Zwei unterschiedliche Frauen und Zeiten - verbunden durch Wicken
DuftwickensommerWie Duftwicken die Geschichten zweier ganz unterschiedlicher Frauen auf zwei Zeitebenen verbinden? Die Antwort darauf liefert der Roman „Duftwickensommer“ von Autorin Sylvia Lott.
Im Jahre 1911 möchte ...
Wie Duftwicken die Geschichten zweier ganz unterschiedlicher Frauen auf zwei Zeitebenen verbinden? Die Antwort darauf liefert der Roman „Duftwickensommer“ von Autorin Sylvia Lott.
Im Jahre 1911 möchte in England die junge Anni einen Wettbewerb um den schönsten Wickenstrauß gewinnen. Durch ihre schönen Wicken am Gartenzaun auf Borkum, erfährt Marieke im Jahr 2024 von Annis Geschichte.
„Duftwickensommer“ ist wunderbar erzählt und eine gekonnte Mischung aus wahren Geschichten und fiktiven Begebenheiten. Bereits nach wenigen Seiten war ich im Sog der Geschehnisse auf beiden Zeitebenen gefangen und das Buch las sich flüssig. Trotz der vielen toll recherchierten geschichtlichen Hintergründe und Informationen, die sowohl aus der Vergangenheit als auch der Gegenwart eingeflochten sind. Die Wissensvermittlung wirkt dabei nie platt oder gekünstelt, was der bewundernswerten Fähigkeit der Autorin zu verdanken ist, jeder Figur einen sorgfältig angelegten Charakter zu geben, die miteinander in abwechslungsreichen Erzählsträngen verwoben werden. Dabei wirkt jede Figur für ihre Zeit authentisch. So taucht man mit ihnen nicht nur in die Kämpfe der Sufragetten sowie damit zusammenhängenden Details ein. Auch aktuelle Gegebenheiten und Problematiken wie zum Beispiel der Schutz des Nationalpark Wattenmeer werden aufgegriffen. Zwei wichtige Transporteure der Geschichte der jeweiligen Zeit sind die beiden Hauptprotagonistinnen Anni und Marieke. Die mutige, weltoffene Anni ist dabei der Gegenentwurf zur von Depressionen und Schwächen geplagten Marieke. Es macht Freude, beide in ihrer Entwicklung zu begleiten, und am Ende zu erleben, wie ihre Geschichten zu einem für sie guten Abschluss kommen.
Hatte ich zunächst noch die Sorge, eventuell durch die verschiedenen Zeitebenen und dadurch vielen Protagonisten durcheinander zu kommen, so halfen mir die fein gezeichneten Charaktere und informativen Handlungsstränge von Anfang an, den Überblick zu behalten. Die Überleitungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind mühelos gestaltet, so dass man von einer Zeit in die nächste gleitet, ohne diese Wechsel als störend zu empfinden.
Das Cover wirkt romantisch und edel. Die im Roman wichtigen Wicken sind nicht nur am Himmel im Hintergrund hübsch eingearbeitet.
Nach diesem Roman, werde ich auf jeden Fall weitere Bücher der Autorin lesen. Sylvia Lott beschreibt die Figuren so genau, erweckt sie zum Leben, lädt zum mitfiebern mit ihnen oder wahlweise verabscheuen ein - und dabei werden viele verschiedene geschichtliche Feinheiten aufgegriffen. Fragt man sich, ob das Buch dadurch nicht überladen sein müsste, so finde ich, dass dies überhaupt nicht der Fall ist. Es fügt sich alles wunderbar zusammen, auch die beiden Zeitebenen.
Um im Bild eines Wickenstraußes zu bleiben: jeder einzelne Charakter ist wie ein Wickenstängel, dessen Blüten wunderbar detailliert, einzigartig und farbenfroh sind und gemeinsam geben diese Stängel einen bunten wunderschönen duftenden Strauß. Ich empfehle jedem, der einen gut recherchierten Roman liebt, diesen „Strauß“ in die Hand zu nehmen.