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Veröffentlicht am 05.10.2025

Vorweihnachtlicher Ostseecharme!

Seesterntage
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Wir befinden uns in Flensburg in der Vorweihnachtszeit. Die äußerst unterschiedlichen Zwillingsschwestern Lara und Linn sind gemeinsam Besitzerinnen von einem sehr romantischen Vintage-Möbelladen, dem ...

Wir befinden uns in Flensburg in der Vorweihnachtszeit. Die äußerst unterschiedlichen Zwillingsschwestern Lara und Linn sind gemeinsam Besitzerinnen von einem sehr romantischen Vintage-Möbelladen, dem "Hygge up" und während Lara für sie ganz überraschend, denn schließlich ist sie gelernte Krankenschwester, in dem Laden aufgeht und ihr ganzes Herzblut hineinsteckt, sieht ihre Schwester Linn es eher mal entspannt und nimmt sich ohne Vorwarnung mal eine Auszeit auf unbestimmte Zeit genau bevor das Weihnachtsgeschäft boomt. Es ist nicht schwer zu erraten, bei welcher Schwester die Sympathien beim Leser liegen.

Zu allem Überfluss hat sich Linn auch spontan entschlossen, sich einen zuckersüßen kleinen Pudelwelpen namens Snorre zuzulegen, ja spontan kann sie, und den lässt sie ihrer Schwester Lara auch noch da. Falls einem das Vorweihnachtsgeschäft nicht an die Grenzen bringt, dann vielleicht die Erziehung eines Hundewelpen während dieser Zeit, besonders wenn man so gar keine Ahnung von Hunden hat. Doch Lara stellt sich auch dieser Herausforderung, während Linn sich im Süden Europas amüsiert.

Die schokoladenverzierte Lebkuchenspitze der Kirsche auf der Sahnetorte ist jedoch der Nachbar, der in das leergewordene Geschäft nebenan einzieht und ein Tattoo-Studio eröffnet. Als wäre das nicht genug, ist es auch noch ein alter Bekannter der Schwestern, Hendrik, ein sehr tätowierter und außerordentlich gut aussehender junger Mann, der ein Ex von Linn ist und laut Linn kein gutes Haar an Lara gelassen hat. Lara ist fest entschlossen das Tattoo-Studio samt attraktiven Besitzer absolut abzulehnen und richtig blöd zu finden. Jedoch fängt ihr Herz bei jeder Begegnung ziemlich an zu stolpern und Snorre findet ihn auch ganz toll. Wie es sich in einer norddeutschen Adventszeit gehört, kommt man sich bei dem einen oder anderen Fischbrötchen und Glühwein doch mal näher und es entwickeln sich Dinge, die Lara nie erwartet hätte.

Doch dann kommt ihre Schwester ganz überraschend wieder zurück und die Dinge nehmen ihren Lauf.....

Svenja Lassen hat es geschafft, den Leser mit hinein in ein wunderschön angelegtes norddeutsch angelegtes vorweihnachtliches Setting mit hinein zu nehmen und bei aller Leichtigkeit, mit der sich die Geschichte liest, doch Tiefgang zu schildern. Die Protagonisten sind wunderbar bildhaft beschrieben, es tauchen viele Personen auf, die schon in den zwei Bänden zuvor die Hauptpersonen spielten und doch kann diese Geschichte auch alleine gelesen werden. Auch Hundefans kommen mit dem süßen Snorre auf ihre Kosten. Dann mal ab nach Flensburg.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Du bist lieb. Du bist gescheit. Du bist wichtig.

Gute Geister
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Wie befinden uns in Jackson, Mississippi im Jahr 1962 und werden mit hineingenommen in die Atmosphäre und die Stimmung, die dieses Land zu dieser Zeit geprägt hat. Da ist zum einen die junge Skeeter, eine ...

Wie befinden uns in Jackson, Mississippi im Jahr 1962 und werden mit hineingenommen in die Atmosphäre und die Stimmung, die dieses Land zu dieser Zeit geprägt hat. Da ist zum einen die junge Skeeter, eine schlacksige junge Frau, die sich nicht so ganz dem herrschenden Zeitgeist der damaligen Zeit unterordnen möchte, der besagt, dass junge Frauen doch nach dem College möglichst schnell heiraten und Kinder bekommen sollen. Skeeter träumt davon zu schreiben, sie möchte Autorin werden und nachdem sie unter Mühen ein Volontariat bei einer regionalen Zeitung ergattert hat und einen Buchvertrag mit einem Verlag in New York in Aussicht hat, beginnt sie heimlich eine Geschichte zu schreiben, die das Potential hat in der damaligen Zeit für ziemlich viel Unruhe zu sorgen.

