Profilbild von Feliz

Feliz

Lesejury Star
offline

Feliz ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Feliz über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.08.2023

Unglaublich mitreißender Krimi

Sobald ihr mich erkennt
0

Ich mag das Cover auch hier wieder sehr gerne, weil man durch die Gestaltung immer direkt erkennt, um was für einen Krimi es sich hier handelt, ohne dass sie komplett gleich aussehen würden. Zudem passt ...

Ich mag das Cover auch hier wieder sehr gerne, weil man durch die Gestaltung immer direkt erkennt, um was für einen Krimi es sich hier handelt, ohne dass sie komplett gleich aussehen würden. Zudem passt es perfekt zum Inhalt.

Dieser hat mich wieder einmal direkt gereizt: Als in einem Waldstück die halb verbrannte Leiche einer Frau Anfang 40 gefunden wird, ist für DCI Jonah Sheens und sein Team klar, dass rund um Southampton ein Serienmörder sein Unwesen treiben muss, zu ähnlich ist der Fall zu einem vorherigen. Selbst die Anordnung des Scheiterhaufens ist nahezu identisch, auch wenn die Leiche in diesem Fall nicht vollständig verbrannt ist und noch etwas ist anders: In diesem Fall hat der Täter sein eigenes Blut am Tatort hinterlassen. Fieberhaft sucht das Team nach einer Übereinstimmung und kann den Verdächtigenkreis schnell eingrenzen, doch während sie noch versuchen herauszufinden, wer wirklich der Täter ist, beobachtet dieser jede ihrer Schritte und ist dem Team näher als gedacht.

Ich liebe die Krimis von Gytha Lodge und freue mich jedes Mal riesig einen weiteren Teil davon lesen zu können, das war auch diesmal der Fall. Schon der Schreibstil ist wirklich mitreißend, obwohl er eher ruhig und leicht ist. Vielleicht gerade deswegen hat er es geschafft, mich ab der ersten Seite mitzureißen und vollkommen in die Geschichte zu ziehen, sodass ich das Buch gar nicht weglegen wollte.

Ich mag dabei aber nicht nur den Schreibstil, sondern auch die Story schafft es jedes Mal aufs Neue, mich zu fesseln. Ich fand es diesmal zu Beginn ein wenig irritierend, dass man nicht schon bei dem ersten Mordfall der Serie direkt dabei war, sondern erst am zweiten Tatort und dort auch die Geschichte im Prinzip startet. Allerdings gibt es immer wieder Rückblicke darauf und auch Erklärungen, welche Ermittlungen bereits vorgenommen wurden und was die Ergebnisse davon waren. Genau das ist es auch, was ich an diesen Krimis am meisten zu schätzen weiß: die solide Ermittlungsarbeit. Das Team arbeitet hier zusammen, schaut sich Stunden von Videomaterial an, befragt alle möglichen Zeugen, schaut sich nochmal den Tatort an und geht auch mal ungewöhnliche Wege, doch die sind für mich zumindest alle sehr nachvollziehbar und man hat dadurch immer das Gefühl, direkt bei den Ermittlungen dabei sein zu können. Ich liebe das, vor allem weil der Fall trotz aller privaten Probleme immer im Mittelpunkt steht. Hier war von Beginn an eigentlich klar, dass der Täterkreis begrenzt sein muss, aber dennoch wusste ich bis zum Ende nicht, wer jetzt der Täter war, obwohl sich meine grobe Vermutung zu Ende hin, dann zumindest teilweise als richtig herausgestellt hat. Gerade das macht es aber auch so spannend, man kann hier mitermitteln, man weiß, was für eine Gruppe Menschen daran beteiligt sein muss, bewusst oder unbewusst und dadurch kann man Vermutungen anstellen, was einen Krimi für mich immer zu einem guten Krimi macht.

Auch die Charaktere mag ich unglaublich gerne. Ich fand, dass man bei manchen von ihnen mehrere Bücher gebraucht hat, aber mittlerweile habe ich sie alle auf unterschiedliche Weise ins Herz geschlossen und freue mich immer wieder Einblicke in ihren Alltag zu erhalten. Ich mag vor allem das Verhältnis zwischen Juliette und Ben, weil es so aufrichtig ist. Die beiden sind Freunde, weil sie wirklich für den jeweils anderen da sind, egal wann sie benötigt werden und ich mag, dass sich daraus noch nicht zwanghaft eine Beziehung entwickelt hat, sondern alles sich eben eher langsam und bedächtig aufbaut.

