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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.06.2026

Zwischen Verwirrung und Genialität!

Tokyo
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1990, Tokyo. Ein weiteres Mädchen wird vermisst und plötzlich findet man die Leiche der ersten Vermissten. Die Angst steigt und die Ermittler geraten immer mehr unter Druck, während ein verzweifelter Vater ...

1990, Tokyo. Ein weiteres Mädchen wird vermisst und plötzlich findet man die Leiche der ersten Vermissten. Die Angst steigt und die Ermittler geraten immer mehr unter Druck, während ein verzweifelter Vater Zuflucht in einer Glaubensgemeinschaft findet und damit Zugang zu seltsamen Ritualen erhält.

Tokyo von Tokuro Nukui ist ein japanischer Thriller aus den 90ern. Positiv überrascht war ich davon, dass ich dem Buch das Alter weniger angemerkt habe und das obwohl mehr als 30 Jahren vergangen sind. Möglicherweise liegt das auch an der Übersetzung von Heike Patzschke, die den heutigen Zeitgeist mitfließen lässt und daher kaum Distanz vorhanden ist.

Doch inhaltlich konnte mich das Buch über weite Strecken kaum überzeugen. Den Einstieg fand ich noch gut, wir beginnen mit dem Fund des Mädchens, doch das war es dann lange an spannenden Szenen. Die zwei Perspektiven wechseln kapitelweise, das hat mir das Lesen erleichtert, weil es eine Abwechslung reingebracht hat, die ich nach jedem Kapitel benötigte, denn es ist kaum etwas passiert und die Story plätschert nur so vor sich hin.

Obwohl Glaubensgemeinschaften und Sekten nicht mein liebstes Thema sind, war die Perspektive am Ende doch die interessantere, denn die Perspektive des Ermittlerteams dreht sich vorwiegend lediglich um private Probleme einzelner und gibt kaum Aufschluss über die eigentlichen Taten/Ermittlungen. Ein weiterer Thriller, der mir eher das Gefühl eines Kriminalromans vermittelt hat, aber vom eigentlich Genre meilenweit entfernt blieb.

Und eigentlich wären das zwei Sterne für Tokyo geworden, doch dann kam das Ende und das hat eine Menge in mir bewegt. Die Auflösung war nicht nur unglaublich überraschend, sondern sie hat auch den ganzen Aufbau des Buchs in Frage gestellt. Mit dem Wissen, das ich jetzt habe, hätte mir das Buch vermutlich unheimlich Spaß gemacht, weil die Konstruktion wirklich genial ist. Trotzdem kann ich nicht mehr als drei Sterne geben, weil das Lesegefühl lange eher mau war.

Veröffentlicht am 02.06.2026

Gefahren aus der Tiefe

Dead Girls Don't Dance
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Fiona wurde vor einem Jahr tot in einer Schlucht gefunden. Bis heute bereut ihre Schwester Addie Blackwood jene Nacht, denn Fiona und sie sind nicht im Guten auseinander gegangen und im Gegensatz zur örtlichen ...

Fiona wurde vor einem Jahr tot in einer Schlucht gefunden. Bis heute bereut ihre Schwester Addie Blackwood jene Nacht, denn Fiona und sie sind nicht im Guten auseinander gegangen und im Gegensatz zur örtlichen Polizei ist Addie sich sicher, dass Fiona keinen Suizid begangen hat, sondern von jemanden gestoßen wurde. Ein Jahr lang beschuldigt sie Thatcher Montgomery ihre Schwester umgebracht zu haben, doch dann wird auch Thatchers Leiche am Grund der Schlucht gefunden und Addie wird zur Verdächtigen. Der einzige dem Addie vertrauen kann ist Seth, denn mit ihm war sie zum Todeszeitpunkt zusammen und die beiden versuchen alles, um den wahren Mörder zu überführen.

Dead Girls Don’t Dance von MK Pagano ist ein atmosphärischer Jugendthriller, der bereits mit der ersten Seite eine Sogwirkung erzeugt. Die Geschichte erleben wir aus der Perspektive der 18-jährigen Addie Blackwood, die vor einem Jahr ihre Schwester verloren hat und unter Schuldgefühlen und Verlustängsten leidet. Genau diese Gefühle kommen unfassbar schnell zur Geltung, sodass ich mich gut in Addies Gefühlswelt hineinversetzen konnte. Ich war zudem positiv überrascht, dass das Buch nicht langsam anfängt, sondern sehr schnell eine starke Atmosphäre aufbaut, die einen angespannt zurücklässt und einen durch die Seiten peitscht.

Die Story selbst ist für Erwachsene möglicherweise zu seicht, für einen Jugendthriller empfand ich es über weite Strecke jedoch sehr stark. Der Thrill kommt allerdings weniger über Gefahren und Ermittlungen, sondern mehr über die Gefühlswelt Addies und die Frage nach dem möglichen Täter, die bis zuletzt offen bleibt und überraschen kann. Gegen Ende nimmt dann jedoch auch die Spannung nochmal zu!

Lediglich die Konstellation zwischen den Blackwoods und den Montgomerys war mir etwas zu viel und auch das Tatmotiv wirkt im Kontext sehr heftig und ihm hätte wohl etwas mehr Tiefe in der Auflösung gut getan. Dennoch konnte mich Dead Girls Don’t Dance wahnsinnig gut unterhalten!

Veröffentlicht am 28.05.2026

Wem kannst du trauen?

Alles ihre Schuld
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Marissa Irvine möchte ihren vierjährigen Sohn Milo von einem Playdate abholen. Doch als sie an der Tudor Grove 14 ist, öffnet ihr nicht Jenny die Tür, sondern eine fremde Frau, die von Milo noch nie etwas ...

Marissa Irvine möchte ihren vierjährigen Sohn Milo von einem Playdate abholen. Doch als sie an der Tudor Grove 14 ist, öffnet ihr nicht Jenny die Tür, sondern eine fremde Frau, die von Milo noch nie etwas gehört hat. Marissa muss erkennen, dass Milo spurlos verschwunden ist und das niemand weiß, wo Milo sich aufhalten könnte. Marissa und Peter tun alles, um ihren Sohn wieder zu finden, doch wem können sie vertrauen und wer weiß vielleicht mehr?

Alles Ihre Schuld ist ein atmosphärischer Thriller von Andrea Mara. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven geschildert und gewinnt durch den Wechsel deutlich an Tempo, denn inhaltlich ist die erste Hälfte doch eher ruhig und setzt den Fokus auf Figurentiefe und Atmosphäre. Dies gelingt auch ganz gut, wenngleich ich mit dem Schreibstil nie ganz warm wurde und die Protagonistinnen deswegen doch eher unnahbar auf mich wirkten, obwohl ich beide unfassbar sympathisch fand. Die präsentesten Perspektiven sind die von Milos Mutter Marissa und der angeblichen Playdate Mutter Jenny. Beide Charaktere sind extrem unterschiedlich dargestellt und doch sind beide Frauen auf ihre Weise extrem sympathisch und haben das Potenzial mit ihnen Mitleiden und -fiebern zu können.

Während die erste Hälfte des Buches eher ruhig daherkommt und durch die Atmosphäre für ein unruhiges Lesegefühl sorgt, entwickelt sich die zweite Hälfte zu einem wahren Pageturner. Die Auflösung ist unheimlich gut, an manchen Stellen etwas zu viel, aber trotzdem überzeugend und birgt die ein oder andere Überraschung.

Wer auf ruhige, atmosphärische Thriller steht, die sich langsam aufbauen und temporeich enden, der ist bei Alles Ihre Schuld genau richtig!

Veröffentlicht am 27.05.2026

Luftiges Abenteuer

Eagle Rider 1. Deine Kraft findet dich
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Tyl träumt davon ein angesehener Ritter zu werden. Doch sein Schicksal hat andere Pläne. Tyl rettet einen verwundeten Adler und tauft ihn auf den Namen Eylo. Als Tyl in größter Not ist, ist es Eylo, der ...

Tyl träumt davon ein angesehener Ritter zu werden. Doch sein Schicksal hat andere Pläne. Tyl rettet einen verwundeten Adler und tauft ihn auf den Namen Eylo. Als Tyl in größter Not ist, ist es Eylo, der ihm zur Hilfe kommt und ihn in das Tal der Adlerreiter bringt. Dort trifft er auf andere Kinder und ihre Verbündeten, zusammen müssen sie sich gegen den bösen Lord und seine Falken beweisen.

Eagle Rider von Britta Sabbag ist ein Leseabenteuer für Kinder ab acht Jahren. Die Geschichte hat viel Potenzial, doch leider auch ein paar Schwächen. Den Schreibstil empfand ich an einigen Stellen etwas holprig, die Erwähnungen, dass die Geschichte im 12. Jahrhundert stattfindet, waren zum Beispiel sehr gewollt und wirkten nicht wirklich authentisch. Auch die Charaktere bzw. Handlungen sind sehr typisch. Das schwarze Schaf der Familie, das woanders zum Helden wird; der große Bruder, der in allem besser ist/zu sein scheint; das Mädchen, das tougher ist als alle Jungs zusammen,… Auch die Verbindung zwischen Eylo und Tyl erinnert sehr an einen großen Verkaufsschlager aus der Erwachsenabteilung, man tausche lediglich den Adler gegen einen Drachen. Insgesamt wirkte alles eher wie eine Rohfassung, der es an Tiefe fehlt und die sehr schnell durch die Geschichte peitscht. Die Zeichnungen kamen beim Lesekind leider auch nicht gut an und wirkten an manchen Stellen eher verängstigend, besonders die Augen der Kinder.

