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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.09.2025

Spannendes Drama trotz Toxizität mit glaubhafter Charakterentwicklung

The Temporary Wife
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Als seine Großmutter von Luca verlangt, eine Reiche Öl-Erbin zu heiraten, die er als oberflächlich und langweilig empfindet, weiß er sich nicht anders zu helfen, als seine Sekretärin Valentina zu überreden, ...

Als seine Großmutter von Luca verlangt, eine Reiche Öl-Erbin zu heiraten, die er als oberflächlich und langweilig empfindet, weiß er sich nicht anders zu helfen, als seine Sekretärin Valentina zu überreden, in eine Scheinehe einzuwilligen. Diese ist zunächst nicht gewillt, darauf einzugehen - als jedoch ihre eigene Großmutter eine medizinische notwendige, zugleich aber leider sehr kostenpflichtige Versorgung benötigt, sagt sie ihm unter der Bedingung zu, finanziell für ihre Abuela aufzukommen. Die Bedingungen der Scheinehe sehen allerdings das Leben unter einem Dach in einem gemeinsamen Bett vor und schon bald verschwimmen die Grenzen zwischen Scheinehe und echter Zuneigung.

Der Roman hat mich wie Band 1 sofort in seinen Bann gezogen und ich konnte ihn kaum aus der Hand legen. Der Schreibstil ist flüssig und packend, und durch den Perspektivwechsel zwischen Luca und Valentina tauchte ich tief in die Gedankenwelt beider Figuren ein. Besonders Valentinas Sicht hat mir geholfen, mit ihr mitzuleiden und ihre Zerrissenheit nachzuvollziehen.

Allerdings gab es Punkte, die mich stark beschäftigt haben. Zum einen empfand ich die Beziehung zwischen Luca und Valentina teilweise als toxisch. Luca verhielt sich insbesondere zu Beginn besitzergreifend und überschritt für meinen Geschmack körperliche Grenzen, was für mich als Leserin unangenehm war. Auch die Widersprüchlichkeit in Valentinas Handlungen – erst sagt sie, sie sei nicht bereit, um dann doch sofort intim mit ihm zu werden – wirkte auf mich problematisch, gerade im Hinblick auf die Wirkung auf ein junges Zielpublikum. Hier hätte ich mir mehr Nuancen und eine klarere Abgrenzung von Zustimmung und Ablehnung gewünscht.

Der Plot selbst wirkte manchmal unglaubwürdig: schon im ersten Kapitel stehen „Hass“ und eine frühe Spice-Szene nebeneinander, obwohl die Figuren vorgeben, sich nicht ausstehen zu können. Das wiederholte „Wir hassen uns“ ohne wirklich triftige Gründe erschien mir fadenscheinig und künstlich. Auch die arrangierten Ehepläne der Großmutter fand ich eher verstörend als charmant, auch wenn es zum Ende hin eine Aussprache gab. Ich persönlich finde nicht, dass Familie sich alles erlauben darf, auch wenn sie es "nur gut" mit einem meinen.

Trotz dieser Kritikpunkte muss ich anerkennen, dass Catharina Maura es gelang, die Dynamik zwischen Luca und Valentina emotional glaubhaft aufzulösen. Luca machte im Verlauf der Geschichte eine Entwicklung durch, die ihn mir am Ende sympathischer erscheinen und seine Motive nachvollziehen ließ. Er erkannte seine Übergriffigkeit, die er allerdings nicht vollends einstellen wollte. Gerade weil mich das Buch gleichzeitig fasziniert und innerlich in Konflikt gebracht hat, möchte ich die Reihe weiterlesen – Teil 3 ist also fest eingeplant.

Fazit: "The Temporary Wife" ist ein fesselnder Romance-Roman mit viel Drama, Spice und emotionaler Spannung, der aber auch problematische Darstellungen von Machtgefällen und Beziehungen enthält. Unterhaltsam – ja. Unkritisch konsumierbar – für mich nicht. Ich empfehle ihn Leser*innen, die Lust auf eine packende Liebesgeschichte haben, die aber gleichzeitig in der Lage sind, die toxisch anmutenden Vorgänge klar einzuordnen.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Hospital-Telenovela

No Cure for Love
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Elli will endlich als Ärztin an der Uniklinik und im wissenschaftlichen Bereich durchtstarten, doch zuvor muss sie 5 Monate am Provinzkrankenhaus St. Elias absolvieren. Statt mit ihrer Doktorarbeit voranzukommen, ...

