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Veröffentlicht am 05.10.2025

Die Geschichten hinter den Verbrechen

Verbrechen
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Elf mal schauen wir hinter die Schlagzeile und lernen die Schicksale hinter den Verbrechen und Verbrechern kennen. Elf mal werden wir überrascht. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Bei ...

Elf mal schauen wir hinter die Schlagzeile und lernen die Schicksale hinter den Verbrechen und Verbrechern kennen. Elf mal werden wir überrascht. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Bei "Verbrechen" aus dem Jahr 2009 möchte man fast schon von einem True-Crime-Klassiker sprechen. Der Anwalt Ferdinand von Schirach berichtet sehr lesenswert von Kriminalfällen, die auf wahren Ereignissen beruhen, von Fällen, die er selbst erlebt hat. Unser Rechtsempfinden wird auf die Probe gestellt, denn hier ist Mord nicht gleich Mord, wenn man erst die Hintergründe kennt. Verbrechen, die zum Nachdenken anregen und deutlich machen, dass Schuld unterschiedlich gewertet werden kann.

Die 200 Seiten des Buches hatte ich in kürzester Zeit durchgelesen; der eher nüchterne Schreibstil fesselt ungemein. Eine Leseempfehlung nicht nur True-Crime-Fans. Mit "Verbrechen" läutete von Schirach seine überaus erfolgreiche Karriere als Autor ein.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Die Frau in Rot

Der ewige Tanz
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Anita Berber liegt mit Tuberkulose im Bethanien Krankenhaus in Berlin-Kreuzberg und läßt ihr kurzes, aber intensives Leben Revue passieren: Mit 18 Jahren erobert Anita durch ihre extravaganten Tanzauftritte ...

Anita Berber liegt mit Tuberkulose im Bethanien Krankenhaus in Berlin-Kreuzberg und läßt ihr kurzes, aber intensives Leben Revue passieren: Mit 18 Jahren erobert Anita durch ihre extravaganten Tanzauftritte 1917 das Berliner Nachtleben, schnell wird sie zum Star mit ihrem Ausdruckstanz, den sie nackt oder in auffälligen Kostümen aufführt. Sie stürzt sich ohne Kompromisse ins Lebens, trinkt Unmengen Alkohol und nimmt Drogen. Sie wirkt außerdem in wenigen Jahren in über 25 Filmen mit und geht auch im Ausland auf Tournee.

Ich kannte ihren Namen bisher nicht, aber ein Bild, das 1925 von ihr gemalt wurde, kenne ich sehr wohl. Dazu heißt es im Roman: "Es wird kein schönes Bild von dir sein. Aber es wird sehr berühmt werden, dieses Gemälde, weil", er kniff verkrampft die Augen zusammen, "weil ... das weiß ich nicht genau. Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: Dieses Bild ist das einzige Zeugnis, mit dem du der Nachwelt in Erinnerungen bleiben wirst: als hässliche, alte Frau." (S. 207) So alt, wie Anita Berber auf dem Gemälde aussieht, ist sie nie geworden. Sie starb bereits mit 29 Jahren und vielen ist sie nur als die rote Frau auf dem tatsächlich sehr berühmten Bild von Otto Dix bekannt.

Ich habe den Roman über das Leben der "Skandal-Tänzerin" gerne gelesen, der in die turbulente Welt Berlins in den 1920er Jahren entführt und Anita Berber ins Bühnenlicht zurückholt.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Eine Americanah

Americanah
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Ich habe mir so viele Markierungen in den Roman geklebt, dass ich unmöglich alles, was ich als wichtig empfunden habe, hier einbringen kann.

Ifemelu kommt aus Nigeria, sie hat dort studiert und hat es ...

Ich habe mir so viele Markierungen in den Roman geklebt, dass ich unmöglich alles, was ich als wichtig empfunden habe, hier einbringen kann.

Ifemelu kommt aus Nigeria, sie hat dort studiert und hat es geschafft, in den USA Fuß zu fassen. Sie hat ein Stipendium erhalten und betreibt einen erfolgreichen Blog, auf dem sie sich u.a. mit dem Thema Rassismus beschäftigt. Als der Roman einsetzt, ist sie beim Friseur und steht kurz vor der Rückkehr nach Nigeria. Während in dem stickigen kleinen Laden ihre Haare gemacht werden, wird in Rückblenden ihr Leben und das ihres nach Großbritannien gegangenen Freundes Obinze abwechselnd aus personaler Sicht erzählt.

Der Roman greift unheimlich viele Themen auf. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme in Nigeria, die gerade die gut ausgebildeten jungen Menschen ins Ausland treiben. Die Schwierigkeiten als (illegaler) Einwanderer. Der Rassismus, den Ifemelu mit ihren Freunden und Lebensgefährten unterschiedlicher Hautfarbe und auf ihrem Blog thematisiert. Der Verlust der Heimat und die Rückkehr als jemand anderer, der das Land einst verlassenen hatte. Daher auch der Titel: "Americanah", das ist Ifemelu. Eine Frau, die die Heimat nun mit amerikanischen Augen sieht und sich amerikanische Eigenheiten angewöhnt hat. Die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der USA beherrscht ein Kapitel und bespricht bemerkenswerte Aspekte.

Die eher gegenläufigen Geschichten des einstigen Liebespaares Obinze und Ifemelu enden beide wieder in Nigeria.

Ich habe besonders die Darstellung der Zusammenhänge und Hintergründe des Rassismus in den USA, den Ifemelu in vielen Facetten beschreibt, als unheimlich lehrreich empfunden. Der Unterschied, der zwischen amerikanischen Afrikanern und Afroamerikanern gemacht wird und wie sich auch diese von einander abgrenzen. Ifemelu macht Rassismuserfahrungen, die sie aus ihrem Heimatland nicht kennt. "Ich komme aus einem Land, in dem Rasse kein Thema war. Ich habe mich selbst nicht als Schwarze gesehen, ich wurde erst schwarz, als ich nach Amerika kam." (S. 367) Dass der Friseurbesuch einen großen Teil der Geschichte einrahmt, ist kein Zufall.

Insgesamt ein wichtiger und lohnender Roman, der mit 600 Seiten aber seine Zeit braucht.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Die Zurückgekommene

Arminuta
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Im Sommer 1975 steht eine 13-Jährige vor einer Familie, die ihre eigene ist, die sie aber gar nicht kennt. Bei Tante und Onkel am Meer aufgewachsen kommt sie zurück in das kleine Dorf und versucht, sich ...

Im Sommer 1975 steht eine 13-Jährige vor einer Familie, die ihre eigene ist, die sie aber gar nicht kennt. Bei Tante und Onkel am Meer aufgewachsen kommt sie zurück in das kleine Dorf und versucht, sich zurecht zu finden. Alles ist anders, alles ist fremd und die Mutter vom Meer fehlt ihr schrecklich.

Die Ich-Erzählerin läßt uns teilhaben an ihrer Angst und Verzweiflung, an Unsicherheit und Unverständnis. Warum ist sie hier?

In kurzen Kapiteln, wird der neue Alltag geschildert, das ungewohnte Zusammenleben mit Geschwistern, die Enge und Armut. Das Mädchen wird "Arminuta" genannt, die Zurückgekommene. Nach ihrem wirklichen Namen fragt niemand. In der neuen "alten" Familie gibt es aber auch mehr als Streit und Gleichgültigkeit, nämlich Liebe. Die Ich-Erzählerin berichtet trotz aller Traurigkeit in einem eher nüchternen Ton. Die knappen Abschnitte erinnern an ein Tagebuch.

Mich hat das Buch sehr bewegt. Es ist tief traurig und zeigt die Einsamkeit und das Verlassenensein eines Kindes. Di Pietrantonio gehört zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen Italiens und thematisiert immer wieder das Schicksal junger Menschen. Dies war mein erster Roman von ihr.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Die verschwundenen Kinder

Der Gott des Waldes
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Ja, auch mir hat der Roman sehr gut gefallen. Die Geschichte der Familie Van Laar, die hoch privilegiert u.a. ein Feriencamp für Kinder betreibt. Der geliebte Sohn Bear verschwand vor 14 Jahren spurlos ...

Ja, auch mir hat der Roman sehr gut gefallen. Die Geschichte der Familie Van Laar, die hoch privilegiert u.a. ein Feriencamp für Kinder betreibt. Der geliebte Sohn Bear verschwand vor 14 Jahren spurlos in dem in den Adirondack Mountains im Staat New York gelegenen Camp. Heute - im Roman das Jahr 1975 - verschwindet auch seine Schwester Barbara, die aufmüpfige 13-Jährige, die immer im Schatten des vermissten Bruders gelebt hat.

Immer wieder springt die Handlung in der Zeit hin und her und wechselt auch die Perspektive. Das macht die Geschichte spannend und meistens kurzweilig. Die Autorin schreibt so eindringlich, dass man einfach weiterlesen muss. Mehrere Fäden und Lebensläufe steuern auf einander und auf die Auflösung zu.

Mir hat vor allem auch die Camp-Atmosphäre sehr gut gefallen. Das Setting, das mich früher in Filmen schon fasziniert hat, ist so typisch amerikanisch, das gibt es nirgendwo sonst. Die Autorin hat nicht nur einen spannenden Roman geschrieben, sondern spart auch nicht mit gesellschaftskritischen Aspekten. Die eine oder andere Sache war nicht ganz logisch, hat aber der Dramaturgie geholfen. Es hätten auch ein paar Seiten weniger sein können, aber das ist mein persönliches Empfinden. Ich habe den Roman an zwei Tagen gelesen und konnte ihn kaum weglegen, das muss ein Buch erstmal schaffen.

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