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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.08.2018

Der geheime Backklub und sein magisches Kochbuch

Scarlett (Scarlett 1)
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Scarletts Mutter ist überzeugte Bloggerin – dumm nur, dass sie damit auch die peinlichsten Momente im Leben ihrer Tochter verrät… Scarlett zieht sich mehr und mehr von ihren Freunden zurück. Als sie nachts ...

Scarletts Mutter ist überzeugte Bloggerin – dumm nur, dass sie damit auch die peinlichsten Momente im Leben ihrer Tochter verrät… Scarlett zieht sich mehr und mehr von ihren Freunden zurück. Als sie nachts die Katze ihrer Nachbarin füttert, die überraschend ins Krankenhaus kam, entdeckt sie in deren Haus nicht nur eine wunderschöne und gut ausgestattete Küche, sondern auch ein handgeschriebenes Kochbuch „Für meine kleine Köchin“. Sie beginnt ein Rezept nachzubacken, und bald gründet sie mit Mitschülerin Violet den geheimen Backklub. Unversehens ziehen Veränderungen in ihr Leben ein, aber auch in das ihrer Familie und in ihrem Freundeskreis. Ob sie vor lauter Kochen und Backen tatsächlich die geheime Zutat finden, die das Kochbuch für die „kleine Köchin“ verspricht?

Scarlett ist – nein, wäre gern eine Jugendliche wie jede andere an ihrer Schule. Das war sie auch bis vor kurzem, doch nun hat sich ihr Verhältnis zu ihrer Mutter total verschlechtert, und in die Schule mag sie auch nicht mehr gehen, denn durch den Blog ihrer Mutter kennt jeder ihrer Mitschüler auch ihre peinlichsten Geheimnisse. Doch wie in einem modernen Märchen scheint sich ein Ausweg anzubahnen – durch dieses kleine Kochbuch, das noch eine geheime Zutat erwähnt. Und während sich Scarlett verändert, tut dies auch ihre Umwelt, und es zeigen sich Lösungen an, die vorher noch gar nicht möglich schienen.

Das Buch ist eine wunderschöne Geschichte über die Selbstfindung eines Teenagers, sehr berührend und gleichzeitig auch nachdenklich in vielen Fragen des Umgangs miteinander. Wenn es darum geht, wie man mit anderen Familienmitgliedern umgeht, wieviel Respekt man sich gegenseitig schenkt, zeigt dieses Buch scheinbar en passant, wie es für alle Beteiligten am besten ist. Viele kleine Details machen dieses Buch zu einer ganz besonderen Geschichte, man glaubt fast den Duft der Backwaren zu riechen, fiebert mit den Protagonisten mit… Die kurzen Kapitel sind sehr lesefreundlich, der Schreibstil flüssig, ein guter Weg, um schnell und gut in die Erzählung zu finden.

Dieses Buch erhält deshalb eine eindeutige Leseempfehlung von mir, nicht nur für Kinder ab 10 Jahren, sondern als modernes Märchen zum Träumen auch für alle Junggebliebenen.

Veröffentlicht am 22.08.2018

Großartiger historischer Roman

Die Charité: Hoffnung und Schicksal
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Im Jahr 1831 bricht in Berlin die Cholera aus. In der Charité versuchen die Ärzte, die Krankheit in den Griff zu kriegen. Wie so viele andere Krankheiten überhaupt. Während die Hebamme Martha im Totenhaus ...

Im Jahr 1831 bricht in Berlin die Cholera aus. In der Charité versuchen die Ärzte, die Krankheit in den Griff zu kriegen. Wie so viele andere Krankheiten überhaupt. Während die Hebamme Martha im Totenhaus des Krankenhauses arbeitet, um ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu gönnen, arbeitet die Pflegerin Elisabeth auf den Stationen und erweist sich als große Hilfe für die Ärzte und Patienten. Gräfin Ludovica von Bredow engagiert sich für die Zukunft des Krankenhauses und findet Trost in den Gesprächen mit Professor Dieffenbach, der nicht nur Arzt an der Charité ist, sondern auch der Hausarzt der adeligen Familie.

