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Veröffentlicht am 24.08.2020

Fantasy-Geschichte mit Potenzial, aber unausgereiften Charateren

Chroniken der Dämmerung, Band 1: Moonlight Touch
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Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Ich mag die graue Grundfarbe und die Vorhebung des Titels durch die Absetzung in weiß. Aber vor allem gefällt mir, wie die einzelnen Tropfen bei dem richtigen Lichteinfall ...

Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Ich mag die graue Grundfarbe und die Vorhebung des Titels durch die Absetzung in weiß. Aber vor allem gefällt mir, wie die einzelnen Tropfen bei dem richtigen Lichteinfall glitzern und so das Buch zu etwas Besonderem machen. Zudem passt die abgebildete Frau hervorragend zu meiner Vorstellung von Sheera und spiegelt so zumindest ansatzweise den Inhalt wider.

Auch die Story an sich klingt erstmal spannend: Sheera Abendhauch ist eine Nachtalbe und lebt somit am Rande der Gesellschaft fernab der Paläste der Hochalben. In dem kleinen Dorf in der Nähe zum Menschenreich schlägt sie sich tagsüber als Kräutersammlerin und nachts als Diebin durch, bis sie eines Tages plötzlich von der königlichen Garde verhaftet wird. Ihre Panik wegen ihrer Raubzüge hingerichtet zu werden weicht bald Verwirrung, als sie feststellt, dass sie eine von neun Kandidatinnen für die Nachfolge der Königin ist. Während viele der Hochalben Sheera mit Ablehnung und sogar Ekel begegnen, ist diese wild entschlossen ihre Chance zu nutzten und die schwierigen Aufgaben zu erfüllen. Dabei kann sie niemandem vertrauen, weder ihren Konkurrentinnen noch dem jungen Kommandanten Athura, der sie immer wieder unterstützt. Bei einer ihrer Aufgaben trifft sie dann plötzlich auf einen neuen Feind, den Kronprinzen der Menschen, doch dieser scheint so gar keinen Groll gegen sie und ihr Volk zu hegen und auch Sheera fühlt sich zu Lysander hingezogen, doch Menschen und Alben hassen sich schon seit Jahrhunderten…

Der Schreibstil des Buches gefällt mir zu Beginn des Buches noch ausgesprochen gut. Die ersten Kapitel habe ich nur so verschlungen und mich richtig auf den Rest des Buches gefreut. Diese Euphorie ließ aber leider recht schnell nach und ich musste mich immer wieder ein bisschen zwingen, weiterzulesen, das wurde erst im letzten Drittel des Buches wieder ein bisschen besser.

Das hat vor allem damit zu tun, dass ich anfangs noch dachte, die dargestellte Welt innerhalb der ersten Seiten halbwegs zu verstehen und das fiel mir bei den Fantasy-Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, vermehrt schwer. Hier hatte ich zu Beginn, das Gefühl, genau zu verstehen, wie die Strukturen der Welt sind, musste meine Vorstellungen dann immer wieder im Kopf korrigieren, weil manche Dinge erst sehr spät oder gar nicht erklärt werden. Es ist natürlich klar, dass man nicht erst ein Regelwerk der phantastischen Umgebung aufstellt und das dann minutiös abarbeitet, aber hier werden für mich zu viele Dinge nur oberflächlich angesprochen oder einfach offen gelassen, sodass ich immer mehr das Gefühl hatte, ziellos durch die Welt zu irren anstatt einem klaren Weg zu folgen. Deutlich wird das vor allem im Bezug auf das Verhältnis von Menschen, Hochalben und Nachtalben deutlich, weil man immer wieder neue Informationen bekommt, die sich teilweise widersprechen. Es ist klar, dass das sehr bewusst so gemacht wird, aber mich hat es einfach nur verwirrt und mir nicht geholfen, die Welt zu verstehen.

