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Veröffentlicht am 25.02.2026

Ein Panorama des Dresdner Lebens zu Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Erfinderin der Freiheit
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Christine Hardt arbeitet im Lahmann–Sanatorium auf dem Weißen Hirsch in Dresden als Therapeutin. Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Frauen, die wegen des Tragens eines Korsetts in Ohnmacht fallen, versucht ...

Christine Hardt arbeitet im Lahmann–Sanatorium auf dem Weißen Hirsch in Dresden als Therapeutin. Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Frauen, die wegen des Tragens eines Korsetts in Ohnmacht fallen, versucht sie die Frauen zu anderen Kleidungsstücken zu überreden, die ihrer Gesundheit förderlicher sind - zum Beispiel einen von ihr erdachten Brusthalter. Sie muss ziemlich kämpfen, denn Konvention geht zum damaligen Zeitpunkt vor Innovation. Dieses Buch soll einer Frau ein Denkmal setzen, die ihrer Zeit voraus war.

 

Doch es geht in diesem Roman nicht nur um Christine. Auch die Mitbewohnerinnen ihres Hauses spielen eine große Rolle. Da ist zum Beispiel ihre Mitbewohnerin Lotta. Und auch Julia, die für sie ab und zu Näh- und Stickarbeiten übernimmt. Alle drei sind Protagonistinnen, deren Geschichten mit der von Christine verknüpft sind. Doch auch bekannte Dresdner Persönlichkeiten lässt die Autorin in diesem Roman wieder lebendig werden - allen voran Amalie Auguste Melitta Bentz, die Erfinderin des Kaffeefilters und Karl August Lingner, der Erfinder des Odol-Mundwassers, dem neben seinem Hang zum Flirten viele Wohltaten für die Dresdner Arbeiterklasse zugeschrieben werden. Das war für mich als Dresdnerin schon sehr interessant.

 

Man sollte aber bei diesem Buch wissen, dass es sich nicht ausschließlich mit der titelgebenden Erfindung des BH beschäftigt. Der wird spätestens ab der Hälfte des Buchs eher zur Nebensache. Vielmehr ist der Roman eigentlich ein Panorama des Dresdener Lebens zu Beginn des 20. Jahrhunderts und greift einige Anekdoten/Fakten/Begebenheiten aus dieser Zeit auf. Ich war darüber ein wenig überrascht. Anhand des Klappentextes hatte ich eine eher „straighte“ Story darüber erwartet, wie Christine auf die Idee kommt, ein neues Kleidungsstück zu designen und wie sie versucht es zu etablieren. Der Roman setzt jedoch bereits dort an, wo es um die Verbreitung des Kleidungsstücks geht und stellt statt dessen mehr die Freundschaft zu ihren Mitbewohnerinnen und deren Irrungen und Verwirrungen zwischenmenschlicher Art in den Mittelpunkt. Gegen Ende hin wird sogar noch fast ein Kriminalfall draus!

 

Mir persönlich war diese Mischung ein wenig zu bunt. Ich hatte mich einfach auf eine andere Art von Geschichte eingestellt und mir diese gewünscht. Das was ich bekam, war definitiv nicht schlecht, sondern ein gut erzählter und unterhaltsamer historischer Roman, der auch gut recherchiert zu sein scheint. Es entsprach nur eben nicht ganz meinen Erwartungen und konnte mich deshalb nicht ganz rückhaltlos begeistern.

 

 

Für alle, die einen Überblick über das Leben in Dresden um die Jahrhundertwende bekommen und auf unterhaltsame Weise einige bekannte Namen der Stadt kennenlernen möchten, ist das Buch auf jeden Fall sehr zu empfehlen!

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Drei Generationen auf der Suche nach sich selbst

Real Americans
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In „Real Americans“ begleiten wir drei Generationen einer chinesisch-stämmigen Familie durch ihr Leben und die Suche nach sich selbst und ihrer (kulturellen) Identität. Dabei geht die Autorin nicht chronologisch ...

In „Real Americans“ begleiten wir drei Generationen einer chinesisch-stämmigen Familie durch ihr Leben und die Suche nach sich selbst und ihrer (kulturellen) Identität. Dabei geht die Autorin nicht chronologisch vor, denn sie beginnt mit Lily, die die „mittlere“ Generation verkörpert - die Generation der Söhne und Töchter von Auswanderern. Geboren in den USA wird Lily zu einer „echten Amerikanerin“ erzogen - oder zumindest dem, was die Auswanderereltern dafür halten.

