Profilbild von Eliza

Eliza

Lesejury Star
offline

Eliza ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Eliza über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.09.2025

Intensive Beleuchtung der jungen Besiedlungsgeschichte der Insel Borkum

Die Walfängerin von Borkum
0

Ein Roman über die Anfänge des Walfangs, der die Insel Borkum in ihrer noch jungen Besiedlungsgeschichte begleitet und intensiv beleuchtet. Sehr trefflich beschreibt die Autorin den harten Alltag der Protagonisten ...

Ein Roman über die Anfänge des Walfangs, der die Insel Borkum in ihrer noch jungen Besiedlungsgeschichte begleitet und intensiv beleuchtet. Sehr trefflich beschreibt die Autorin den harten Alltag der Protagonisten auf einer Insel, die viel Natur, aber auch außerhalb des Walfangs wenig wirtschaftliche Möglichkeiten bietet.

Die Hauptcharaktere Fenja und Joris sind dabei zwei Figuren, die man einfach nur sympathisch finden kann. Auch wenn ich persönlich dem Walfang sehr negativ gegenüberstehe, hatte ich viel Verständnis für den Wunsch Joris’, durch den Walfang für sich und seine große Liebe Fenja das Leben auf Borkum zu einem besseren zu machen. Dabei muss er große Gefahren eingehen.

Fenja ist eine liebenswürdige Person, die auf der Insel groß geworden ist und den Strand und die Dünen wie keine Zweite liebt. Sie liebt die Tiere auf der Insel und die große Freiheit und möchte trotz der Entbehrungen an keinem anderen Ort der Welt leben. Überhaupt sind die weiteren Charaktere sehr differenziert ausgearbeitet worden. Eine große Stärke des Romans ist die ausführliche und beschreibende Darstellung der Inseltopografie und des damaligen Lebens auf der Insel Borkum. Weit bevor der Tourismus Einzug auf der Insel erhielt, waren die Lebensverhältnisse dort sehr hart, da außer dem Wal- und Fischfang wenig Möglichkeiten bestanden, um ein auskömmliches Leben zu führen. Dafür wurde wohl schon damals die Gemeinschaft auf der Insel sehr großgeschrieben, und die persönlichen Beziehungen tragen sehr viel zu dem beschriebenen Flair bei.

Der Schreibstil der Autorin ist gut beschreibend und sehr gut lesbar. Eine für mich rundum gelungene Geschichte, die das historische Inselflair sehr gut widerspiegelt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.09.2025

Schweres Thema kraftvoll erzählt

Der Sommer am Ende der Welt
0

Dieser Roman geht unter die Haut, denn er schildert beklemmende und schreckliche Ereignisse in sogenannten Kinderverschickungsheimen. Kinder sollten dort an der See aufgepäppelt werden, doch stattdessen ...

Dieser Roman geht unter die Haut, denn er schildert beklemmende und schreckliche Ereignisse in sogenannten Kinderverschickungsheimen. Kinder sollten dort an der See aufgepäppelt werden, doch stattdessen erlebten sie traumatische Erfahrungen. Hinzu kommt eine Journalistin, die diese Machenschaften Jahrzehnte später aufdecken will, sowie eine tiefe Liebesgeschichte, die große Hürden überwindet.

Eva Völlers Romane lese ich schon seit vielen Jahren unglaublich gerne. Ich mag ihre Art zu schreiben und wie empathisch sie Ereignisse darstellt. Gerade bei diesem Roman war das besonders wichtig. Hanna ist eine großartige Protagonistin, mit der ich mich sofort identifizieren konnte: eine 40-jährige Frau, Mutter einer Tochter und berufstätig. Sie hat eine gescheiterte Beziehung hinter sich und liebt ihren Job. Weil ihre Mutter ein Verschickungskind war und dadurch traumatisiert wurde, will Hanna unbedingt mehr über das Heim erfahren.

Der Roman besteht größtenteils aus nur fünf Kapiteln, die jeweils einem Tag auf Borkum entsprechen. Diese Kapitel sind prall gefüllt und intensiv erzählt, denn die Ereignisse auf der Insel haben es in sich. Auch die Rückblenden in die Vergangenheit, vermittelt durch Erzählungen und Tagebucheinträge, berühren zutiefst. Die verschiedenen Erzählperspektiven ermöglichen es, zu einigen Figuren eine besonders enge Beziehung aufzubauen, allen voran zu Hanna. Neben Angela war Isa meine absolute „Hassfigur“, die ich überhaupt nicht ausstehen konnte. Doch auch das macht einen guten Roman aus: überzeugende Antagonisten.