Leider geht es mir mit der allgemeinen Handlung ebenso. Es werden irgendwie zu viele Themen angesprochen, aber nicht wirklich ausgearbeitet. So ist der Hauptstrang des Buches die Auswahl einer neuen Königin, allerdings lernt man lediglich drei der Bewerberinnen einschließlich Sheera kennen, ja es werden nicht einmal alle namentlich genannt. Das hat mich extrem gestört, weil ich gerade bei den zwischenmenschlichen Beziehungen der Mädchen, die aus vollkommen unterschiedlichen Bereichen stammen, sehr viel Potenzial für das Buch gesehen habe, doch dieses wird nicht einmal im Ansatz genutzt. Stattdessen spielen die Mädchen bis auf eine Ausnahme eine bloße Nebenrolle und der Fokus wird vielmehr auf eine Dreiecksgeschichte gelegt. Damit hätte ich durchaus gut leben können, wenn wenigstens diese so ausgearbeitet worden wäre, dass ich die Emotionen hätte ebenfalls empfinden können, doch dies war leider zu keinem Zeitpunkt der Fall.

Das lag vielleicht auch an den Charakteren an sich. Zu Beginn des Buches fand ich Sheeras Mut und ihre Dreistigkeit ziemlich cool und mochte ihren Trotz gegenüber den Hochalben. Aber leider ließ auch das mit der Zeit nach. Sie reagiert für mich manchmal etwas unlogisch und zieht aus gewissen Sachen Schlüsse, die ich so gar nicht nachvollziehen konnte. Ich habe zudem nicht wirklich verstanden, wie sie manchen Leuten von einer auf die andere Sekunde zu hundert Prozent vertrauen konnte, obwohl sie es ja eigentlich besser wissen müsste. Gerade weil ich ihre Handlungen und noch mehr ihre Emotionen so selten verstehen konnte, fiel es mir sehr schwer, so richtig mit ihr mitzufiebern.
Bei Lysander waren meine Gefühle sozusagen umgekehrt. Ihn fand ich noch zu Beginn sehr naiv, ja fast schon dumm, dass ich immer wieder genervt die Augen verdreht habe. Das hat sich im Laufe des Buches ein wenig geändert, weil ich mochte, dass er sich selbst treu bleibt und allem gegenüber ziemlich aufgeschlossen ist, ohne Handlungen oder Personen vorschnell zu verurteilen. Dennoch konnte mich die Liebesgeschichte der beiden nicht wirklich abholen. Sie treffen sich, finden sich zunächst blöd und sind dann plötzlich verliebt. Die Funken zwischen den beiden sind zu keinem Zeitpunkt auf mich übergesprungen, sondern ich habe mich immer wieder gefragt, ob die beiden überhaupt etwas empfinden oder die Gefühle lediglich als Worte bestehen.

Alles in allem klingt diese Rezension deutlich negativer als ich es beim Lesen empfunden habe. Ich habe die Geschichte durchaus gemocht und der Schreibstil ist auch recht angenehm, sodass ich das Buch, nachdem ich erstmal in die Geschichte gefunden habe, recht schnell durchgelesen habe. Allerdings bleiben die Figuren blass, die Geschichte wird nicht richtig ausgearbeitet und die Gefühle bleiben bloße Worte statt zu Emotionen zu wachsen.

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Veröffentlicht am 17.08.2020

Leider nicht das beste Buch von Sarah Lark

Schicksalssterne
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Ich bin so gar kein Fan von dem Cover. Alle Bücher von Sarah Lark haben für mich eher kitschige Cover, aber ich finde sie meistens dennoch ganz okay, weil sie meistens die Landschaftszüge von Neuseeland, ...

Ich bin so gar kein Fan von dem Cover. Alle Bücher von Sarah Lark haben für mich eher kitschige Cover, aber ich finde sie meistens dennoch ganz okay, weil sie meistens die Landschaftszüge von Neuseeland, Australien oder der Karibik zeigen. Hier finde es aber, dass es zu gewollt auf romantischen, historischen Roman gemacht wird und mir somit viel zu kitschig ist. Ich hätte es vermutlich besser gefunden, wenn man bei dem Stil der anderen Bücher geblieben wäre und nicht durch die Darstellung einer Landschaft in einer Art Sepia und einer Figur, die Mia sein könnte, ruiniert hätte.

Die Geschichte gefällt mir da an sich schon besser: Der Offizier Julius von Gerstorf und die jüdische Bankierstochter Mia Gutermann lernen sich kennen, als sie ein Pferd auf dem Gut seiner Eltern kauft. Als er ihr anbietet, die eigenwillige Stute Medea weiterhin auszubilden, kommen sich die beiden näher und beschließen zu heiraten. Weil Julius trotz seiner militärischen Ausbildung keinesfalls in den Krieg ziehen und auch seine Pferde dieser Gefahr nicht aussetzten will, entscheiden sich die beiden zusammen nach Neuseeland auszuwandern und dort eine Pferdezucht aufzubauen. Doch auch dort geht der Ausbruch des ersten Weltkrieges nicht spurlos an dem jungen Paar vorbei, sondern sie werden getrennt deportiert und müssen sich fortan auf sich allein gestellt durchschlagen. Dabei verlassen sie sich vollkommen darauf, dass die junge Willie ihre Zucht für sie weiterführt, doch das ehrgeizige Mädchen hat ihre eigenen Ziele…

Ich habe schon viele Bücher von Sarah Lark gelesen und liebe ihren Schreibstil. Auch hier ist er wieder flüssig und leicht, sodass man nach anfänglichen Schwierigkeiten nur so durch das Buch fliegt und jedes Kapitel verschlingt. Allerdings habe ich eine ganze Weile gebraucht, um wirklich in die Geschichte zu finden. Das lag vielleicht auch daran, dass ich die Story an sich nicht so ganz überzeugend fand, dass und wie sich Julius und Mia verlieben, mochte ich durchaus, fand es aber nicht weiter spannend, weil es einfach sehr absehbar war. Man wusste einfach, schon durch den Klappentext, dass die beiden zusammenkommen, heiraten und dann auswandern, sodass ich den Anfang wirklich recht langatmig, ja fast schon langweilig fand. Auch hat sich mir nicht so richtig erschlossen, warum sie ausgewandert sind. Ja, ich kann verstehen, dass Julius niemals auf Menschen schießen und seine Pferde nicht dem Krieg aussetzte will, aber es hätte doch garantiert einen anderen Job für ihn gegeben und zu dem Zeitpunkt der Auswanderung stand der 1.Weltkrieg ja auch noch nicht unmittelbar bevor, obwohl es natürlich schon überall in Europa Spannungen gab. Hier wäre es vielleicht besser gewesen, wenn es einen krasseren Bruch gegeben hätte und einen, zumindest für mich, überzeugenderen Grund. Im weiteren Verlauf des Buches gab es für mich immer wieder ein paar Sachen, die für mich nicht wirklich logisch oder auch nur im Ansatz nachvollziehbar waren, sodass ich immer wieder den Kopf geschüttelt habe und mir das ein bisschen den Spaß verdorben hat.

Auch die Charaktere haben es mir alles andere als leicht gemacht, sie zu mögen. Mia fand ich zwar von Anfang an sehr sympathisch, sie war aber so unglaublich naiv und manchmal schon fast dumm, dass ich immer wieder die Augen verdreht habe. So hat sie zum Beispiel keine Ahnung von der Arbeit mit Hausangestellten hat, obwohl ihr Vater ja ein erfolgreicher Bankier ist und sie als Frau des Hauses eigentlich seit ihrer Jugend dafür zuständig hätte sein müssen. Dennoch kam ich mit ihr noch am besten zurecht, weil sie zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt sehr erwachsen war und sich auch dementsprechend verhält. Mit Julius habe ich mich dann deutlich schwerer getan. Zu Beginn mochte ich seine ruhige, eher besonne Art noch sehr gerne, weil er sich so von seinem Bruder abhob und an seine militärische Ausbildung mit einem gewissen Ernst anging als dieser. Aber spätestens mit der Auswanderung wird dann klar, dass er so gar kein Durchsetzungsvermögen hat, weder bei Mia noch bei seinen Angestellten. Das hat mich mit zunehmendem Verlauf immer mehr gestört und aufgeregt, weil er es einfach nie geschafft hat, eigene Entscheidungen zu treffen. Auch Willie ist ein Fall für sich. Zu Beginn fand ich die noch ziemlich bewundernswert und mochte, wie sie sich für ihre Ziele einsetzt. Aber auch ihren Charakter fand ich nicht so richtig schlüssig, einerseits ist sie sehr rational und kann alle ihre Emotionen abschalten, wenn es die Umstände erfordern, andererseits jagt sie einem vollkommen irrationalen Traum nach, was wenig zu ihr passte. Das hat mich irgendwie geärgert, weil sie mir zu eindeutig die Böse sein sollte und ich mir da einen ambivalenteren Charakter gewünscht hätte.

Alles in allem mag ich den Schreibstil von Sarah Lark unglaublich gerne und er sorgt definitiv dafür, dass man nach einigen Startschwierigkeiten das Buch nur so verschlingt. Dennoch ist es auf keinen Fall ihr bestes Buch, weil ich weder die Story noch die Charaktere besonders überzeugend fand und das Buch leider somit nicht mehr als durchschnittlich ist.

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Veröffentlicht am 17.08.2020

Perfekt gestaltete Liebesgeschichte

Never Doubt
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Ich liebe das Cover. Es fällt schon alleine durch seine auffällige, leuchtend blaue Farbe aus der Masse heraus, aber die wunderbare Gestaltung eines Libellenflügels setzt noch einmal einen besonderen Akzent, ...

Ich liebe das Cover. Es fällt schon alleine durch seine auffällige, leuchtend blaue Farbe aus der Masse heraus, aber die wunderbare Gestaltung eines Libellenflügels setzt noch einmal einen besonderen Akzent, welcher mir sehr gut gefällt, auch wenn er nur bedingt zum Inhalt passt.

Auch die Story mag ich gerne: Für Willow ist der Umzug von New York in die Kleinstadt Harmony, Indiana eine Erleichterung. Sie kann endlich die Ereignisse aus der Nacht von vor einem Jahr hinter sich lassen, über die sie mit niemandem sprechen kann. Für Isaac ist Harmony die Hölle auf Erden. Er lebt mit seinem gewalttätigen, alkoholabhängigen Vater in einem heruntergekommenen Trailer am Rande der Stadt und ist für die Menschen der Stadt nur der aggressive Bad Boy. Es sei denn er steht auf der Bühne des örtlichen Theaters und kann in die Rollen des Theaters eintauchen, dann ist er jeder außer er selbst. Als Willow ihn das erste Mal auf der Bühne sieht, ist sie fasziniert und spricht nach einigem Zögern für die Rolle der Ophelia in Hamlet vor. Dabei kommt sie Isaac, der Hamlet spielt, näher als sie gedacht hätte…

Ich war vor allem von den All-in-Büchern unglaublich geflasht und habe die Bücher ab der ersten Seite geliebt. Deswegen habe ich mich auch schon sehr auf diesen Einzelband von Emma Scott gefreut und wurde definitiv nicht enttäuscht. Der Schreibstil fesselt einen ab der ersten Seite und zieht einen mit einem unglaublichen Sog in das Buch hinein. Man leidet direkt mit Willow mit, deren Leben in einer einzigen Nacht zerstört wurde und wünscht sich, dass sie aus ihrem Gefängnis ausbrechen kann. Der poetische, leichte Schreibstil schafft es so, auf leise Art und Weise ihren Schmerz zu vermitteln, während man gleichzeitig nur so durch die Seiten fliegt und jede einzelne Zeile genießt.

Auch die Gestaltung des Buches an sich finde ich außerordentlich gut gelungen. So spielt das Drama Hamlet nicht nur eine Rolle als Schauspiel, in dem die Protagonisten spielen, sondern ist auch eine Art der Verständigung zwischen den Willow und Isaac, ohne dass es wirkt, als würde das Stück gezwungenermaßen in die Handlung eingefügt. Ich mochte vor allem die Theaterszenen wirklich gerne, weil es einem Shakespeare näherbringt, ohne, dass man das Stück vollständig gelesen haben müsste, obwohl es mich jetzt durchaus reizt, es endlich mal zu lesen.