 

Sie kennt - aus Sicht der Eltern glücklicherweise - nur ein behütetes Aufwachsen in stabilen Verhältnissen und ein Umfeld, in dem sie grundsätzlich alles erreichen kann was sie möchte. Doch was möchte Lily eigentlich? Diese Frage kann sie selbst nicht beantworten. Und als sie in eine Beziehung mit einem reichen Unternehmerssohn - ein weißer Amerikaner mit deutschen Wurzeln - stolpert, nimmt sie dieses Leben im Luxus an. Zunächst.

 

Denn im zweiten Teil begegnen wir Lily 20 Jahre später. Sie ist alleinerziehend und lebt mit ihrem Sohn Nick auf einer kleinen Insel an der amerikanischen Westküste nahe Seattle. Nick ist mittlerweile im letzten High School Jahr und erstaunlicherweise sieht er überhaupt nicht chinesisch aus. Was ihn eigentlich noch „amerikanischer“ macht - und trotzdem ist das für ihn selbst nicht immer leicht zu handhaben. Nick ist mir sofort ans Herz gewachsen und war - das muss ich zugeben - mit Abstand meine Lieblingsfigur in diesem Roman.

 

Als Leser wissen wir nicht, was zwischen Lily und ihrem Mann vorgefallen ist - und Nick weiß es auch nicht. Er kennt seinen Vater nicht, begibt sich aber heimlich auf die Suche nach ihm. Und lernt ihn kennen. Plötzlich fallen für ihn viele Puzzleteile an seinen Platz und auch für ihn wäre ein vermeintlich einfaches Leben im Luxus möglich. Doch Nick geht konsequent seinen eigenen Weg und lernt im Alter von etwa 30 tatsächlich seine Großmutter May kennen - Lilys Mutter, die schon seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Tochter hat.

 

May erzählt Nick ihre Geschichte - und die ist nicht nur spektakulär, sondern auch sehr dramatisch und angsteinflößend. Nicht nur für die Figuren des Buches, sondern auch für die Leser, wenn sie die Möglichkeiten der heutigen Wissenschaft bedenken, die hier im Zusammenhang mit Mays und Nicks beruflichem Werdegängen geschildert werden.

 

Rachel Khong hat viele Themen in diesen Roman gepackt, allem voran die Suche nach Identität in mehreren Generationen mit Migrationshintergrund. Aber auch Biogenetik spielt (am Ende) eine große Rolle - in dieses Thema wäre ich gern noch viel tiefer eingetaucht. Denn auch wenn ich Lilys und Nicks Geschichten (Teile 1 und 2) gern gelesen habe, fand ich sie doch ein wenig zu ausschweifend und teilweile zu alltagslastig. Nicks Studentenleben und die Anfänge der Beziehung zwischen Lily und Matthew werden sehr ausführlich, sogar recht ausschweifend geschildert und ich hätte statt dessen gern mehr über Mays Leben in China und ihre Flucht aus dem kommunistischen Regime gelesen, was aus meiner Sicht im letzten Teil ein wenig kurz kam (zumindest im Vergleich dazu, wie ausführlich die beiden vorherigen Teile erzählt wurden).

 

Mit einem etwas anderen Erzählfokus hätte dieses Buch ein Highlight für mich werden können, denn vom Stil war ich wirklich begeistert und bin nur so hindurch gerauscht durch dieses Buch. Trotz der von mir empfundenen Längen im 1. und 2. Teil war es für mich aber immer noch ein absolut lesenswerter Roman. Ich könnte mir auch vorstellen, dass er sich gut für Lesekreise oder Buchclubs eignet, weil es viele diskussionswürdige Aspekte darin gibt.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Was für ein ungewöhnliches Buch!

Ein Lied vom Ende der Welt
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Ich habe selten etwas gelesen, das für mich gleichzeitig so erschreckend und faszinierend war.

"Ein Lied vom Ende der Welt" lag lange auf meinem SUB (warum nur???), es ist von 2022 und später im Taschenbuch ...

Ich habe selten etwas gelesen, das für mich gleichzeitig so erschreckend und faszinierend war.

"Ein Lied vom Ende der Welt" lag lange auf meinem SUB (warum nur???), es ist von 2022 und später im Taschenbuch mit gleichem Cover, aber anderem Namen (Das Mädchen aus dem Eis) erschienen. Letzterer Titel klingt zwar etwas nüchterner, beschreibt aber den Inhalt besser.

Eine Sprachforscherin, Val, reist zu einer kleinen Forschungsstation auf Grönland, denn dort ist etwas Unglaubliches passiert: in einem Eisblock wurde ein Mädchen entdeckt, "aufgetaut" - und es lebt! Val soll nun versuchen, die merkwürdige Sprache des Mädchens zu erlernen und das Geheimnis zu ergründen, wie es gelingen konnte sie wieder zum Leben zu erwecken. Dabei wird Vals Arbeit immer mehr zum Wettlauf mit der Zeit und sie selbst fühlt sich nicht mehr sicher. Denn vor 5 Monaten starb ihr Bruder in der Forschungsstation - ein Unglück? Oder Mord?

Die Autorin hat es geschafft, mich absolut hineinzuziehen in das Setting. Man fühlt die eisigen Winde, den Whiteout, aber auch die unterschwelligen Spannungen zwischen den Wissenschaftlern. Gleichzeitig ist da diese ganz vorsichtige Annäherung zu dem Mädchen aus dem Eis. Man fühlt sehr mit der Kleinen mit, die Angst hat vor den Fremden und frustriert ist, weil sie sich ihnen nicht verständlich machen kann. Kurzum - es ist ein Roman, der bei den Lesern viele Sinne berührt und gleichzeitig unheimlich spannend ist.

Es sind nicht ganz 5 Sterne geworden, weil für mich in der Auflösung doch noch ein paar Fragen offen blieben. Aber es ist definitiv ein Buch, das man nicht so leicht vergisst!

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Absolut lesenswert!

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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"Jeder Mensch stirbt zweimal." Schon mit diesem ersten Satz hatte mich der Autor. Er erklärt, dass es neben dem natürlichen Tod noch den "sozialen" Tod gibt - der des Vergessens in der sozialen Gemeinschaft. ...

"Jeder Mensch stirbt zweimal." Schon mit diesem ersten Satz hatte mich der Autor. Er erklärt, dass es neben dem natürlichen Tod noch den "sozialen" Tod gibt - der des Vergessens in der sozialen Gemeinschaft. Wenn sich niemand mehr an einen Menschen erinnert, ist er zum zweiten Mal gestorben.

Und so versucht Henning Sussebach, anhand weniger Belege, Fotos und persönlicher Aufzeichnungen, das Leben seiner Urgroßmutter Anna nachzuvollziehen und für die Leser erlebbar zu machen. Dinge, die nicht historisch zu belegen sind, schmückt er mit liebevollem Blick auf seine Ahnin aus: "ich wünsche Anna, dass es ein großes, fröhliches Fest gab" oder so ähnlich.

Und so können die Leser ein Leben nachvollziehen, das absolut gewöhnlich für die damalige Zeit war und doch recht ungewöhnlich anhand der Umstände, die Anna zu bewältigen hatte und der Entscheidungen, die sie dabei traf. Gleichzeitig lässt uns der Autor teilhaben an den großen und kleinen Entwicklungen jedes Jahres - in der Welt und in Annas Wohnort.

Ich habe Henning Sussebach sehr gern auf seiner Spurensuche begleitet und freue mich sehr, dass er Anna mit diesem Buch ein verdientes Denkmal gesetzt hat - stellvertretend für all die tüchtigen Frauen ihrer Generation.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Ein interessantes Stück Geschichte

Wir dachten, das Leben kommt noch
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Mit diesem Buch bin ich abgetaucht ins Frankreich der 1940er Jahre. Viele kennen den Begriff der Resistance, des französischen Widerstands, nach der Kapitulation Frankreichs 1940. Aber dass daneben die ...

Mit diesem Buch bin ich abgetaucht ins Frankreich der 1940er Jahre. Viele kennen den Begriff der Resistance, des französischen Widerstands, nach der Kapitulation Frankreichs 1940. Aber dass daneben die britische Spezialeinheit SOE in Frankreich agierte, der auch Frauen angehörten, das war mir neu.

Umso interessierter war ich an ihrer Geschichte, die Elisabeth Sandmann anhand von Zeitzeugnissen aufgearbeitet und in einen Roman verpackt hat. Dieser spielt auf zwei Zeitebenen (Zweiter Weltkrieg und 1998). Im Jahr 1998 schreibt eine BBC Moderatorin ein Buch über die SOE-Agentinnen und kommt deren Geschichte auf die Spur.

Obwohl ich die Thematik super interessant fand, war das Lesen für mich ab und zu verwirrend. Die Agentinnen hatten ja Tarnnamen und so kam im Roman eine herausfordernde Zahl an Figuren vor - welcher Tarnname zu welcher Figur aus dem späteren Erzählstrang gehörte, wurde erst am Ende aufgelöst. Das hat es mir manchmal schwer gemacht, den vielen Lebensläufen zu folgen.

Dennoch konnte ich mit diesem Buch mein Wissen erweitern und habe zusätzlich auch Podcasts zum Thema gehört und Internetrecherchen betrieben. Wer sich für Frauen im zweiten Weltkrieg interessiert, kann hier auf unterhaltsame Weise viel lernen.

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