Elli will endlich als Ärztin an der Uniklinik und im wissenschaftlichen Bereich durchtstarten, doch zuvor muss sie 5 Monate am Provinzkrankenhaus St. Elias absolvieren. Statt mit ihrer Doktorarbeit voranzukommen, schlägt sie sich den "normalen" Klinikalltag einer Internistin um die Ohren. Doch schnell merkt sie, dass sie sich am St. Elias überraschend wohl fühlt - und das nicht nur, sondern auch wegen Stationsarzt Timo, der ihrem emotionalen Kern näher kommt als ihr lieb ist... Aber Ablenkungen kann sie sich als angehende Wissenschaftlerin eigentlich so gar nicht leisten!

Anna Hensel entführt ihre LeserInnen mit "No cure for Love" in den Krankenhausalltag und verwebt dabei berufliche Herausforderungen mit einer Liebesgeschichte. Der Roman liest sich leicht und flüssig, sodass man schnell vorankommt – und spätestens ab der Mitte konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen, da ich unbedingt wissen wollte, wie es mit den Figuren weitergeht.

Die Hauptfigur Ellen wirkte auf mich anfangs recht kühl und distanziert, was es mir erschwerte, mit ihr mitzufühlen. Nach und nach taute sie jedoch auf, wodurch die Geschichte an Tiefe und Spannung gewann. Besonders gelungen fand ich die Darstellung ihrer beruflichen Ambitionen und der Konflikte, die sich aus der Vereinbarkeit von Karriere und Privatleben ergeben.

Timo, der männliche Gegenpart, kam sympathisch, aber auch fordernd daher. Seine überbehütende Art wirkte auf mich teils nervig, doch er kann sich zurücknehmen und zeigt Verständnis – wenn auch nicht immer so sehr, wie ich es mir in einigen kritischen Situationen gewünscht hätte. Gerade sein sehr früh formulierter Kinderwunsch hat mich zwiegespalten: einerseits ehrlich und direkt, andererseits für mich in dieser Phase viel zu überstürzt und unromantisch.

Besonders mochte ich Nebenfiguren wie Katja, Ellens Mitbewohnerin, die Lebendigkeit und Wärme in die Handlung brachte. Ich hätte mir gewünscht, dass sie noch einen größeren Teil der Geschichte einnimmt, da sie zum Ende hin in den Hintergrund rückte.

Die Liebesgeschichte zwischen Ellen und Timo ist der „Fast Burn“-Kategorie zuzuordnen und in diesem Rahmen kam mir erste Kuss zu plötzlich, ohne vorheriges Prickeln. Sehr schnell kam es zu großen Gefühlen und Gefühlsgeständnissen, die für meinen Geschmack etwas überdramatisch, fast telenovelahaft, wirkte, weil die beiden sich noch nicht lange allzu lange kannten. Gleichzeitig fand ich es spannend, wie sich ihre Beziehung im Spannungsfeld von Beruf, Karriereplänen und Kinderwunsch entwickelte.

Sehr gelungen fand ich die Einbettung gesellschaftlich relevanter Themen: Sexismus im Klinikalltag, Vereinbarkeit von Karriere und Familie, Leistungsdruck und Personalknappheit im Gesundheitssystem. Die Autorin greift diese Aspekte authentisch auf, ohne den Roman dadurch zu beschweren. Für das Drama der Handlung und Figuren muss man allerdings ein Faible haben.

Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und gut lesbar. Anna Hensel versteht es, sowohl die schönen Seiten des Arztberufs (Erfolge, Patientengespräche) als auch die Schattenseiten (Überforderung, sexistische Kommentare, tragische Schicksale) lebendig darzustellen. Manche Szenen wirkten auf mich zwar leicht überdramatisiert/telenovelahaft, dennoch blieb der Ton insgesamt locker und unterhaltsam.

Fazit: "No cure for Love" hat mir trotz kleiner Schwächen sehr gut gefallen. Anfangs brauchte ich etwas, um mit den Figuren warm zu werden, doch dann habe ich das Buch mit großem Vergnügen gelesen. Die Mischung aus authentischem Krankenhausalltag, einer Liebesgeschichte mit Hindernissen und gesellschaftlichen Denkanstößen ist gelungen. Wer einen leichten, unterhaltsamen Roman sucht, der manchmal an Telenovelas erinnert, wird hier gut aufgehoben sein.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Niedlich

Idefix und die Unbeugsamen 08
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Inhalt: Teutates sei Dank ist Idefix gewiefter, Turbine schneller und Dertutnix stärker als Zerberus und jeder aus seiner Wachmeute. Das hindert die Besatzer allerdings nicht am Versuch, eine römische ...

Inhalt: Teutates sei Dank ist Idefix gewiefter, Turbine schneller und Dertutnix stärker als Zerberus und jeder aus seiner Wachmeute. Das hindert die Besatzer allerdings nicht am Versuch, eine römische Ordnung in Lutetia herzustellen. Aber nicht, solange Idefix und seine Freunde noch ein Wörtchen mitzureden haben! Denn Hunde, die bellen, beißen auch – aber nur die Römer!

Ich lese die Asterix und Obelix Comics sehr gerne - Idefix im Zentrum des Geschehens der Comics kannte ich bisher nicht. Der Band besteht aus 3 Kurzgeschichten, die unterhaltsam und niedlich sind. Vom Gehalt her kommen sie an das Original jedoch nicht heran.

Ich habe viel Schmunzeln müssen - abgerundet wird das ganze mit den gewohnt guten Zeichnungen, die schon Asterix&Obelix weltbekannt gemacht haben.

Insgesamt ein vergnügliches Lesen für Zwischendurch!

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Beeindruckende Frauen

Die Hummerfrauen
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Manchmal stolpert man über ein Buch, das einen unerwartet packt – genau so ging es mir mit "Die Hummerfrauen". Schon nach wenigen Seiten war ich mittendrin in der rauen, salzigen Welt an der Küste von ...

Manchmal stolpert man über ein Buch, das einen unerwartet packt – genau so ging es mir mit "Die Hummerfrauen". Schon nach wenigen Seiten war ich mittendrin in der rauen, salzigen Welt an der Küste von Maine. Eigentlich dachte ich ja immer, dass Hummerfischen eher was für Männer ist, aber ich wurde eines besseren belehrt. Beatrix Gerstberger hat sich mit "Hummerfrauen" getroffen, die diesen Knochenjob erledigen und wartet im Roman mit gleich drei Frauen auf, die diesem Job nachgehen.

Was mich gleich begeistert hat, war der Schreibstil. Klar, direkt und gleichzeitig atmosphärisch – er hat mich sofort in den Bann gezogen. Die Figuren sind herrlich schroff, manchmal fast barsch, aber nie unecht. Im Gegenteil: Gerade dadurch wirken sie klar und wunderbar authentisch. Sie haben den Mund vielleicht ein bisschen zu weit vorne, aber das Herz definitiv am richtigen Fleck.

Die Geschichte springt immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Diese Rückblenden haben meinen Lesefluss nicht gestört – im Gegenteil. Ich habe sie regelrecht herbeigesehnt, weil die Geheimnisse der Vergangenheit so geschickt angeteasert wurden, dass ich unbedingt wissen wollte, was damals passiert ist.

Im Zentrum stehen Ann, Julie und Mina – drei Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Ann, mit ihren 72 Jahren, lebt allein mit Mr. Darcy, ihrem blauen Hummer, der einfach nicht im Meer bleiben will. Julie, 54, ist direkt, manchmal scharf im Ton, aber eine Frau mit großem Herzen und Durchsetzungskraft. Und Mina, die Jüngste, die im Dorf nicht unbedingt leicht Fuß fasst, war für mich am wenigsten greifbar, aber dennoch ein spannendes Puzzlestück.

Gerstberger schildert das karge Leben im Fischerdorf eindringlich: den harten Alltag, die raue See, aber auch das Untereinander der Dorfbewohner – inklusive der Skepsis gegenüber Neuankömmlingen.