Am Beispiel dieser teils erfundenen, teils historisch belegten Personen der Berliner Charité lässt die Autorin Ulrike Schweikert ein farbenfrohes Bild des Krankenhausbetriebs im 19. Jahrhundert entstehen. Man merkt sehr schnell, dass sie akribisch recherchiert hat für diesen Roman. So ist es ihr auch gut gelungen, die jeweiligen Personen in das Geschehen zu integrieren und den geschichtlichen Hintergrund mit viel Leben zu füllen. Ihre Protagonisten wachsen dem Leser schnell ans Herz, sie wirken sehr authentisch, so dass man gut mitfiebern kann mit den Geschehnissen dieser Geschichte. Aber auch der geschichtliche Hintergrund ist sehr gut eingefangen, man kann sich sehr schnell zurechtfinden in diesem Berlin des 19. Jahrhunderts. Ergänzt wird die Erzählung durch Kartenmaterial über die Lage des Krankenhauses. Der Schreibstil ist flüssig, so dass die knapp 500 Seiten des Buches nur so dahinfliegen.

Mit diesem Buch ist der Autorin erneut ein großartiger historischer Roman gelungen, den ich sehr gerne weiter empfehle. Von mir gibt es die volle Sternenzahl.

Veröffentlicht am 21.08.2018

Wünsche und Sehnsüchte und die Realität

Kampfsterne
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In einer Siedlung am Rande der Stadt, in den Achtzigerjahren in Deutschland. Hier wird das bürgerliche Leben gelebt, mit Ballett- und Musikunterricht bis hin zum Intelligenztest für die Kinder. Drei Paare ...

In einer Siedlung am Rande der Stadt, in den Achtzigerjahren in Deutschland. Hier wird das bürgerliche Leben gelebt, mit Ballett- und Musikunterricht bis hin zum Intelligenztest für die Kinder. Drei Paare wohnen hier mit ihren Kindern, ihr Leben ist miteinander verflochten. Wie geht es dabei den Eltern, wie geht es den Kindern? Welche Sorgen, welche Ängste, welche Freuden hegen sie?

In dieser Siedlung, die den Traum all der Paare darstellt, mit allem jetzigem Komfort und Wünschen an die Zukunft, suchen die Erwachsenen und die Kinder nach ihrem Glück. Es sollte doch so einfach sein, dies zu realisieren! Trotzdem fühlen sich alle unfrei, suchen nach einer anderen Möglichkeit, ihr Leben zu gestalten. Und inmitten all der Wünsche spürt der Leser all die Sehnsüchte, die sich nicht erfüllen wollten, das Unglück, das sich in dieses heimlich gewollte Glück hineinstiehlt. Die Verlogenheit der Eltern der Kinder gegenüber, die Verlogenheit nach außen gegenüber den anderen. Einfach zu lesen ist das nicht, denn je mehr der Leser in die Tiefe der Geschichte einsteigt, umso tiefer wird auch das Gefühl der Enttäuschung, das sich in dieser Siedlung breitmacht. Jeder der Familienmitglieder bringt abwechselnd seine eigene Sicht der Dinge ein, sowohl die Eltern als auch die Kinder. So entsteht ein Puzzle, aus dem sich der Leser eine ganz übergeordnete Sicht der Dinge anlesen kann. Manches davon ist etwas überspitzt und erzeugt so eine ganz eigene, düstere Atmosphäre über die Heile-Welt-Anschauung der Achtzigerjahre.

Dieses Buch erzeugt zunächst mal ein Nachdenken, man fragt sich: Ja, und jetzt? Spätestens dann laufen die eigenen Gedanken los, man ahnt, dass vieles davon so hätte sein können. Hat nicht jeder eine Leiche im Keller? Diese Familien haben sie allemal, trotz aller Ideale, mit denen sie mal neu gestartet sind in dieser ach so vorbildlichen Siedlung. Und nun kann jeder selbst überlegen, in welche Richtung die eigenen Gedanken spinnen dürfen… Dafür spreche ich gerne eine Leseempfehlung aus und vergebe vier von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 21.08.2018

Fantastische Geschichte voller Magie

The Crown's Game
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Vika und Nikolai sind Magier, doch nur einer kann zum Magier des Zaren ernannt werden, der andere muss sterben. So bestimmt es das uralte Spiel der Krone. Nun wurde es ausgerufen, und Vika und Nikolai ...

Vika und Nikolai sind Magier, doch nur einer kann zum Magier des Zaren ernannt werden, der andere muss sterben. So bestimmt es das uralte Spiel der Krone. Nun wurde es ausgerufen, und Vika und Nikolai wollen beide gewinnen. Ein Spiel mit Magie beginnt, das für einen der Kontrahenten Ruhm und Ehre, dem anderen den Tod bringen wird…

Mit viel Fantasie lässt die Autorin Evelyn Skye eine Welt entstehen im Russland des 19. Jahrhunderts, das wort- und bildreich die Magie heraufbeschwört. Wie auch der Leser selbst in die Geschichte eintaucht, fasziniert von dem Kopfkino, das die Autorin erweckt. Es sind vor allem die einzigartigen Ideen, mit der die Autorin die Magie der beiden Kontrahenten beschreibt, die mir beim Lesen schier den Atem geraubt haben. So scheinen sich auch die Seiten des Buches fast von selbst weiterzublättern, man will wissen, ob es vielleicht doch noch einen Ausweg gibt, denn beide Spieler sind sympathisch von Anfang an. Der Spannungsbogen ist dadurch von Anfang an straff gespannt und hält die Spannung bis zum furiosen Finale. Die Liebesgeschichte im Dreieck hätte vielleicht nicht unbedingt sein müssen, doch auch sie bringt nach einer überraschenden Wendung zusätzlich Spannung in die Erzählung.

Dieses Buch hat mich so schnell und effektiv in eine ganz eigene magische Welt entführt, dass ich es unbedingt weiterempfehle und alle fünf möglichen Sterne vergebe.

Veröffentlicht am 20.08.2018

Düster-zauberhafte Märchenwelt

Hazel Wood
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Alice lebt mit ihrer Mutter Ella zusammen, wobei sie in regelmäßigen Abständen ihren Aufenthaltsort verändern. Immer dann, wenn Unheil in ihre Welt einzubrechen droht, ziehen sie weiter. Es muss wohl mit ...

Alice lebt mit ihrer Mutter Ella zusammen, wobei sie in regelmäßigen Abständen ihren Aufenthaltsort verändern. Immer dann, wenn Unheil in ihre Welt einzubrechen droht, ziehen sie weiter. Es muss wohl mit ihrer Großmutter Althea Proserpine zusammenhängen. Althea wohnt in Hazel Wood und ist Schriftstellerin, sie hat allerdings nur ein einziges Buch geschrieben, ein erfolgreiches Märchenbuch, das vergriffen ist. Kurz nachdem Ella die Nachricht erhält, dass Althea gestorben ist, verschwindet Ella selbst. Alice macht sich verzweifelt auf die Suche nach ihr – und dafür muss sie nach Hazel Wood, auch wenn dieser Ort nirgendwo verzeichnet ist. Und bald wird ihr klar, dass alles noch viel komplizierter ist als gedacht…

Ist dieses Buch ein Traum, ein Albtraum, ein Märchen? Was auch immer, es ist einfach überwältigend. Wie die Welten hier ineinander verschwimmen, wie immer weitere Verwicklungen auftauchen und alles immer wieder in ein neues Licht tauchen – das ist zauberhaft und spannend geschrieben. Düster ist ihre Märchenwelt, es kostet ihre Protagonistin viel Kraft, dorthin zu gelangen. Und während Alice sich dorthin kämpft, nimmt der Leser an einem ganz besonderen Tauchbad in diese Märchenwelt teil, erkundet mit der Protagonistin die Regeln dieser Welt. Düster, manchmal unnahbar ist auch die Protagonistin selbst; das macht es manchmal schwer, sich mit ihr zu „verbünden“. Durch die Auflösung wird allerdings vieles nochmal in ein ganz anderes Licht getaucht, es lohnt sich allemal, auch Durststrecken beim Lesen zu überbrücken.

Auffallend ist das Cover des Buches, wunderschön gehalten, und selbst ohne Schutzumschlag bleibt das Buch eine Augenweide. Ein gelungener Eye-Catcher, der in jeder Buchhandlung auffallen wird.

Die Geschichte hat mich sehr schnell in ihren ganz eigenen Sog hineingezogen, und ich verdanke ihr einige spannende Lesestunden. Deshalb kann ich das Buch nur weiter empfehlen und vergebe alle fünf möglichen Sterne.