Profilbild von Girdin

Girdin

Lesejury Star
offline

Girdin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Girdin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2022

Wirkte auf mich wenig realitätsnah

Sommersprossen – Nur zusammen ergeben wir Sinn
0

Der Roman „Sommersprossen“ von Cecelia Ahern trägt den Untertitel „Nur zusammen ergeben wir Sinn“, der sich auf einen Ausspruch des Motivationstrainers Jim Rohn bezieht. Er sagte, dass jeder der Durchschnitt ...

Der Roman „Sommersprossen“ von Cecelia Ahern trägt den Untertitel „Nur zusammen ergeben wir Sinn“, der sich auf einen Ausspruch des Motivationstrainers Jim Rohn bezieht. Er sagte, dass jeder der Durchschnitt der fünf Menschen ist, mit denen er die meiste Zeit verbringt. Der Ratschlag bringt Allegra Bird zum Grübeln. Sie ist die Protagonistin und Ich-Erzählerin des Buchs, 24 Jahre alt, trägt den Spitznamen „Sommersprosse“ aufgrund der Pigmentflecke auf ihrer Haut, lebt in Dublin und arbeitet als Verkehrshostess. Ein Falschparker hat ihr den Spruch wütend entgegengeworfen, als sie ihm erneut einen Strafzettel ausgestellt hat.
Allegra ist bei ihrem Vater, einem Musikdozenten, aufgewachsen. Ihre Mutter kennt sie nicht. Später ist sie dann im Internat gewesen. Sie hat ihre frühere Heimat an der Westküste Irlands zurückgelassen, um eine persönliche Mission in Dublin auszuführen, die erst nach der Hälfte der Buchseiten thematisiert wird. In der Hauptstadt hat sie kaum Freunde. Ihre Kontakte beschränken sich auf ihr berufliches Umfeld und die Vermieter ihrer Wohnung. Daher fragt sie sich in Bezug auf das Zitat von Rohn, von wem sie selbst sich inspiriert fühlt oder wen sie gerne an ihrer Seite sehen möchte.
Ich fand es am Beginn es Romans interessant, dass die Autorin einen Motivationsspruch als Hintergrund der Erzählung für ihre Protagonistin wählt. Allerdings merkte ich sehr rasch, dass die Einbindung eigenwillig erfolgte. Allegra ist eine Persönlichkeit, die sich nicht leicht fassen lässt. Ihr Vater ließ ihr bei seiner Erziehung viel Freiraum, im Internat hatte sie sich dagegen an viele Regeln zu halten. Zu diesem Zeitpunkt begann sie, sich selbst zu verletzen. Inzwischen ist sie sehr pedantisch und ordnungsliebend, vor allem im Berufleben.
Das Ziel, dem sie in Dublin nachgeht, hat sie noch nicht erreicht und von ihren Vermietern wird sie manchmal ausgenutzt. Das führt häufig zu einer betrübten Stimmung bei ihr. Sie schafft es nicht, über ihren Schatten zu springen. Obwohl sie eher kontaktscheu ist, hat sie keine Probleme damit, sich bei Gelegenheit Zufallsbekanntschaften leidenschaftlich hinzugeben.
Das Handeln von Allegra kann ich nicht immer nachvollziehen. Das, was sie unternimmt, um die fünf Personen entsprechend des Ausspruchs zu benennen, fand ich ungewöhnlich, aber auch unbeholfen. Die Protagonistin wurde mir nicht sympathisch und auch andere Figuren beschrieb die Autorin mit vielen Makeln, so dass ich sie suspekt wahrnahm.
Leider konnte mich insgesamt gesehen die Geschichte zu „Sommersprossen“ von Cecelia Ahern nicht berühren, weil ich die Eigenschaften der Protagonistin sehr konstruiert fand und ihre Handlungen zwar unterhaltend waren, aber auf mich wenig realitätsnah wirkten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2022

Magda Fuchs überrascht immer wieder mit ihren Entscheidungen

Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein großer Rausch
0

Der Roman „Das Leben, ein großer Rausch“ von Helene Sommerfeld ist der zweite Teil der Trilogie „Polizeiärztin Magda Fuchs“. Es ist das Jahr 1922. Die 31 Jahre alte Magda lebt inzwischen seit zwei Jahren ...