Ich bin auch ein großer Fan der Protagonisten Willow und Isaac. Sie wirkt vor allem zu Beginn des Buches zerbrochen und ich war mir nicht sicher, ob ich es schaffen würde, sie wirklich zu mögen oder ob ich sie einen Großteil bemitleiden würde. Zum Glück haben sich meine Befürchtungen nicht bestätigt, sondern Willow ist deutlich stärker als viele andere es in ihrer Situation sein könnten. Vor allem der Umzug nach Harmony und die Hartnäckigkeit von Angie MacKenzie haben dazu geführt, dass sie langsam wieder anfängt zu leben und ich habe mich über jeden Schritt zurück in die Normalität gefreut. Dabei ist der Bruch zu ihrem zerbrochenen Ich aber nie so hart, dass man sich über ihre 180 Grad-Wendung gewundert hätte, sondern ich ihre Entwicklung immer so sehr schlüssig und glaubwürdig fand. Dazu trägt auch Isaac einen wichtigen Teil bei. Dieser wird immer als der ultimative Bad Boy in der Schule dargestellt und ist für die Bewohner vor Harmony ein beliebtes Opfer von Klatsch und Tratsch, obwohl sie gleichzeitig auch gerne auf der Bühne bewundern. Diese Scheinheiligkeit hat mich ziemlich genervt und wurde mir auch viel zu wenig thematisiert. Stattdessen wurde Harmony immer als Idylle dargestellt, was ich aus Willows Blickwinkel ansatzweise verstehen kann, aber ich fand, dass sie den Umgang der anderen Bewohner mit Isaac und seinem Vater zu wenig kritisiert und hinterfragt. Ich konnte seine Aggressionen und seine Ablehnung der Menschen in der Schule und seine Fokussierung auf die Schauspielerei absolut nachvollziehen. Zudem ist er einer der wenigen ehrlichen, aufrichtigen männlichen Figuren in dem Buch, der sich für seine Ideale einsetzt, aber auch einer der wenigen, der die Frauen in dem Buch gut und respektvoll behandelt. Schon das hat mich für ihn eingenommen und dass er zudem auch noch alles für Willow tut, hat es nur besser gemacht.

Mein einziger Kritikpunkt an dem Buch ist vielleicht das Ende. Während zuvor verschiedene, sehr wichtige Themen, wie sexueller Missbrauch, Slutshaming, Ausgrenzung, häusliche Gewalt und Armut eine Rolle spielen, ist mir das Ende fast schon zu übertrieben kitschig. Das soll nicht falsch verstanden werden, ich liebe Happy Ends und brauche sie auch, aber hier war es mir viel zu dramatisch und irgendwie zu übertrieben und nicht so richtig passend zu der Ernsthaftigkeit des restlichen Buches.

Alles in allem habe ich das Buch von Anfang bis Ende sehr genossen und es durch den unglaublichen Schreibstil auch innerhalb kürzester Zeit durchgelesen. Das lag auch daran, dass die Protagonisten alle wunderbar gestaltet und die Verknüpfung zwischen Theater und Roman perfekt war. Auch wenn mir das Ende ein wenig zu übertrieben war, finde ich die behandelte Thematik unglaublich wichtig und die Art wie sie angesprochen wird, sehr passend.

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Veröffentlicht am 05.08.2020

Ruhiger, unaufgeregter Krimi, der einen ab der ersten Seite abholt

Wer auf dich wartet
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Ich mag das Cover ziemlich gerne, auch wenn es nicht direkt ins Auge springt. Es ist relativ schlicht und dunkel gehalten, aber es passt hervorragend zum ersten Teil und zum Genre. Außerdem finde ich den ...

Ich mag das Cover ziemlich gerne, auch wenn es nicht direkt ins Auge springt. Es ist relativ schlicht und dunkel gehalten, aber es passt hervorragend zum ersten Teil und zum Genre. Außerdem finde ich den Titel nach dem Lesen des Buches ähnlich passend wie den des Originals.

Die Geschichte ist ebenso spannend wie die des ersten Teils: Aidan Poole sitzt vor seinem Computer und wartet darauf, mit seiner Freundin Zoe zu skypen, doch als sich die Verbindung aufgebaut hat, sieht er nur ein leeres Zimmer. Dann hört die Geräusche eines Kampfes aus dem Badezimmer und wie sich eine Tür schließt. Panisch benachrichtigt er die Polizei, ohne allerdings sagen zu können, wo Zoe wohnt und ob sie wirklich überfallen wurde. Als DCI Sheens und sein Team wenig später am Tatort erscheinen, ist Zoe tot. Ihre Pulsadern sind aufgeschnitten und sie liegt reglos in der Badewanne. War es Selbstmord oder doch Mord, wie Aidan behauptet. Die Polizisten ermitteln im Umfeld der jungen Künstlerin, die sich rührend um ihre labilen Freunde gekümmert hat und von denen keiner ein Motiv zu haben scheint oder?