Die Misshandlungen und Demütigungen der Betreuerinnen und Betreuer in diesen Heimen waren grausam und hatten ihren Ursprung in der Zeit des Nationalsozialismus. Aber auch die Ereignisse in der heutigen Zeit sind dramatisch und bewegend. Mehrmals musste ich beim Lesen innehalten, hatte Gänsehaut und Tränen in den Augen, so sehr hat mich diese Geschichte berührt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.09.2025

Tiefe emotionale Dichte

Himmel ohne Ende
0

Eines der emotional dichtesten Bücher, die ich je gelesen habe. Das Eintauchen in die Gefühlswelt der fünfzehnjährigen Charlie bereichert, macht nachdenklich und sorgt für den einen oder anderen Wiedererkennungseffekt. ...

Eines der emotional dichtesten Bücher, die ich je gelesen habe. Das Eintauchen in die Gefühlswelt der fünfzehnjährigen Charlie bereichert, macht nachdenklich und sorgt für den einen oder anderen Wiedererkennungseffekt.

Julia Engelmann hat uns mit Charlie eine Protagonistin geschenkt, der wir als Leser tief in die Seele und ins Herz blicken dürfen. Ein Teenager zwischen Zweifel, Wut, Trauer, Zugehörigkeit, Verliebtsein und eigenen Träumen. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, erkennt man den einen oder anderen Wesenszug aus der eigenen Teenagerzeit wieder.

Ein Buch, das schonungslos erzählt und sich gleichzeitig einer poetischen Sprache bedient, sodass man mit dem Zitieren kaum hinterherkommt. Eine gefühlsgewaltige Sprache, die die innere Zerrissenheit sehr detailliert beschreibt. Sensibel und einfühlsam zeigt die Autorin, was es bedeuten kann, wenn Familien- und Freundschaftskonstellationen sich verändern und das erste Verliebtsein das Denken vernebelt.

„Du redest dauernd davon, was du alles willst, aber du tust nichts dafür.“ (S. 161 eBook) ein Zitat, das nicht nur in der Teenagerzeit seine Berechtigung hat. Denn auch Erwachsene müssen sich bewusst machen, dass man seinen Träumen aktiv entgegengehen muss. Ein kluger und warmherziger Roman, voller Lebensweisheiten und Gefühle.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die es lieben, in gefühlvolle Welten einzutauchen und sich an einer poetischen Sprache zu erfreuen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.09.2025

Die Mosel im Wandel der Zeit

Der Weg der Frauen
0

Auch in Band 3 entführt uns Marie Pierre wieder an die wunderschöne Mosel, in ein Gebiet, das geprägt ist von Umbrüchen und verschiedenen Einflüssen: Elsass, Lothringen, Preußen, Bayern, Luxemburg, Saarland ...

Auch in Band 3 entführt uns Marie Pierre wieder an die wunderschöne Mosel, in ein Gebiet, das geprägt ist von Umbrüchen und verschiedenen Einflüssen: Elsass, Lothringen, Preußen, Bayern, Luxemburg, Saarland und Rheinland-Pfalz.

Pauline führt weiterhin ihr Pensionat, und diesmal ist das Gefühlschaos komplett: Ihr ehemaliger Verlobter tritt nach dem Tod seiner Frau wieder in ihr Leben. Auf der anderen Seite ist da immer noch Hauptmann Erich von Pliesnitz. Von Pauline nicht umsonst „Hauptmann gnadenlos“ genannt, der ihr unaufhörlich durch den Kopf geht. Doch auch ihre Schülerinnen machen ihr das Leben nicht einfacher: Eine von ihnen muss Pauline sogar nach einer Verhaftung bei der Polizei auslösen.

Es geht also wieder turbulent zu im Pensionat, und es macht Freude, all die liebevoll gezeichneten Figuren erneut zu treffen. Sei es Lisbeth, die resolute Köchin und das gute Herz des Hauses, Vincent und Camille oder Franz, der Bursche des Hauptmanns, der erneut für den einen oder anderen Schmunzler sorgt.

Von großer Bedeutung ist auch der historische Hintergrund des Romans: die Belle Époque am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Themen wie die Emanzipation der Frau, Bildung, eigenständiges Denken und die Rechte von Frauen stehen im Mittelpunkt. Die Lebenswirklichkeit der Frauen unterscheidet sich deutlich von der der Männer. Diskriminierung und Benachteiligung sind allgegenwärtig. Ein weiteres, bedrückendes Thema ist in diesem Zusammenhang der Missbrauch von Rauschmitteln, die von Familien eingesetzt werden, um insbesondere junge Frauen gefügig zu machen.

Die fiktive Handlung ist gekonnt mit dem historischen Kontext verwoben, sodass ein Roman entstanden ist, der eine starke Sogwirkung entfaltet. Grundsätzlich ist dieser Band der Trilogie auch eigenständig lesbar, dennoch werden große Handlungsbögen gespannt, sodass es empfehlenswert ist, auch die vorangegangenen Bände zu kennen. Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt flüssig und sehr authentisch sowohl in der Sprache der einzelnen gesellschaftlichen Kreise als auch in der Mischung aus Deutsch, Französisch und verschiedenen Dialekten. Die wechselnden Perspektiven tragen zusätzlich dazu bei, dass man eine enge Beziehung zu den Figuren aufbauen kann.

Ein Personenverzeichnis, eine Karte und ein ausführliches Glossar runden den Roman ab. Eine Lektüre, die ich nur wärmstens empfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.09.2025

Gute Verwebung von Fakten und Fiktion

Hotel Vier Jahreszeiten – Der Glanz des neuen Morgens
0

Luise in den Stürmen des Lebens vor einem historischen Hintergrund, der sich niemals mehr wiederholen darf. Aus der kleinen Wäscherin ist nun eine Hausdame geworden und Luise ist längst mehr als eine Angestellte ...

Luise in den Stürmen des Lebens vor einem historischen Hintergrund, der sich niemals mehr wiederholen darf. Aus der kleinen Wäscherin ist nun eine Hausdame geworden und Luise ist längst mehr als eine Angestellte im Vier Jahreszeiten in Hamburg.

Sie gehört zur Familie und wird in wichtige Entscheidungen mit einbezogen und ist eine Ansprechpartnerin für die Familie Haerlin. Doch allen machen die gesellschaftliche Entwicklung zu schaffen, gerade in den 30er Jahren und im 2. Weltkrieg ist das Hotel kein eigener Kosmos mehr, sondern muss sich der Realität stellen. Auch nach dem zweiten Weltkrieg, als die Besatzungsmächte das Sagen haben wird einmal mehr klar, Zusammenhalt ist wichtig.

Die Autorin erzählt eine packende Geschichte, die gut recherchiert ist und die mit vielen Details zum Hotel und zum Leben der Angestellten im Hotel aufwartet. Leider kam es mir manchmal ein wenig gehetzt vor, weil in den 400 Seiten 30 Jahre verpackt worden sind. Ich kann den nachvollziehen, warum die Autorin genau dort die Geschichte enden lassen wollte, dennoch war es mir manchmal etwas zu gestrafft und gerafft. Gleichzeitig sind dadurch viele Themen in den Roman verpackt worden: Nationalsozialismus, Antisemitismus, Bücherverbrennung, Homosexualität, Konzentrationslager, Spionagetätigkeiten und Entnazifizierung, um nur einige Themen zu nennen. Hinzu kommen alle Themen rund um den Betrieb eines Hotels und seiner Angestellten: Freundschaft, Liebe, Familie, Aufgaben im Hotel, Zuständigkeiten im Hotel etc.

Was der Autorin wieder sehr gut gelungen ist, ist die Verwebung von Fakten und Fiktion bei ihren handelnden Figuren. Es ist interessant zu sehen, wie historisch verbürgte Personen in einer teilweise fiktiven Geschichte agieren und wie sie mit fiktiven Personen in Korrespondenz treten.

Der Schreibstil der Autorin ist wieder einmal gut zu lesen und die Seiten fliegen nur so dahin. Ich mag die Art und Weise, wie sie erzählt und welche Eigenschaften sie ihren Figuren zu teil werden lässt, dies ist überaus authentisch und überzeugend. Insgesamt hat der Roman mir wieder gut gefallen, wobei ich sagen muss, dass mich Band eins mehr mitgenommen hat und ich noch mehr das Gefühl hatte Teil der Geschichte zu sein. Ich bin nun gespannt, ob es noch einen dritten Teil geben wird, denn durch das Ende hat die Autorin sich diese Tür offengehalten, was ich sehr gut finde. Es muss keinen dritten Teil geben, kann aber.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere