Profilbild von CynthiaM94

CynthiaM94

Lesejury Star
offline

CynthiaM94 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit CynthiaM94 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2023

Eine bewegte Familiengeschichte

Als Großmutter im Regen tanzte
0

„Als Großmutter im Regen tanzte“ ist ein großartiger Titel für diese fantastische Geschichte, in der es um die Familie Geschichte einer Norwegerin geht, die sich im zweiten Weltkrieg in einen Deutschen ...

„Als Großmutter im Regen tanzte“ ist ein großartiger Titel für diese fantastische Geschichte, in der es um die Familie Geschichte einer Norwegerin geht, die sich im zweiten Weltkrieg in einen Deutschen verliebt hat. Es ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, die mir sehr gut gefallen hat.

Zum Inhalt: als Juni das Haus ihrer verstorbenen Großeltern ausräumt, findet sie ein Foto von ihrer Großmutter, dass sie mit einem deutschem Soldaten zeigt. Juni beginnt ihre Familiengeschichte aufzusuchen- auf der Suche nach Antworten auf Fragen aus der Vergangenheit und nach einem Weg für sich selbst für die Zukunft.

In diesem Buch wird die bewegende Geschichte dreier Generationen Frauen aus Junis Familie erzählt, auch wenn der Fokus ganz klar auf ihrer Großmutter Tekla liegt, deren Liebe zu einem deutschen Soldaten sie alles gekostet hat. Und die trotzdem nicht den Mut verloren hat, weiterzumachen und sich selbst ein Leben aufzubauen. Es ist eine beeindruckende Geschichte einer starken Frau, die den Widrigkeiten des Lebens trotzt und ihr Glück findet.

Das Buch ist an vielen Stellen keine leichte Kost, besonders die Schrecken der russischen Besatzung in Deutschland sind teilweise sehr beklemmend und erschreckend geschildert und direkt bekommt man als Leser Mitleid mit den Betroffenen.

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt, in denen abwechselnd Juni und ihre Großmutter die Hauptrollen übernehmen. Das Leben der Mutter wird immer mal wieder angekratzt, aber kaum vertieft, obwohl auch sie unmittelbar von Tekla Lebensentscheidungen betroffen war.

Die Geschichte ist eine emotionale Achterbahnfahrt, die mich streckenweise wirklich mitgenommen und betroffen gemacht hat. Einen Stern Abzug gibts für die Rahmenhandlung der Gegenwart, die nicht nur sehr vorhersehbar, sondern in meinen Augen auch stark romantisiert ist und nicht authentisch wirkt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2023

Wenn Reality-TV zur Realität wird

Stranded - Die Insel
0

Jeder kennt diese hypothetische Frage danach, was man auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Aber was, wenn es dabei ums blanke Überleben geht? „Stranded“ greift diesen Gedanken auf und verpackt ihn in ...

Jeder kennt diese hypothetische Frage danach, was man auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Aber was, wenn es dabei ums blanke Überleben geht? „Stranded“ greift diesen Gedanken auf und verpackt ihn in einen nervenaufreibenden Spannungsroman, der aber auch ein paar Längen hatte.

Zum Inhalt: Maddy will ihr altes Leben hinter lassen und bewirbt sich für eine Survival-Realityshow, die das Ende der Welt nachstellen soll, wobei es darum geht ein Jahr lang auf einer abgeschlagenen Insel zu überleben. Was als witziges Projekt beginnt wird schnell bitterer ernst, denn die Rationen sind knapp und plötzlich droht die Stimmung zu kippen.

Tendentiell greift das Buch ein Konzept auf, dass es in abgewandelter Form ja tatsächlich bereits als TV-Formate gibt, dementsprechend war das Konfliktpotential der Situation sehr vorhersehbar. Prinzipiell zeigt das Buch auf, wie Moral und vernunftgesteuertes Handeln zu kippen drohen, sobald eine Extremsituation eintritt.

Das Buch ist durchweg aus Maddys Sicht geschrieben, die quasi nach ihrer Rettung in einem Interview die Geschehnisse wiedergibt, die der Leser als Rückblenden erfährt. Das ist nett gemacht, wäre aber nicht unbedingt notwendig gewesen, da die Präsenz-Perspektive kaum zusätzliche Einblicke liefert. Die chronologische Erzählung hätte für mein Empfinden vollkommen ausgereicht.

Die Konflikte und Fallstricke des neues Lebens auf der Insel waren durchaus interessant und spannend zu lesen. Trotzdem hatte ich das Gefühl dass es immer mal wieder Redundanzen gab bzw. die Handlung auf der Stelle trat. Klar passiert in über einem Jahr auf einer Insel nicht immer was spannendes, aber die Spannungskurve flachte dadurch immer mal wieder ab. Hier wurde in meinen Augen einiges an Potential verschenkt, vor allem nach Auffinden der ersten Leiche.