Alles in allem sind die Krimis von Gytha Lodge mittlerweile eine meiner liebsten Bücher in diesem Genre, weil sie die Ermittlungsarbeit in den Fokus nehmen und nicht alleine Überraschungseffekte oder Action die Story bestimmen. Das Ende des Falls fand ich vielleicht ein bisschen unrealistisch, aber insgesamt hat mich das dennoch null gestört und ich würde gerne sofort den nächsten Band lesen, weil das Ende jetzt dann doch ein wenig fies war.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.08.2023

Emotionale Liebesgeschichte mit mitreißenden Charakteren

Denn ohne Liebe werden wir zerbrechen
1

Das Cover finde ich, ebenso wie das der ersten Reihe, nicht so richtig gelungen. Durch die Farbgebung in Verbindung mit den Scherben wirkt es zu kitschig, als die Geschichte es hergeben würde.

Diese hat ...

Das Cover finde ich, ebenso wie das der ersten Reihe, nicht so richtig gelungen. Durch die Farbgebung in Verbindung mit den Scherben wirkt es zu kitschig, als die Geschichte es hergeben würde.

Diese hat mich direkt in ihren Bann gezogen: Als Emery Oliver Smith in der Bar trifft, in der sie arbeitet, kann sie ihr Glück kaum fassen, schließlich ist er Teil ihres Lieblingsmusiker-Duos und sie ist, seit sie denken kann, ein großer Fan. Doch Oliver ist nicht mehr dieselbe Person, seit sein Zwillingsbruder Alex bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, während er nahezu unverletzt überlebt hat. Um den Schmerz in seinem Inneren zu betäuben und zu vergessen, dass er seine Musik ohne seinen Bruder nicht mehr spielen kann, betrinkt er sich in der Bar und sorgt völlig betrunken für eine Schlägerei. Emery nimmt ihn mit zu sich und ihrer Tochter Reese nach Hause, damit er ausnüchtern kann und wird am nächsten Tag prompt gefeuert. Aus schlechtem Gewissen bittet Oliver ihr einen Job als seine private Köchin an, obwohl sie ihre Ausbildung nie abgeschlossen hat. Während ihrer Arbeit merkt Emery, wie groß Olivers Schmerz ist, aber auch wie viel noch immer in ihm steckt und dass er mit jedem Tag mehr bedeutet.

Ich liebe den Schreibstil von Brittainy Cherry. Sie schafft es in jedem Buch aufs Neue, mich zu fesseln und vor allem mich emotional in die Geschichte zu ziehen. Es gibt wenige Autor:innen, die es auf diese Art schaffen, dass ich ein Buch so schnell durchlese und dabei eine so große emotionale Bindung zu den Charakteren aufbaue.

Diese sind mir wirklich direkt ans Herz gewachsen. Ja, Oliver verhält sich in der Bar wie ein kompletter Vollidiot, aber er hat den Verlust seines Bruders noch nicht überwunden und ist nachdem er nicht auftreten konnte, unglaublich verletzlich. Man konnte seinen Schmerz förmlich spüren und auch wenn ich sein Verhalten nicht gut finde, konnte ich ihn doch verstehen und es entspricht keinesfalls seinem Charakter. Das merkt man, als er Emery einen Job verschafft, weil er weiß, dass sie diesen wirklich braucht und erkennt man in jeder seiner Gespräche mit ihr später. Ich mochte, dass er ein ruhiger Typ ist, der einfach nur noch den Schmerz sieht, der ihn runterzieht und nicht die Menschen um ihn herum, die ihn lieben. Zum Glück gibt es davon viele: ich mochte Kelly und seine Eltern unglaublich gerne. Sie sind immer für ihn da, auch wenn sie selbst noch sehr unter dem Verlust leiden. Auch Emery hatte kein einfaches Leben, aber sie setzt sich immer mit vollem Herzen für die Menschen um sich herum ein. Ich mag dabei einfach, dass sie beide gute Menschen sind, die manchmal an ihrer Umwelt scheitern und sich immer wieder mit ihren Umständen auseinandersetzen müssen.

Alles in allem habe ich auch dieses Buch sehr geliebt, der Schreibstil hat mich emotional ab der ersten Seite abgeholt und die Charaktere habe ich ebenso schnell in mein Herz geschlossen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2023

Der bisher schwächste Krimi von Romy Fölck

Düstergrab
0

Das Cover ist, wie so oft, wieder einmal perfekt für den Krimi von Romy Fölck gewählt, weil die Darstellung des Brunnens direkt eine bestimmte Stimmung schafft und gleichzeitig auch einen der Teil der ...

Das Cover ist, wie so oft, wieder einmal perfekt für den Krimi von Romy Fölck gewählt, weil die Darstellung des Brunnens direkt eine bestimmte Stimmung schafft und gleichzeitig auch einen der Teil der Handlung perfekt einfängt. Zudem sehen die Bücher im Regal einfach gut nebeneinander aus.

Die Handlung klang ebenfalls sehr vielversprechend: Am Tag nach der Beerdigung eines alten Schulfreundes wird Kommissarin Frida Paulsen von einem Friedhofswächter angesprochen, der sich sicher ist, dass genau dieses Grab erneut ausgehoben wurde und tatsächlich scheinen die Kränze bewegt worden zu sein. Also fackelt sie nicht lange, besorgt sich einen Beschluss und lässt das Grab erneut öffnen, um zu überprüfen, ob die Leiche entwendet wurde. Doch zu ihrer großen Überraschung fehlt die Leiche nicht etwa, sondern es liegt eine zweite Leiche über dem Toten. Schnell kann sie als die vor Jahren verschwundene Lilly identifiziert werden. Doch warum trägt das Mädchen ein altertümliches Kleid und Kopftuch und wo ist ihre Zwillingsschwester, mit der zusammen sie damals, freiwillig wie es schien, das Haus der Pflegeeltern verließ und danach nicht wieder aufgetaucht ist. Frida und Haverkorn, der als Mitarbeiter der Cold Case Einheit ebenfalls mit dem Fall vertraut ist, beginnen zu ermitteln, doch während die Spur zu einem einsam gelegenen Gutshof führt, gerät plötzlich das ganze Team in Gefahr.

Ich habe bereits die anderen Teile der Reihe gelesen und mich deswegen sehr auf dieses Buch gefreut, aber anders als seine Vorgänger konnte es mich leider nicht so richtig überzeugen. Das beginnt leider schon beim Schreibstil. Dieser ist eigentlich sehr leicht und mitreißend, sodass es mir bisher immer schwerfiel, die Bücher aus der Hand zu legen, hier war das zwar teilweise auch der Fall, aber mir persönlich war er an manchen Stellen viel zu umständlich und altmodisch. Das hätte mich wahrscheinlich nicht weiter gestört, wenn nicht die Redundanzen innerhalb der Beschreibungen gewesen wären. Dabei ist es absolut nachvollziehbar, dass zu Beginn erstmal noch erklärt werden muss, wer welche Person ist und was sie ausmacht, da es ja auch Leser:innen gibt, die die Vorgänger nicht gelesen haben, aber das muss nicht jedes Mal passieren, wenn die Figuren auftauchen oder erwähnt werden. Besonders bei Cat oder Thorben ist mir aufgefallen, dass immer wieder ihr Hintergrund erläutert wird und wahrscheinlich weil ich den ja schon kenne und er dann doch nochmal und nochmal erwähnt wird, hat mich das sehr gestört und tatsächlich auch meinen Lesefluss behindert.

