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Veröffentlicht am 27.10.2025

Spannendes Setting, das leider nicht zur Geltung kommt

The Penguin Paradox
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Die Gestaltung des Buches ist wirklich gelungen. Ich mag die comicartige Darstellung von Beckett und Emerie inmitten von Pinguinen in der Antarktis, weil es das Setting für die Geschichte perfekt einfängt. ...

Die Gestaltung des Buches ist wirklich gelungen. Ich mag die comicartige Darstellung von Beckett und Emerie inmitten von Pinguinen in der Antarktis, weil es das Setting für die Geschichte perfekt einfängt. Außerdem sieht es einfach im Allgemeinen wirklich niedlich aus.

Die Geschichte hat mich ebenfalls direkt gereizt: Emerie Hastings studiert für ihre Doktorarbeit im Bereich Verhaltensanalyse das Bindungsverhalten von Pinguinen und will unbedingt widerlegen, dass diese ihr Leben lang monogam sind. Als sie dann die Chance bekommt, mit einem Team in die Antarktis zu reisen, um die Pinguine aus nächster Nähe zu beobachten, freut sie sich über diese Chance. Allerdings hat die Sache einen Haken: Der Teamleiter ist ausgerechnet Beckett Callahan, der Emerie regelmäßig in den Wahnsinn treibt. Sie kann sich nichts Schlimmeres vorstellen, als mit ihm in einer engen Forschungsstation eingesperrt zu sein, doch je mehr Zeit sie notgedrungen mit ihm verbringen muss, desto klarer wird, dass sie ihn vielleicht falsch eingeschätzt hat. Nach und nach kommen sich die beiden näher, doch Emerie glaubt bei Menschen ebenso wenig an Monogamie wie bei Pinguinen.

Ich habe mich richtig auf das Buch gefreut, weil ich das Setting in der Antarktis mit einer Veterinärmedizinerin, die das Verhalten von Pinguinen erforscht, einfach ziemlich cool fand. Allerdings konnte mich das Buch leider nicht so richtig überzeugen. Das liegt allerdings nicht am Schreibstil. Dieser ist leicht und flüssig, sodass ich, nachdem ich erst einmal in der Geschichte war, nur so durch die Seiten geflogen bin.

Auch das Setting fand ich wirklich cool. Ich fand es wirklich spannend zu sehen, wie das Leben auf einer Forschungsstation aussieht und wie die Forscher aus verschiedenen Fachbereichen zusammenarbeiten, um neue Erkenntnisse zu erlangen. Mir ist schon klar, dass es vermutlich nicht immer so vergleichsweise harmonisch zugeht und auch der Luxus, den alle mit eigenen Zimmern und relativ viel Privatsphäre haben, ist nicht üblich bei diesen Arten von Forschungsreisen. Das hat mich aber nicht weiter gestört, weil ich diese angenehme Atmosphäre innerhalb des Teams wirklich angenehm fand. Ich habe es genossen, Emerie und Beckett bei ihren Ausflügen zu den Pinguinen zu begleiten und zu erleben, wie sie mehr zu einer Tierärztin wird, als eine Verhaltensforscherin zu sein, die eine große Distanz zu den Tieren hält.

Mein größtes Problem mit dem Buch war vermutlich Emerie und ihr Verhalten Beckett gegenüber. Ich habe schon zum Anfang nicht ganz verstehen können, warum sie sich ihm gegenüber so abweisend verhält, schließlich hat er ihr nie etwas getan und niemand hat etwas Schlechtes über ihn zu sagen, ganz im Gegenteil: Alle scheinen ihn aufrichtig zu mögen und ihn für einen brillanten Wissenschaftler zu halten. Ich hätte verstanden, wenn sie in direkter Konkurrenz gestanden hätten oder er sie irgendwie schlecht behandelt hätte, aber nichts davon ist der Fall. Ja, er versucht immer eine Reaktion von ihr zu bekommen und ärgert sie dementsprechend gerne, aber es ist nie grenzüberschreitend oder geschmacklos, deswegen habe ich immer gedacht, dass mehr dahinterstecken muss, als dass Emerie ein paar Gerüchten glaubt, die offenbar niemand außer ihr gehört hat. Ich fand es einfach so absurd, dass sie ihn verurteilt hat, bevor sie ihn wirklich kennengelernt hat. Das hat mir ehrlich gesagt, die Geschichte ein wenig kaputt gemacht, weil es nie eine wirklich gute Erklärung für Emeries Verhalten gibt und Beckett dennoch immer nett zu ihr ist. Ich hätte bei ihm wirklich verstanden, wenn er ab einem gewissen Punkt keine Lust mehr darauf gehabt hätte, ihr immer wieder zu beweisen, dass er kein schlechter Kerl ist und dass sie ihn falsch eingeschätzt hat. Ihn mochte ich tatsächlich auch ziemlich gerne, weil er trotz aller Enttäuschungen in der Vergangenheit immer an Menschen glaubt und ihnen die Chance gibt, sich zu beweisen, während Emerie durch ihre Vergangenheit niemals daran glaubt, dass Personen loyal sein können. Mich hat das wirklich extrem frustriert, weil ich sogar hätte verstehen können, wenn sie zu Beginn skeptisch gewesen wäre, aber ihre absolute Weigerung einzusehen, dass sie falsch lag, war wirklich nervig.

Alles in allem bin ich sehr zwiegespalten, was das Buch angeht, weil ich das Setting und auch den Schreibstil wirklich gelungen fand, mich Emerie als Charakter aber leider mit der Zeit wirklich frustriert hat. Ich wollte sie wirklich mögen oder zumindest verstehen, aber je besser ich Beckett kennengelernt habe, desto weniger habe ich ihr Verhalten ihm gegenüber verstehen können, was mir ein bisschen den Spaß an der Geschichte genommen hat. Außerdem fand ich das Ende nicht ganz nachvollziehbar, weil der Konflikt, meiner Meinung nach, ein wenig konstruiert wirkte.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Tolle Idee, die leider nicht ganz überzeugend umgesetzt ist

Die Spur der Vertrauten
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Das Cover des Buches gefällt mir wirklich gut. Zum einen ist die farbliche Gestaltung in dem auffälligen Lila wirklich gut und zum anderen passt die Darstellung der Person, die versucht, über ein Labyrinth ...

Das Cover des Buches gefällt mir wirklich gut. Zum einen ist die farbliche Gestaltung in dem auffälligen Lila wirklich gut und zum anderen passt die Darstellung der Person, die versucht, über ein Labyrinth zu balancieren, nahezu perfekt zu der Geschichte.

Diese fand ich direkt sehr reizvoll: Die Welt, in der Claire und Goliath leben, wird vom Wir bestimmt. Dort gibt es keine Individualität, stattdessen verschreiben sich die Menschen der Gemeinschaft und sorgen mit ihrem angeborenen Instinkt dafür, dass alles in ordentlichen Bahnen verläuft. Goliath hat einen Schutz-Instinkt und er muss nur noch ein Leben retten, damit er in den Bereich der besonders achteten Personen aufsteigen kann. Deswegen beginnt er auch damit zu untersuchen, warum plötzlich immer wieder Schüler verschiedener Schulen scheinbar spurlos verschwinden. Dabei trifft er auf Claire, eine Vertraute, der ebenfalls aufgefallen ist, dass Menschen verschwunden sind. Zusammen entdecken sie, dass das Wir nicht immer das Beste für das Ich bedeutet und dass Geheimnisse in dieser Welt lebensgefährlich sein können.
Ich habe die Spiegelreisenden wirklich unglaublich gerne gelesen und war deswegen umso mehr auf dieses Buch gespannt, zumal ich gerne mal wieder eine gute Dystopie lesen wollte. Komplett überzeugen konnte mich das Buch leider nicht. Das liegt auch an dem Schreibstil. Ich kannte ihn zwar durch die vorherigen Bücher, aber fand ich dennoch auch hier wieder gewöhnungsbedürftig. Er war mir oft ein bisschen zu umständlich, zu hölzern, sodass ich manchmal Sätze erneut lesen musste, um zu verstehen, was dahintersteckt. Deswegen hatte ich vor allem zu Beginn der Story, aber auch jedes Mal, wenn ich die Geschichte weitergelesen habe, meine Probleme, so richtig in sie einzutauchen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es wirklich der Schreibstil oder vielleicht die Übersetzung ist, die dafür sorgt, dass ich es manchmal ein wenig schwierig zu lesen fand.

Dadurch hatte ich auch so meine Probleme, eine Verbindung mit den Charakteren aufzubauen. Besonders zu Beginn der Geschichte wusste ich nicht, was ich von ihnen halten sollte und sie blieben auch ein bisschen austauschbar. Das wurde im Laufe des Buches etwas besser, weil sowohl Claire als auch Goliath mehr zu eigenständigen Personen werden, je mehr man über sie erfährt. Mir war klar, dass das der Sinn der Geschichte war. Die Gesellschaft in dem Buch stellt das Wir in den Mittelpunkt und die Personen sollen dahinter zurückstellen, deswegen verschwinden Claire und Goliath fast darin, selbst wenn beide aus verschiedenen Gründen anders sind, als die Personen um sie herum. Obwohl ich Claire durchaus mochte, hatte ich mit Goliath so meine Probleme, was vielleicht aber auch daran lag, dass ich lange nicht verstanden habe, wie er sich selbst so für andere aufopfern konnte. Das ist etwas anders, wenn sein Instinkt einsetzt, weil er da nicht anders kann, als zu reagieren, aber er hat trotz allem auch selbstständig gehandelt und sich dabei schwer verletzt. Ich habe nicht so richtig verstanden, warum er so unbedingt die zehn Leben erreichen will, was dafür gesorgt hat, dass ich seine Handlungen nicht ganz erfassen konnte. Bei Claire fiel mir das vielleicht auch deswegen leichter, weil sie nicht so aggressiv sein muss wie Goliath. Sie geht auch darüber hinaus, was der Instinkt von ihr verlangt, aber sie macht es auf eine ruhigere, weniger auffällige Art und Weise, mit der ich persönlich einfach besser umgehen kann. Trotzdem hatte ich das Gefühl, beide nicht so richtig zu kennen. Ich habe immer darauf gewartet, sie richtig ins Herz zu schließen und mit ihnen mitzufiebern, aber selbst als ich richtig in der Geschichte war, ist das nicht passiert.

Dabei fand ich die Idee wirklich gut. Ich mochte, dass die Gesellschaft theoretisch darauf beruht, dass das Wir über allem anderen steht und jeder alles für diese Gemeinschaft tut. Auch dass jeder Mensch einen Instinkt besitzt, der sich unterschiedlich auswirkt, eine andere Reichweite hat und dafür sorgt, dass die Personen unterschiedlich ausgebildet werden. Ich habe dennoch eine ganze Zeit gebraucht, um zu verstehen, wie die Instinkte wirklich funktionieren. Ich habe zu Beginn noch gedacht, dass sie sich größtenteils vererben und dann unterschiedlich ausprägen, aber dass das keine Rolle spielt, fand ich tatsächlich etwas verwirrend, weil es dadurch etwas willkürlich wirkte. Das hat dazu geführt, dass ich die Regeln der Welt nicht immer komplett verstehen konnte und mich manchmal ein wenig verloren fühlte. Mir hätte zudem eine grobe Karte geholfen, weil ich wirklich keinerlei Vorstellung davon hatte, wie die Welt aussah. Ich habe zunächst gedacht, dass die Sektoren sich alle in der Stadt befinden, in der ein Großteil der Handlung spielt, aber habe nach und nach verstanden, dass dem nicht so ist. Da hätte eine Karte einfach schon zu Beginn ein wenig Klarheit gebracht. So hatte ich immer ein bisschen das Gefühl, grobe Linien wahrzunehmen, aber eben kein klares Bild.

Alles in allem hätte ich das Buch gerne geliebt, weil ich die Idee unglaublich gut fand. Das Aufzeigen, wie wichtig es ist, sich für die Gesellschaft einzusetzen, aber auch die gleichzeitige Belastung dadurch, fand ich extrem spannend. Leider konnte mich die Story nicht so richtig fesseln. Das liegt auch an dem Schreibstil, den ich aber schon kannte und womit ich gerechnet habe. Leider konnte ich nie so richtig mit den Charakteren und der Welt warm werden, sodass ich vor allem zu Beginn meine Probleme hatte, das Buch weiterlesen zu wollen.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Die Hölle ist eine Universität

Katabasis
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Die Gestaltung des Buches ist wirklich gelungen. Ich mag die Farbkombination aus dem dunklen Grün und den goldenen Akzenten, die das Buch zu etwas Besonderem machen. Außerdem passt die Darstellung der ...