Insgesamt fand ich die Geschichte schon aufgrund der diffizilen Charaktere und der „was wäre wenn“ Situation sehr ansprechend. Man bangt schon mit Maddy mit und überlegt wie man selber handeln würde. Trotzdem hätte es spannungstechnisch gerne knackiger und weniger vorhersehbar sein dürfen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2023

Spannung bis zum Schluss

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
0

Wer Thriller liebt, kommt an Marc Raabe eigentlich nicht vorbei. Ich war schon großer Fan der Tom Babylon-Reihe und habe mich nun auf diesen neuen Reihenauftakt sehr gefreut.
Kleiner Wehmutstropfen an ...

Wer Thriller liebt, kommt an Marc Raabe eigentlich nicht vorbei. Ich war schon großer Fan der Tom Babylon-Reihe und habe mich nun auf diesen neuen Reihenauftakt sehr gefreut.
Kleiner Wehmutstropfen an diesem Buch: es hat einen schwarzen Farbschnitt, welcher allerdings etwas unangenehm riecht und die Seiten kleben dadurch sehr stark zusammen, teilweise war es richtig schwer diese voneinander zu lösen. Ansonsten kann ich nur sagen: Hochspannung und Nervenkitzel von der ersten bis zur letzten Seite, Band 2 dürfte gerne jetzt schon erscheinen.

Zum Inhalt: Ein Auffahrunfall an der Siegessäule und eine unbekleidete Leiche auf der Ladefläche des Unfallautos. Was von vornherein mehr als tragisch erscheint, entwickelt schnell politisch Brisanz als klar wird, um wen es sich bei der Toten handelt. Und nicht nur das, der Täter hat einen Hinweis auf dem Bauch der Toten hinterlassen- die Adresse des Bundeskanzlers. Es beginnt eine Hetzjagd durch Berlin, die droht, alte Wunde aufzureißen.

Art Mayer ist ein raubeiniger, aber überaus kompetenter Ermittler, der sich an einem Fall festzubeißen weiß und der aufgrund seiner Art und Auslegung moralischer Grundsätze aber auch gerne mal aneckt. Trotzdem bekommt der Leser auch die fürsorgliche, herzensgute Seite Mayers präsentiert, die ihm im Übrigen fantastisch zu Gesicht steht. Mayer ist für mich ein Protagonist, mit dem ich mitfiebern und mitfühlen kann, weil er eine Geschichte hat, eine Hintergrundstory die ihn verwundbar und überaus menschlich macht.

Die Geschichte wird in zwei Zeitachsen erzählt, in Rückblenden erfährt man viel über Art selbst und wie er zu den anderen handelnden Personen steht. Das hat mir richtig gut gefallen, denn diese Rückblenden sind nicht nur ein interessanter Einblick ins Arts eigene Geschichte und seinen Charakter, die gesamte Storyline der Vergangenheit ist wahnsinnig spannend und ich könnte mir vorstellen, dass sie für weitere Bücher auch nochmal relevant wird.

Der Fall selbst ist sehr packend konstruiert. Marc Raabe legt hier nicht nur ein ordentliches Tempo vor, es steckt auch eine schlüssig konstruierte Geschichte dahinter, die sehr glaubwürdig erzählt wird. Vor allem die Einbindung der Medien, das Zusammenspiel der unterschiedlichen Polizeiapparate und das zweischneidige Schwert, wenn es darum geht, wer der Verdächtige ist, wirkten sehr authentisch und wirklich fesselnd.

Ein sehr spannendes Buch, mit einem sehr interessanten Thema rund um alte Loyalitäten, vergrabene Erinnerungen und die Frage nach der Schuld.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2023

Tanz um dein Leben

Hold Me - New England School of Ballet
0

„Hold me“ ist ein eindringlicher Young Adult Roman, der nicht nur mit einer sanften Liebesgeschichte, sondern auch viel Tragik punktet. Es geht um die Themen Familie, Verlust und Neuanfänge. Eine mitreißende ...

„Hold me“ ist ein eindringlicher Young Adult Roman, der nicht nur mit einer sanften Liebesgeschichte, sondern auch viel Tragik punktet. Es geht um die Themen Familie, Verlust und Neuanfänge. Eine mitreißende Geschichte, die für YA-Maßstäbe übermäßig nachhallt.

Zum Inhalt: mit der Zusage an der New England School of Ballet geht für Zoe ein Lebenstraum in Erfüllung, denn schon immer wollte sie nichts als Tanzen. Doch beim Pas de deux trifft sie auf Jase- den Jungen, den sie geliebt hat, den Jungen den sie verletzt und ignoriert hat. Und plötzlich geht gar nichts mehr. Und auch Jase ist alles andere als erfreut, Zoe wiederzusehen. Aber dann hängt ihrer beider Tanzkarriere plötzlich von einander ab. Werden ihre Gefühle ihnen im Weg stehen- oder sie retten?

Richtig cute fand ich die Idee mit den geheimen Wahrheiten auf versteckten Zetteln zwischen den beiden Protagonisten. Diese werden auch immer wieder eingestreut und präsentieren der Geschichte einiges an Offenheit und Verletzlichkeit und tragen maßgeblich zur emotionalen Tiefe bei.

Es hat mir gefallen, wie vielfältig die Storyline war. Es ging nicht nur ums Tanzen, das vordergründig ein zentrales Thema zu sein schien. Über das Tanzen wird wahnsinnig an privaten Konflikten transportiert, was ich toll umgesetzt fand. Ich mochte die detaillierten Hintergrundgeschichten, die die beiden Protagonisten bekommen haben und ihre jeweiligen Sorgen und Probleme, die obwohl sie unterschiedlich angesiedelt waren, doch eine Verknüpfung geschaffen haben.

Das vorsichtige annähern der beiden hat mir sehr gut gefallen und ich mochte, dass es Ups und Downs gab, die die beiden sehr nahbar gemacht haben. Gefühle wurden hier wahnsinnig gut transportiert, genauso wie die Hilflosigkeit, wenn man mit den Gefühlen anderer bezüglich einem selbst konfrontiert wird.

Was mir richtig gut gefallen hat und sehr authentisch rüberkam ist, dass die Probleme am Ende des Buches nicht auf wundersame Weise verpufft sind. Stattdessen hat innerhalb der Storyline eine realistische Entwicklung stattgefunden.

Eine wirklich schöne Geschichte mit viel Herzschmerz aber auch vielen süßen Momenten zum Dahinschmelzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2023

Nicht ganz mein Fall

30 Tage Dunkelheit
0

„Bester dänischer Kriminalroman 2021“- das will schon was heißen und setzt die Erwartungshaltung natürlich direkt hoch. Ich lese tatsächlich recht viele Krimis und Thriller und muss daher sagen, dass ich ...

„Bester dänischer Kriminalroman 2021“- das will schon was heißen und setzt die Erwartungshaltung natürlich direkt hoch. Ich lese tatsächlich recht viele Krimis und Thriller und muss daher sagen, dass ich schon deutlich stärkere Bücher aus diesem Genre gelesen habe, ich weiß aber natürlich auch nicht, wonach die Jury die Bewertung getroffen hat. Das Setting fand ich zwar sehr atmosphärisch, der Fall selbst und auch das Ganze drumherum hat mich aber nicht richtig erreicht.
Zum Inhalt: Hannah ist Romanautorin, ihre Bücher spiegeln den literarischen Anspruch wider, den sie an sich selbst und ihre Schriftstellerkollegen stellt- und sind entsprechend wenig erfolgreich. Auf einer Messe greift Hannah den erfolgreichen Krimiautoren Jorn offen verbal an und verkündet, dass jeder Idiot in 30 Tagen einen Krimi schreiben könne. Nun muss sie dies nur noch beweisen.
Die Idee des Krimis in einem Krimi hat mir von Anfang an gut gefallen und ich mochte die Einleitung des Buches, die auf diese Situation hingeführt hat, mir nahm allerdings der Krimi im Krimi irgendwann zu viel Raum ein. Ganze Passagen eines weiteren Buches werden präsentiert, gefühlt als Stimmungskopie der eigentlichen Haupthandlung. Anfangs fand ich das noch nett, dass man Hannah so aktiv beim Schreibprozess begleitet, aber mir wurde das zunehmend zu viel. Was ich auch unsagbar anstrengend fand, war die Rivalität zwischen Hannah und Jorn, die Hannah bei jeder sich bietenden Gelegenheit neu entfacht und gegen ihn stichelt, wo sie nur kann. Generell finde ich Hannah ausgesprochen unsympathisch, aber wie der aufmerksame Leser aus Jorns kleiner Krimi-Schulung für Hannah lernt, darf der Ermittler nicht sympathisch sein- ja ne, ist klar.

Die Geschichte selbst liest sich recht flüssig und es passiert auch immer genug, um den Leser bei der Stange zu halten, wobei ich die Geschichte nicht per se spannend fand. Authentisch, aber für mich absolut nervig, waren die Zwischenrufe in isländischer Sprache, die dann halbherzig übersetzt oder von Hannah in Kontext gesetzt wurden. Auch die Art der Kommunikation zwischen Hannah und Ella ist sehr umständlich und gleichzeitig aufs simpelste runtergebrochen, was Raum für Missverständnisse birgt.
Obwohl ich die Art wie hier an die Story rangegangen wurde an sich gut fand, hat mich die Geschichte leider nicht packen können. Ich musste mich zwar nicht durchquälen, war aber froh, als die Geschichte ihren Abschluss inklusive übertrieben großem Showdown für die sonst recht überschaubare Story fand.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere