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Veröffentlicht am 04.11.2017

Großes Potenzial für Band zwei.

Love is War - Verlangen
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Die Aufmachung von "Love is war – Verlangen" ist das, was mich direkt in seinen Bann gezogen hat. Ich finde das Cover ja wirklich gigantisch toll, den Klappentext super interessant und der Titel ist super ...

Die Aufmachung von "Love is war – Verlangen" ist das, was mich direkt in seinen Bann gezogen hat. Ich finde das Cover ja wirklich gigantisch toll, den Klappentext super interessant und der Titel ist super gewählt. Dazu kommt die Leseprobe, die sehr viele Fragen offenlässt und bei der ich auch nicht widerstehen konnte, das Buch weiterzulesen. Denn eins ist definitiv sicher: In diesem Buch ist der Titel auf jeden Fall Programm, denn Love is war.

Der Einstieg in das Buch ist mir sehr leicht gefallen. Man erhält direkt ein Bild von Scarlett und ihrer Unberechenbarkeit. Ich wusste also von Anfang an, dass die Hauptprotagonistin es faustdick hinter den Ohren hat, was mir großartig gefallen hat. Scarlett ist so toll geschildert, auf der einen Seite die liebe und nette Freundin, aber auch das rachsüchtige, gehässige Biest, das austeilen kann wie kein anderer. Anfangs wirkte das auf mich auf jeden Fall befremdlich, weil ich einfach nichts mit ihrem Hass und ihrer überzogenen Art anzufangen wusste, aber sie wurde mir im Laufe der Geschichte immer sympathischer und ihre Art verständlicher. Ich hatte schon die Befürchtung, dass sie Dante, den männlichen Hauptprotagonisten und gleichzeitig ihren Ex-Freund, auffressen würde, weil er sich am Anfang eher zurückhält und wie ein Unschuldslamm dasteht. Allerdings ist er auch nicht zu unterschätzen und ebenso mit allen Wassern gewaschen. Er weiß definitiv mit Scarlett umzugehen, was die Spannung im Buch sehr streitlustig und rachsüchtig aufheizt. Das ist sicherlich nicht für jeden Leser etwas, mir haben die spitzen Kommentare, die Streitereien unter der Gürtellinie, verbunden mit der knisternden Stimmung zwischen den beiden sehr gut gefallen. Zwei Charaktere mit Pep.

Das Ganze überträgt sich mühelos auf die Handlung im Buch. Denn obwohl die beiden sich auf den Tod nicht ausstehen können, geraten sie sexuell ständig aneinander. Der Plot ist sehr leicht und alltäglich geschildert, auch wenn man merkt, dass einiges im Argen liegt und viele Geheimnisse erst noch aufgedeckt werden müssen. Dadurch, dass die Autorin auch immer mal wieder zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart wechselt, merkt man diesen Spannungsaufbau sehr deutlich. Ich wollte so oft wissen, was Scarlett in der Vergangenheit geschehen ist und wieso sie dieses Ereignis für immer an Dante binden wird. Auch wenn man in den Vergangenheitskapiteln eher wenig Inhaltliches erfährt, finde ich, hat R. K. Lilley das schon spannend umgesetzt und ihre Leser dadurch bei Stange gehalten.

Trotzdem gibt es von mir deswegen einen Stern Abzug. Das Buch bot mir eine sehr gute Unterhaltung, allerdings hatte ich mehrfach das Gefühl, dass der Plot gar nicht so weitschweifend ausgearbeitet war, wie es bei einer Dilogie wirkt. Ich hatte zwar keine langatmigen Stellen, denn wie gesagt, die Autorin hat durch die Verwendung von Vergangenheit und Gegenwart eben Abwechslung geboten. Doch trotzdem hatte ich oft das Gefühl, dass überhaupt nichts passiert und der Plot in keiner Weise vorangetrieben wird. Dantes und Scarletts Streitereien haben das abgemildert, allerdings ist es mir trotzdem aufgefallen und fand ich ein bisschen schade. Beide Teile in einem Buch zu verbinden (mit vielleicht 200 Seiten weniger) hätte mich nicht gestört und die Erzählung hätte dann ein bisschen dynamischer gewirkt.