Nachdem mich das erste Buch ziemlich gefesselt hat, wollte ich den zweiten Teil ebenfalls unbedingt lesen und wurde definitiv nicht enttäuscht. Ich mag den Schreibstil ziemlich gerne, er sorgt dafür, dass ich ab der ersten Seite in das Buch eintauchen kann und nur durch die Seiten fliege. Auch die verschiedenen Zeitebenen, die man ja schon aus dem ersten Teil kennt, sorgen hier dafür, dass man unbedingt wissen will, wie es weitergeht und was mit Zoe passiert ist. Dabei erfährt man einerseits wie Zoes Leben und vor allem ihr Kennenlernen mit Aidan verlief, bevor sie starb und andererseits erfährt man, wie die Ermittlungen verlaufen und welchen neuen Erkenntnisse es gibt. Dadurch taucht man anders in das Leben des Opfers ein, als wenn man nur im Nachhinein erfährt, wie sie als lebender Mensch war. Man weiß natürlich von Anfang an, dass Zoe tot ist und versucht aus diesem Grund auch in den Rückblicken herauszufinden, wer ihr Bösen wollen könnte. Zudem war ich immer wieder hin- und hergerissen, ob ich sie mochte oder nicht und wie die Beziehungen zu ihren Freunden wirklich ist.

Ich mag, dass das Buch sich nicht hauptsächlich auf das Privatleben der Ermittler und ihre persönlichen Verstrickungen dreht, sondern vor allem das Leben des Opfers und die Suche nach dem Täter in den Fokus nimmt. Das heißt allerdings nicht, dass man die Ermittler nicht kennenlernt. Sie alle haben durchaus so ihre Probleme und zumindest bei einer Person des Teams wird das Privatleben vermutlich auch im nächsten Teil noch eine größere Rolle spielen, aber dennoch geht es vor allem um die Ermittlungen. Vermutlich hat mich vor allem das gefesselt, weil ich unbedingt wissen wollte, wie sie auf den Täter kommen und natürlich wer es denn nun ist. Dieser eher ruhige Verlauf des Buches hat mich aber nicht gestört, eher im Gegenteil ich hatte das Gefühl, dass ich selbst bei jedem Schritt dabei zu sein und nicht weniger weiß als die Ermittler. Der Fall an sich ist nicht unbedingt außergewöhnlich, aber es hat mich während des Lesens nicht wirklich gestört, sondern ich habe den gemächlichen Aufbau eher genossen und hätte auch locker noch 150 Seiten mehr darüber lesen können.

Alles in allem lebt dieser Krimi nicht unbedingt von dramatischen Wendungen oder gruseligen Thrillerelemeneten, sondern besticht eher durch ein sympathisches Ermittlerteam und einen Fall, den man auch unbedingt lösen will. Ich freue mich schon riesig auf den nächsten Teil der Reihe.

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Veröffentlicht am 31.07.2020

Durchschnittliche Liebesgeschichte mit Längen und viel zu viel Drama

Nur noch ein bisschen Glück
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Ich bin leider gar kein Fan von dem Cover, obwohl es eigentlich hervorragend zum Inhalt passt, aber ich finde die Farbwahl wirkt irgendwie übertrieben und lässt das Buch dadurch fast zu kitschig wirken. ...

Ich bin leider gar kein Fan von dem Cover, obwohl es eigentlich hervorragend zum Inhalt passt, aber ich finde die Farbwahl wirkt irgendwie übertrieben und lässt das Buch dadurch fast zu kitschig wirken. Es passt durchaus zu einer locker-leichten, sommerlichen Liebesgeschichte, aber das Buch hat zeitweise zumindest den Anspruch mehr sein zu wollen.

Die Geschichte klingt auf den ersten Blick erstmal durchschnittlich: Die Stockholmerin Stella wurde von ihrem Freund Pedder mit einer gemeinsamen Freundin betrogen, sie hat ihren Job verloren und ist aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Ihr einziger Halt ist ihre beste Freundin Maud, bei der sie zeitweise auf der Couch schläft. Doch dann bekommt sie die Chance auf einen Platz in einer Designschule in New York, für die sie Geld braucht, sodass sie sich auf den Weg in die Heimat ihrer Mutter macht, um das Haus ihrer Großeltern zu verkaufen. Doch dort läuft auch alles schief und es gibt weder einen Bus noch ein Taxi, sodass sie widerwillig im Auto des Bio-Bauern Thor landet. Dieser hat ganz andere Sorgen als eine arrogante Großstädterin, die auf dem Land nicht klarkommt. Doch die beiden kommen sich näher, als gedacht, aber Stella kann nicht bleiben und Thor nicht gehen, also ist jede Beziehung zum Scheitern verurteilt oder?