Die Gestaltung des Buches ist wirklich gelungen. Ich mag die Farbkombination aus dem dunklen Grün und den goldenen Akzenten, die das Buch zu etwas Besonderem machen. Außerdem passt die Darstellung der Penrose-Treppen hervorragend zur philosophischen Betrachtung der Hölle im Buch.

Die Story fand ich aus diesem Grund auch sehr spannend: Als der berühmte Professor Jacob Grimm bei einem Unfall stirbt, schickt sich seine Doktorandin Alice Law an, ihn aus der Hölle zu retten, schließlich trägt möglicherweise ein bisschen Schuld seinem Tod. Außerdem ist ohne ihn als Vorsitzendem des Prüfungsausschusses ihr Abschluss in Gefahr, da kann man auch mal in die Hölle hinabsteigen. Doch ihr Erzrivale Peter Murdoch hat genau die gleiche Idee und plötzlich müssen sie zusammenhalten, um in der Hölle zu überleben. Denn diese ist ganz anders als erwartet und sie lernen mehr übereinander, als sie erwartet haben.

Ich fand die Idee, dass jemand „einfach so“ in die Hölle hinabsteigt und dort versucht, seinen Mentor extrem spannend und mochte die anderen Bücher von Rebecca F. Kuang richtig gerne, deswegen wollte ich auch dieses Buch unbedingt lesen. Leider konnte es mich nicht so richtig überzeugen. Das liegt auch ein bisschen am Schreibstil. Ich fand ihn zu Beginn noch recht spannend, weil er so anders war, selbst als ihre anderen Bücher und mich das gereizt hat. Allerdings fand ich es nach einer Weile wirklich anstrengend zu lesen, weil es immer wieder Rückgriffe auf verschiedene literarische Werke gab, die die Hölle beschreiben und es zum Teil vor allem eine Auseinandersetzung damit war, inwiefern die geschilderten Darstellungen der Hölle passen könnten oder nicht. Ich kenne ein paar der antiken Texte, aber natürlich nicht einmal im entferntesten alle, die angesprochen werden. Das ist nicht zwangsläufig notwendig, um die Überlegungen und Auseinandersetzungen zu verstehen, aber ich hatte dennoch manchmal ein bisschen das Gefühl, einen Insider-Witz nicht verstehen zu können.

Auch mit Alice und Peter hatte ich so ein bisschen meine Probleme. Ich habe einfach nicht verstanden, warum sie die Hälfte ihrer Lebenszeit (von der sie ja überhaupt nicht wissen, wie lang die ist) opfern, um ihren Professor aus der Hölle zu holen, zumal es sich anhört, als würde er dort durchaus hingehören. Ja, ich verstehe, wie belastend und frustrierend es sein muss, wenn man kurz vor dem Ende seiner Doktorarbeit noch seinen Prüfer wechseln muss und ein großer Teil seiner Arbeit von diesem abhängt. Allerdings sollte sich nicht das ganze Leben darum drehen. Ich verstehe komplett, dass das genau der Punkt ist, den dieses Buch zum Ausdruck bringen soll, dass der universitäre Betrieb, seine Arbeit und der Umgang mit den Menschen darin die Hölle sind, aber ich muss dafür auch einen gewissen Zugang zu den Figuren bekommen. Dies passiert hier wirklich langsam und selbst zum Ende hin hatte ich nicht das Gefühl, Alice wirklich zu kennen.
Die Story hätte von der Idee wirklich richtig gut sein können, der Abstieg in die Hölle, wo man die verschiedenen Höfe durchqueren und sich mit sich selbst auseinandersetzen muss, fand ich spannend. Aber leider hatte ich oft das Gefühl, mich in einer konstanten Wüste zu befinden, die nie endet. Dabei hat mich die Welt außerhalb der Hölle mit ihrer Magie, dem Studium und der Arbeit an der Universität durchaus begeistern können, aber das gleiche Gefühl konnte ich für die Hölle nicht aufbringen. Das fand ich ziemlich schade, weil sie nun mal einen großen Teil des Settings ausmacht, ich aber nie so richtig das Gefühl hatte, es richtig greifen zu können.