Die Aufmachung des Buches habe ich ja oben schon erwähnt, trotzdem muss ich nochmal betonen, wie gut mir die Zitate am Anfang eines jenen Kapitels gefallen haben. Dieses Mittel ist zwar definitiv nicht neu und mittlerweile gut und oft genutzt, allerdings fand ich die Zitate sehr schön und passend zum Kapitel ausgewählt. Auch der Schreibstil der Autorin hat mir gefallen. Die Geschichte ist so locker und leicht geschildert und auch die erotischen Szenen sind nicht überdramatisiert oder plump, was für mich auch immer sehr wichtig ist. R. K. Lilley hat auf jeden Fall Eindruck bei mir hinterlassen, so dass ich ihre Bücher in Zukunft im Auge behalten werde.

Fazit
"Love is war – Verlangen" hat mir gut gefallen und bietet eine tolle Geschichte, die im zweiten Band hoffentlich logisch und sinnvoll weitererzählt wird. Dieses Werk glänzt auf jeden Fall mit Authentizität, tollen, vielschichtigen, wenn auch leicht temperamentvollen und aggressiven Charakteren sowie einer ergreifenden Erzählung der Gegenwart und Vergangenheit, was mich sehr neugierig auf den Fortsetzungsband macht.

Veröffentlicht am 04.11.2017

Toller Abschlussband der Dilogie

Love is War - Sehnsucht
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Nachdem mir die Gestaltung vom ersten Band der "Love is war"-Reihe so gut gefallen hatte, hatte ich natürlich darauf gehofft, den zweiten Band in den gespiegelten Farben Pink und Schwarz zu sehen – geworden ...

Nachdem mir die Gestaltung vom ersten Band der "Love is war"-Reihe so gut gefallen hatte, hatte ich natürlich darauf gehofft, den zweiten Band in den gespiegelten Farben Pink und Schwarz zu sehen – geworden ist es Silber und Lachs, was mir zwar leider nicht besonders gut gefällt, aber aufgrund eines tollen ersten Bandes auch eigentlich nebensächlich ist. Ich war natürlich sehr gespannt darauf, wie es Scarlett nun geht, wie sie mit der Endszene in Band eins umgehen wird und in welche Richtung sich ihr Leben nun verändert.

Der Plot im Allgemeinen nimmt in "Love is war – Sehnsucht" viel mehr Fahrt auf, als im vorherigen Band. Das, was ich bemängelt habe, nämlich, dass der Plot nur gedehnt wurde, lässt sich in diesem Werk nicht erkennen. Jetzt, nach dem Lesen des zweiten Bandes, habe ich ohnehin mehr den Eindruck, als wäre "Verlangen" nur als Einführungsband gedacht gewesen, während in "Sehnsucht" alle Geheimnisse aufgedeckt werden: Was Dante und Scarlett miteinander verbindet, warum sie sich getrennt haben, wer im Hintergrund die Fäden zieht und warum er wieder Kontakt zu ihr aufgenommen hat. Obwohl "Sehnsucht" knapp 100 Seiten mehr als Band eins hat, wirkte die Erzählung doch um einiges temporeicher und spannender. Gerade dann, als die beiden die Vergangenheit verarbeiten und mit sich und dem anderen ins Reinen kommen.

Zusätzlich wurden auch kleine Nebenplots eingebaut, wie beispielsweise Dantes Bruder und Scarletts Mitbewohnerin, was mir gut gefallen hat. Ich finde es ein bisschen schade, dass die Nebenfiguren in der gesamten Dilogie ein bisschen zu kurz kamen. Gerade über Dantes Vater oder über seine Ex-Verlobte hätte ich gerne mehr erfahren, da jeder Mensch auch guten Seiten hat und gerade diese beiden Figuren durchweg negativ dargestellt wurden. Sicher gibt es da auch viele Momente in deren Vergangenheit, die sie geprägt haben und die sie zu den Menschen gemacht hat, die sie heute sind. Das kam mir zu kurz. Mehr Raum dafür hätte ich definitiv nicht verkehrt gefunden.

Scarlett und Dante haben mir in diesem Band beide gleichermaßen gut gefallen. Beide sind ein bisschen ruhiger und weniger streitlustig, als im ersten Band, was aber auch viel mit der eigentlichen Plotspannung zu tun hat. Der Fokus wird mehr auf die Liebe und den Zusammenhalt gelegt, statt auf Krieg und Verletzungen, weswegen man auch andere Seiten an den beiden Hauptprotagonisten kennenlernt. Gerade bei Dante ist es offensichtlich, weil er in diesem Buch auch eigene Kapitel bekommt und man es so besser schafft, in seinen Kopf zu schauen und seine Gedanken zu verstehen – die im ersten Band oftmals bei Streit und Diskussionen schlichtweg untergingen.

Auch dieses Mal hat mir der Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen. Gerade weil der Plot nicht ganz so spannungsgeladen (bezüglich den Auseinandersetzungen von Scarlett und Dante) aufgebaut war, wie der erste Band, hat man hier auch die emotionale und liebende Schriftsteller-Seite von R. K. Lilley kennengelernt. Und auch an dieser Stelle muss ich sagen: Ihre Bücher werden mir in Erinnerung bleiben und ich hoffe sehr auf baldige Neuerscheinungen.

Fazit
Der zweite Band, "Love is war – Sehnsucht", hat mir einen ganz kleinen Ticken besser gefallen, als der erste Band. Ich fand nicht nur die Ausarbeitung des Plots und die Dynamik besser, auch die Einführung von Dante-Kapiteln haben mir sehr gut gefallen und ein umfassendes Bild über die Charaktere und deren Gedanken gegeben (mir persönlich hat die Kriegsstimmung im ersten Band aber besser gefallen, deshalb gibt es die gleiche Bewertung von mir). Alles in allem ist die "Love is war"-Reihe definitiv empfehlens- und lesenswert und hält einige Überraschungen für den Leser bereit!

Veröffentlicht am 29.10.2017

Tolle Idee, die noch viel Potenzial bereithält

Auf ewig dein
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Anna und Sebastiano (und allgemein die "Zeitenzauber"-Reihe von Eva Völler) waren mir vor dem Lesen des ersten Bandes der neuen "Time School"-Reihe unbekannt. Ich wusste zwar, dass es sich dabei um ein ...

Anna und Sebastiano (und allgemein die "Zeitenzauber"-Reihe von Eva Völler) waren mir vor dem Lesen des ersten Bandes der neuen "Time School"-Reihe unbekannt. Ich wusste zwar, dass es sich dabei um ein Spin-Off handelt, allerdings wollte ich mehr über die Zeitreisen-Akademie erfahren. Da habe ich dann auch gerne in Kauf genommen, die beiden Hauptprotagonistin vorab kennenzulernen bzw. auf eventuelle Lücken, die die Vorgeschichte schließen würde, zu stoßen.

Ich kann euch allerdings beruhigen: Wer die "Zeitenzauber"-Reihe ebenfalls nicht kennt – so schlimm war es in Auf ewig dein überhaupt nicht. Ich bin super gut mit den Figuren und deren Hintergrund zurechtgekommen. Natürlich merkt man an der ein oder anderen Stelle, dass da einiges im Argen liegt und dass es da noch viel mehr gibt, aber es hat mich weder in meinem Lesefluss, noch beim Verstehen der Geschichte behindert. Dazu kommt, dass einiges von der Autorin selbst nochmals erklärt wird und sie es somit dem Leser einfach macht, die Figuren, das Setting und die Handlung lieben zu lernen.

Die Plotidee hat mir schon von Anfang an gefallen und daher war ich sehr gespannt auf die eigentliche Umsetzung. Durch das Prequel bzw. durch die Vorgeschichte "Der Anfang" habe ich schon einen guten Einblick in die Geschichte, den Schreibstil und die Charaktere bekommen können, daher kann ich auch jedem nur empfehlen, diese vorab zu lesen und das Anheuern von Ole direkt mitzuerleben. Die Handlung an sich ist spannend aufgebaut, hätte aber an mancher Stelle ein wenig dynamischer erzählt werden können. Mich haben diese Auf und Abs an trägen Passagen und einnehmenden Spannungsbögen teilweise ein bisschen müde gemacht, weswegen ich mir eine temporeichere Erzählung, gerade in der Mitte des Buches, doch gewünscht hätte. Trotzdem hat die Geschichte einiges zu bieten und mangelt keinesfalls an Ideen der Autorin. Nur die Umsetzung hätte für mich besser ausgearbeitet werden können.

Die Unterschiedlichkeit der Charaktere macht das Buch in meinen Augen ebenfalls zu etwas besonderem. Anna und Sebastiano sind zwar die Hauptfiguren, aber auch die Lehrlinge der Zeitreisen-Akademie, Walter, Ole und Fatima, brillieren durch ihren Einsatz, ihre Wissbegierde und ihren Mut. Ich wäre sicher nicht immer so selbstlos und forsch gewesen wie die drei Auszubildenden. Sie ergänzen die Geschichte in einem ganz besonderen Maß; dabei hat es mir vor allen Dingen Ole angetan, der mit seiner treuherzigen und unerschrockenen Art sowie seinem Humor mich doch oft zum Schmunzeln gebracht hat. Aber auch Fatima und Walter haben ihre Vorzüge und sind keinesfalls langweilig oder einfältig ausgearbeitet.

Aber auch Sebastiano und Anna fand ich sehr überzeugend. Wie oben bereits geschrieben sind beide Charaktere für mich neu, aber ich habe sie spielend lieben gelernt. Die beiden pflegen einen solchen liebevollen und herzlichen Umgang miteinander und obwohl ich gedacht habe, dass die ständige Turtelei zwischen den beiden mir irgendwann auf den Keks geht, war dem nicht so. Im Gegenteil. Ich habe mich sehr gefreut, wenn sich beide aufeinander verlassen konnten, wenn beide die Nähe des anderen gesucht haben und wenn sie einfach glücklich miteinander sein konnten. Überhaupt sind beide Figuren so aufgebaut, dass sie sich gegenseitig mit ihren Stärken ergänzen und so nicht nur ein perfektes Liebespaar abgeben, sondern auch ein gutes Team im Kampf und in der Zeitreise. Anna hat eher so ihre Stärken in der Planung und in der Strategie, Sebastian ist der Kämpfer und Umsetzer, Jerry und José sind die, die am besten mit den technischen Details und den Gefahren der Zeitreise umzugehen wissen, während Ole, Fatima und Walter von diesem Wissen profitieren und lernen.

Interessant fand ich auf jeden Fall den Hauptschauplatz zur Zeit von Henry VIII. Gerade wer sich in dem Zeitalter und mit der Geschichte des Königs auskennt (meine Hauptbildung darüber habe ich allerdings auch nur aus der TV-Serie "Die Tudors" ), wird sicher Spaß an der historischen Zeitreise sowie Annas und Sebastianos Aufgaben dort haben. Allgemein ist das Setting definitiv ein Pluspunkt an diesem Buch. Das bezieht sich nicht nur auf die tolle Beschreibung des Schlosses, der Kleider und der allgemeinen Gepflogenheiten in diesem Jahrhundert, sondern auch auf die Gegenwart in Venedig. Wie ihr alle wisst, wecken Beschreibungen von Italien immer mein Fernweh und so war es auch dieses Mal. Ich konnte mir das kleine Palazzo bildlich vorstellen und habe mich in dieser beschriebenen Welt doch sehr wohl gefühlt.

Fazit
Für mich ist "Auf ewig dein" ein tolles Buch, das mir persönlich allerdings nicht stark genug in der Umsetzung war. Die Spannung konnte die Autorin meiner Meinung nach nicht durch das Buch hinweg durchhalten, aber dennoch glänzt ihr Werk mit tollen und abwechslungsreichen Charakteren, einer sehr interessanten Zeitreise an sich und einem mitreißenden Setting. Ich bin gespannt, was der zweite Band uns bringen wird.

Veröffentlicht am 27.10.2017

Mehr erwartet.

Grandhotel Angst
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"Grandhotel Angst" ist mir in den letzten Wochen immer mal wieder über den Weg „gelaufen“: erst im Bloggerportal, dann in der Buchhandlung und letztlich wieder im Bloggernewsletter. Obwohl ich mich eigentlich ...

"Grandhotel Angst" ist mir in den letzten Wochen immer mal wieder über den Weg „gelaufen“: erst im Bloggerportal, dann in der Buchhandlung und letztlich wieder im Bloggernewsletter. Obwohl ich mich eigentlich erstmal auf andere Bücher konzentrieren wollte, haben mich Cover und Klappentext so neugierig gemacht, dass ich einfach nicht widerstehen konnte und das Buch unbedingt haben und lesen wollte.

Im Großen und Ganzen muss ich allerdings sagen, dass mich das Buch doch ernüchtert zurückgelassen hat. Die Vergangenheit, die Beschreibungen von Italien und das wundervoll mysteriöse Hotel sind eine tolle Kulisse, die die Autorin mühelos in Szene setzen konnte. Es ergibt ein schönes Gesamtbild und das Setting hat mich wirklich nahezu umgehauen. Es ist toll beschrieben, verschiedene Szenen hatte ich problemlos vor Augen, obwohl ich sehr selten Romane lese, die in dieser Zeit spielen. Allerdings wirkten die Geschichte und die Charaktere in der Ausarbeitung dagegen relativ schwach und blass und konnten sich beim Vergleich mit der "Plotwelt" nicht wirklich behaupten.

Ich hatte mir nämlich unheimlich viel von dem Plot versprochen. Der Klappentext war toll: ein unheimliches Hotel, ein mysteriöser Ehemann und eine spannende Mordgeschichte. Vor allem, als dann noch von Fluch und Heimsuchung die Rede war, war ich direkt hin und weg. Ich habe mich sehr auf einen Krimi mit leichten Mystery-Momenten, paranormalen Passagen oder Schauerszenen gefreut – was aber leider nicht allzu lange anhielt. Man muss dazu sagen: Der Plot war solide aufgebaut, recht logisch und hat auch einige kleine Spannungsmomente zu bieten. Doch mir persönlich war das viel zu unterschwellig. Gerade diese kleine Geistergeschichte hätte so gut und gruselig werden können. Die Story hatte so viel Potenzial, aber leider geht sie im Gefühls-Wirrwarr der Hauptprotagonistin Nell ganz schön unter. Sie hätte so viel Bewegung und Dynamik in die Geschichte bringen können, durch das einfache Hinterfragen von Olivers Vergangenheit oder seinen Tätigkeiten im Hotel. Zusätzlich muss ich sagen, dass ich das Ende so, wie es in "Grandhotel Angst" geschildert wurde, einfach nicht gebraucht hätte. Gerade den Epilog "Ein Jahr später" fand ich wirklich unnötig. Vor allem diese "locker" und plötzlich hinzugeschriebene Liebesgeschichte wirkte da meiner Meinung nach wirklich fehl am Platz. Dann hätte ich mir lieber einen ausführlicheren Schluss gewünscht, der nicht so abrupt geendet hat und mit ein bisschen mehr Drumherum und spannendem Aufbauschen sicher fesselnder gewirkt hätte.

Mit Nell hatte ich sehr große Probleme warm zu werden, denn ich empfand sie durchweg eher als schwierigen, statt als liebenswürdigen Charakter – was im Übrigen auch für ihren Mann Oliver gilt. Was mich an Nell vordergründig gestört hat, war ihr Wankelmut. Die naive, zerbrechliche, junge Dame habe ich ihr im Bezug auf das Jahr 1899 anfangs sehr gut abgenommen. Auch dass sie sich vor dem Hotel fürchtet und verschiedene Personen in der Geschichte ihre Hysterie gekonnt füttern. Aber so wirklich geradlinig wirkte Nell im Laufe des Plots so überhaupt nicht. Sie entscheidet sich dauernd um, legt verschiedene Charakterzüge an den Tag, die sich meiner Meinung nach, meist widersprechen und benutzt sehr selten ihren Verstand – der ihr in der ein oder anderen Situation sicher Kummer erspart hätte. Mir fiel es sehr schwer, eine Bindung zu ihr aufzubauen, denn wenn ich das Gefühl hatte, sie endlich zu verstehen, hat sich das auch schon wieder in Luft aufgelöst. Gerade, weil ich immer wieder versucht habe, sie zu verstehen und ihre Gedankengänge nachzuvollziehen, hat das von dem eigentlich Plot und den Spannungsmomenten abgelenkt und bei mir auch nicht wirklich eben jene Spannung aufkommen lassen.

Ihren Ehemann Oliver fand ich aufgrund seiner mysteriösen Ausgestaltung und seiner Geheimnisse ja anfangs auch noch sehr interessant. Aber auch seine Figur entwickelt sich im Laufe der Geschichte in eine Richtung, die mich nicht begeistern konnte; eigentlich wirkte er die meiste Zeit recht unsympathisch, unhöflich und verschlossen. Vor allem weil das für den Leser so vollkommen deutlich war, hat es mich noch mehr überrascht und verwundert, wie lange Nell gebraucht hat, um ihn und seine Geheimnisse zu hinterfragen und ihm zu misstrauen.

Emma Garniers Schreibstil hat mir dagegen sehr gut gefallen. Wie oben schon geschrieben erzählt sie die Geschichte des Hotels, den Fluch und die allgemeine Umgebung so schön und spielend für den Leser, dass ich mich trotz den schwächelnden Plots doch sehr wohl in der Geschichte gefühlt habe.

Fazit
Emma Garniers Werk "Grandhotel Angst" hat mich nicht besonders überzeugen können. Pluspunkte konnte die Autorin bei mir definitiv mit ihrem Schreibstil und der Kulisse sammeln, was mich auch hundertprozentig begeistert hat. Allerdings hat sie es nicht geschafft, mich mit ihrem Plot und den Charakteren abzuholen. Beides wirkte auf mich unausgearbeitet und langatmig, weswegen ich dem Buch wackelige 3 Sterne vergebe.

Veröffentlicht am 26.10.2017

Überzeugende Vorbereitung auf das Finale

Die Gabe der Auserwählten
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Schon seit dem ersten Teil bin ich ein absoluter Fan der "Chroniken der Verbliebenen". Denn die Autorin schafft es wie keine andere, eine tolle, umfassende und spannende Welt zu erschaffen, die ständig ...

Schon seit dem ersten Teil bin ich ein absoluter Fan der "Chroniken der Verbliebenen". Denn die Autorin schafft es wie keine andere, eine tolle, umfassende und spannende Welt zu erschaffen, die ständig neues für ihre Figuren bereithält, ohne dabei den eigentlichen Fokus zu verlieren. Wie ich bei meinen Rezensionen zu den vorherigen Teilen schon festgestellt habe, spielt es dabei nicht mal eine Rolle, ob Mary E. Pearson ihre Geschichte dynamisch (wie in "Der Kuss der Lüge") oder gemächlich (wie in "Das Herz des Verräters") erzählt, ob sie körperlichen oder emotionalen Schmerz thematisiert oder ob sie auf den Krieg oder Beziehungsprobleme eingeht. Die Autorin packt mich mit Lia, Rafe und Kaden einfach jedes Mal.

Die Handlung knüpft mehr oder weniger nahtlos an die Ereignisse am Ende des zweiten Bandes an. Zwar hatte ich genau deswegen Bedenken, in die Geschichte zu starten; schließlich ist es bei mir schon eine Weile her, dass ich "Das Herz des Verräters" beendet habe. Aber diese Bedenken wurden sofort ausgeräumt, denn es fiel mir unglaublich leicht, den Geschehnissen am Anfang zu folgen und die Verbindungen zum vorherigen Buch herzustellen. Es gibt viele Auf und Abs in der Geschichte, viele verschiedene Handlungsstränge und sehr unterschiedliche Beziehungsdynamiken, die den Plot spannend halten, weswegen ich mich an keiner einzigen Stelle gelangweilt habe. Während der erste Band "Der Kuss der Lüge" in die Geschichte und Lias Welt einführt und der zweite Band "Das Herz des Verräters" auf die Ereignisse und Handlungen im dritten Band hinführt, erzählt "Die Gabe der Auserwählten" zum einen die Entwicklung der beiden Königreiche Dalbreck und Morrighan nach der Befreiung der beiden Hauptfiguren und zum anderen, was eben jene Veränderung für Lia und Rafe bedeutet – und letztlich nun auch für Kaden.

So hundertprozentig hat mir diese Entwicklung aber nicht zugesagt. Das lag nicht am Plot selbst oder dessen Ausführungen. Und auch nicht daran, dass Lia in ihr Königreich zurückkehren möchte und dabei Rafes Versprechen einfordert, sondern vor allem daran, wie sich die Beziehungsdynamik zwischen den beiden im Allgemeinen verändert. Es ist unglaublich schwer, das zu kritisieren und dabei spoilerfrei zu bleiben. Dennoch hat mir in großen Teilen Rafes Verhalten einfach überhaupt nicht gefallen. Ich bin mir nicht sicher, ob es daran liegt, dass man ihn zum ersten Mal in seinem gewohnten Terrain (in der Heimat) erlebt, ihm Ruhm und Macht zu Kopf gestiegen sind oder ob er sich schlichtweg aufgrund all der Ereignisse aus den ersten beiden Bänden so entwickelt hat. Ich mochte Rafe immer noch gerne, ebenso wie seine neue Rolle, in der er zugegebenermaßen auch erstmal hineinwachsen muss. Aber gerade im Umgang mit Lia und seinen "Lektionen" ist er für mich einfach einen Schritt zu weit gegangen und hat einiges an Sympathiepunkten einbüßen müssen.

Lia dagegen hat mir von der Entwicklung her sehr gut gefallen. Sie ist weiterhin sehr stark, zielstrebig und ehrgeizig und sie weiß ganz genau, was sie will, auch wenn es nicht dem entspricht, was Rafe will. Mir hat es sehr gut gefallen, wie eigenständig sie handelt, wie sie versucht, sich nichts gefallen zu lassen und Rafe mehr als einmal in seine Schranken weist. Selbst, wenn sie damit nicht direkt etwas erreicht, war das für mich ein starker Ausdruck ihrer wachsenden Persönlichkeit. Aus diesem Grund fand ich es auch passend, dass sie am Ende ihren Willen durchsetzt und dass sie ihre eigene Reise antritt.

Das Setting hat mich weiterhin eingenommen und finde ich nach wie vor sehr gelungen. Diese Welt nimmt mich einfach jedes Mal mit und nimmt mich auch vollkommen ein. Alles ist so greifbar und realitätsnah, dass ich überhaupt keine Probleme hatte, klare Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen. Die Autorin hat da meiner Meinung nach ein absolut tolles, einzigartiges und sehr umfassendes Setting erschaffen, in das ich mit jedem neuen Band nochmal gerne eintauche – und das ich sehr ungerne wieder verlasse, sobald ich einen neuen Teil beendet habe. Spürbar wird das zusätzlich noch an dem Schreibstil. Nicht nur die Welt ist wunderbar beschrieben, auch die Charaktere sind authentisch und tiefgründig. Außerdem kommen die Gefühle der Figuren sehr gut herüber, egal ob Lias Wut oder Rafes Sorge. Allgemein liest sich das Buch sehr gut, weswegen ich sicher auch die 800 Seiten an einem Stück gut hätte durchlesen können.

Grundsätzliche äußere ich immer sehr ungern und sehr sparsam Kritik an Verlagen, da ich mich im Verlagswesen nicht auskenne und ich immer der Meinung bin, dass es für jede Entscheidung wohl seine Gründe geben wird. Schade finde ich es nach wie vor natürlich trotzdem, dass der letzte Band in Deutschland in Band drei und vier geteilt wurde. Meiner Meinung nach hätte das nicht unbedingt sein müssen. Und damit meine ich nicht, dass ich jetzt Ewigkeiten (naja, ein paar Monate) auf die Fortsetzung warten muss, sondern, weil durch den Cut verschiedene Stellen viel gewichtiger wirkten, als sie meiner Meinung nach im Endeffekt sind. Ich finde es schade, dass ich nach diesem Buch einen "schlechten" Eindruck von Rafes Charakterentwicklung habe, obwohl ich fest davon ausgehe, dass sich das irgendwie wieder bereinigen wird. Ich finde diese Entscheidung im Allgemeinen leider nicht besonders nachvollziehbar, denn ein Gesamtwerk bleibt nun mal ein Gesamtwerk, auch wenn die Autorin das Ende extra für diese Ausgabe umgeschrieben hat.

Fazit
"Die Gabe der Auserwählten" ist eine tolle, sehr lesenswerte Fortsetzung der "Chroniken der Verbliebenen". Ich bin wieder mal begeistert, auch wenn mich Rafes Verhalten stellenweise enttäuscht hat und der eigentliche Plot durch diese Beziehungskrise kaum voran kam. Trotzdem hat Mary E. Pearson die Geschichte wieder wundervoll verpackt und ein tolles Buch abgeliefert, das mich sehr neugierig auf den Abschlussband zurücklässt.

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