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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.02.2025

Berührend, aufzeigend und manchmal witzig

Russische Spezialitäten
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Eine Geschichte die aufzeigen will, dass es nie nur schwarz oder weiß gibt, dass Familien weitab vom Kriegsgeschehen ebenso Trennung und Schmerz, Verlorensein und Unverständnis erleben wie sie auch der ...

Eine Geschichte die aufzeigen will, dass es nie nur schwarz oder weiß gibt, dass Familien weitab vom Kriegsgeschehen ebenso Trennung und Schmerz, Verlorensein und Unverständnis erleben wie sie auch der Versuchung von Propaganda erliegen können. Bei all den schweren Themen hatte ich dennoch nicht das Gefühl einen deprimierenden Text vor mir zu haben. Dmitrij Kapitelman hat einige witzige Szenen eingebaut, die auflockern.
Auch, wenn immer wieder russische Wörter und Sätze einfließen, so ist der Lesefluss dadurch nicht wesentlich unterbrochen. Da ich weder russisch noch ukrainisch sprechen und lesen kann, musste ich diese sowieso überspringen. Meistens wurden sie aber sofort übersetzt oder der Sinn ergab sich aus dem Zusammenhang. Ich konnte mit dem Schreibstil des Autors sehr gut umgehen.
Die Hauptfigur war mir greifbar und sympathisch. In seinem Versuch der Mutter eine andere Sichtweise zu zeigen, sich selbst zu finden und Ansichten zu hinterfragen, wurde er menschlich und verletzlich dargestellt.
„Russische Spezialitäten“ hat mich auf eine Reise mitgenommen. Nicht nur auf eine Reise in die vom Krieg fest umklammerte Ukraine, sondern auch auf die Suche des Sohnes nach seiner Identität. Es berührt, zeigt auf und lässt mitfühlen.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Versuchung siegt über Moral

Der Besuch der alten Dame
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Ich hatte Respekt vor einem Buch von Friedrich Dürrenmatt und lies es zu Unrecht lange liegen. Doch „Der Besuch der alten Dame“ hat es mir dann doch leicht gemacht. Gewöhnungsbedürftig war anfangs natürlich ...

Ich hatte Respekt vor einem Buch von Friedrich Dürrenmatt und lies es zu Unrecht lange liegen. Doch „Der Besuch der alten Dame“ hat es mir dann doch leicht gemacht. Gewöhnungsbedürftig war anfangs natürlich der Aufbau als Drehbuch für ein Theaterstück. Aber erstaunlicherweise kam ich sehr gut in die Geschichte und ich konnte das Buch flüssig durchlesen.
Die Moral der Geschichte ist, dass die Versuchung über die Moral siegt. Traurig aber nicht nur damals, sondern auch heutzutage immer wieder zu beobachten. Und da bedarf es eines viel kleineren Anreizes als einer Milliarde von Claire Zachanassian.
Ich fand die Entwicklung der Dorfbewohner sehr gut beschrieben. Erst die Entrüstung und die Ablehnung, nach und nach der Geschmack des Geldes bis hin zur eigenen Auslegung von Gerechtigkeit. Aber auch Ill geht eine spürbare Wandlung durch. Er sieht seine Verfehlung, akzeptiert, dass er dafür die Konsequenz tragen muss. Wie immer auch das Urteil lauten mag.
Ein Stück, das in jedes Zeitalter passt. Ich habe das Büchlein gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 25.01.2025

Es bewegt sich, manchmal, leider nur der Zug.

In einem Zug
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Die Reise geht von Wien nach München und ich wollte gerne mitfahren, da mir die Bücher von Daniel Glattauer in der Vergangenheit sehr gut gefallen haben. Aber leider wurde diese Reise nicht so kurzweilig ...

Die Reise geht von Wien nach München und ich wollte gerne mitfahren, da mir die Bücher von Daniel Glattauer in der Vergangenheit sehr gut gefallen haben. Aber leider wurde diese Reise nicht so kurzweilig wie ich erhofft hatte.
Seitenweise hatte ich das Gefühl neben den beiden „In einem Zug“ zu sitzen, ein Buch lesen zu wollen, aber ihre Stimmen zwingen mich zuzuhören. Nicht weil das Gespräch so interessant wäre, sondern weil die Stimmen permanent zu hören sind. Mit jeder Station wird diese Situation für mich ärgerlicher.
Am Ende gibt es noch eine nicht ganz unvorhergesehene Wendung, die das Ganze aber nicht mehr auffangen kann. Der Schreibstil ist flüssig und unkompliziert zu lesen, auch wenn es nur wenige Kapitel auf Basis der verschiedenen Haltestellen gibt.
Einige Stellen habe ich gerne gelesen. Mir hat auch sein Lebensmodel gut gefallen. Doch diese Szenen waren mir einfach zu wenig. Ich habe mich nicht durch die Seiten quälen müssen, aber ein zweitesmal würde ich das Buch nicht zur Hand nehmen.