Doch diese Geschichte kann Skeeter nicht alleine schreiben, es ist nämlich kein erfundener Roman, sondern eine teils bittere und traurige und auf der anderen Seite humorvolle Geschichte. Die wirklichen Autoren dieser Geschichte sind Aibileen und Minny und viele andere Frauen. Ihnen ist es nicht erlaubt ihre Geschichten zu veröffentlichen, denn das würde sie in wirkliche Lebensgefahr bringen, sie und ihre Familien, denn Aibileen und Minny sind farbige Frauen, die als Dienstmädchen für weiße Familien arbeiten, den Haushalt machen, jeden Tag kochen und putzen und ihre Kinder hüten. Jedes weiße Kind des gehobenen Mittelstandes ist zu dieser Zeit mit einer farbigen Nanny aufgewachsen. Die weißen Familien vertrauen den fleißigen farbigen Frauen ihre Kinder an, lassen sie von ihnen herzen und liebkosen, verbieten ihnen jedoch die gleiche Toilette wie sie selbst zu benutzen, das könnte ja gesundheitsschädlich sein. Das ist eine Episode von vielen, die einen mehr als den Kopf schütteln lässt während des Lesens.

Es entsteht zwischen diesen so unterschiedlichen Frauen erstmal eine Zweckgemeinschaft, Skeeter möchte eine wahre Geschichte über die Dienstmädchen schreiben, die in fast jedem Haus im Süden der USA arbeiten, sie sehnt sich nach ihrer alten Nanny Constantine, die einfach verschwunden ist und von deren Verbleib ihre Mutter nichts sagen möchte. Sie lernt das private Leben von Aibileen und Minny kennen und sie erkennt, dass es in ihrem Land zwei verschiedene Welten gibt, etwas mit dem sie aufgewachsen ist, dass sie jedoch mehr und mehr nicht mehr gutheißen kann. Aibileen hat ihr ganzes Leben die Kinder weißer Leute aufgezogen und denkt noch oft mit inneren Schmerzen und Traurigkeit an ihren Son Treelore und das Versprechen, dass sie ihm gegeben hat. Sie wird nicht müde den Kindern drei wichtige Sätze für ihr Leben mitzugeben, du bist lieb, du bist gescheit, du bist wichtig und vielleicht sagt sie es auch zu sich selbst. Minny hingegen gleicht einem rollenden Vulkan mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und einer sehr großen Mundwerk, welches bei den weißen Damen, für die sie arbeitet nicht wirklich gut ankommt und so sieht sich Minny immer wieder herausgefordert eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Auf dieser Suche begegnet sie Miss Celia, einer sehr jungen und blonden Lady, die irgendwie auch das Herz auf dem rechten Fleck hat, doch wird der Leser und die männlichen und weiblichen Protagonisten doch sehr von ihrem offenherzigen Anblick abgelenkt. Zwischen diesen beiden so verschiedenen Frauen, die nicht nur in der Hautfarbe begründet sind, entwickelt sich eine wirklich herzliche Beziehung, wie sie sich halt entwickelt, wenn ein Vulkan auf Naivität trifft und wenn eine Frau der anderen versucht das Kochen beizubringen. Somit nimmt die Geschichte ihren Lauf und das Buch wird veröffentlicht. Skeeter freut sich, Aibileen, Minny und die anderen Frauen sind in Angst, denn sie wissen, was auf sie zukommen könnte, doch Minny hat eine listige Rückversicherung in ihre Geschichte mit eingebaut und nun darf der Leser mehr als gespannt sein, wie es weitergeht....

Ich habe diese Geschichte geliebt zu lesen. Kathryn Stockett nimmt den Leser in verschiedenen Erzählperspektiven mit hinein in diese für farbige Menschen so gefährliche Zeit der Rassentrennung in der USA und wir erleben welche Revolution diese Geschichte verursacht hat. Mit teilweise lachendem, ich kann keine Schokolandentarte mehr anschauen ohne an Minny zu denken, und einem weinenden Auge, wenn diese vielen fürchterlichen Ungerechtigkeiten dieser Zeit erzählt werden. Auch für weiße Menschen, die nicht dem damaligen Narrativ entsprachen, war diese Zeit nicht einfach. Die persönliche Entwicklung der Protagonistinnen und auch die Flair dieser 60er Jahre sind einfach wunderbar beschrieben und ich bin auch von der Verfilmung sehr begeistert.

Absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Du stirbst nicht

Du stirbst nicht
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"Du stirbst nicht", damit beginnt und endet das Buch und dazwischen liegen viele Seiten eines Zurückkämpfen in das Leben und die Wiederherstellung der Würde. Die Protagonistin Helene Wesenthal, erfolgreiche ...

"Du stirbst nicht", damit beginnt und endet das Buch und dazwischen liegen viele Seiten eines Zurückkämpfen in das Leben und die Wiederherstellung der Würde. Die Protagonistin Helene Wesenthal, erfolgreiche Autorin, erleidet einen Hirnschlag und landet auf der Intensivstation. Der Leser erlebt vom ersten Wimpernschlag an, wie es sich anfühlt kein selbstständiges Leben und keine Erinnerung mehr zu haben, wird mit hineingenommen in das oftmals kalte und seelenlose Klinikleben und das Gefühl hilflos ausgesetzt zu sein, sich nicht artikulieren zu können und nicht zu wissen, wer man wirklich ist und welches Leben man denn davor hatte.

In teils verstörender Art nimmt uns Kathrin Schmidt mit hinein in eine autobiografisch anmutende Geschichte einer Frau, die davon lebte Worte zu Gedichten und Geschichten zu formen und die nun nicht in der Lage ist einen vernünftigen Satz zu bilden. Helene ist mit Mattes verheiratet, doch die Ehe scheint nicht glücklich zu sein, es kommen immer mehr Erinnerungen an eine Affäre mit einer anderen Person ans Licht, die Beziehung zu ihren Kindern wird auch eher nüchtern geschildert und was interessant und nachdenklich stimmend begann entwickelte sich vermehrt zu einer sich hinziehenden und mehr und mehr verstörenden Geschichte mit einer zunehmend unsympathischeren Protagonistin.

Ein Roman, der mir zeigt, wie wichtig und gut es ist ein wahrhaftiges Leben zu führen, gute und weise Entscheidungen zu treffen, denn wir wissen nicht was geschehen kann und wie sich dann ein Leben gestaltet. Leider war diese Geschichte weder hoffnungsvoll noch in irgendeiner Art tröstend, ich fand sie einfach verstörend.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Wilder Honig

Wilder Honig
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Wir befinden uns in Wales, mitten im Nirgendwo. Hannah und Sadie sind Schwestern, die auf einem Obsthof aufgewachsen sind und sich im Laufe der Zeit und des Lebens auseinander gelebt haben. Nach dem Tod ...

Wir befinden uns in Wales, mitten im Nirgendwo. Hannah und Sadie sind Schwestern, die auf einem Obsthof aufgewachsen sind und sich im Laufe der Zeit und des Lebens auseinander gelebt haben. Nach dem Tod von Hannahs Mann John kehrt Sadie auf den elterlichen Hof zurück um ihrer Schwester auf der einen Seite beizustehen und auf der anderen Seite für sich selbst Ruhe und Frieden zu finden nach einer großen Erschütterung.

John war Hannahs große Liebe und er hatte ein großes Geheimnis, dass er bis zum Ende seines Lebens für sich behielt. Dieses Geheimnis lüftet sich, nachdem die junge Megan auf dem Hof erscheint, auch sie steht an einem Wendepunkt ihres Lebens.

Der wunderschön und stimmungsvoll beschriebene Obstgarten, voll mit alten Apfelbäumen wird nicht nur für Hannah ein Zufluchtsort, er hilft ihr auch einen Neuanfang in all der Trauer und Enttäuschung zu finden. Gemeinsam mit Sadie und Megan beginnen die drei Frauen, kräftig unterstützt von Jack, einem jungen Mann, der auch auf seine Art und Weise den Weg seines Lebens sucht, den alten Apfelgarten wieder zum Leben zu erwecken.

Dazu kommen noch elf Briefe, die John Hannah hinterlassen hat und in denen er mit teilweise poetischen Worten ihr seine Liebe beschreibt. Johns Leidenschaft waren die Bienen, die in mehreren Bienenstöcken im Apfelgarten wohnen und anhand der feinen Beschreibungen des Lebens der Bienen öffnet sich nicht nur für Hannah, sondern auch für den Leser eine ganz neue Welt und wir dürfen an den zaghaften Versuchen der drei Frauen wieder ins Leben zurückzufinden teilhaben.

