Süßer als ein Cupcake
Mit „Old Fashioned Cupcake“ von Sagan Sagan bekommt man eine Boys-Love-Geschichte, die ganz ohne großes Drama auskommt und genau deshalb so gut funktioniert.
Sanae Nozue ist 39, fest im Büroalltag verankert ...
Mit „Old Fashioned Cupcake“ von Sagan Sagan bekommt man eine Boys-Love-Geschichte, die ganz ohne großes Drama auskommt und genau deshalb so gut funktioniert.
Sanae Nozue ist 39, fest im Büroalltag verankert und emotional irgendwo zwischen „läuft doch“ und stiller Midlife-Crisis gefangen. Eat, sleep, work, repeat. Veränderung? Klingt anstrengend. Erst sein jüngerer Kollege Minoru Togawa bringt Bewegung in dieses graue Hamsterrad – mit einem charmant-schrägen „Anti-Aging“-Plan: Süßspeisen-Tour durch angesagte Cafés. Pancakes, Parfaits und Scones werden dabei mehr als nur Desserts – sie werden zum Katalysator für Selbstreflexion, Nähe und unausgesprochene Gefühle.
Was diesen Manga besonders macht, ist seine leise Reife. Die Beziehung zwischen Nozue und Togawa entwickelt sich langsam, glaubwürdig und mit viel Feingefühl. Kein überzogenes Drama, keine künstlichen Missverständnisse – stattdessen kleine Blicke, zögerliche Gesten und Dialoge, die mehr sagen, als sie aussprechen. Gerade die Dynamik zwischen dem unsicheren älteren Angestellten und dem scheinbar selbstbewussten jüngeren Kollegen ist wunderbar nuanciert erzählt.
Zeichnerisch setzt Sagan Sagan auf einen klaren, ruhigen Stil, der perfekt zur Alltagsatmosphäre passt. Die Café-Szenen wirken fast gemütlich genug, um selbst Lust auf Kuchen und Cappuccino zu bekommen.
Wer explosive Leidenschaft oder große Plot-Twists erwartet, wird hier vielleicht überrascht sein – „Old Fashioned Cupcake“ lebt von Zwischentönen. Aber genau darin liegt seine Stärke: eine zarte, erwachsene Liebesgeschichte über Mut zur Veränderung, Selbstwert und die Frage, ob es je zu spät ist, neu anzufangen.