Und obwohl es im Roman viele Dramen, Konflikte und Verletzungen gibt, strahlte die Geschichte gleichzeitig eine tiefe Ruhe aus. Fast so, als würde man mit den Figuren am Hafen sitzen, aufs Meer schauen und spüren: Das Leben ist nicht einfach, aber es ist echt.

Ein intensiver, vielschichtiger Roman über starke Frauen, Geheimnisse, Zugehörigkeit und das raue Meer – für mich eine kleine Entdeckung, die ich in kurzer Zeit verschlungen habe.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Eine Liebe, die man verdient

Red Flags
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Inhalt: Die achtzehnjährige Poppy hatte noch nie eine richtige Beziehung. Bislang hat jeder Junge ihre hohen Erwartungen enttäuscht. Zu einem zweiten Date kommt es nie, denn Poppy hat noch bei jedem einen ...

Inhalt: Die achtzehnjährige Poppy hatte noch nie eine richtige Beziehung. Bislang hat jeder Junge ihre hohen Erwartungen enttäuscht. Zu einem zweiten Date kommt es nie, denn Poppy hat noch bei jedem einen Fehler gefunden. Auch Cams Beziehungen halten nie lange, denn immer wenn es ernst werden könnte, ergreift der Achtzehnjährige die Flucht. Als Poppys Freunde sie auffordern, zwei Monate lang jemandem eine Chance zu geben, beschließt sie, es mit Cam, ihrem Crush aus dem Bus, zu versuchen. Auch Cam hat sich etwas vorgenommen: Er wird dieses Mal nicht derjenige sein, der Schluss macht. Schon beim ersten Date sehen beide Red Flags, bei denen sie normalerweise sofort davonlaufen würden. Doch so einfach will keiner von beiden aufgeben – und dann kommen auch noch die Gefühle dazwischen …

Der Einstieg in "Red Flags" war für mich nicht ganz einfach. Vor allem im ersten Drittel hatte ich Mühe, einen Zugang zu den Figuren zu finden – Poppy erschien mir zu unversöhnlich, zu sehr schwarz-weiß, während Cameron sich direkt auf eine völlig unsinnige Lüge einließ und sich damit selbst ins Aus manövrierte. Ich habe mich gefragt, warum er ihr nicht einfach eine echte Chance gibt, sondern stattdessen so abweisend und unangenehm wirkt.

Doch mit der Zeit veränderte sich mein Blick auf die beiden. Bei Poppy habe ich gemerkt, dass hinter ihrer manchmal nervigen Härte auch eine starke Frau steckt, die für ihre Werte einsteht und ihre Liebsten kompromisslos verteidigt. Cameron wiederum konnte ich nach und nach ins Herz schließen – besonders, als man mehr über seine familiäre Situation erfuhr und sah, wie schnell er selbst erkannte, wie dumm er sich verhalten hatte. Diese Entwicklung hat ihn für mich greifbarer, liebenswerter und menschlicher gemacht.

Die Geschichte erinnerte mich an den Film "Wie werde ich ihn los in 10 Tagen": erst geprägt von Missverständnissen, Schlagabtauschen und Situationen, die zum Kopfschütteln bringen, dann immer unterhaltsamer, amüsanter und voller Charme. Ab dem zweiten Drittel habe ich mich richtig mitreißen lassen – es gibt viele süße, witzige Szenen, und auch die Nebenfiguren wie die Freundinnen oder Camerons herzerwärmender Opa trugen viel zur Leichtigkeit des Buches bei.

Sophie Jos Schreibstil ist angenehm leicht und flüssig, sodass die Seiten nur so dahinflogen und am Ende überwiegt bei mir ein positives Gefühl: Ich habe das Buch gerne gelesen, trotz mancher Anfangsschwierigkeiten mit den Figuren. Besonders schön finde ich die Kernbotschaft: dass wir eine Liebe verdienen, die uns guttut, in der wir akzeptiert werden, wie wir sind – und dass es nicht darum geht, verbissen zu suchen, sondern jemanden zu finden, mit dem man gemeinsam wachsen möchte.

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