Der Roman „Das Leben, ein großer Rausch“ von Helene Sommerfeld ist der zweite Teil der Trilogie „Polizeiärztin Magda Fuchs“. Es ist das Jahr 1922. Die 31 Jahre alte Magda lebt inzwischen seit zwei Jahren in Berlin. Sie hat die gynäkologische Praxis des verstorbenen Ehemanns ihrer Pensionswirtin übernommen. Allerdings muss sie die Sprechstunden stark beschränken, weil ihr auch noch ihrer Tätigkeit als Polizeiärztin beim Gesundheitsamt nachgeht

Eines Tages wird die ebenfalls in der Pension eingemietete Doris, die eine Karriere als Schauspielerin anstrebt, im Gewühle des Silvesterballs, von einem Messer schwer verletzt. Magdas Freund Kuno und seine Kollegen vom Kommissariat übernehmen die Ermittlungen und schnell stellt sich heraus, dass der Angriff leider kein Einzelfall war. Unterdessen intensiviert sich das Verhältnis von Celia, der Tochter der Pensionswirtin, zu ihrem betuchten Galan Edgar. Wie in Band eins konnte ich neben den vertrauten Figuren Magda, Doris und Celia ebenfalls über die in der Pension lebende Journalistin Erika, die manchmal eng mit Magda arbeitende Fürsorgerin Ina und die Anwältin Ruth lesen.

Anhand der Schicksale ihrer Figuren zeigt das Berliner Autorenehepaar Licht und Schattenseiten in der Hauptstadt zu Beginn der 1920er Jahre. Einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg freuen sich die Berliner, die es sich leisten können, über Theateraufführungen, Kinofilme und Besuche in Etablissements mit Musik und Tanz. Das Leben erscheint nach den entbehrungsreichen Jahren wie ein Rausch, den es zu genießen gilt. Vor allem Celia und Doris machen gerne davon Gebrauch, wobei sie dabei unterschiedliche Ziele verfolgen. Doris sucht bei den Gelegenheiten nach einem passenden Ehemann, während es für Celia ein Ausdruck ihrer Selbstständigkeit ist. Überhaupt hadert sie mit ihrer Beziehung zu Edgar, der gelegentlich eine schlechte Seite an ihm zeigt. Außerdem möchte sie sich keineswegs erneut in eine Ehe begeben, in der sie nur den Anweisungen ihres Manns zu folgen hat.

Neben dem damals allgemeinen Streben der Frauen nach Gleichberechtigung nimmt das Thema Verhütung im Roman großen Platz ein. Eine Aufklärung der Frauen ist nur in engem Rahmen möglich, weil man ansonsten gegen das Gesetz verstößt. Magda setzt sich vehement gegen Abtreibung ein. Mit ihrer Pensionswirtin, die ihr die Akten in der Praxis führt, gerät sie dabei in Streit. Helene Sommerfeld beleuchtet anhand mehrerer Schicksale verschiedene Seiten des Problems und sorgt jedes Mal bei Magda für eine Auseinandersetzung mit ihrem Gewissen. Es zeigt sich, dass ungewollte Schwangerschaften sowohl bei reichen wie auch armen Familien eine große Sorge sind, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Die zunehmende Geldentwertung führt zu immer größerer Armut in der Bevölkerung. Magdas Praxis steht dadurch auf dem Spiel, denn die Kosten sind hoch.

Im Roman „Das Leben, ein großer Rausch“ gelingt es dem Autorenehepaar unter dem Pseudonym Helene Sommerfeld erneut, das Leben in Berlin zu Beginn der 1920er lebendig werden zu lassen. Die Protagonistinnen, die in unterschiedlichen Arbeitsgebieten tätig sind, verfolgen mit Selbstbewusstsein ihre Ziele und überraschen manchmal mit ihren Entscheidungen. Auch der vorliegende zweite Band endet wie der erste mit einem Cliffhanger und macht neugierig auf den abschließenden Teil. Ich fühlte mich von der Geschichte bestens unterhalten und empfehle das Buch daher gerne an Lesende historischer Erzählungen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2021

Streben nach Unsterblichkeit

Das Zeitalter der Drachen
0

Das Buch „Das Zeitalter der Drachen“ ist ein High-Fantasy Roman von Jenny-Mai Nuyen, der in der Sphäre von Tana, der Welt von Tag und Nacht, spielt. Tana wird bewohnt von Menschen, Grauen und Weißen Elfen ...

Das Buch „Das Zeitalter der Drachen“ ist ein High-Fantasy Roman von Jenny-Mai Nuyen, der in der Sphäre von Tana, der Welt von Tag und Nacht, spielt. Tana wird bewohnt von Menschen, Grauen und Weißen Elfen sowie Zwergen. Sie haben Furcht vor Drachen, die ebenfalls auf Tana heimisch sind. Mit ihrem Feueratem können sie Lebewesen, Fauna, Flora und Gebäude vernichten. Die Hoffnung der Einwohner von Tana liegt bei den Erzmagiern der Völker, von denen sie erwarten, dass diese ihre Zauberkünste dazu einsetzen, die Bedrohung durch die Drachen zu bannen.

Nireka ist eine junge unverheiratete Frau, die bei den Zwergen in Ydras Horn unter der Erde lebt. Ihr Vater ist ein bedeutender Mann bei ihnen. Jedes Mal wenn ein Bewohnender der Zwergenfestung von einem Geisterschatten befallen wird, kommt ein Drache nach Ydras Horn, der die Herausgabe der Person verlangt, damit er sich daran nähren kann. Aber das Volk der Zwerge steht zusammen. Sie bewahren sich ihre Würde und nehmen lieber Hunger und Ungemach in Kauf als einen von sich, so wie andernorts üblich, zum Fraß auszuliefern.

Als die Geisterschatten Nireka heimsuchen, beschließt sie, sich dem Drachen zu opfern. Sie gelangt über das offene Meer an einen Turm, in dem seit Jahrhunderten ein Ei eingeschlossen ist, aus dem sich ein Drachen entwickeln wird. Ihr Schicksal nimmt nicht den von ihr erwarteten Verlauf. Der Drache Aylen, der aus dem Ei schlüpft, will überraschenderweise niemanden fressen, sondern verbündet sich mit ihr im Kampf um seine Artgenossen. Aylens Anliegen findet seinen Grund in der eigenen und der Vergangenheit von Tana.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. In einem einführenden Prolog macht die Autorin in einer Rückblende neugierig darauf, warum Aylen sich zu dem entwickelt hat, wie Nireka sie aktuell wahrnimmt. Früher war Aylen eine verachtete Hexe mit hohen Ansprüchen an sich. Begleitet wird sie von einem verzauberten Gegenstand, der für noch mehr Tiefe und einem manchmal amüsanten Anklang in der Erzählung sorgt. Ohne bestimmte geistige Eigenschaften mit einem Volk zu verknüpfen, zeigt die Autorin wie unterschiedlich an verschiedenen Orten in der von ihr erdachten Welt das tägliche Leben bestritten wird. Dabei stellt sie den ungleichen Umgang mit den Drachen besonders heraus.

Jenny-Mai Nuyen gestaltet ihre Figuren wandelbar. Die Protagonistinnen finden sich nicht mit der ihnen zugedachten Rolle ab, sondern hinterfragen die Handlungen ihres Volkes und die damit verbundenen Konsequenzen. Sowohl Nireka wie auch Aylen setzen sich mit moralischen Bedenken auseinander. Hinter allem steht das Streben des Einzelnen nach Unsterblichkeit. Demgegenüber stellt die Autorin die damit möglicherweise verbundenen Einbußen und wirft die Frage auf, wie ein ewig lebendes Wesen von anderen wahrgenommen beziehungsweise wie es selbst mit Sterblichen umgehen wird. Sie stellt den Drang nach Macht und Anerkennung gegen das Bestreben nach dem Wohl eines ganzen Volks. Auch fantastische Zaubereien und magische Kämpfe kommen im Roman nicht zu kurz.

In ihrem Fantasy-Roman „Das Zeitalter der Drachen“ beschreibt Jenny-Mai Nuyen den Kampf der Zwerge, Menschen und Elfen gegen Drachen, die sich an ihnen nähren. Dabei verdeutlicht sie das Bestreben der verschiedenen Wesen nach dem für sie Bestmöglichen, auch über moralische Bedenken hinweg. Die Geschichte hat meiner Ansicht nach mehr Tiefgang in der Figurengestaltung als ich sie von anderen Erzählungen des Genres her kenne. Das hat mir sehr gut gefallen und darum empfehle ich das Buch gerne an Lesende von Fantasie weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.12.2021

Ein Roman über den Zusammenhalt in der Familie

Der süße Himmel der Schwestern Lindholm
0

Im Roman „Der süße Himmel der Schwestern Lindholm“ nimmt Andrea Russo die Lesenden mit nach Schweden. Dort befindet sich auf der Kulla-Halbinsel an der Küste des Öresunds das Café „Söta Himlen“, auf Deutsch ...

