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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.08.2018

Bin etwas zwiespältig

Der Abgrund in dir
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Rachel Childs ist die Tochter einer bekannten und exzentrischen Schriftstellerin. Sie ist auf der Suche – zunächst auf der Suche nach ihrem Vater, den ihre Mutter ihr nie verraten hat, später auf der Suche ...

Rachel Childs ist die Tochter einer bekannten und exzentrischen Schriftstellerin. Sie ist auf der Suche – zunächst auf der Suche nach ihrem Vater, den ihre Mutter ihr nie verraten hat, später auf der Suche nach einem liebenden Lebenspartner. Doch der Leser erfährt schon im Prolog, dass sie ihren Ehemann tötet. Was nur ist hier geschehen?

Die Protagonistin ist eine junge Frau, die der Leser in verschiedenen Phasen ihres Lebens begleitet. Deshalb ist das Buch in drei Teile strukturiert, die zunächst mal nur lose miteinander verbunden sind. Zwischendrin fehlte mir ein bisschen die Spannung, die zog dann im letzten Teil ganz enorm an. Da empfand ich die Protagonisten als äußerst authentisch, hier konnte ich meinen Blick kaum noch aus dem Buch herausnehmen. Das lag auch an den Wendungen, die der Autor Dennis Lehane hier mehrfach eingebaut hat, so dass immer wieder alles neu überdacht werden musste.

Das Buch hat mich etwas zwiespältig hinterlassen, einerseits finde ich den letzten Teil zum Nägelbeißen spannend, andererseits hat mich gestört, dass die drei Teile so wenig miteinander verbunden werden. Dadurch versanden manche Handlungsstränge mit den darin vorkommenden handelnden Personen, so dass ich überlegte, ob hier drei Bücher in eines zusammengefasst wurden. Probleme hatte ich mit dem deutschen Titel, das Original hingegen empfinde ich als passend.

Leider konnte mich das Buch nicht auf Anhieb ganz überzeugen, dennoch hat mich der Autor auf seine Werke neugierig gemacht. Für diese Geschichte möchte ich vier von fünf Sternen vergeben. Meine Leseempfehlung verbinde ich mit der Aufforderung an den Leser, sich selbst eine Meinung zu diesem Buch zu bilden.

Veröffentlicht am 24.08.2018

Gut ausgefeilter Plot

Blutrausch - Er muss töten (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 9)
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Eine junge Frau wurde brutal ermordet. Kaum haben Hunter und Garcia mit den Ermittlungen begonnen, entsteht eine Zusammenarbeit mit dem FBI, denn diese ist dem Mörder schon seit zwei Jahren hinterher: ...

Eine junge Frau wurde brutal ermordet. Kaum haben Hunter und Garcia mit den Ermittlungen begonnen, entsteht eine Zusammenarbeit mit dem FBI, denn diese ist dem Mörder schon seit zwei Jahren hinterher: Der Mord in LA ist bereits der vierte dieser Art, drei weitere gab es bereits davor, über das ganze Land verteilt. Doch dieser Täter scheint kaum zu fassen zu sein, es gibt keine Hinweise auf seine Motive. Derweil gibt es noch einen weiteren Toten…

Robert Hunter mit seinem exzellenten Intellekt und in Zusammenarbeit mit seinem Partner Garcia kenne ich nun bereits seit acht Bänden. Die Fälle dieses Ermittlerduos sind in der Regel äußerst blutig. Das trifft auch für diesen Fall zu, hier gibt es nichts schönzureden. Faszinierend allerdings ist es immer wieder, auf welche abstrusen Ideen der Autor Chris Carter kommt, um seine Protagonisten mit den Überlegungen dazu glänzen zu lassen. Und so ist es auch hier ein Motiv, auf das ich im Leben nie gekommen wäre, trotz all der vielen Thriller, die ich bisher gelesen habe. Wieder einmal zeigt sich, dass Chris Carter Garant für absolute Spannung und fundierte tiefenpsychologische Hintergründe ist.

Das Buch ist zwar Teil einer Reihe, doch der Fall ist in sich abgeschlossen, so dass die Geschichte auch für sich allein gelesen werden kann. Dennoch lohnt es sich, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, nur dann erkennt man, wie der Autor seinen Protagonisten durch die Geschichten führt und welche Geschichte hinter ihm selbst steckt.

Dieser Band endet allerdings mit einem Cliffhanger, der bereits viel Spannung und ausgefeilte Ermittlungsarbeit erwarten lässt für den nächsten Band. Für alle Thrillerfans unbedingt empfehlenswert!

Veröffentlicht am 24.08.2018

Subtile Gefahr zwischen den Zeilen

Der Kreidemann
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Als Eddie zwölf Jahre alt ist, tritt zum ersten Mal der Tod in sein Leben: Eine junge Frau wird tot im Wald aufgefunden, zerstückelt, allerdings bleibt ihr Kopf unauffindbar. Eddie hatte sie einige Zeit ...

Als Eddie zwölf Jahre alt ist, tritt zum ersten Mal der Tod in sein Leben: Eine junge Frau wird tot im Wald aufgefunden, zerstückelt, allerdings bleibt ihr Kopf unauffindbar. Eddie hatte sie einige Zeit vorher schon kennengelernt, auf dem Jahrmarkt, als sie plötzlich verletzt wurde, woraufhin ein Lehrer ihr mit Eddies Hilfe das Leben rettete. Dieser Lehrer gab Eddie auch die Idee, mit Kreide geheime Zeichen aufzumalen, und das haben er und seine Freunde gerne übernommen. Doch der Sommer 1986 hält noch weitere, weniger gute Erinnerungen parat…30 Jahre später tauchen die Kreidezeichnungen wieder auf, plötzlich erhalten er und seine Freunde aus der damaligen Clique einen Brief mit einem Kreidemännchen darin. Eddie ahnt, dass da mehr dahintersteckt. Er beginnt sich zu erinnern und nachzuforschen, was damals wirklich geschah.

Die Geschichte rollt sich abwechselnd in zwei Zeitebenen auf, in den Geschehnissen von 1986, als Eddie und seine Freunde mit den Kreidezeichnungen begannen, und denen von 2016, als der Kreidemann zurückzukommen scheint. Die Erinnerungen, die ihn überkommen, sind teilweise sehr heftig, manche davon hätte er sicher nicht nochmal auftauchen lassen wollen. Die Verflechtung der beiden Zeitebenen ist ein sicheres Stilmittel, um den Spannungsbogen weiter anzuziehen, der Leser erhält Bruchstücke, die wichtig sind, um das Geheimnis um Elisas Tod zu lüften. Sehr authentisch erzählt die Autorin die Geschehnisse aus der Sicht des zwölfjährigen Jungen Eddie wie auch aus der des zweiundvierzigjährigen Lehrers. Die Auflösung kam für mich völlig überraschend, die Autorin C.J. Tudor hat einige verblüffende Wendungen eingebaut, die im Nachhinein den Geschehnissen eine ganz andere Konnotation ergeben.

Mich hat das Buch sehr schnell in seinen Bann gezogen, die subtile Gefahr zwischen den Zeilen ließ mich nicht los. Für mich hat die Geschichte alles, was ein guter Thriller braucht, deshalb vergebe ich sehr gerne alle fünf möglichen Sterne und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 23.08.2018

Urlaubslektüre

Tausche Kanu gegen Surfboard
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Mara freut sich auf den Urlaub mit ihrer Mutter, doch dann kommt alles ganz anders: Ihre Mutter muss überraschend auf eine Fortbildung, Mara wird auf eine Jugendfreizeit angemeldet. Doch so kurzfristig ...

Mara freut sich auf den Urlaub mit ihrer Mutter, doch dann kommt alles ganz anders: Ihre Mutter muss überraschend auf eine Fortbildung, Mara wird auf eine Jugendfreizeit angemeldet. Doch so kurzfristig ist alles schon ausgebucht, was sie sich gut vorstellen kann, und so landet sie bei einer Kanufreizeit. Und so bricht sie auf in ein Frischluft-Abenteuer, mit gemischten Gefühlen und keinerlei Erfahrung im Kanufahren.

Ganz viele Themen vereint dieser Roman, der Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren anspricht: Outdoor-Erlebnisse, Freundschaft, erste Liebesbande, Teamfähigkeit, Zickenkrieg und Mut in die eigenen Fähigkeiten. In flüssigem Schreibstil erlebt der Leserin mit, wie Mara sich notgedrungen auf diese Freizeit einlassen muss, sich dann aber gut darauf einlassen kann und tatsächlich schöne Tage dort erlebt. Dass sich Mara so schnell in diese Planänderung hineinfindet, kommt mir zwar nicht ganz realistisch vor, und auch sonst habe ich immer wieder den pädagogischen Zeigefinger erahnen können. Dennoch denke ich, dass es Mädchen ab 10 Jahren gut anspricht und diese sich auch schnell mit der Protagonistin identifizieren können.

Eine spannende Urlaubslektüre für Mädchen, das ich trotz kleiner Mängel gerne weiter empfehle.

Veröffentlicht am 23.08.2018

Warmherzige Major-Tom-Version

Miss Gladys und ihr Astronaut
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Thomas Major ist auf dem Flug ins All, er soll eine Siedlung auf dem Mars vorbereiten. Eigentlich hätte jemand anderes fliegen sollen, doch der hatte im entscheidenden Moment einen Herzinfarkt – und nun ...

Thomas Major ist auf dem Flug ins All, er soll eine Siedlung auf dem Mars vorbereiten. Eigentlich hätte jemand anderes fliegen sollen, doch der hatte im entscheidenden Moment einen Herzinfarkt – und nun sitzt Thomas in der Rakete und hat abgeschlossen mit der Menschheit. Währenddessen kämpft Ellie Ormerod dafür, dass sie mit ihrem Bruder James und ihrer Oma Gladys im Haus wohnen bleiben kann, doch ihnen droht die Räumungsklage und die Einweisung ins Heim. Was auch immer sie sich einfallen lassen, es scheint nicht zu gelingen, so sehr sie sich auch anstrengen. Doch zufällig meldet sich Thomas Major bei ihnen – ob er ihnen aus dem All heraus helfen kann?

Mit dieser warmherzigen Variante des Songs „Space Oddity“ von David Bowie ist dem Autor David M. Barnett eine Geschichte gelungen, die mich sehr bewegt hat. Schon allein die Namenswahl lässt sofort an Major Tom denken, der im All verloren geht, und der Autor lässt den Leser erahnen, dass auch Thomas Major auf einem solchen Himmelfahrtskommando ist. Aber Major Toms Geschichte wird mit dem Schicksal der Ormerods verbunden, die durch tragische Verwicklungen ihr Heim und ihre Familie zu verlieren drohen. Das ist dann mal lustig, mal chaotisch, mal traurig, mal ernsthaft, immer aber schimmert ein bisschen Nachdenken hindurch, was Freundschaft, was Menschlichkeit ausmacht. Mit viel Feingefühl wird der Autor auch sozialkritisch, gerade am Beispiel der Familie Ormerod, die durch mehrere Verkettungen unglücklicher Umstände in eine existentielle Notlage geraten ist. Die Protagonisten dieses Buches sind sehr authentisch geschildert, man fiebert sehr gerne mit ihnen mit und wünscht sich so sehr eine gute Lösung für sie…

Seltsamerweise hatte mich die Leseprobe nicht angesprochen, schade eigentlich. Denn das Buch selbst, die Idee und die Umsetzung, haben mich letztendlich umgehauen. Ich kann das Buch aus vollem Herzen weiter empfehlen und vergebe überzeugte 5 Sterne.