als Rettungsschwimmer, doch er möchte weit hinaus und auf einem Kreuzfahrtschiff als Arzt arbeiten. Doch als die beiden sich begegnen scheinen alle Pläne zu verschwimmen.

Summer Tides von Sarah Fulmar ist der erste Roman aus dem Örtchen St. Ives. Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, sodass man unfassbar schnell durch die Geschichte kommt, aber mir an einigen Stellen dann doch eben genau das war: zu einfach. Die Dialoge wirkten dadurch an manchen Stellen auf mich nicht wirklich authentisch und es fehlte mir das gewisse Etwas, das die verschiedenen Figuren voneinander unterscheidet.

Wir erleben die Geschichte aus Scarletts und Jonahs Perspektiven, wobei Scarletts deutlich anstrengender ist. Sie wirkt an vielen Stellen unfassbar naiv und nicht besonders gut in ihrer Kommunikation und das obwohl sie doch schon sehr viele extravagante Jobs hatte, die einen anderes vermuten lassen würden. Jonah wirkte aus Scarletts Perspektive auch eher langweilig, hatte aber doch ein paar spannende Seiten, die man aus seiner Sicht erlebt, die gerne noch tiefgehender behandelt werden könnten, aber leider blieb alles sehr oberflächlich.

Die starke Anziehung zwischen den beiden war aus meiner Sicht gar nicht nachvollziehbar. Außer den optischen Vorteilen, die beide erkennen, gibt es kaum Szenen, die eine charakterliche Anziehung ermöglichen und doch ist es die große Liebe? Da hätte ich mir mehr von erwartet.

Ausgesprochen gut hat mir jedoch das Setting gefallen, das direkt für Fernweh sorgt und die Bewohner:innen St. Ives geben auch einen guten Vibes mit. Doch das reicht leider nicht und am Ende bleibt Summer Tides mir in vielen Dingen zu oberflächlich.