Wenn mich im Gegenzug die Story abgeholt hätte, wäre das vermutlich ein zu vernachlässigender Kritikpunkt gewesen, der mir zum Ende hin nicht weiter im Gedächtnis geblieben wäre, aber leider schafft auch sie es nicht, mich vollkommen in ihren Bann zu ziehen, dabei fand ich die Herangehensweise durchaus spannend. Ich finde Krimis bei denen sektenähnliche Religionen eine Rolle spielen immer interessant, vor allem auch wegen des psychologischen Faktors, aber hier spielte es dann doch eine andere Rolle als ich nach dem Klappentext vermutet hätte. Auch das wäre etwas gewesen, über das ich locker hinweg hätte sehen können, wenn mich denn der Fall gefesselt hätte, aber ich hatte das Gefühl, dass das Privatleben der Protagonisten hier deutlich mehr im Fokus stand, als das der Mord von Lilly war. Dass das eine Rolle spielen muss, ist klar, schließlich kennt man die Charaktere schon aus den anderen Bänden und will ja auch wissen, wie es mit ihnen weitergeht, aber ich hätte hier trotzdem manches Drama nicht gebraucht, weil es für mich persönlich nichts zur Geschichte beigetragen, sondern im Gegensatz eher vom eigentlichen Fall abgelenkt hat. Dabei hat mich besonders gestört, dass die Hauptermittler bei vielen der Befragungen nicht selbst dabei sind, sondern es dann aus zweiter Hand erzählt bekommen und man so als Leser eben auch ein bisschen außenvor ist. Ich hatte immer das Gefühl, dass man überhaupt nicht richtig weiß, wo man steht, sondern immer so ein bisschen warten muss, dass es jetzt in dem bestimmten Fall weitergeht. Natürlich ist das mitunter sehr realistisch, aber es gab für mich vieles, dass noch hätte gemacht werden können, ohne dass ich jetzt Erfahrung im Polizeidienst hätte, aber zumindest eine Anwohnerbefragung und eine Befragung bestimmter Beteiligter noch ein zweites oder drittes Mal hätte mir persönlich schon ein besseres Gefühl gegeben, stattdessen wurde sich viel auf das andere Ereignis konzentriert, dass ich hier nicht weiter ausführen will, was nachvollziehbar war, aber für mich gleichzeitig auch irgendwie zu viel. Zumal ich die Auflösung des ganzen sehr unbefriedigend und fast schon frustrierend fand. Auch dass sich dauernd Unbefugte in die Arbeit eingemischt haben oder sogar aktiv daran beteiligt wurden oder sich Polizisten absolut unprofessionell verhalten haben, fand ich in diesem Buch extrem störend. Dass es sich bei allen um Menschen handelt, die Fehler machen, ist mir sehr bewusst, aber gewisse Handlungen, wie die 18-jährige Cat in eine Observation miteinzubinden, wird nicht einmal kritisiert, sondern als großer Spaß empfunden, dass man dabei auch einem Mörder begegnen hätte können, wird vollkommen außer Acht gelassen, zumal es nicht das einzige Mal ist, bei dem man Cat in eine Situation bringt, in die man sie nicht bringen sollte, weil sie potenziell gefährlich sein kann.

Alles in allem fand ich den Krimi von Romy Fölck diesmal erstaunlich schwach und nicht so fesselnd wie gewohnt. Eigentlich liebe ich ihre Bücher und freue mich jedes Mal darauf, zusammen mit Frida und Bjarne zu ermitteln, aber diesmal wurde der Fall für mich von zu viel überlagert, was gar nicht notwendig gewesen wäre, um eine spannende Geschichte aufzubauen, sodass ich am Ende nicht nur von der Auflösung, sondern von dem ganzen Buch enttäuscht war. Einen möglichen nächsten Teil werde ich aber dennoch wieder lesen, einfach weil ich mir sicher bin, dass es sich hierbei um eine Ausnahme handelt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 03.08.2023

Interessanter Ansatz, aber nicht vollkommen überzeugend

Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe
0

Bei dem Cover bin ich mir unsicher, wie es mir gefällt. Das liegt vor allem daran, wie altmodisch es erscheint. Mir ist bewusst, dass diese Retro-Darstellung vermutlich mit Absicht erfolgt, aber sie hätte ...

Bei dem Cover bin ich mir unsicher, wie es mir gefällt. Das liegt vor allem daran, wie altmodisch es erscheint. Mir ist bewusst, dass diese Retro-Darstellung vermutlich mit Absicht erfolgt, aber sie hätte in einer Buchhandlung erstmal dafür gesorgt, dass ich dem Buch keinen zweiten Blick gegönnt hätte. Allerdings passt es durch seine Gestaltung durchaus gut zur Geschichte.

Diese ist nicht ganz einfach zusammenzufassen: Eine Frau, die sich in ihrer Familie immer wie eine Außenseiterin neben ihren blonden Zwillingsschwestern fühlte, erlebt nun, wie ihre Tochter und ihr Sohn nach und nach ausziehen. Dadurch muss auch sie in eine kleinere Wohnung ziehen und sich endgültig mit ihrem alten Leben auseinandersetzen, bevor sie es dann entsorgt.

Ich war ehrlich gesagt recht gespannt auf dieses Buch, weil ich schon immer mal wieder Bücher von Doris Knecht in der Buchhandlung gesehen hatte, aber noch keines davon gelesen hatte, deswegen wollte ich mal wissen, wie dieses ist. Leider konnte es mich nicht vollkommen abholen. Das liegt weniger am Schreibstil, der trotz seiner Nüchternheit durchaus fesselnd und eindringlich ist, sondern eher an der Geschichte als solche.

Ich fand den Ansatz durchaus interessant, dass die Frau als Erwachsene jetzt ihr eigenes Leben und auch ihre Gefühle in vielen Situationen reflektiert und sich fragt, ob ihre Erinnerungen denn der Wahrheit entsprechen oder sie täuschen. Dabei ist besonders ihr Aufwachsen, aber auch ihr jetziges Leben sehr davon geprägt mit zwei Zwillingsschwesterpaaren aufzuwachsen, die sich auch untereinander noch extrem ähneln, während sie selbst anders aussieht. Vor allem all diese Probleme und ihre Emotionen in dem Bereich fand ich sehr nachvollziehbar, weil sie, obwohl oder gerade weil sie die Älteste ist, in ihrer Familie immer ein bisschen außenvor ist. Schwerer fiel es mir allerdings ihre Wohnsituation zu verstehen. Dauernd stellt sie sich die Frage, was sie machen soll, wenn die Kinder ausgezogen sind, weil sie sich dann die Wohnung nicht mehr leisten kann. Das ist natürlich vollkommen nachvollziehbar, allerdings besitzt sie gleichzeitig eine kleine Wohnung in unmittelbarer Nachbarschaft (und das in einer so teuren Stadt wie Wien) und dazu noch ein Haus auf dem Land. Da hielt sich das Verständnis für ihr Dilemma dann tatsächlich in Grenzen, weil sie Optionen (und offensichtlich auch die finanziellen Mittel, in dem Sinne) hat, um eine Alternative zu finden. Dennoch geht es einen Großteil des Anfang vor allem darum, wie teuer Wohnungen um sie herum zur Miete sind oder dass sie zu kleine sind oder dass sie im falschen Stadtteil liegen. Dabei haben mich gar nicht so sehr die Überlegungen als solche gestört, sondern vor allem das Privileg, diese Probleme zu haben und dieses nicht einmal zu erkennen. Dieses manchmal fast schon mangelnde Einfühlungsvermögen empfand ich auch im Bezug auf die Kinder. Ich verstehe gut, dass sie sich darauf freut, alleine mit dem Hund zu leben und endlich einmal ein eigenes Leben zu führe, aber sie versteht nicht so ganz, dass Max sich mit diesen Veränderungen beispielsweise schwertut. Er ist gerade mit der Matura fertig, muss dann mehr oder weniger notgedrungen mit einem Freund zusammenziehen, während seine Mutter in eine Wohnung zieht, die keinen Platz für ihn hat, sodass damit auch sein Sicherheitsnetz ein bisschen wegfällt. Dabei beschwert er sich ja nie, er ist nur deutlich geknickt, was seine Mutter mit sehr viel Verwunderung hinnimmt. Hier hätte ich zumindest ein Gespräche darüber sinnvoll gefunden, aber das findet irgendwie nie statt.

Ansonsten mochte ich die fragmentarische Erzählweise, die immer mal wieder Kapitel einstreut, die chronologisch nicht an diese Stelle zu passen scheinen und dann wieder Kapitel, die ohne große Erklärung fast schon einfach für sich stehen bleiben, weil sie einfach aufzeigen, dass das Leben eben nicht immer so abläuft, wie geplant und dass es immer wieder Sachen gibt, die zunächst scheinbar nicht passen oder aus der Art fallen, nur im Gesamtkontext dann doch wieder einen Platz einzunehmen. Weniger gelungen fand ich dadurch aber, dass manchmal Personen auftauchen, die nicht weiter eingeführt werden oder erst sehr viel später. Mir ist absolut bewusst, dass dies ein stilistisches Mittel der Autorin ist, aber mich stört es dennoch, weil ich so immer wieder mal verwirrt bin, um wen es sich denn jetzt dabei handelt und dann hat man den vorherigen Handlungsstrang schon wieder vergessen.

Alles in allem gefiel mir das Buch und seine unaufgeregte Erzählweise recht gut, es konnte mich aber nicht begeistern. Es ist mehr etwas für Zwischendurch, das man nach ein paar Kapiteln gut zur Seite legen kann, weil einfach der unmittelbare Sog fehlt, der der dafür sorgt, dass man es direkt durchlesen will.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2023

Emotionale Liebesgeschichte über Verlust und Neuanfang

Stay Here - New England School of Ballet
0

Ich mag das Cover wirklich gerne, weil die Farbgebung und die Gestaltung nahezu perfekt zu meiner Vorstellung zu einer Ballett Academy passen, allerdings finde ich die Farbe im Vergleich zum ersten Teil ...