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Veröffentlicht am 21.01.2025

Sehr unterschiedlich; Frauen die wissen, was sie wollen

Versaute Eheschlampen - heiß, leidenschaftlich und verdorben | 8 geile erotische Geschichten
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Das Buch enthält insgesamt acht Geschichten und eine Zusatzgeschichte die man sich online mit einem Code herunterladen kann. In jeder dieser Geschichten treffen wir selbstbewusste Frauen, die ihr Sexleben ...

Das Buch enthält insgesamt acht Geschichten und eine Zusatzgeschichte die man sich online mit einem Code herunterladen kann. In jeder dieser Geschichten treffen wir selbstbewusste Frauen, die ihr Sexleben genießen. Und alle haben eines gemeinsam. Sie sind verheiratet, genießen aber die außerehelichen Freuden ohne Reue oder Schuldgefühle. Ob dies in Ordnung ist, werde ich hier nicht kommentieren, das muss jeder für sich entscheiden. Doch der Titel „Versaute Eheschlampen“ weist schon die Richtung und so weiß jeder Leser worauf er sich einlässt.
Das Cover gibt ebenfalls etwas die Richtung vor, indem es eine junge, attraktive Frau mit eher weniger als mehr an Kleidung zeigt. Es ist in meinen Augen wieder edel und stimulierend gemacht.
Hannah Stevens lässt ihre Figuren selbst erzählen, sie fest im Leben stehen. Sie sind jung, dynamisch, attraktiv und offen für Neues. Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt flüssig und hocherotisch.
Die einzelnen Geschichten handeln von unterschiedlichen Begegnungen, sei es regelmäßiger Sex mit dem Chef, oder gar ein Gangbang mit mehreren Chefs, sei es ein geheimes Treffen in einem Schloss, oder ein paar Stunden mit einem Callboy, auf jeden Fall kommen die Frauen auf ihre Kosten. Genauso wie der Leser, dessen Kopfkino schnell Bilder produziert.
Ich habe von diesen acht Geschichten alle gerne gelesen, nur eine konnte mich persönlich nicht erreichen. Doch das lag an dem jungen Mann und sein Naheverhältnis zur Frau, nicht an der Erotik der Geschichte.
Dieses Buch kann ich jedem Freund der erotischen Geschichten uneingeschränkt empfehlen, soferne eine gewisse Lockerheit im Umgang mit der ehelichen Zweisamkeit gegeben ist.

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Veröffentlicht am 18.01.2025

Ella reduziert sich, findet dabei sich selbst und die Liebe

Wer zu spät kommt, den belohnt das Leben
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Ein Jahr lang in einem Tiny House zu leben, sich zu reduzieren, den Konsum weitgehend einzuschränken und darüber eine Reportage zu schreiben, so war das Projekt von Ella gedacht. Dass sie dabei mehr als ...

Ein Jahr lang in einem Tiny House zu leben, sich zu reduzieren, den Konsum weitgehend einzuschränken und darüber eine Reportage zu schreiben, so war das Projekt von Ella gedacht. Dass sie dabei mehr als einmal an ihre Grenzen stößt und so nebenbei nicht nur sich selbst, sondern auch die Liebe findet, das wiederum war nicht geplant.
Ella wird als selbstbewusste Frau dargestellt. Sie hat in ihrem Leben einiges gesehen und erreicht. Ihre Handlungen, Gedanken und Gefühle sind weitgehend nachvollziehbar. Jede der Figuren hat ihre Macken und eigene Geheimnisse. Diese kommen im Laufe des Buches nach und nach ans Tageslicht. Das gefällt mir, denn so hatte ich das Gefühl langsam in die Gemeinschaft einzutauchen.
Generell interessant finde ich die Lebensform dieser Tiny House Siedlung. In meinen Augen hat Kristina Günak den Alltag, die Probleme, aber auch die Freiheiten sehr schön auf den Punkt gebracht. Rundum darf sich auch eine Liebesgeschichte entwickeln.
Gegen Ende kommt es zu einem sehr spannend aufgebauten Szenario. Menschlich fand ich auch diesen Teil wunderbar gelungen. Einzig die Logik konnte mir hier nicht ganz glaubwürdige Erklärungen liefern, ebenfalls zu glatt lief mir zum Beispiel die Beschneidung der Apfelbäume. Doch das sind auch schon die gravierendsten Punkte, die mir bei „Wer zu spät kommt, den belohnt das Leben“ eher weniger zugesagt haben.
Dieser Wohlfühlroman, der so nebenbei auch noch von einer unbekannten, aber interessanten und vielleicht sogar erstrebenswerten Wohnform erzählt, ist durchaus empfehlenswert. Ich mochte die Geschichte und die Entwicklung der Figuren genauso, wie die Beschreibung des Lebens in dieser Gemeinschaft.

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