Caryl Lewis ist ein sehr stimmungsvoller und melancholischer Roman gelungen über Tod, Trauer, Verzeihen und Neuanfang gelungen, den ich besonders in den wunderschönen Naturbeschreibungen genossen habe. Eine Geschichte, die das stetige und langsame Wachsen und Gedeihen in der Natur beschreibt, vor allem die Beschreibungen zu den Bienen hat mir sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Angelsächsische Geschichte, episch und spannend!

Rabenthron
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Wir befinden uns in England im Herbst 1013. Das Land wird von dänischen Wikingern attackiert und leidet schwer darunter, auch weil sein schwacher König Ethelred den Nordmännern nichts dagegen zu setzen ...

Wir befinden uns in England im Herbst 1013. Das Land wird von dänischen Wikingern attackiert und leidet schwer darunter, auch weil sein schwacher König Ethelred den Nordmännern nichts dagegen zu setzen hat und sich als beratungsresistent erweist. Seine von ihm ungeliebt Gemahlin Emma, die nur dazu da ist ihm genügend Kinder zu gebären, weiß davon ein trauriges Lied zu singen und sie hofft und betet, dass sich doch eine Lösung ergibt. Da sie ihrem Gatten nur aufrichte Verachtung entgegenbringen kann, versteckt natürlich, ist es ihr auch nicht möglich ihren Söhnen Edward und Alfred, sowie ihrer Tochter Godgifu herzliche Mutterliebe entgegenzubringen.

Auf Gut Helmsby weitab vom Hof des Königs lebt Aelfric mit seinem Sohn Penda. Seinem Vater gehörte das Gut, doch nach seinem Tod ist es im Besitz seines Onkels und seines Neffen, die mit harter und erbarmungsloser Hand das Gut führen und ebenso mit dem gefangenen Dänen umgehen, den sie bei einem der unzähligen Wikingerüberfälle gefangen nehmen konnten. Aelfric hat einen sehr starken Gerechtigkeitssinn und flieht mit seinem Sohn und dem dänischen Gefangenen Hakon um ihn an Ethelreds Hof abzugeben. Auf dem Weg begegnen sie dem eigenwilligen Mönch Eilmer und zwischen den Männern, besonders zwischen Aelfric und Hakon, die eigentlich Feinde sind und bleiben wollen, entwickelt sich eine lebenslange Freundschaft, die auch bestehen bleibt, nachdem sie getrennt und auf verschiedenen Seiten stehen.

Die drei Gefährten werden in den engsten Beraterkreis von Königin Emma aufgenommen, die mit ihren Kindern in ihre Heimat Normandie fliehen muss und die kluge und machtbewusste Königin weiß ihren Einfluss geschickt einzusetzen. Nach Ethelreds Tod und dem Tod des dänischen Königs Sven steht sein Sohn Knud vor den Toren Englands und begehrt nicht nur das Land, sondern auch die noch junge und schöne Königin Emma. Sie wird Knuds zweite Gemahlin und gebiert ihm noch einige Kinder, doch seine erste Frau Aelfgifu ist nicht bereit ihre Macht aufzugeben, und so entbrennt über viele Jahre ein Streit über den möglichen Thronfolger, an dem sich auch einige intrigante Adlige mit großem Eifer und Lust beteiligen und der Leser wird in eine Welt der Intrigen und des Verrats am königlichen Hof mit hineingenommen....

Rebecca Gable ist mal wieder ein unglaublich genialer historischer Roman gelungen, der es von der ersten Seite an versteht, den Leser in den Bann zu ziehen und hinein in diese Zeit zu tauchen. Dabei versteht sie es auch reale Geschichte mit Fiktion so gut zu verbinden, dass es auf keiner Seite langweilig wird. Ihre Charaktere sind so klar und bildhaft geschildert, sie entwickeln sich über die Zeit und es sind sowohl die Guten, wie Aelfric, seine Familie und seine Freunde wie auch die Bösen, wie Offa und Godwin, die den Leser einfach mitfiebern lassen. Sehr spannend fand ich auch die Schilderung von Königin Emma, von der ich vorher noch nichts gelesen habe und auch die Entwicklung von Edward ihrem Sohn, von dem wir in den Büchern "Das zweite Königreich" und "Hiobs Brüder" lesen können, die ich schon vor einigen Jahren genießen durfte. Ein genialer historischer Roman, der dem Leser auch noch wirkliche Werte vermittelt. Ich habe das Buch genossen und konnte es nicht zur Seite legen.

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