Ich mag das Cover wirklich gerne, weil die Farbgebung und die Gestaltung nahezu perfekt zu meiner Vorstellung zu einer Ballett Academy passen, allerdings finde ich die Farbe im Vergleich zum ersten Teil fast zu ähnlich und nicht perfekt zu Rayne passend. Dennoch sieht das Buch einfach wunderschön im Regal aus und wird vor allem in der Reihe mit den anderen Teilen der Reihen eine gute Figur machen.

Die Story hat mich ebenfalls ab der ersten Seite gereizt: Rayne Bellamy verliert in einer Nacht beide Elternteile und damit auch ihren Halt. In der Hoffnung sich ihrer Mutter näher zu fühlen, bewirbt sie sich an der New England School of Ballet in Boston, an der ihre Mutter studiert hat und wird durch die guten Beziehungen ihrer Großmutter auch mitten im Schuljahr angenommen. Zudem ist Easton in Boston, der Mensch, der sie nach dem Tod ihrer Eltern am besten versteht. Doch sie hat ihn noch nie getroffen, sondern lediglich Nachrichten mit ihm Nachrichten ausgetauscht. Außerdem weiß er nicht, wer sie ist und wie viel ihr seine Musik wirklich bedeutet. Doch je näher sie ihm kommt, desto mehr wird ihr bewusst, wie viel sie erneut verlieren könnte.

Ich habe den ersten Teil der Reihe geliebt und mochte Easton schon da sehr gerne, deswegen habe ich mich sehr drauf gefreut, mehr über seine Geschichte zu erfahren. Zum Glück konnte mich auch dieses Buch vollkommen überzeugen, was auch an dem genialen Schreibstil liegt. Ich mag, wie Anna Savas es schafft, eine Geschichte in einem lockeren-leichten Schreibstil zu erzählen, der einen direkt mitreißt und es gleichzeitig schafft, mich emotional zu berühren und eine Intensität in der Geschichte zu schaffen, die einen schwer wieder loslässt. Außerdem habe ich es geliebt, dass jedes Kapitel einen anderen Song als Thema hatte, weil sie direkt das richtige Gefühl für dieses schafft. Dabei hilft natürlich, dass ich mehr als 80% der Songs kenne, ohne sie vorher hören zu müssen und ich mir so oft das Gefühl, das dieser beschreiben soll, genau vorstellen.

Auch die Charaktere habe ich direkt ins Herz geschlossen. Dabei fand ich es fast schlimmer, mitzuerleben, wie Raynes Umgang mit ihren Eltern vor dem Unfall war. Es wird deutlich, wie sehr sie einander lieben, wie wichtig sie sich gegenseitig sind und dass Rayne das alles verloren hat, ist sehr schwer zu ertragen, zumal die Beziehung zu ihrer Großmutter so unterkühlt ist. Man hat ihren Schmerz selbst daran gemerkt, wie sie nicht mit Easton kommuniziert und er dennoch nicht aufgibt und immer daran glaubt, dass sie ihm antworten wird. Schon zu diesem Zeitpunkt haben sie mich für sich eingenommen und das hat sich während des ganzen Buchs nicht geändert. Ich mochte, wie sehr sie füreinander da sind und den anderen immer unterstützen, gleichzeitig aber auch sagen, wenn der andere sich zu sehr in den eigenen Gedanken verliert. Ich mochte, dass es weniger um die körperliche Anziehung oder eine gemeinsame Geschichte geht, sondern vor allem die tiefe Verbindung zwischen den beiden über die Nachrichten und die gleichen Leidenschaften. Die Nebencharaktere sind ebenfalls perfekt für die Geschichte, zumal man einen Teil dieser schon kannte und sich deswegen gefreut hat, sie wiedersehen zu können. Außerdem mochte ich Eastons Bandmitglieder direkt und hoffe, dass sie vielleicht auch nochmal in den nächsten Teil wiedertreffen werden.

Alles in allem habe ich das Buch wirklich genossen, haben mit den Charakteren mitgelitten und gehofft, dass sie es schaffen, glücklich zu werden. Ich freue mich schon darauf, Lias Geschichte zu lesen, weil sie es ebenfalls verdient hat, ihr Happy End zu finden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere