Alptraum in Schweden
Bachelorette PartyEin Junggesellinnenabschied, der zum Albtraum wird – das ist kein neues Konzept. Aber „Bachelorette Party“ von Camilla Sten zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie viel Spannung noch in dieser Idee steckt, wenn ...
Ein Junggesellinnenabschied, der zum Albtraum wird – das ist kein neues Konzept. Aber „Bachelorette Party“ von Camilla Sten zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie viel Spannung noch in dieser Idee steckt, wenn Atmosphäre, Figuren und Timing stimmen.
Die Ausgangslage ist herrlich trügerisch: eine abgelegene Schäreninsel vor der Küste Schweden, ein luxuriöses Haus, Yoga am Strand und ein Wochenende unter Freundinnen. Doch schon früh kippt die Stimmung. Hauptfigur Tessa bringt mit ihrer Vergangenheit als Journalistin und der Erinnerung an einen ungelösten Vermisstenfall eine unterschwellige Unruhe in die Gruppe – und genau diese Spannung zieht sich wie ein feiner Riss durch die gesamte Geschichte.
Richtig stark wird der Roman, sobald die Gruppe von der Außenwelt abgeschnitten ist. Das treibende Boot ist dabei mehr als nur ein Plot-Device: Es markiert den Punkt, an dem aus unterschwelliger Beklemmung echte Bedrohung wird. Ab hier entfaltet sich ein klassischer, aber effektiv inszenierter Isolationsthriller, in dem Misstrauen, alte Konflikte und versteckte Wahrheiten eskalieren.
Die Figuren sind bewusst nicht durchweg sympathisch – und genau das funktioniert. Zwischen den Freundinnen brodelt es, Eifersucht, alte Verletzungen und unausgesprochene Vorwürfe kommen nach und nach ans Licht. Dadurch entsteht eine dichte, fast klaustrophobische Dynamik, bei der man ständig hinterfragt: Wer spielt hier welches Spiel?
Stens Stil ist klar, präzise und atmosphärisch dicht. Sie verzichtet auf unnötige Ausschmückungen und setzt stattdessen auf gezielte Spannung und psychologischen Druck. Besonders gelungen ist das Wechselspiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, das den Cold Case geschickt mit der aktuellen Handlung verknüpft.
Ein kleiner Kritikpunkt: Einige Wendungen sind für erfahrene Thriller-Leser*innen nicht völlig überraschend. Dennoch bleibt die Geschichte bis zum Ende fesselnd, vor allem durch ihr Tempo und die konsequent aufgebaute Bedrohung.