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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2025

Nachdenkliches Porträt einer Generation

Schöne Welt, wo bist du
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"Schöne Welt, wo bist du" von Sally Rooney erzählt die Geschichte von vier jungen Menschen – Alice, einer erfolgreichen Schriftstellerin, Felix, einem Lagerarbeiter, sowie Alice’ bester Freundin Eileen ...

"Schöne Welt, wo bist du" von Sally Rooney erzählt die Geschichte von vier jungen Menschen – Alice, einer erfolgreichen Schriftstellerin, Felix, einem Lagerarbeiter, sowie Alice’ bester Freundin Eileen und deren Jugendfreund Simon. Im Mittelpunkt stehen ihre komplexen Beziehungen, die Suche nach Nähe und Vertrauen sowie die Herausforderungen des modernen Lebens zwischen Dublin und der irischen Küste.

Der Roman besticht durch präzise, kluge Dialoge und eine sensible Darstellung von Themen wie Liebe, Freundschaft, Geschlechterungleichheit und gesellschaftlichen Konflikten. Bemängeln würde ich aber trotzdem die gelegentliche Längen und das offene Ende, das nicht alle Erwartungen erfüllt, es bleibt einfach für mich noch zu viel offen.

Insgesamt ist "Schöne Welt, wo bist du" ein kluges, nachdenkliches Porträt der Millennial-Generation, das mit seiner Mischung aus Intimität und gesellschaftlicher Reflexion überzeugt.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Eine nette Abwechslung im Schreibstil, aber leider nicht fesselnd

Die Engel von Alperton
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Die Engel von Alperton ist ein von der Idee her raffiniert wirkender Kriminalroman von Janice Hallett, der die Leserinnen und Leser in die Welt der True-Crime-Autorin Amanda Bailey entführen will. Der ...

Die Engel von Alperton ist ein von der Idee her raffiniert wirkender Kriminalroman von Janice Hallett, der die Leserinnen und Leser in die Welt der True-Crime-Autorin Amanda Bailey entführen will. Der Fall scheint auf den ersten Blick eindeutig, doch wie so oft steckt der Teufel im Detail.

Die Geschichte wird nicht linear erzählt, sondern entfaltet sich durch verschiedene Textsorten wie E-Mails, Nachrichten und andere Dokumente, die nach und nach ein immer klareres Bild des Falls zeichnen. Dieser Ansatz soll vermutlich für eine besondere Nähe zu den Figuren sorgen und die Lesenden selbst zu Ermittlerinnen und Ermittlern werden lassen. Leider hat mich dieser Schreibstil nicht fesseln können, ich empfand es eher als schwierig den roten Faden nicht zu verlieren und auch die verschiedenen Personen und ihre Verbindungen zueinander nicht komplett miteinander zu vermischen

Die Charaktere an sich sind vielschichtig und glaubwürdig angelegt, der Plot überzeugt, wenn man sich dann irgendwann einmal durch den Dschungel von Informationen gewühlt hat, schon ein bisschen, gerade die subtile Kritik an der True-Crime-Kultur zum Ende finde ich doch ganz nett.

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Leider nicht ganz so eindrücklich wie gewünscht

Women
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Chloe Caldwells "Women" ist ein Kurzroman, der die Reise einer jungen Frau durch Selbstfindung und sexuelle Identität erzählt.
Die Protagonistin, eine Autorin in ihren Zwanzigern, zieht in eine Großstadt ...

Chloe Caldwells "Women" ist ein Kurzroman, der die Reise einer jungen Frau durch Selbstfindung und sexuelle Identität erzählt.
Die Protagonistin, eine Autorin in ihren Zwanzigern, zieht in eine Großstadt und verliebt sich zum ersten Mal in eine Frau. 
Der Roman beleuchtet die Unsicherheiten, Freuden und Herausforderungen, die mit dem Entdecken der eigenen queeren Identität einhergehen.
Mit einer Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit versucht sie die Höhen und Tiefen einer lesbischen Liebesbeziehung sowie die damit verbundenen Selbstzweifel und gesellschaftlichen Erwartungen zu beleuchten. Schade ist, dass der Autorin das leider nur vereinzelt gelingt und auch die gesamte Handlung eher etwas oberflächlich wirkt und sie teils etwas mehr Tiefe hätte vertragen können.

Fazit: "Women" ist ein kurzer und leider nur an einigen Stellen eindringlicher Roman über Liebe, Identität und Selbstakzeptanz, der meiner Meinung nach leider dem im Nachwort angesprochenen "Hype" nicht gerecht wird .

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Atmosphärischer, vielschichtiger Krimi

Was am Ufer lauert
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"Was am Ufer lauert" ist der zweite Band der Gardasee-Krimireihe um die Polizeireporterin Gianna Pitti.
Lenz Koppelstätter entführt die Leser erneut an den atmosphärischen Gardasee, wo eine rätselhafte ...

"Was am Ufer lauert" ist der zweite Band der Gardasee-Krimireihe um die Polizeireporterin Gianna Pitti.
Lenz Koppelstätter entführt die Leser erneut an den atmosphärischen Gardasee, wo eine rätselhafte Frauenleiche, ein Entführungsversuch und geheimnisvolle Churchill-Schriften die Handlung bestimmen.
Die Geschichte beginnt mit Gianna, die auf Bitten ihres Vaters einen Informanten treffen soll. Stattdessen entdeckt sie am Ufer eine tote Frau – und eine mysteriöse CD-ROM-Hülle mit dem Titel "Churchills Geheimnis". Gemeinsam mit ihrer Familie und ihrer Chefredakteurin taucht sie in ein Geflecht aus Mord, politischen Intrigen und historischen Geheimnissen ein. Die Ermittlungen führen sie in die Vergangenheit, als ihr Urgroßvater einst Winston Churchill am Gardasee begegnete, und werfen die Frage auf, ob die gefundenen Dokumente die Weltgeschichte verändern könnten.
Koppelstätter verbindet in diesem Krimi gekonnt regionale Atmosphäre mit internationaler Spannung. Die malerische Kulisse des Gardasees steht im Kontrast zu den dunklen Abgründen der menschlichen Natur. Die Protagonistin Gianna Pitti überzeugt durch ihre Neugier, Hartnäckigkeit und familiäre Verbundenheit. Die Mischung aus Familiengeschichte, historischen Rätseln und aktuellen Verbrechen sorgt für ein abwechslungsreiches und spannendes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Sehr unterhaltsam

Minihorror
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Barbi Markovićs „Minihorror“ ist eine ebenso originelle wie unterhaltsame Sammlung von 27 miteinander verbundenen Geschichten, in deren Mittelpunkt das Paar Mini und Miki steht. Die beiden – sie aus Serbien, ...

Barbi Markovićs „Minihorror“ ist eine ebenso originelle wie unterhaltsame Sammlung von 27 miteinander verbundenen Geschichten, in deren Mittelpunkt das Paar Mini und Miki steht. Die beiden – sie aus Serbien, er aus der österreichischen Provinz – kämpfen sich durch den Alltag in Wien, wobei banale Situationen plötzlich ins Surreale kippen und zu kleinen, aber umso bedrohlicheren Horrorszenarien werden: Der Horror des perfekten Familienfrühstücks, Mobbing am Arbeitsplatz, gescheiterte Urlaube oder der Albtraum eines Friseurbesuchs, bei dem nicht nur die Haare, sondern gleich die Kopfhaut ruiniert wird.

Der Stil ist klar, pointiert und von schwarzem Humor durchzogen, wobei immer wieder mit Genrekonventionen gespielt und gebrochen wird.

Trotz aller Skurrilität bleibt „Minihorror“ stets nah an den existenziellen Ängsten der Gegenwart. Marković nimmt Alltagsängste und -katastrophen wortwörtlich und übersetzt Redewendungen oder Sorgen in grotesk-absurde Szenen: Wenn Mini z.B. zu lange auf Instagram scrollt, laufen ihr tatsächlich die Augen aus; wenn jemand von einem Abgrund im Alltag spricht, öffnet sich dieser wirklich.

Ein literarischer Spaß, der den Alltag als Horror-Comic neu erfindet und dabei immer wieder zum Nachdenken anregt.

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