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Veröffentlicht am 03.05.2020

Der 7. Fall für Clara Vidalis

Blutgott
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Auf der Strecke zwischen Dortmund und Frankfurt wird in einem IC-Abteil ein junges Mädchen bestialisch ermordet, regelrecht abgeschlachtet. Ihre Leiche und ihre Innereien werden auf eine ganz bestimmte ...

Auf der Strecke zwischen Dortmund und Frankfurt wird in einem IC-Abteil ein junges Mädchen bestialisch ermordet, regelrecht abgeschlachtet. Ihre Leiche und ihre Innereien werden auf eine ganz bestimmte Art und Weise hindrapiert und am Fenster befindet sich ein mit Blut gemaltes Symbol.

Kurze Zeit darauf gibt es ein zweites Opfer in einer Telefonzelle. Auch hier wurde ein Mensch wie ein Vieh abgemetzelt und an der Scheibe der Telefonzelle findet sich das gleiche blutige Symbol, wie im IC.

Erste Ermittlungsergebnisse gehen in die Richtung, dass es sich jeweils um größere Tätergruppen handelt, die gemeinsam losziehen um gezielt Menschen zu ermorden.

Die Auswertung der Überwachungskameras aus den Bahnhöfen führt dann tatsächlich zu einem der Täter – problematisch nur, dass dieser unter 14 Jahre alt ist, was in Deutschland bedeutet, dass der Junge strafunmündig ist und für seine Tat nicht belangt werden kann. Auf seine Mittäter trifft das ebenso zu.

Die Ermittler des LKA Berlin, allen voran die Hauptermittlerin Clara Vidalis und ihr Ehemann Martin Friedrich, von allen nur MacDeath genannt, finden Hinweise darauf, dass diese „slash mobs“ von einer Person aus dem Dark Web gesteuert werden, die sich BG666 nennt. Die Abkürzung BG steht für das Wort BLUTGOTT.

Kommen die „Jünger“ des Blutgottes tatsächlich straffrei davon?

Der Thriller „Blutgott“ ist der 7. Band einer Reihe um die Ermittlerin Clara Vidalis. Für mich war es jedoch das 1. Buch aus dieser Reihe und gleichzeitig auch das 1. Buch des Autors Veit Etzold.

Auf Facebook bin ich auf den „Blutgott“ aufmerksam geworden und eine Freundin und Blogger-Kollegin hat dieses Buch ebenfalls vor kurzem gelesen, und so wurde ich neugierig. Ich stehe nicht so auf blutiges Gemetzel, weswegen ich normalerweise die Finger von solchen Büchern lasse, hier wollte ich es aber trotzdem darauf ankommen lassen, ob ich das ertrage oder nicht.

Die grausigen Taten werden vom Autor tatsächlich sehr ausführlich beschrieben und dafür ist Veit Etzold auch bekannt (wenn man die Rezensionen seiner anderen Bücher liest), aber scheinbar bin ich doch nicht ganz so zart besaitet, wie ich es von mir dachte, denn ich kam mit den Beschreibungen sehr gut klar.

Der Thriller ist in 3 Teile eingeteilt. „Buch 1“ enthält 29 Kapitel, in „Buch 2“ sind es 22 Kapitel und „Buch 3“ weist 23 Kapitel auf.

In „Buch 1“ erfährt man als Leser, wie der Blutgott zumindest einen seiner Jünger gefunden hat, es lässt sich aber daraus ableiten, dass das nicht nur bei Noah so gut funktioniert. Der Blutgott rekrutiert seine Anhänger über Skype-Videos, mit denen er die Kinder erpresst. Nun denn, ein gewisses Maß an Gewaltpotential muss bei den unter 14-jährigen vorhanden sein, sonst würden sie sich auf diese Art und Weise nicht erpressen lassen sondern BG666 ins Leere laufen lassen.

Die Kapitel wechseln sich ab und werden aus der Sicht von verschiedenen Personen erzählt. Obwohl hier nicht wirklich Spannung aufgebaut wird, möchte ich lesen, was als nächstes passiert.

In „Buch 2“ geht es überwiegend über die Ermittlungsarbeit der verschiedenen Polizeibehörden, also dem LKA und der Zusammenarbeit mit der Bundespolizei. Man bekommt einen kleinen Einblick ins Dark Net und wie man über das Dark Net Informationen verkaufen/verbreiten kann. Gerade in Bezug auf z. B. Gewalt und Pornografie ist das Dark Net ja tatsächlich eine Quelle, die gerne und oft genutzt wird. Die Ermittler erinnern sich hier gerne an vergangene Fälle von Serien-/Massenmorden, so dass sie sich gegenseitig die Namen der Täter zuwerfen. Irgendwann wurde mir das dann zu viel, denn ich wollte mehr von dem aktuellen Fall lesen und nicht über die Skythen oder die Ndragheta-Mafia, auch nicht über die Cosa Nostra oder Jim Jones, die Davidianer oder wie sie alle hießen, die Serienkiller unserer Zeit. Auch hier fehlte mir die Spannung, die mich atemlos am Reader kleben ließ.

Leider kristallisiert sich bei mir auch nicht heraus, dass Clara Vidalis die Hauptermittlerin ist. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass ihr Mann, McDeath, der Mann an der Spitze der Ermittler ist. Clara ist eher im Hintergrund, man erfährt viele ihrer Gedanken, aber bei den Ermittlungen hält sie sich irgendwie eher zurück.

In „Buch 3“ geht es dann darum, mit welch perfidem Trick sie an den Blutgott rankommen wollen. Hier war mir einiges der Handlungen deutlich zu überzogen und im realen Leben würde das auch so wahrscheinlich (!!) niemals ablaufen, aber jeder Autor hat natürlich die Freiheit, seine Geschichte so auszuschmücken, wie es ihm gefällt. Dieser Teil hat mir trotzdem am besten gefallen, da hier endlich eine gewisse Dynamik aufkommt die mich dann doch gefesselt hat … und dann kommt da dieser Schluss, der alles offen lässt. Kommt da noch was ??

Grundsätzlich hätte ich mir mehr Hintergrundinformationen zu den Banden von Jugendlichen gewünscht, die wahllos mordend durch die Städte ziehen. Auch zu Noah und Marie gibt es irgendwie nur dürftige Informationen. Keine Vorgeschichten, keine Hinweise auf irgendwelche Traumata … warum sind sie so geworden? Das führt natürlich dazu, dass die Personen für mich keine Tiefe aufweisen, nicht greifbar sind. Weder die Täter noch die Ermittler hinterlassen bei mir einen bleibenden Eindruck und werden wahrscheinlich auch nicht lange bei mir nachwirken.

Ich muss gestehen, ich hatte mir von diesem Buch mehr erwartet. Der Plot ist gut, die Umsetzung hat mich nicht wirklich vom Hocker gehauen.

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Veröffentlicht am 21.04.2020

Seniorenteller und Rentnerbingo

Zur Hölle mit Seniorentellern!
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Anlässlich Elisabeth Schöllmanns 70. Geburtstag haben ihre 3 Töchter eine Überraschungsparty organisiert. Nicht nur die Party ist eine Überraschung, auch das Geschenk ihrer Töchter haut Lizzy schier aus ...

Anlässlich Elisabeth Schöllmanns 70. Geburtstag haben ihre 3 Töchter eine Überraschungsparty organisiert. Nicht nur die Party ist eine Überraschung, auch das Geschenk ihrer Töchter haut Lizzy schier aus den Schuhen. Leider jedoch nicht im positiven Sinne, denn ihre 3 Töchter offenbaren ihr, dass sie einen Platz im Seniorenheim für sie reserviert haben.

Wütend und enttäuscht flüchtet Lizzy von ihrer Geburtstagsfeier, setzt sich in ein Taxi und verbringt den restlichen Abend mit Benno, dem Taxifahrer. Am nächsten Tag findet sie sich mit einem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus wieder und kann sich an die vorhergehende Nacht nicht mehr erinnern.

Während Lizzy im Krankenhaus liegt, lösen ihre Töchter ihre Wohnung auf und bereiten ihren Einzug ins Seniorenheim „Bellevue“ vor, so dass Elisabeth – gegen ihren Willen - direkt aus dem Krankenhaus in die Seniorenresidenz übergesiedelt wird. Eine kleine 2-Zimmer-Wohnung, natürlich von den Töchtern lieblos mit den wenigen Möbeln eingerichtet, die sie wahrscheinlich nicht auf einem Kleinanzeigen-Portal verscherbelt bekamen. Seit 8 Jahren ist Lizzy Witwe und hat erkannt, dass sie endlich wieder frei atmen kann - nun verbringt sie den Rest ihres Lebens sie in einem Rollstuhl im Seniorenheim? Über ihr eigenes Geld kann sie auch nicht mehr frei verfügen, sie bekommt ab jetzt von ihren Kindern ein Taschengeld in Höhe von 20,00 €.

Im Speisesaal lernt sie ihre Tischnachbarn kennen, allesamt Leute, mit denen sie eigentlich nichts zu tun haben möchte. Am liebsten würde Lizzy sich auf ihr Zimmer verkriechen und die Mahlzeiten dort einnehmen. Diesem Wunsch kann und möchte die Heimleiterin Frau Fröhlich jedoch nicht entsprechen und so fügt Lizzy sich in ihr Schicksal. Ihre Tischnachbarn sind: Die frühere Operndiva Lila Fouquet, die permanent Arien schmettert, Hans Martenstein, ein ehemaliger Lehrer, Ella Janowski, die aufgrund ihrer Narkolepsie (Schlafkrankheit) mehr Zeit schlafend als im wachen Zustand verbringt und Vincent von Wackerbarth, einem gut situierten und zugegebenermaßen sehr gut aussehenden Herrn.

Diese illustre Tischrunde hat jedoch eines gemeinsam; sie alle möchten aus dem Seniorenheim ausbrechen und dazu brauchen sie 2 Dinge: Geld und einen Plan. Lizzy wird Teil des Einstein-Clubs und so treffen sich die Senioren wöchentlich an einem geheimen Ort, um einen Banküberfall und ihre anschließende Flucht nach Spanien zu planen. Als weitere Fluchthelfer werden – mehr oder weniger un-/freiwillig - Benno, der Taxifahrer, Schwester Klara, eine Pflegekraft aus dem „Bellevue“ und Pete, ebenfalls Pflegekraft im „Bellevue“ in den Plan eingespannt.

Wird ihnen die Flucht gelingen?

Für meine Autofahrten habe ich nach einem Hörbuch gesucht, bei dem ich nicht akribisch hinhören muss um der Story folgen zu können, so bin ich bei diesem Hörbuch der Autorin Ellen Berg gelandet. Anhand des Covers und des Klappentextes habe ich hier jetzt keine vollkommen bierernste Geschichte erwartet, sondern etwas locker-leichtes, was einen gut unterhält. Genau das habe ich gefunden. Da es mein 1. (Hör-)Buch der Autorin ist, habe ich keinen Vergleich zu ihren anderen Werken, das wird sich aber sicherlich ändern, denn Auto fahren mit Hörbuch werde ich auch in Zukunft noch öfter mal.

Wer dieser Geschichte eine halbe Stunde zugehört hat, dem wird schnell klar, dass sich hier 2 Dinge vermischen – Realität und Fiktion. Auf der einen Seite zeigt die Autorin auf, wie schnell sich manche Kinder ihrer Eltern entledigen, indem sie sie kurzerhand in ein Pflegeheim stecken und, wie das Leben im Pflegeheim sich dann für diese anfühlen könnte, andererseits ist die Geschichte so überspitzt, dass man sie wohl kaum für bare Münze nehmen kann. Ohne eine offizielle Entmündigung kann man (wahrscheinlich !!) mit seinem Elternteil so nicht verfahren, wie Lizzys Töchter das mit ihr tun.

Lizzy ist eine rüstige 70igerin, die eigentlich noch gar nichts im Seniorenheim zu suchen hat. Sie ist klar im Kopf, kann sich zu Hause alleine versorgen, sie tanzt gerne und ist aktiv in einem Wanderverein. Eigentlich fällt sie niemandem zu Last, weswegen ich die Notwendigkeit, sie in einem Seniorenheim unterzubringen, als pure Schikane durch die Töchter empfinde. Logischerweise kommen die Töchter bei mir deswegen auch nicht sonderlich gut weg. Zum Ende hin kann ich mich – genau wie Lizzy - mit einer Tochter aussöhnen, aber das hat echt lange gedauert.

Frau Fröhlich, die Leiterin des Seniorenheimes, hat Lizzy – aus welchen Gründen auch immer – permanent auf dem Schirm und zu guter Letzt droht sie ihr sogar mit einem Aufenthalt auf der „Regenbogenstation“, das ist die Demenz-Station des Seniorenheimes und dort kommt so schnell niemand wieder raus. Bei Frau Fröhlich scheint aber auch nicht alles Gold zu sein was glänzt und so bekommt sie zum Ende der Geschichte dann auch noch ihr Fett weg.

Pete und Klara, die beiden Pflegekräfte des „Bellevue“, sind gegen den Plan des Einstein-Clubs, können die alten Leutchen jedoch nicht davon abhalten, den einmal eingeschlagenen Weg zu gehen. Vielleicht bekommen sie dann ja doch noch Unterstützung von den Beiden, wer weiß?! Auf jeden Fall sind die 2 ein Lichtblick im tristen Alltag des Seniorenheimes und beide kümmern sich sehr liebevoll und aufmerksam um Lizzy. Pete ist jemand, der genauer hin- und nicht wegschaut.

Lila Fouqet schmettert gerne mal eine Arie in den Raum, natürlich immer themenbezogen. Ich kann mit solcher Art von Posie nichts anfangen, ziehe aber meinen Hut vor der Sprecherin Sonngard Dressler, die mir bei jeder Arie das Grinsen ins Gesicht zauberte.

Hans Martenstein, der ehemalige Lehrer, fällt durch seine übergroße Korrektheit auf. Er wirkt auf mich sehr steif und konservativ, aber stille Wasser sind nun mal eben tief und auch seine Stunde schlägt, in der er zeigen kann, was in ihm steckt.

Von Ella Janowski bekommt man nicht sehr viel zu hören, außer ihrem Satz „Habe ich etwas verpasst? Wer sind Sie?“. Ansonsten versinkt sie permanent in ihrem Narkolepsie-Schlaf. Aber auch sie hat wache Momente und ihre Anregungen zum Banküberfall sind gar nicht so übel.

Der letzte im Bunde im Einstein-Club ist Vincent von Wackerbarth, wegen dem Lizzy im Alter von 70 Jahren dann doch nochmal Schmetterlinge in den Bauch bekommt. Kann man sich mit 70 noch einmal verlieben und beruht dieses Gefühl auf Gegenseitigkeit? Bei Vincent kann man dann aber auch sagen „trau, schau wem“.

Benno, der Taxifahrer, mit dem Lizzy an ihrer Geburtstagsfeier geflüchtet ist, wird auch ein wichtiger Teil des Planes, denn Benno hat ihnen allen gegenüber einen großen Vorteil: Er hat ein (Flucht-)Auto!! Die Herren der Schöpfung sind sich jedoch nicht immer so ganz grün und das führt zu Missverständnissen.

Wie eingangs schon erwähnt, habe ich hier eine Geschichte gehört, die mich wirklich sehr gut unterhalten hat. Es war teilweise witzig, teilweise hat mich das Gehörte nachdenklich gemacht, teilweise war es auch ein wenig traurig. Alles in allem hält die Autorin unserer Gesellschaft so ein klein wenig den Spiegel vor. Die Sprecherin Sonngard Dressler liest wirklich sehr gut und ich konnte ihr problemlos 8 Stunden und 37 Minuten zuhören.

Zur Mitte hin wird es jedoch leider etwas langatmig und somit auch ein klein wenig langweilig, man hätte die ein oder andere Passage gerne etwas kürzen dürfen, weil sich vieles dann einfach nur noch wiederholt - deswegen mein Punktabzug in der Bewertung. Dann nimmt die Geschichte jedoch wieder Fahrt auf und steuert auf ein Ende hin, das wirklich sehr überzogen daher kommt, die Geschichte aber hervorragend abrundet und es gibt für alle ein Happy End.

Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, ich hatte einige kurzweilige Autofahrten und werde ganz sicher noch einmal zu einem (Hör-)Buch von Ellen Berg greifen. Wenn ich mich nicht verzählt habe, gibt es noch 15 Bücher aus der (K)ein-Reihe von ihr.

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Veröffentlicht am 17.04.2020

Rettung für die „Tessitura di Asenza“

Die Seidenvilla
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2 Jahre hat der Kampf ihres Mannes gegen seine Erkrankung gedauert. 2 Jahre, in denen Angela Steeger zusehen musste, wie der Mensch, den sie mehr liebte als ihr eigenes Leben, nach und nach immer weniger ...

2 Jahre hat der Kampf ihres Mannes gegen seine Erkrankung gedauert. 2 Jahre, in denen Angela Steeger zusehen musste, wie der Mensch, den sie mehr liebte als ihr eigenes Leben, nach und nach immer weniger wurde. Mit gerade einmal 45 Jahren ist sie nun Witwe und am Abend nach Peters Beerdigung, fühlt sie sich fremd im eigenen Haus. Unter den vielen Kondolenzkarten findet Angela einen persönlichen Brief von Tess, einer Jugendfreundin ihrer Mutter, die für Angela immer wie eine Tante war.

Tess, die eigentlich Teresa heißt, hat vor 10 Jahren ein Haus im italienischen Veneto gekauft und verbringt nun dort ihren Lebensabend. Damit Angela auf andere Gedanken kommt, lädt Tess sie ein, nach Asenza zu kommen und ein paar Tage zu bleiben. Nathalie, Angelas 19jährige Tochter, bestärkt ihre Mutter darin, dieses Angebot anzunehmen, da sie selbst für ihre Seminararbeit in Kunstgeschichte dringend in der Institutsbibliothek in München recherchieren muss. Angela wird also schon kurz nach der Beerdigung wieder alleine in ihrem großen Haus sein. Sie erledigt all die bürokratischen Dinge, die einem Todesfall unweigerlich folgen, dann packt sie ihre Koffer und fährt nach Asenza.

Natürlich besuchen Angela und Tess die ortsansässige, 200 Jahre alte, Seidenweberei und kurze Zeit später erfährt Angela, dass die Weberei verkauft werden soll. Da sie vor der Geburt von Nathalie Angewandte Kunst mit Schwerpunkt Textildesign studiert hat, wächst in ihr der Wunsch, die „Seidenvilla“ zu retten. Als ihr dann auch noch der Kompagnon ihres verstorbenen Mannes vorschlägt, die Baufirma zu verkaufen, verfügt sie über die finanziellen Mittel und so trifft sie sich mit dem Besitzer, Lorenzo Rivalecca, um ihm ein Angebot zu unterbreiten. Der schrullige Rivalecca verknüpft ein paar ungewöhnliche Auflagen an den Verkauf, aber schon bald ist Angela die „Tedesca“ (die Deutsche), die neue Besitzerin der „Tessitura di Asenza“.

Mit Dario Monti, dem Architekten, der Tess‘ Villa renoviert, verbindet sie schon nach kurzer Zeit eine lockere Freundschaft, über ihn lernt sie seinen besten Freund Vittorio Fontarini kennen, der ihr erster Auftraggeber in Sachen Seidenstoffe ist.

Kann Angela mit ihrem neuen Konzept die Seidenweberei vor der Pleite retten? Angela beginnt in Italien ein neues Leben, sie steht vor neuen Herausforderungen und der Frage, ob sie schon wieder bereit ist, einen neuen Mann in ihr Leben zu lassen.

Nach der Trilogie um die Kamelien-Insel ist das Buch „Die Seidenvilla“ der Auftaktband zur „Seidenvilla-Saga“ der Autorin Tabea Bach, die ebenfalls als Trilogie erscheinen wird.

Wie gewohnt ist der Schreibstil der Autorin angenehm und flüssig zu lesen. Die Charaktere sind so schön ausgearbeitet, dass sie einem regelrecht ans Herz fliegen.

Angela und ihre Tochter Nathalie haben ein sehr schönes Verhältnis zueinander und auch wenn Angela in Italien ist, verlieren die Beiden nicht den Kontakt zueinander – im Gegenteil, Nathalie verlegt sogar einen Teil ihres Studiums nach Italien, damit sie sich nahe sein können.

Tess ist eine liebenswerte ältere Frau, die ganz genau weiß, wie Angela sich nach dem Tod ihres Mannes fühlt und sie lässt ihr den Raum, den sie braucht, um wieder ins Leben zurückzufinden.

Die Weberinnen sind natürlich nicht gleich Feuer und Flamme über ihre neue Chefin und hier hat mir insbesondere Lidia sehr gut gefallen, die sich zuerst einmal vehement gegen Angela stellt. Aber jede der Weberinnen hat ihr eigenes Päckchen zu tragen und diese Schicksale wurden von der Autorin wunderbar mit der Geschichte von Angela verwoben.
Auch der alte Rivalecca ist nicht ganz so bärbeißig, wie es am Anfang den Anschein erweckt.

Dario Monti und Vittorio Fontarini sind mir ebenfalls beide sehr sympathisch. Aber es erschließt sich mir gleich, dass 2 neue Männer in Angelas Leben nicht unbedingt Ruhe sondern eher Unruhe bringen. Ob sich mein Verdacht bestätigt?

Jedem einzelnen Charakter kommt eine ganz besondere Bedeutung zu und nur wenn alle an einem Strang ziehen, wird sich das Schicksal der Seidenweberei zum Guten wenden können.

Interessant finde ich die Hintergrundinformationen, die sich mit der Verarbeitung der Seide befassen. Hier kann man spüren, dass die Autorin eine sehr ausführliche Recherche betrieben hat. Die Informationen, die sie an ihre Leser weitergibt, sind in meinen Augen so gut dosiert, dass ich interessiert, aber nicht gelangweilt den Ausführungen folgen kann.

Alles in allem ist „Die Seidenvilla“ ein gelungener Auftakt zu einer neuen Buch-Reihe aus der Feder der Autorin Tabea Bach. Der 2. Band „Im Glanz der Seidenvilla“ erscheint am 29. Mai 2020. Der 3. Band „Das Vermächtnis der Seidenvilla“ folgt auch noch in diesem Jahr, nämlich am 28. Juli 2020.

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und bin gespannt, wie es Angela in Italien ergehen wird und ob sie sich mit den doch teuren Seidenprodukten auf dem Markt behaupten kann.

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Veröffentlicht am 06.04.2020

Was passiert, wenn das Internet ausfällt?

Influence – Fehler im System
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Heute ist Amirs großer Tag. Der Tag, auf den er sich seit Wochen vorbereitet hat. Sein halbes Leben lang hat er davon geträumt, ein Mal etwas wichtiges zu tun. Gemeinsam mit dem Instagram-Influencer Habakuk ...

Heute ist Amirs großer Tag. Der Tag, auf den er sich seit Wochen vorbereitet hat. Sein halbes Leben lang hat er davon geträumt, ein Mal etwas wichtiges zu tun. Gemeinsam mit dem Instagram-Influencer Habakuk soll ein Internet-Leak (eine undichte Stelle) öffentlich gemacht werden. Es geht um eine Firma, die gigantische Mengen an Metadaten sammelt und diese an eine ausländische Stiftung verkauft, um in Deutschland die öffentliche Meinung – bis hin zur Manipulation von Wahlen – zu beeinflussen.

Ausgerechnet heute, an diesem großen Tag, bricht das Internet vollkommen zusammen.

Auch ohne Google-Maps schafft Amir es letztendlich, den Treffpunkt in Köln zu finden, dort trifft er jedoch nicht auf Habakuk sondern auf Kalliope, die ebenfalls eine sehr bekannte Instagram-Influencerin ist. Bevor die Beiden klären können, warum Kalliope und nicht Habakuk am Treffpunkt erschienen ist, rast ein Auto auf sie zu, die Absicht ist eindeutig, die Frage ist jedoch: Galt dieser Anschlag Kalliope oder sollte es Amir treffen? Hat der Komplettausfall des Internets und der versuchte Anschlag etwas mit dem Datenchip zu tun, der sich in Amirs Besitz befindet?

Eine Antwort auf diese Fragen wird vermutlich nur die Person haben, die die Informationen für den Leak gesammelt hat. Also machen Kalliope und Amir sich auf den Weg in die Eifel, um einen Mann namens Manfred zu finden.

Mit seinem Thriller „Influence – Fehler im System“ hat der Autor Christian Linker ein sehr brisantes Thema aufgegriffen: Was passiert, wenn das Internet ausfällt?

Abgesehen davon, dass es dann die ganzen Social Media-Kanäle wie Facebook, Instagram, YouTube etc. nicht mehr geben würde, wären die Auswirkungen auf unsere Wirtschaft fatal. Die weltweite Vernetzung untereinander funktioniert fast ausschließlich über das Internet und selbst Maschinen werden von extern gesteuert. Die volle Funktionalität des Internet ist also unabdingbar.

Wenn ich da nur an meinen eigenen Bereich denke, dann könnte ich ohne Internet nicht mehr telefonieren, das Bestellwesen unserer Firma bei den Großhändlern läuft ausschließlich online, unseren Terminkalender synchronisieren sich über das Internet, das Terminal für die bargeldlose Zahlungsübermittlung würde nicht mehr funktionieren ….und wohl dem, der noch eine Satellitenschüssel am Haus hat. Wir sind vollkommen abhängig von der Funktionsfähigkeit des Internet.

Der Autor bedient sich einer Sprache, die für die „Generation Internet“ angemessen ist (meine Mutter würde ein Buch mit dieser Thematik gar nicht lesen wollen).

„Irgendwie war es Hirnwichserei,
über solche Sachen zu schreiben“…..

Der Schreibstil selbst ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, ich habe mich aber schnell hineingefunden, dann lässt das Buch sich flüssig lesen. Auch die technischen Dinge waren (für mich) verständlich beschrieben. Allerdings hat mich die Story selbst leider nicht abgeholt.

Amir empfinde ich als sympathisch, Kalliope kann mich mit ihrem überzogenen Gehabe überhaupt nicht berühren, weswegen ich die Fahrt bis in die Eifel zwar mitgemacht habe, aber eher so als distanzierter Beobachter, nicht als ich-bin-mittendrin-im-Geschehen-Leser. Keine Szene, die die Beiden erleben, hat mich emotional wirklich berührt, leider.

Ich empfinde vieles, was im Laufe der Geschichte passiert, als überzogen. Wobei, wenn ich gerade aktuell sehe, dass im Corona-Zeitalter die Menschen binnen 2 Tagen sämtliches Mehl und Toilettenpapier aus den Geschäften hamstern, Desinfektionsmittel aus Krankenhäusern stehlen, dann kann es tatsächlich so sein, dass sich innerhalb kürzester Zeit nach dem Ausfall des Internet Bürgerwehren formieren, Tankstellen kein Benzin mehr haben, der komplette Lebensmittelsektor zusammenbricht und Krankenhäuser so überfüllt sind, dass die Verletzten auf der Straße behandelt werden müssen.

In „Influence – Fehler im System“ bricht das komplette System jedoch schon innerhalb weniger Stunden zusammen. Ich weiß nicht …..

Warum Kalliope am Treffpunkt erscheint und nicht Habakuk, geht aus der Geschichte ziemlich schnell hervor und nach dem Anschlag vor dem Kinoeingang geht es auch gleich rasant weiter. Die Beiden werden verfolgt, gekidnappt, gefesselt und bedroht und auch bei Manfred in der Eifel angekommen, ist die wilde Jagd nicht zu Ende.

Macht die ganze Aktion aber überhaupt noch Sinn? Wie kann man einen Leak über das Internet verbreiten, wenn selbiges ausgefallen ist? Alle Daten auf dem Speicherchip sind doch nun eigentlich wertlos, oder?

Das Buch ist im Genre „Thriller“ eingeordnet, der erwartete Thrill blieb - bei mir auf jeden Fall – jedoch aus. Auch die Auflösung, warum das Internet offline ist, kann der Geschichte keine wirkliche Wendung mehr geben.

Für mich persönlich dürfte es gerne weniger Internet geben, denn dann würde man sich mal wieder auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben konzentrieren. Weniger WhatsApp, weniger Facebook, weniger Interaktion mit Menschen, die man virtuell als „Freunde“ bezeichnet, diese aber in Wirklichkeit noch nie gesehen hat – dafür etwas mehr Zwischenmenschlichkeit mit den Personen im direkten Umfeld. Es hilft uns nicht, Kontakt mit Menschen auf der anderen Seite der Erde zu haben, wenn die Menschen direkt neben uns emotional verhungern, weil wir ständig danach streben online zu sein.

„Influence – Fehler im System“ zeigt uns auf, dass wir uns nicht allzu abhängig vom Internet machen sollten; wobei wir abhängig gemacht werden, ohne unser Zutun.

Bei dieser Rezension handelt es sich um meine Meinung; Dir kann das Buch ja durchaus besser gefallen.

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Veröffentlicht am 25.02.2020

Stigmata – nichts bleibt verborgen

Stigmata
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Emma Bergmann, 17, lebt gemeinsam mit ihrer alleinerziehenden Mutter. Agnes arbeitet als Krankenschwester und ist in ihrem Job sehr beliebt. Nach einem Streit mit Emma verlässt sie aufgebracht und wütend ...

Emma Bergmann, 17, lebt gemeinsam mit ihrer alleinerziehenden Mutter. Agnes arbeitet als Krankenschwester und ist in ihrem Job sehr beliebt. Nach einem Streit mit Emma verlässt sie aufgebracht und wütend die Wohnung. Ein paar Stunden später wird ihr Auto in einem Fluss gefunden – auf dem Beifahrersitz eine unbekannte weibliche Person mit einem markanten Ring am Finger; die Leiche von Agnes Bergmann bleibt jedoch verschwunden.

Da Emma glaubt, dass ihre Mutter durch ihr Verschulden in den Tod gerast ist, vergräbt sie sich in der gemeinsamen Wohnung. Sie isst nicht, sie pflegt sich nicht, sie dümpelt einfach so durch die Tage, bis sie ca. 14 Tage nach dem Tod ihrer Mutter ein Päckchen erhält. In diesem Päckchen befindet sich ein Fotoalbum. Alle Seiten sind leer, bzw. wurden die Fotos herausgenommen, nur auf der letzten Seite befindet sich ein Baby-Foto und der Satz „Wenn Du wissen willst, wer die Mörder deiner Mutter sind, dann meldest Du dich an. Am besten heute noch.“

Endlich etwas, das Emma aus ihrer Lethargie reißt und so meldet sie sich – wie aufgefordert – zum „Qualifikationscamp der Transnational Youth Foundation“ an. Ihre erste Qualifikationsaufgabe ist es, den Weg zum Schloss, in dem das Camp durchgeführt wird, alleine zu finden.

Empfangen wird sie von Dr. Michael Becker, den BetreuerInnen Nicoletta und Sebastian, die für die Transnational Youth Foundation arbeiten sowie den Jugendlichen Sophia, Philipp und Tom, die ebenso wie Emma das Camp absolvieren.

Das Schloss entpuppt sich als Ruine oder besser gesagt, als Bruchbude, denn überall bröckelt der Putz und findet sich Schimmel an den Wänden und Emma fragt sich, warum gerade hier ein so wichtiges Auswahlcamp durchgeführt wird. Aber … sie möchte die Mörder ihrer Mutter finden….sie hat keine andere Wahl, als hier zu bleiben.

Von Anfang an hat Emma das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Es passieren permanent merkwürdige Dinge, Emma findet im Haus verteilt Fotos, ähnlich dem, das im Fotoalbum war, die Jugendlichen müssen Herausforderungen bestehen, die sie an den Rand ihrer Kräfte bringen und immer haben die BetreuerInnen logischer Erklärungen für die Dinge, die sich im Schloss abspielen. Egal, wie schräg diese Vorkommnisse sind.

Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich beim Lesen ganz oft gedacht „Hau ab, Emma!! Lass die Mörder Deiner Mutter sein wo sie sind und verlasse schnellstmöglich dieses Haus!“.

Emma verlässt das Schloss natürlich nicht und so kommt sie nach und nach der Wahrheit um den Tod ihrer Mutter tatsächlich immer näher. Auf dem Weg dorthin stellt sie fest, dass sie ihre Mutter nie wirklich gekannt hat.

Bei „Stigmata – Nichts bleibt verborgen“ handelt es sich um einen Jugendroman der Autorin Beatrix Gurian. Empfohlenes Lesealter: 14 – 17 Jahre. Ich habe von Beatrix Gurian schon das Jugendbuch „Sommernachtsfunkeln“ gelesen, ebenso einige historische Romane, die die Autorin jedoch unter ihrem Pseudonym „Beatrix Mannel“ veröffentlicht hat.

Die Atmosphäre in diesem Roman ist ziemlich düster. Mich hätten in diesem Schloss und bei diesen Vorkommnissen keine 10 Pferde halten könne, ich hätte schnellstmöglich das Weite gesucht.

Die Figur der Emma ist sehr sympathisch angelegt worden, alle weiteren handelnden Personen stoßen bei mir eher auf Misstrauen und sogar auf Ablehnung. Es ist ziemlich hart, was Emma alles durchmachen muss, um den Tod ihrer Mutter aufzuklären, aber sie ist selbstbewusst und lässt sich nicht einschüchtern und macht durch die ganze Geschichte eine fortschreitende Entwicklung durch. Sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den BetreuerInnen weiß man nicht, wie man sie einschätzen soll. Mal sieht es so aus, als ob sie Emma helfen wollen, dann wiederum passiert etwas und es zeigt sich ein ganz anderes Bild. Die ganze Zeit über bleibt es spannend und die Autorin schafft es immer wieder, der Geschichte eine total andere Wendung zu geben.

Es gibt zwei Handlungsstränge. Die Geschichte von Emma spielt in der Gegenwart, die Geschichte von Agnes in der Zeit, als Agnes selbst noch ein Kind war und was ihr damals in diesem Haus widerfahren ist. Die Kapitel von Agnes beginnen immer mit einem zum Inhalt des Abschnitts passenden Bibelspruch. Zum Ende des Buches sind beide Handlungsstränge miteinander verknüpft und alle Fragen bezüglich des Todes von Agnes Bergmann aufgeklärt.

Die Illustrationen im Buch wurden von Erol Gurian angefertigt. Die Aufmachung der Fotos – sie sind alle grün eingefärbt – verleiht der Geschichte zusätzlich etwas schauriges.

Hier zeigt sich einmal wieder, dass man Jugendbücher auch durchaus spannend finden kann, wenn man dem Jugendalter entwachsen ist.

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