Märchen-Retelling mit guten Ansätzen und teilweise schwieriger Umsetzung
NeverDaphne ist die Enkelin von Wendy Darling und deswegen von klein auf mit dem Wissen aufgewachsen, dass Peter Pan sie eines Tages besuchen und ins magische Neverland holen wird.
Tag für Tag lassen ihre ...
Daphne ist die Enkelin von Wendy Darling und deswegen von klein auf mit dem Wissen aufgewachsen, dass Peter Pan sie eines Tages besuchen und ins magische Neverland holen wird.
Tag für Tag lassen ihre Urgroßmutter Mary oder ihre Großmutter Wendy das Fenster offen, damit Peter hineinschlüpfen und Daphne mitnehmen kann. Doch er kommt nicht - bis zu ihrem 17. Geburtstag.
Es ist dann auch kein Junge, der ihr nachts in ihrem Zimmer entgegenblickt, sondern ein junger Mann. Daphne ist gleichermaßen erschrocken und fasziniert und begleitet Peter Pan schließlich in sein Reich hinter den Sternen. Doch dort ist nichts so, wie Daphne es sich vorgestellt hat ...
Peter Pan wird als Charakter beschrieben, der nun dem Aussehen nach in der Altersspanne eines 18- bis 20-Jährigem liegt. Sein Verhalten ist jedoch häufig noch das des 13-Jährigen Jungen, der er über die Jahrhunderte war.
Laut diesem Buch eine bewusste Entscheidung, da der Jungbrunnen zwar das Aussehen einfriert, jedoch nicht an emotionalem Wachstum hindert.
Auch ansonsten lässt die Handlung Peter selten gut dastehen: Er ist naiv und egozentrisch bis zu dem Punkt, dass jeder Mensch, jedes Tier und jede Pflanze nur existiert, um seinem Leben dienlich zu sein oder seinen Zwecken zu nutzen.
Im direkten Umgang beschreibt Daphne dennoch, welchen Charme Peter ausstrahlen kann, wenn er denn möchte.
Peter Pan ist jedoch nicht der einzige Mann, der um Daphnes Herz buhlt: Auch zu Jameson Cook, dem Sohn des berüchtigten Piraten James Cook, verspürt Daphne eine Anziehung.
Er macht sie darauf aufmerksam, dass es nicht normal ist, dass sie in Neverland ständig alles vergisst oder dass Peters Verhalten von Egozentrik getrieben wird.
Und auch wenn die Chemie an sich zwischen Daphne und Jameson so stimmt, wie es zwischen ihr und Peter nie der Fall war, so endet doch fast jedes ihrer Treffen in einem Streit.
Während der Handlung geht es wie in einem Ping-Pong Spiel hin und her: Wenn einer der beiden Männer sie verletzt, flüchtet sie zu dem anderen.
Gefallen hat mir der Schreibstil von Jessa Hastings, der Neverland als magisches Abenteuerparadies erscheinen lässt, in dem mehr dunkle Geheimnisse lauern, als man für möglich gehalten hätte.
Zudem ist Daphne durchaus zur Reflexion der gesellschaftlichen Umstände und ihrer eigenen Situation in der Lage: Sie gibt Peters sexistischem Weltbild "nur ein Mädchen zu sein" Kontra und beschreibt, dass ihre Berufswahl als Geologin in ihrem konservativem Umfeld im London der 1960er auf wenig Verständnis stößt.
Doch letztendlich gibt es wenig Emanzipation von ihrer Situation - was auch dadurch bedingt ist, dass es für Daphne in Neverland eher ein Überleben als ein Leben ist.
Ich habe mich so auf dieses Buch gefreut, weil ich auch einfach die Magnolia Parks-Reihe der Autorin sehr liebe.
Leider hat mich dann doch sehr gestört, dass dieses Märchen-Retelling so düster ist und zudem schwierige Werte oder Verhaltensweisen vermittelt, die nicht richtig erklärt oder aufgearbeitet werden.