Im Roman „Der süße Himmel der Schwestern Lindholm“ nimmt Andrea Russo die Lesenden mit nach Schweden. Dort befindet sich auf der Kulla-Halbinsel an der Küste des Öresunds das Café „Söta Himlen“, auf Deutsch „Süßer Himmel“, das in den 1930ern von den Schwestern Lindholm gegründet wurde.

Inzwischen führt Britt das Café, das anfangs nur eine Bäckerei war, in der dritten Generation. Eines Tages trifft ein Brief aus Deutschland ein. Eine gewisse Julia hat den Brief geschrieben und behauptet, mit der Familie verwandt zu sein. Sie hat ein Notizbuch beigefügt, dass eine Rezeptsammlung aus den 1930er Jahren enthält. Britt weiß, dass es damals entwendet wurde und sie hat auch sogleich eine Vermutung darüber, wie Julia in den Besitz der Rezepte gekommen ist.

Im Folgenden wechselt die Autorin in die Vergangenheit und ich erfuhr mehr über die Familiengeschichte und die Gründung des Cafés. Im Jahr 1936 war das Leben für die fünf Geschwister Hannah, Ingrid, Mathilda, Ebba und Ulla Lindholm noch eher unbeschwert. Ihr Vater hatte zwar vor einiger Zeit seine Arbeitsstelle verlorenen und arbeitete seitdem in einem Erzbergwerk in seiner Geburtsstadt im Norden von Schweden, doch die Eltern hatten sich damit arrangiert. Das Geld, das der Vater schickte und die Einnahmen aus der Bäckerei reichten zum Leben aus.

Während die beiden ältesten Schwestern Hannah und Ingrid anfangs mit ihrem Zuhause stark verbunden sind und sich nicht vorstellen können, den kleinen Ort je zu verlassen, träumt Matilda von einer Schauspielkarriere. Die beiden Zwillinge Ebba und Ulla sind noch Schülerinnen und beneiden oft den Zusammenhalt ihrer drei ältesten Geschwister. Nebenan wohnen die Großeltern. Bereits die Großmutter hat die Bäckerei betrieben und hilft immer noch mit. Hannah und Ingrid haben sich in der Backstube und im Verkauf einen Platz gesucht. Für sie ist es nicht immer leicht sich zu behaupten, nicht nur untereinander, sondern auch gegenüber der Kritik von Mutter und Oma.

Als Hannah sich in Karl verliebt, der in Berlin beheimatet ist, ändern sich ihre Pläne und auch Ingrid und Matilda müssen für sich wichtige und schwierige Entscheidungen für die kommende Zeit treffen. Zur Absicherung ihrer Einnahmen beschließen alle gemeinsam, die Bäckerei um ein Gartencafé zu erweitern. Währenddessen befindet sich Deutschland politisch weiterhin in einem Umbruch, der seine langen Schatten aufgrund der Beziehung von Hannah zu Karl auch auf die Familie wirft.

Andrea Russo zeigt, wie nah sich Schwestern stehen können, auch wenn sie vom Charakter her verschieden sind. Trotz immer neuer Sorgen halten alle in der Familie zusammen und stehen, so gut es geht, füreinander ein. Das reicht soweit, dass sie auch in der Bäckerei mal die Arbeit einer anderen übernehmen bis hin zu konstruktiven gemeinsamen offenen Aussprachen.

Da die Perspektiven zwischen den Figuren wechseln, werden einige Ereignisse manchmal aus der Sicht von mehr als einer Person erzählt, was zu kleinen Längen führt. Bis zum Schluss hin erklären sich schließlich die Fragen, die im Prolog aufgeworfen wurden. Dennoch bleibt vieles offen, was in der Generation zwischen den Cafégründerinnen und der heutigen Inhaberin Britt geschehen sein mag und Thema in der Fortsetzung sein wird.

„Der süße Himmel der Schwestern Lindholm“ von Andrea Russo ist ein Roman über den Zusammenhalt in einer Familie in den 1930ern in Schweden. Die rundum sympathischen Figuren haben Verständnis füreinander, sind bereit zu vergeben und verhalten sich nach außen hin tolerant. Gerne vergebe ich ein Leseempfehlung für diese unterhaltsame Geschichte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.12.2021

Authentische und nachvollziehbare Beschreibung einer Kriegsberichterstatterin in den 1950ern

Ein neuer Horizont
0

In ihrem Roman „Ein neuer Horizont“ schreibt Maiken Nielsen über den turbulenten Alltag der Kriegsreporterin Nellie zu Beginn der 1950er Jahre. Während sie vor einigen Jahren einen sehr wichtigen Menschen ...

In ihrem Roman „Ein neuer Horizont“ schreibt Maiken Nielsen über den turbulenten Alltag der Kriegsreporterin Nellie zu Beginn der 1950er Jahre. Während sie vor einigen Jahren einen sehr wichtigen Menschen in ihrem Leben verloren hat, steht sie jetzt vor wesentlichen Entscheidungen in ihrem Leben, zwischen Karriere und Familiengründung.

Nellie ist mit ihrem Zwilling Laura auf einem Schiff groß geworden, ähnlich wie die Autorin selbst. Die Eltern leben mittlerweile getrennt. Ihr Vater ist ein amerikanischer Kapitän, ihre Mutter Hanna ist Deutsche, die nun im Ostteil Berlins wohnt. Die Zwillinge standen sich immer sehr nah. Sie entwickelten sogar eine eigene Sprache. Obwohl Nellies Eltern nach Lauras spurlosem Verschwinden von deren Tod überzeugt sind, hofft Nellie darauf, ihren Zwilling eines Tages wiederzusehen.

Im Jahr 1950 ist Nellie 26 Jahre alt und als Auslandskorrespondentin für die Chicago Post tätig. Bei ihrer Tätigkeit steht für sie im Vordergrund, der Öffentlichkeit die Wahrheit zu berichten. Als einzige Frau unter den Journalisten ist sie im Krieg zwischen Nord- und Südkorea vor Ort. Bewusst sucht sie das Abenteuer, das hat sie ihrer Schwester versprochen. Sie will über den Einsatz von Brandwaffen schreiben und bei der Zündung einer Atombombe dabei sein.
Maiken Nielsen zeigt, dass Nellie es bei ihren Reportagen in Kriegsgebieten nicht leicht hat. Sie kämpft nicht nur ebenso wie ihre Kollegen gegen widrige Bedingungen bei Unterkunft, Verpflegung und Transportmittel, sondern auch gegen die Konventionen der damaligen Zeit in Bezug auf Frauen als Kriegsberichterstatterinnen. Mit eisernem Willen widersetzt sie sich allen Hindernissen, die ihr in den Weg gelegt werden. Als Vorbild für ihre Protagonistin dient der Autorin die Journalistin Marguerite Higgins, die so wie Nellie in Korea im Einsatz war und sich gegenüber ihren männlichen Kollegen behaupten musste.
Anhand der Lebensumstände der Mutter von Nellie stellt Maiken Nielsen den in Berlin zunehmenden Konflikt zwischen dem Ost- und dem Westteil Deutschlands dar. Hanna wohnt im Ostteil der Stadt und arbeitet im Westen, was aber aufgrund der Verschärfung der Grenzregelungen zunehmend erschwert wird. Nellies große Liebe Jake hat eine schwierige Jugend erlebt, weil seine Familie denunziert wurde. Durch ihn zeigt die Autorin ein trauriges Stück deutscher Realität in den 1940ern. Jakes Aufenthalt in Berlin bringt ihn seiner Vergeltung ein Stück näher.

Die Autorin bindet unterschiedliche Konflikte ihrer Figuren in den Roman ein. Sie schafft es, durch eine geschickte Konstruktion der Handlung jedes Thema aus verschiedenen Sichten zu betrachten. Dadurch wird deutlich, dass jeder auf seine Art danach strebt, glücklich zu sein. Leider wird dabei viel zu oft das Schicksal anderer nicht bedacht, die durch das eigene Tun Leid erfahren.

Der Roman „Ein neuer Horizont“ von Maiken Nielsen beschreibt meiner Meinung nach, die Arbeit einer Kriegsberichterstatterin zu Beginn der 1950er Jahre authentisch und nachvollziehbar. Die Autorin bleibt nah an der Seite ihrer Protagonistin Nellie, wodurch ihre Schilderungen mich sehr berührt haben. Durch Nellies Umfeld greift sie weitere bewegende Themen der damaligen Zeit auf. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere