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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.10.2021

Action mit Antiheldin

Fiona - Beginn ver. 1.0
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Die 23-jährige Fiona, Tochter aus gutem Hause, ermittelt im Todesfall ihres jüngeren Bruders und gerät dadurch ins Visier einer Verbrecherbande.
Die Grundidee, den unerwarteten Tod eines Familienmitglieds ...

Die 23-jährige Fiona, Tochter aus gutem Hause, ermittelt im Todesfall ihres jüngeren Bruders und gerät dadurch ins Visier einer Verbrecherbande.
Die Grundidee, den unerwarteten Tod eines Familienmitglieds nicht auf sich beruhen zu lassen, ist gut. Doch der Roman bietet neben reichlich Action auch jede Menge Unglaubwürdiges. Das geht schon damit los, dass die Protagonistin als Hilfspolizistin anheuert, und weiter damit, dass sie scheinbar selbst den härtesten Kerlen überlegen ist.
Am meisten aber stören ihre vulgäre und selbstgefällige Art, die sie zu einer echten Antiheldin machen, und unsinnige Dialoge, wie: „‚Wo gehst du hin?‘, erkundigte sich mein Vater. ‚Den Mörder finden.‘ ‚Wirst du es schaffen?‘ ‚Vielleicht.‘“ Auch wenn es inzwischen eine Neuauflage gibt, habe ich nach diesem ersten Teil (Ausgabe von 2014) kein Bedürfnis, die Reihe fortzusetzen.

Veröffentlicht am 26.09.2021

Fluch oder Segen

Die verflixte Erfindung
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Rüdiger erfindet einen Roboter, der ihm und seinem Bruder Walter die Hausarbeit abnehmen soll. Das „Dingsda“ übernimmt bald eine noch viel größere Rolle in ihrem Leben als geplant.
„Die verflixte Erfindung“ ...

Rüdiger erfindet einen Roboter, der ihm und seinem Bruder Walter die Hausarbeit abnehmen soll. Das „Dingsda“ übernimmt bald eine noch viel größere Rolle in ihrem Leben als geplant.
„Die verflixte Erfindung“ ist nicht das erste Gemeinschaftswerk von Martin Widmark und Emilia Dziubak, das ich lese. Doch meine Begeisterung war nicht so groß wie bei den vorigen Bilderbüchern.
Natürlich glänzt es durch einen nett anzuschauenden Zeichenstil und eine originelle Idee. Allerdings konnte mich die Geschichte weniger in ihren Bann ziehen, und das Ende würde die junge Zielgruppe womöglich verstört zurücklassen.

Veröffentlicht am 12.09.2021

Eine Mücke in Bernstein

Fast hell
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Alexander Osang erzählt die Geschichte von Uwe, den er für ein Interview auf eine Schiffsreise nach Sankt Petersburg begleitet hat, und streift dabei immer wieder seine eigenen Erinnerungen.
Einiges davon ...

Alexander Osang erzählt die Geschichte von Uwe, den er für ein Interview auf eine Schiffsreise nach Sankt Petersburg begleitet hat, und streift dabei immer wieder seine eigenen Erinnerungen.
Einiges davon kam mir sehr bekannt vor, hatte er doch die Suche nach einer angeblichen Stasivergangenheit bereits im Roman „Die Nachrichten“ verarbeitet. Anderes wirkte diffus im Wirrwarr der Anekdoten.
Gut gefallen hat mir die Auseinandersetzung mit der ostdeutschen Identität, die an vielen Stellen ihre speziellen Spuren hinterlassen hat und ihn einer aussterbenden Art zuordnet. „Eine Mücke in Bernstein, ein Mauerstückchen in einer Vitrine, von dem irgendwann niemand mehr wusste, was es eigentlich war und warum er es solange aufgehoben hatte.“
Osang kann schreiben, klare Sache. Hätte er weniger Abzweigungen vom Haupthandlungsstrang eingebaut, hätte ich das Buch wohl noch etwas mehr genossen.

Veröffentlicht am 11.09.2021

Drama mit Humor

Kleine Paläste
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Hanno kehrt nach Jahrzehnten in sein Elternhaus zurück, um sich nach dem Tod der Mutter um seinen Vater zu kümmern. Susanne, mit der er zusammen aufwuchs, lebt immer noch nebenan und beobachtet den Witwer. ...

Hanno kehrt nach Jahrzehnten in sein Elternhaus zurück, um sich nach dem Tod der Mutter um seinen Vater zu kümmern. Susanne, mit der er zusammen aufwuchs, lebt immer noch nebenan und beobachtet den Witwer. „Sie sind alle da, seine Versionen im Fernglas, eine Sammlung über dreißig Jahre hinweg. Abertausende.“
Von Anfang an brodelt etwas Unterdrücktes unter der Oberfläche, das seinen Weg nach draußen sucht. Während die Pflege eines Angehörigen und die Präsenz einer stalkenden Nachbarin schon ausreichend Erzählstoff bieten, wartet der Roman überraschenderweise noch mit einer übernatürlichen Ebene auf. Die Dramatik wird dadurch aufgelockert und erhält einen humorvollen Gegenpart.
Der Autor behandelt schwierige Themen mit Leichtigkeit und Sprachgeschick. Die ausgefallene Machart hat mich begeistert. Wer nach einem besonderen Buch sucht, sollte nach diesem greifen.

Veröffentlicht am 05.09.2021

Szenen einer Ehe

Der Brand
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In die Ehe von Rahel und Peter hat sich Gewohnheit und Sprachlosigkeit eingeschlichen. Ein Sommerurlaub auf einem Bauernhof soll zeigen, ob sie ihre Beziehung retten können.
Der ruhig erzählte Roman begleitet ...

In die Ehe von Rahel und Peter hat sich Gewohnheit und Sprachlosigkeit eingeschlichen. Ein Sommerurlaub auf einem Bauernhof soll zeigen, ob sie ihre Beziehung retten können.
Der ruhig erzählte Roman begleitet das Paar nicht nur durch jeden Tag ihres Aufenthaltes in der Uckermark, er offenbart auch ihre Beziehung zu Eltern und Kindern und damit Details über ihre Persönlichkeit.
Der unspektakuläre Tagesablauf zeugt aber auch von der Erkenntnis, was sie aneinander haben. „Wir haben nie das Interesse aneinander verloren, den Glauben daran, dass es mit uns richtig ist.“
Dieses Buch ist toll, weil es ohne den großen Knall auskommt, weil es den Blick in die menschliche Psyche nachvollziehbar gewährt und weil es Krien-typisch mit Worten zu verführen versteht.