Alles in allem habe ich wahrscheinlich einfach mehr von der Geschichte erwartet, als sie liefern konnte. Hier steht vor allem die Aussage, wie schrecklich der universitäre Betrieb ist und ich verstehe das, finde diese Aussage sogar extrem wichtig, aber ich habe mehr Worldbuilding in der Hölle gebraucht, um es richtig greifen zu können. Zumal auch die Personen mich nicht komplett in die Geschichte haben ziehen können, weil ich vor allem mit Alice einfach Beziehung habe aufbauen können, sie blieb eher eine Idee, statt zu einer Person zu werden.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Gelungene Gesellschaftskritik

Gym
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Das Cover des Buches gefällt mir tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Ich war zunächst ein bisschen irritiert, warum man diese Darstellung für einen Roman über die Arbeit in einem Fitnessstudio ein ...

Das Cover des Buches gefällt mir tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Ich war zunächst ein bisschen irritiert, warum man diese Darstellung für einen Roman über die Arbeit in einem Fitnessstudio ein Bild von er sitzenden Person verwendet. Nachdem ich das Buch allerdings gelesen habe, finde ich die Darstellung mehr als passend und trifft das Gefühl, das das Buch vermittelt nahezu perfekt.

Die Geschichte als solche fand ich auch reizvoll: Die namenlose Erzählerin braucht unbedingt einen Job und als sie sie im Bewerbungsgespräch mit dem Eigentümer des MEGA GYM das Gefühl hat, dass sie nicht seinen Ansprüchen genügt, rutscht ihr die kleine Notlüge raus, dass sie gerade erst entbunden habe und deswegen nicht in Form sei. Ihr neuer Chef Ferhat, ganz der überzeugte Feminist, bietet ihr direkt die Möglichkeit in seinem Fitnessstudio hinter der Theke am Empfang zu arbeiten. Doch nun wollen alle Fotos von dem Baby sehen und es wird immer schwieriger, die Lüge aufrecht zu erhalten, zumal es nicht das einzige ist, wo sie nicht ganz ehrlich war.
Ich war mir nicht so richtig sicher, was ich von dem Buch erwarten sollte, schließlich ging es vor allem um eine Frau, die durch eine Lüge einen Job in einem Fitnessstudio bekommen hat. Doch das Buch hat mich überrascht, der Schreibstil hat oft einen leicht ironischen Unterton und beschreibt selbst die absurdesten Szenen in einer sehr trockenen Art, was ich immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat. Genau das macht den Schreibstil von Verena Keßler so besonders. Ich musste mich gar nicht groß an den Schreibstil gewöhnen, sondern bin ab den ersten Seiten in das Buch eingetaucht und habe gar nicht gemerkt, wie schnell ich es durchgelesen habe.

Die Story war ebenfalls spannender, als ich zunächst erwartet hätte, weil ich mir nie sicher war, was die Protagonistin als nächstes macht. Das hat für mich den Reiz des Buches ausgemacht, es gibt immer wieder Klischees, die werden aber so überzeichnet und ins Lächerliche gezogen, das einem klar wird, dass es eben Klischees sind und nichts, was erstrebenswert wäre. Vor allem die Darstellung des Fitness-Wahns und der Obsession mit Selbstoptimierung fand ich perfekt auf den Punkt gebracht. Ich musste zwischendurch kurz pausieren und darüber nachdenken, was gerade passiert ist und wie schnell Sachen kippen können. Ich fand es faszinierend, wie perfekt eingefangen wurde, was hinter glitzernden Oberflächen steckt und wie weit man gehen kann, wenn man Sachen plötzlich nicht mehr so laufen, wie man es sich das vorgestellt hat. Dazu passte auch gut, dass man erst nach und nach mehr über die Protagonistin erfährt, aber nie ihren Namen, dadurch wirkt sie trotz ihrer Individualität fast austauschbar. Man bekommt das Gefühl, es könne jedem passieren und jeder könnte so handeln, wie sie, wenn bestimmte Parameter erfüllt sind.

Alles in allem ist das Buch eine gelungene Gesellschaftssatire, die in klaren Worten und mit viel Humor zeigt, was passiert, wenn Obsession und gesellschaftlicher Druck zu viel werden.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Leider nicht so spannend wie erhofft

Death at Morning House
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Ich mag das Cover des Buches recht gerne, weil es direkt einen guten Hinweis auf das Genre des Buches und sogar den Inhalt gibt, ohne dabei zu viel zu verraten. Außerdem gefällt mir die Farbkombination ...

Ich mag das Cover des Buches recht gerne, weil es direkt einen guten Hinweis auf das Genre des Buches und sogar den Inhalt gibt, ohne dabei zu viel zu verraten. Außerdem gefällt mir die Farbkombination aus dem dunkeln Grün und leuchtendem Gelb, die hervorragend die Kombination aus einer vergangenen und einer aktuellen Geschichte hervorhebt.

Die Geschichte hat mich ebenfalls gereizt: Marlowe will eigentlich nur ein Date mit ihrer absoluten Traumfrau, doch alles läuft schief und plötzlich steht das Haus in Flammen, auf das sie eigentlich aufpassen sollte. Überall wo sie hinkommt, muss sie sich Witze darüber anhören und sie ist erleichtert, als sie das Angebot bekommt, während der Ferien auf einer abgelegenen Insel zu arbeiten. Dort soll sie gemeinsam mit einer Gruppe örtlicher Teenager Führungen durch Morning House, eine verfallene Villa, wo es in den 30er Jahren zu zwei Todesfällen kam, anbieten. Doch die Vergangenheit wirft ihre Schatten bis in die Gegenwart und als plötzlich jemand verschwindet, erkennt Marlowe, dass sie nicht jedem ihrer neuen Freunde trauen kann und sie sich in großer Gefahr befindet.

Ich war sehr gespannt auf die Geschichte, weil ich es liebe Jugendthriller zu lesen und ich das Setting so passend für das Ende des Sommers fand, allerdings konnte mich die Story nicht komplett überzeugen. Das liegt allerdings nicht am Schreibstil, dieser konnte mich wirklich fesseln. Er ist leicht und flüssig, sodass man wirklich leicht in die Geschichte finden konnte und dadurch auch vergleichsweise schnell durchlesen konnte.
Mein Problem mit der Geschichte war vielmehr, dass es sich um zwei parallele Stories handelte, was ich unter anderen Umständen liebe, hat mich hier jedes Mal wieder aus der Geschichte gezogen. Das liegt vor allem daran, dass beide Storylines keinerlei Berührungspunkte hatten außer den Ort der Handlung. Vielleicht lag das daran, dass ich bei Marlowes Geschichte nie das Gefühl hatte, wirklich vorwärts zu kommen, sondern eine lange Zeit noch in der Einleitung zu stecken. Es passierte einfach vergleichsweise wenig und ich wollte lieber mehr darüber herausfinden, wie es zu den zwei Todesfällen in der Familie Ralston kam. Obwohl ich auch hier eine ungefähre Vorstellung davon hatte, was genau passiert ist, wollte ich dennoch unbedingt wissen, wie es wirklich war. Ich hatte schnell das Gefühl, die Personen gut zu kennen und einschätzen zu können, sodass ich wirklich an ihrer Geschichte interessiert war. Das war bei der Geschichte in der Gegenwart ein bisschen anders. Zwar mochte ich auch Marlowe, aber die anderen Personen konnte ich nicht so richtig greifen. Ich musste mich manchmal wirklich aktiv erinnern, welche Personen zu der Gruppe gehörten und wer nochmal wer war. Mein Problem dabei war vor allem, dass die Geschichte der Ralstons und die Flashbacks nahezu wahllos in die Geschichte eingebaut wurden, es hätte deutlich mehr Sinn ergeben, wenn die Teenager verschiedenen Hinweise, Briefe oder Tagebucheinträge gefunden hätten und man dadurch auf einem ähnlichen Stand wie sie gewesen wäre. So kannte man als Leser Einzelheiten und wollte auch wissen, was genau passiert ist, aber Marlowe kennt nur einen kleinen Ausschnitt davon und sucht auch nicht aktiv nach Antworten, weil es eigentlich keine Rolle für die Gegenwart spielt. Deswegen hat mich die Gegenwart auch nicht so richtig interessiert, es ging vor allem um typische Teenagerprobleme, was ich normalerweise vollkommen in Ordnung finde, aber es hatte wenig von einem Thriller. Das ändert sich erst zum Ende, was ich schade fand, weil das Buch wirklich viel Potenzial gehabt hat.

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