Ich habe nach dem Lesen des Klappentextes und auch der ersten Kapitel nicht wirklich Lust auf das Buch bekommen, weil ich das Gefühl hatte, diese Story schon hundertmal in den letzten hundert Büchern gelesen zu haben, aber da ich andere Bücher von Simona Ahrnstedt durchaus mochte, habe ich weitergelesen und es auch im Endeffekt nicht bereut, auch wenn es mich nicht vollkommen zu überzeugen vermochte. Der Schreibstil wirkte irgendwie immer ein wenig holprig und teilweise sehr distanziert, wobei ich mir hier nicht sicher bin, ob es der Schreibstil an sich ist oder an der Übersetzung liegt. Es hat deswegen auch mindestens bis zur Hälfte gedauert, bis ich dann in das Buch gefunden habe.

Auch mit den Figuren bin ich ein bisschen schwer warmgeworden, was vielleichte auch an dem Schreibstil lag, weil ich immer das Gefühl hatte, die Protagonisten nicht wirklich kennenzulernen. Man erlebt die Geschichte sowohl aus Stellas als auch aus Thors, dennoch habe beide teilweise nicht so richtig verstehen können. Das wurde mit dem Verlauf des Buches ein wenig besser, weil sie sich in ihrer Liebesgeschichte einander und auch anderen gegenüber ein bisschen geöffnet habe, aber es hat mich durchaus ein bisschen aufgeregt, dass vor allem Thor nie über seine Gefühle, seine Sorgen und Gedanken redet, egal ob mit seinen Eltern, seinen Kindern oder seinem Bruder. Auch mit Stella redet er nicht wirklich, die beiden empfinden schon sehr früh etwas füreinander, aber sie stehen nicht wirklich dazu. Das ist nichts Ungewöhnliches für einen Liebesroman, aber hier fand ich, dass es sich teilweise extrem gezogen hat, ich habe immer wieder Seiten überblättert, weil sie sich endlos mit einer Situation (oder ausschweifenden Sexszenen) beschäftigt haben. Gleichzeitig passiert mir manchmal zu viel, vor allem zum Ende hin. Ist vorher teilweise gar nichts oder alles sehr langsam passiert, überschlagen sich dann die Ereignisse und plötzlich kann man dem Drama fast schon nicht mehr entkommen. Hier hätte eins der Ereignisse meiner Meinung nach gereicht, um ein bisschen Spannung in die Geschichte zu bringen. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass Simona Ahrnstedt sich angeschaut hat, was so in einem modernen Liebesroman passiert, aber anstatt sich einen Turning Point auszusuchen, hat sie einfach alle genommen und sie in die Geschichte gepackt.

Zudem werden für mich zu viele Themen angesprochen, aber nicht tiefergehend behandelt. Sowohl Umweltschutz, als auch Rassismus und Feminismus sind Themen, die, meiner Ansicht nach, in mehr Liebesromanen eine Rolle spielen sollten, hier werden sie aber immer wieder am Rande behandelt, aber dann mehr oder weniger fallen gelassen. Während Feminismus und sexuelle Gewalt zumindest ein bisschen tiefergehend angesprochen werden, wird vor allem der Rassismus und die Stellung einer nicht weißen Person in der Gesellschaft zwar durch Stella immer wieder thematisiert, aber man erlebt keine wirkliche Situation, in der man den offenen Rassismus hautnah miterleben kann. Nicht, dass ich irgendeiner Person die Ausgrenzung wünschen würde, aber es wäre leichter Stellas Schwierigkeiten in der Gesellschaft nachvollziehen zu können, wenn man eine konkrete Situation mit ihr miterleben könnte, einfach um diese Benachteiligung als weiße Person besser nachvollziehen zu können. Man hat das Gefühl, dass der Autorin all diese Themen unglaublich wichtig sind und sie sie deswegen auch alle in ein Buch packen will, es wäre aber vielleicht besser für die Story gewesen, sich auf eines der Themen zu fokussieren.

Alles in allem fällt es mir schwer, das Buch zu bewerten, weil ich eine ganze Zeit gebraucht habe, um in das Buch zu finden und ich mich auch nur sehr schwer an die Protagonisten zu gewöhnen konnte. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass Simona Ahrnstedt mit diesem Buch zu viel wollte und es deswegen einfach als Ganzes nicht rund geworden ist. Es wär einfach eine unglückliche Mischung aus Längen und viel zu viel Drama, als dass ich das Buch wirklich genießen konnte.

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