Dennoch waren auch viele positive Dinge vorhanden. Die Geschichte hat ein enormes Tempo und man fliegt förmlich durch die Seiten. Auch Tyl ist ein toller Protagonist, der sehr sympathisch ist und tolle Eigenschaften besitzt. Seine Gefühlswelt, die vor allem zu Beginn eher traurig ist, kann man gut nachvollziehen und man leidet mit ihm mit. Besonders gefallen hat uns jedoch die Verbindung zwischen Eylo und Tyl, die während des Lesens spürbar war und die vor allem aus einer tollen Tat von Tyl hervorgeht und nicht einfach aus dem ‚Nichts‘ existiert. Und auch die Gruppe der Adlerreiter hat einige schöne Momente hervorgebracht und die Lust auf mehr Abenteuer mit ihnen, die dann gerne noch etwas mehr ins Detail gehen dürfen.

Veröffentlicht am 23.05.2026

Zu viel!

Starminster - Stadt in den Wolken
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Astrid hat noch nicht viel gesehen von der Welt, lediglich die Videos, die ihre Mutter ihr zeigt. Ansonsten verbringt sie den ganzen Tag im Schuppen und träumt davon, den Sternenhimmel zu sehen. Eines ...

Astrid hat noch nicht viel gesehen von der Welt, lediglich die Videos, die ihre Mutter ihr zeigt. Ansonsten verbringt sie den ganzen Tag im Schuppen und träumt davon, den Sternenhimmel zu sehen. Eines Tages taucht eine Frau mit Flügeln auf und zeigt Astrid nicht nur mehr von der Welt, sondern auch, dass sie eine Librae ist und verspricht ihr, dass auch ihr irgendwann Flügel wachsen werden.

Starminster von Megan Hopkins wird Kindern ab 11 Jahren empfohlen, lässt sich für mich jedoch eher schwierig in ein Alter einordnen. Angesprochene Themen richten sich auf jeden Fall eher an ältere Kinder, aber Astrid hat sich für mein Lesekind (11J.) jünger angefühlt, weswegen die Protagonistin und damit auch die Geschichte für sie eher uninteressant war.

Ich möchte mit dem positiven anfangen, das ist für mich eindeutig die Welt und die Besonderheit der Librae. Die grundsätzliche Idee gefällt mir ausgesprochen gut. Der Klappentext lässt auch erahnen, dass manche Themen schwierig sein können, darauf war ich daher vorbereitet, aber am Ende hatte ich nicht das Gefühl, dass ich eine magische Geschichte gelesen habe, sondern eine Sammlung aus Alltagsproblemen, die in die Welt der Librae übertragen und stumpf übermittelt wurden.

Kinderbücher sollten definitiv gesellschaftskritische Themen beinhalten und Botschaften übermitteln, aber das eher feinfühlig, über die Geschichte und die Protagonist:innen. Starminster wählt jedoch die Brechstange, spricht alles sehr direkt an und verliert dadurch sich selbst. So werden u.a. Tierversuche, Umweltschutz/-verschmutzung, Diskriminierung, Unterdrückung und die Klassengesellschaft thematisiert und das meiste davon ganz unverblümt, ohne sich wirklich in der Geschichte um Astrid zu entfalten.

Dann kommt noch das Thema hinzu, welches sich im Klappentext andeutet. Astrid wird von ihrer Mutter gefangen gehalten, von Mrs. Wairi befreit und doch entführt, denn Astrid möchte nicht gehen und gleichzeitig verschwinden andere Kinder, auch hier geht es um Entführung und potenzielle Misshandlung. Das hätte gut ausgearbeitet werden können und bleibt für mich leider an viel zu vielen Stellen nicht richtig auserzählt und daher problematisch. Klar ist, dass die Entführungen der Kinder als schlecht dargestellt werden, aber mir fehlte die Verdeutlichung, dass es bösartige Taten sind und dahinter auch noch viel Schlimmeres steckte. Hinzukommt, dass Mrs. Wairi mit Astrid ähnliches getan hat und auch das eher nicht reflektiert wird, zumal Astrid mitgeht und dieses Thema sicherlich keines ist, das Elternteile, die ihren Kindern predigen nicht mit Fremden mitzugehen, gerne lesen.

Allein die Themen des Klappentextes hätten gereicht, um ein Buch mit knapp 250 Seiten zu füllen und die Leser:innen in die Welt von Starminster zu bringen, wenn man es reflektiert und die Figuren mit der Geschichte arbeiten. Hopkins hat sich leider dazu entschlossen, noch viele weitere Themen einzubringen und damit den Zauber der Welt verpuffen zu lassen. Auch hier, jedes einzelne Thema kann sich gut über die Geschichte erzählen lassen, aber aufgrund der geringen Seitenanzahl haben die Themen nicht genug Raum bekommen. Am besten gelang die Umsetzung noch beim Thema Klassengesellschaft, das sich über Arm und Reich, Flügge und Nicht-Flügge, sowie unterschiedliche Flügelarten präsentiert hat und in der Ausarbeitung gute Ansätze gezeigt hat, aber Wörter wie Steuern sind unerklärt noch viel zu groß für Kinder.

So bleibt am Ende eine tolle Idee, die sich leider komplett verloren hat. Eine Reihe, die vermutlich nicht weiterverfolgt wird.