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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.05.2025

✎ Joanne K. Rowling - Harry Potter 7 und die Heiligtümer des Todes

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Harry Potter 7)
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Der siebte und (vor)letzte Band der Harry-Potter-Reihe von Joanne K. Rowling hebt sich in meinen Augen deutlich von seinen Vorgängern ab - nicht nur, weil Hogwarts als Hauptschauplatz größtenteils fehlt. ...

Der siebte und (vor)letzte Band der Harry-Potter-Reihe von Joanne K. Rowling hebt sich in meinen Augen deutlich von seinen Vorgängern ab - nicht nur, weil Hogwarts als Hauptschauplatz größtenteils fehlt. Stattdessen begleiten wir Harry, Hermine und Ron auf einer Art magischem Roadtrip quer durch Großbritannien. Was zunächst nach einer spannenden Abwechslung klingt, entpuppt sich streckenweise als zäh und langatmig.

Gerade im Mittelteil zieht sich die Handlung wie Kaugummi. Man wartet auf den nächsten echten Fortschritt, doch stattdessen scheint sich die Geschichte im Kreis zu drehen. Dieser fragmentierte Erzählstil nimmt leider viel von der Dynamik, die frühere Bände so lebendig gemacht hat.

Was mir schon in den vorherigen Teilen aufgefallen ist, wird hier besonders deutlich: JKR nimmt es mit ihrer eigenen Welt manchmal nicht ganz so genau. Zufälle reihen sich aneinander, Logiklücken tun sich auf, und manche Wendungen wirken eher konstruiert als überzeugend. Es fühlt sich streckenweise so an, als würde die Autorin ihren eigenen Plot ignorieren - oder ihn zumindest nur dann aufgreifen, wenn es gerade passt. Es gibt so viele Sachen aus den ersten Bänden, die man hätte einflechten können, die jedoch keine Erwähnung finden. Stattdessen werden Lesende mit neuen, teilweise schwer nachvollziehbaren magischen Elementen geködert, die vorher nie eine Rolle gespielt haben. Ich empfand das als „nachgeschobene Rettungsanker“, die der Geschichte eher schadeten als halfen.

Erschwerend kommt hinzu, dass liebgewonnene Figuren wie beiläufig aus der Geschichte verschwinden. Der Tod bedeutender Charaktere war schon immer Teil der Reihe, doch in diesem Finale wirken manche Entscheidungen nahezu beliebig. Die emotionale Wucht bleibt aus - nicht etwa, weil einem die Figuren egal wären, sondern weil ihre Tode weder dramaturgisch noch inhaltlich wirklich tragen.

„Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ hätte ein würdiger Abschluss sein können - wenn man konsequenter erzählt, alte Handlungsstränge sinnvoll eingebunden und das Erzähltempo besser austariert hätte. So jedoch bleibt bei mir vor allem das Gefühl zurück, dass dieser Abschluss eher Pflicht als Kür war.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 26.05.2025

✎ Sigrid Zeevaert - Nuria

Nuria
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Manche Geschichten treffen einen nicht nur, sie lassen einen still zurück - so ging es mir mit „Nuria“ von Sigrid Zeevaert. Als Mama und feinfühliger Mensch hat mich dieses Buch auf eine Weise berührt, ...

Manche Geschichten treffen einen nicht nur, sie lassen einen still zurück - so ging es mir mit „Nuria“ von Sigrid Zeevaert. Als Mama und feinfühliger Mensch hat mich dieses Buch auf eine Weise berührt, die schwer in Worte zu fassen ist. Ich habe es mit schwerem Herzen gelesen - nicht, weil es schlecht wäre, sondern weil es so schmerzhaft ehrlich ist.

Nuria ist acht Jahre alt und wirkt auf den ersten Blick wie ein ganz normales Mädchen. Doch hinter ihrer angepassten, vorsichtigen Fassade tobt ein stiller innerer Kampf. Sie bemüht sich unermüdlich, alles richtig zu machen, niemandem zur Last zu fallen - und bleibt am Ende doch oft unverstanden und allein. Was man heute als people pleasing bezeichnen würde, ist für Nuria ein ständiger Überlebensmodus.

Zeevaert zeichnet ihre junge Protagonistin mit beeindruckender Feinfühligkeit und Tiefe. Beim Lesen habe ich mich immer wieder selbst in Nuria wiedergefunden - in ihren Ängsten, ihrem Rückzug, ihrem verzweifelten Wunsch nach Zuneigung. Vieles erinnerte mich an eigene Erfahrungen.

Was dieses Buch so besonders macht, ist seine leise Intensität. Nichts wird dramatisch inszeniert - gerade dadurch entfaltet sich das emotionale Gewicht umso stärker.

Nuria ist ein Charakter, den man am liebsten in den Arm nehmen, trösten, beschützen möchte. Und dem man sagen will: Du bist richtig, so wie du bist.

Was mich beim Lesen besonders beschäftigt hat: Die Konflikte, die Nuria durchlebt, werden nicht vollständig aufgelöst. Falsche Anschuldigungen bleiben im Raum stehen. Erwachsene werden nicht wirklich zur Verantwortung gezogen.

Das Ende ist vorsichtig optimistisch - für die Zielgruppe in meinen Augen jedoch nicht ausreichend genug. Vielleicht, weil ich weiß, wie es ist, wenn man zu lange das Gefühl hatte, alles falsch zu machen. Mich als erwachsene people pleaserin hat die Lektüre mitten ins Herz getroffen - aber ich weiß, wie ich damit umgehen muss. Kinder müssen das erst noch lernen.

„Nuria“ fordert heraus - leise, aber eindringlich.

Ich wünsche mir sehr, dass es nicht nur von Kindern gelesen wird, sondern gemeinsam mit einfühlsamen Erwachsenen. Nur so kann es seine ganze Kraft entfalten - als Spiegel, Gesprächsanlass und vielleicht sogar als Trostspender.

Gerade Kinder, die sich in Nuria wiedererkennen, dürfen mit diesen Gefühlen nicht allein bleiben. Sie brauchen Begleitung, Verständnis - und Menschen, die ihnen zeigen: Du wirst gesehen. Du bist wichtig.

Für Eltern, Pädagog:innen und alle, die Kinder begleiten, ist dieses Buch eine wertvolle Lektüre. Es macht aufmerksam auf die leisen Kinder, auf die, die sich ständig bemühen - und dabei doch oft übersehen werden.

„Nuria“ ist keine laute Geschichte. Aber sie spricht mit Nachdruck. Und bleibt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 22.05.2025

✎ John Green - Eine wie Alaska

Eine wie Alaska
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Bevor ich gemeinsam mit @linhelest für unser Leseprojekt „2 Leseblicke“ in „Eine wie Alaska“ eingetaucht bin, habe ich ein paar Rezensionen überflogen - von überschwänglichem Lob bis hin zu harscher Kritik ...

Bevor ich gemeinsam mit @linhelest für unser Leseprojekt „2 Leseblicke“ in „Eine wie Alaska“ eingetaucht bin, habe ich ein paar Rezensionen überflogen - von überschwänglichem Lob bis hin zu harscher Kritik war alles dabei. Umso neugieriger war ich, wie wir zwei dieses viel diskutierte Jugenddrama einordnen würden. Jetzt, nach dem Lesen, bin ich mir noch immer nicht sicher …

Schon die ersten Seiten fühlten sich an wie der Beginn eines klassischen Entwicklungsroman - ein Coming-of-Age wie man heute so schön sagt. Jugendliche, die sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden, sich ausprobieren, Grenzen austesten - das kennt man. Themen wie Rauchen, Sex und das bewusste Überschreiten von Regeln ziehen sich wie ein roter Faden durch den Anfang der Geschichte. Nichts, was mich zunächst besonders gefesselt hätte. Ich konnte den Hype nicht wirklich nachvollziehen.

Und dennoch: Ich wollte herausfinden, warum dieses Buch an unserer Schule - entweder im Deutsch- oder im Englischunterricht - manche Jahre zur Pflichtlektüre gehört. Also blieb ich dran.

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Die Struktur des Romans - eingeteilt in ein „Davor“ und ein „Danach“ - ist mehr als nur eine stilistische Entscheidung. Aus dem Klappentext auf meinem Exemplar geht mit keiner Silbe hervor, was passieren wird. Ich hatte mich, wie viele andere Lesende vermutlich auch, völlig unbedarft in die Geschichte gestürzt - und wurde ab „Danach“ emotional komplett überrollt.

War das Lesen bis dahin eher unbeschwert möglich, änderte sich mein Empfinden schlagartig. Mein Herz schlug bei jedem neuen Kapitel im Galopp. Als würde ich selbst Teil der Geschichte sein. Besonders der zweite Part des Romans hat mich tief getroffen. Das lag nicht nur an Greens intensiver Sprache oder seiner authentischen Darstellung von Trauer und Schuld, sondern auch an persönlichen Umständen: Diese Woche jährt sich der Tod meiner Oma zum ersten Mal - und ihr plötzlicher Verlust hallt in mir bis heute nach. Die Szene mit Alaskas Mutter war für mich daher kaum zu ertragen.

John Greens Stärke ist die Fähigkeit, die komplexe Gefühlswelt von Jugendlichen greifbar zu machen. Erwachsene wirken in ihrer Funktion oft hilflos oder abwesend, während die Jugendlichen zwischen Rebellion, Selbstfindung und echter Verzweiflung schwanken. Diese Dynamik bringt Green mit bemerkenswerter Feinfühligkeit auf den Punkt.

Das offene Ende des Werkes lädt zum Nachdenken und Diskutieren ein - ein Aspekt, der besonders im schulischen Kontext wertvoll ist. Es gibt keine einfache Antwort, keine klaren Linien, aber viele Impulse, die einen auch nach dem Zuklappen des Buches noch beschäftigen.

„Eine wie Alaska“ hat mich unerwartet tief bewegt. Es ist keine Lektüre, die man einfach durchliest und weglegt. Sie fordert - emotional und gedanklich.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 19.05.2025

✎ Antonia Blum - Der Kindersuchdienst 1 Für immer in deinem Herzen

Der Kindersuchdienst (Kindersuchdienst 1)
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Schon 2021 hatte ich mit Antonia Blums „Kinderklinik Weißensee 1 Zeit der Wunder“ erste Berührungspunkte. Ihr gefühlvoller Schreibstil war mir damals positiv aufgefallen, auch wenn mich die Handlung nicht ...

Schon 2021 hatte ich mit Antonia Blums „Kinderklinik Weißensee 1 Zeit der Wunder“ erste Berührungspunkte. Ihr gefühlvoller Schreibstil war mir damals positiv aufgefallen, auch wenn mich die Handlung nicht genug fesselte, um die Reihe weiterzuverfolgen. Umso gespannter war ich nun auf „Der Kindersuchdienst - Für immer in deinem Herzen“, das ich mir als Hörbuch gegönnt habe.

Mit einer Spielzeit von rund 15 Stunden ist dieses Hörbuch alles andere als leichte Unterhaltung für zwischendurch. Die Autorin nimmt sich viel Raum, um zahlreiche Schicksale zu entfalten - was durchaus bewegend ist, aber auch eine emotionale Schwere mit sich bringt. Ich frage mich, ob etwas weniger Drama dem Erzählfluss nicht gutgetan hätte. Besonders im Hinblick auf die weiblichen Figuren hätte ich mir stellenweise mehr Leichtigkeit und Tiefe gewünscht.

Antonia Blum erzählt von einer Zeit etwa zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, in der Familien durch Flucht, Vertreibung und das anhaltende Chaos getrennt wurden - ein Thema, das tief berührt. Mit großer Sorgfalt hat sie historische Hintergründe recherchiert und daraus eine Geschichte über verlorene Kinder, Hoffnung und das Ringen um ein Wiedersehen geformt.

Trotz der bewegenden Thematik blieb für mich bei der Vielzahl an Einzelschicksalen manchmal die emotionale Tiefe auf der Strecke. Die vielen Handlungsstränge machten es mir schwer, durchgängig mit den Figuren mitzufühlen.

Das Ende bleibt bewusst offen – eine Entscheidung, die sicher nicht allen gefällt, gleichzeitig aber neugierig auf die Fortsetzung macht. Im Nachwort erklärt die Autorin, welche Teile der Geschichte auf wahren Begebenheiten beruhen und welche ihrer Fantasie entspringen. Zudem gibt es einen kleinen Ausblick auf Band 2, der für April 2026 angekündigt ist.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 19.05.2025

✎ Sandra Grimm - Jonna & Liv

Jonna & Liv. Ein tierisches Mittsommerfest
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Manchmal braucht es gar nicht viel, um beim Lesen in eine andere Welt einzutauchen - ein paar Seiten, ein guter Erzählton und Figuren, die einem ans Herz wachsen. So ging es uns mit dem Buch „Jonna & Liv ...

Manchmal braucht es gar nicht viel, um beim Lesen in eine andere Welt einzutauchen - ein paar Seiten, ein guter Erzählton und Figuren, die einem ans Herz wachsen. So ging es uns mit dem Buch „Jonna & Liv - Ein tierisches Mittsommerfest“ von Sandra Grimm. Die Geschichte führt junge Lesende mitten hinein ins ländliche Schweden, wo ein Sommerabenteuer voller Natur, Tiere und schwedischer Traditionen auf sie warten.

Im Mittelpunkt steht Jonna, die ihre Ferien auf dem idyllischen Lykkehof ihrer Cousine Liv verbringt. Die beiden erleben nicht nur kleine Herausforderungen des Alltags, sondern auch die Magie echter Freundschaft - und wie wichtig Zusammenhalt, Mut und Rücksichtnahme sind. Begleitet werden sie von Hühnern, Ziegen und anderen tierischen Hofbewohnern. Die Erzählweise bleibt dabei stets kindgerecht und lebendig. Die Figuren wirken glaubwürdig: mit Ecken, Kanten und viel Herz.

Ein besonderes Highlight ist der behutsam eingewobene Einblick in schwedische Mittsommerbräuche. Ob beim Basteln von Blumenkränzen, dem Backen süßer Leckereien oder dem traditionellen Fest - Kinder und Erwachsene lernen ganz nebenbei viel über das Leben im Norden Europas. Auch wichtige Aspekte des respektvollen Umgangs mit Wildtieren werden thematisiert, was ich als sehr wertvoll empfand. Diese Botschaften geben Anstoß zum Nachdenken, ohne den Lesefluss zu stören.

Die atmosphärische Beschreibung des Bauernhofs weckt regelrecht Fernweh. Der Alltag dort mag fordernd sein, aber er vermittelt eine entschleunigte, naturverbundene Lebensweise, die fasziniert - gerade im Kontrast zum oft hektischen Alltag.

Die klare Sprache und der durchdachte Kapitelaufbau machen das Buch ideal sowohl zum Vorlesen als auch für fortgeschrittene Erstlesende. Die Handlung bleibt durchweg spannend, ohne zu überfordern. Die wunderschönen Illustrationen bilden dabei ein besonderes Highlight.

„Jonna & Liv - Ein tierisches Mittsommerfest“ ist ein warmherziges und stimmiges Sommerbuch, das sowohl unterhält als auch Werte vermittelt - voller Gefühl, Neugier und Naturliebe. Es kombiniert Abenteuer mit kultureller Bildung, bringt Kinder zum Nachdenken und lässt sie mit einem Lächeln auf der letzten Seite zurück.

©2025 Mademoiselle Cake