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Veröffentlicht am 17.08.2025

Eine verhängnisvolle Affäre

Bittersüß
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Einmal schon vorweg mein Fazit - der Roman 'Bittersüß', geschrieben von Hattie Williams, ist so gut und intensiv, ich hätte noch weiterlesen können.
Charlie ist Anfang 20 und arbeitet als Presseassistentin ...

Einmal schon vorweg mein Fazit - der Roman 'Bittersüß', geschrieben von Hattie Williams, ist so gut und intensiv, ich hätte noch weiterlesen können.
Charlie ist Anfang 20 und arbeitet als Presseassistentin in einem renommierten Londoner Verlag.
Es ist definitiv ihr Traumjob und mit viel Engagement erarbeitet sie sich die Anerkennung ihrer Vorgesetzten Cecile und bekommt immer mehr Verantwortung übertragen.
Einen absoluten Fangirl-Moment hat Charlie, als sie auf den berühmten Autor Richard Aveling trifft.
Sie bewundert und schwärmt schon seit Jugendtagen für ihn und sein stetig steigendes Interesse an ihr lässt sie quasi schweben.
Der verheiratete und dazu noch 30 Jahre ältere Richard wickelt die junge Charlie um den Finger und eine Affäre, basierend auf psychischer Abhängigkeit, Machtmissbrauch und bittersüßen Momenten, beginnt.
Das Setting rund um das Verlagswesen hat mir sehr gut gefallen und lässt wahrscheinlich das Herz eines jeden Bookies höher schlagen.
Dieser starke und eindringlich geschriebene Roman aus Charlies Sicht lässt einen ganz tief eintauchen in ihre Gefühlswelt.
Entgegen einigen Meinungen empfand ich Charlie nicht als naiv, sondern als sehr authentisch beschrieben.
Ich finde, mit Anfang 20 ist es doch recht realistisch, dass man sich noch nicht zur Gänze gefunden hat und ein 30 Jahre älterer und voll im Leben stehender Mann einen durchaus stark beeinflussen kann.
Sie selbst sieht sich schon von Geburt an als nicht wie andere, mit einem Hang zum Düsteren.
Kein Wunder - dadurch, dass sie im Alter von 16 Jahren ihre Mutter verliert und auch andere negative Erfahrungen macht, trägt sie einige Traumata mit sich herum.

"Es war sehr niedlich, ihn so glücklich zu sehen, selbst für mich, die ich nichts spürte."

Auch diese toxische Beziehung sieht sie sehr realistisch, ist aber einfach nicht in der Lage auszubrechen.
Ich liebe alle Charaktere in dem Roman - Charlie mit ihren tollen Freunden Ophelia und Eddy, ihre Vorgesetzte Cecile, Charlies Familie, Finn etc. Und natürlich empfand ich große Abneigung Richard gegenüber.
Dieses Buch ist bitter, es bewertet zwar nicht, aber es erzählt, zeigt auf und tut weh.
Es beschönigt nicht, sondern lässt auch das Hässliche zu.
Auf der anderen Seite ist es süß, da es auch von schönen Momenten, wertvollen Freundschaften und unerwarteter Unterstützung voller Verständnis erzählt.
Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung, ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Freundschaft

Der Weg nach Hause
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Ein relativ unaufgeregtes Buch über eine Freundschaft und eine tiefe Sehnsucht über viele Jahre hinweg hat die Autorin Sofia Lundberg mit ihrem Roman 'Der Weg nach Hause' geschaffen.
Wir begleiten in ...

Ein relativ unaufgeregtes Buch über eine Freundschaft und eine tiefe Sehnsucht über viele Jahre hinweg hat die Autorin Sofia Lundberg mit ihrem Roman 'Der Weg nach Hause' geschaffen.
Wir begleiten in zwei Zeitebenen die Freundinnen Viola und Lilly durch ihr Leben.
Beginnend am 12. August 1948 in Gotland/Schweden als fröhliche kleine Mädchen in schönen Zeiten. Es folgen auch schwierige Zeiten, einschneidende Erlebnisse, Geburten und Karrieren, bis wir im Jahr 2019 ankommen.
Die Geschichte handelt von einer starken Freundschaft, die trotz Jahren der Entfremdung bestehen bleibt.
Ich habe am liebsten über die jungen Freundinnen gelesen, es war so schön, dieser liebevollen Verbindung beizuwohnen.
Im Laufe des Buches ist Lilly mir etwas fremd geworden, und ich habe vieles nicht nachvollziehen können.
Der Roman hat jetzt nicht das Rad neu erfunden - aber das muss es auch nicht immer.
Ich bin einfach der Erzählung von Lilly und Viola gefolgt und hatte eine entspannte Lesezeit.
Der Schreibstil ist schön und klar und lässt einen nur so durch die Seiten fliegen.
Wer einfach mal etwas abschalten will und Familien- und Freundschaftserzählungen mag, der kann gerne zu diesem Buch greifen und wird nicht enttäuscht werden.






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Veröffentlicht am 08.08.2025

Die Bewertung

Standing Ovations
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Das auffällige Cover, das auf eine gewisse Aufmüpfigkeit hinweist, sowie der ansprechende Klappentext haben mich sofort neugierig auf 'Standing Ovations', von der Autorin Charlotte Runcie, gemacht.
Die ...

Das auffällige Cover, das auf eine gewisse Aufmüpfigkeit hinweist, sowie der ansprechende Klappentext haben mich sofort neugierig auf 'Standing Ovations', von der Autorin Charlotte Runcie, gemacht.
Die Handlung spielt beim Fringe Festival in Edinburgh, wo die junge Künstlerin Hayley ihre erste Live-Performance präsentiert.
Der Kritiker Alex Lyons, der seiner Berufsbezeichnung alle Ehre macht, bewertet Hayleys Show äußerst kritisch - sie erhält nur einen Stern.
Das Schicksal nimmt jedoch eine unerwartet Wendung, als die beiden wenige Stunden später im Bett landen, ohne das Hayley ahnt, mit wem sie es zu tun hat.
Alex bleibt dabei auch erstmal passiv und sagt nicht das er in Hayley's Show war.
Es kommt, wie es kommen muss ... Alex fliegt auf und Hayley nimmt Rache und zwar ordentlich.
Sie wirft ihr komplettes Programm über den Haufen und ruft die Kampagne 'Die Sache mit Alex Lyons' ins Leben.
Auf einmal wendet sich das Blatt und der Kritiker gerät plötzlich selbst in die Kritik und erlebt die unangenehmen Seiten der sogenannte "Cancer Culture" hautnah.
Das Buch thematisiert auf eindrucksvolle Weise die Folgen dieses gesellschaftlichen Phänomens.
Während ich natürlich größtenteils auf Hayley Seite stand, wurde mir ihr Racheakt im Verlauf der Geschichte jedoch irgendwann zu viel.
Dieses öffentliche Denunzieren wurde so auf die Spitze getrieben, dass ich irgendwann dachte - jetzt langt es aber bald mal.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Alex' Kollegin Sophie, die ebenfalls mit ihren Gefühlen gegenüber Alex ringt. Der Roman hat mich von Anfang an gut unterhalten und gefesselt, doch in der zweiten Hälfte verlor die Geschichte an Tempo.
Dadurch wurde sie leider etwas langatmig.
Insgesamt bietet das Buch eine interessante Thematik und einen angenehmen Schreibstil, bleibt jedoch, meiner Meinung nach, etwas hinter seinem Potenzial zurück.
Gerade wegen des aktuellen Themas und der sehr guten ersten Hälfte, hatte ich ein paar nette Lesestunden.



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Veröffentlicht am 02.08.2025

Sehr atmosphärisch

Der Krabbenfischer
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Kennt Ihr das, wenn man schon am Anfang eines Buches spürt, dass da wohl nicht die spannendste Geschichte auf einen zukommt, aber dafür ganz viel Atmosphäre?!
So erging es mir bei ,Der Krabbenfischer' ...

Kennt Ihr das, wenn man schon am Anfang eines Buches spürt, dass da wohl nicht die spannendste Geschichte auf einen zukommt, aber dafür ganz viel Atmosphäre?!
So erging es mir bei ,Der Krabbenfischer' von Benjamin Wood.
Der junge, gerade mal 20-jährige Thomas Flett ist Krabbenfischer. Nicht wirklich aus höchster Leidenschaft heraus, sondern weil sein Pop (Großvater) es auch war.
Thomas wirkt von den äußeren Beschreibungen und seiner wortkargen Art her recht grobschlächtig, doch wirkliches Interesse und eine Leidenschaft hat er für die feinen Künste.
Er übt heimlich auf seiner Gitarre, schreibt Texte und erfindet Melodien und liest sehr gerne.
Mit dem harten Job des Krabbenfischens verdient er mehr schlecht als recht den Unterhalt für sich und seine Mutter.
Als eines Tages der Regisseur Edgar Acheson in sein Leben tritt und ihn um Hilfe bei seinem Film bittet, kommt etwas mehr Schwung und Freude in Thomas' Leben.
Edgar ist angetan von der Kargheit Longferrys, und gerade der Strand und das Meer bei Niedrigwasser bieten mit ihrer mystischen Atmosphäre gutes Material für seinen Film.
Die zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, verspüren schnell eine freundschaftliche Anziehung zueinander und machen sich bei Niedrigwasser auf - immer auf der Hut vor den gefährlichen Senklöchern.
Dieser Roman lebt für mich durch seine poetische und bildhafte Sprache.
Ich konnte die Kälte spüren, die beschriebenen Gerüche riechen, den warmen Körper des Pferdes spüren.
Zum Schluss hin hat mich das Buch leider verloren.
Ich für meinen Teil mochte diese Wendung am Ende nicht und hätte mir einen anderen, eventuell offenen Abschluss gewünscht.
Dies ist allerdings mein subjektives Empfinden, und da mich die atmosphärischen Beschreibungen in den ersten zwei Dritteln des Romans fesseln konnten, habe ich die Geschichte von Thomas Flett trotzdem gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Frauensolidarität

Die Tochter
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Der Roman, 'Die Tochter' von Guadalupe Nettel, ging in eine ganz andere Richtung, als ich anfangs dachte, und hat mich immer ein Stückchen mehr mitgenommen.
Die Freundinnen Alina und Laura umtreiben die ...

Der Roman, 'Die Tochter' von Guadalupe Nettel, ging in eine ganz andere Richtung, als ich anfangs dachte, und hat mich immer ein Stückchen mehr mitgenommen.
Die Freundinnen Alina und Laura umtreiben die gleichen Gedanken wie wahrscheinlich viele Frauen. Muttersein - ja oder nein?
Sagen beide anfangs in ihren Zwanzigern kategorisch nein, wandelt sich diese Einstellung bei Alina komplett und sie wird gewollt schwanger.
Leider läuft es nicht wie erhofft und ihr Kind wird mit einem seltenen Gen-Defekt geboren.
Hätte man jetzt vermutet, dass Laura sich von ihrer Freundin abwendet und eventuell sogar mit erhobenem Zeigefinger Reden schwingt, da täuscht man sich.
Laura hält an ihrer Einstellung, nicht Mutter sein zu wollen, fest, aber steht weiterhin zu ihrer Freundin und deren Entscheidungen und freundet sich auch mit einem kleinen Jungen und seiner Mutter an.
Ich finde, diese Thematik rund um das Thema Mutterschaft ist nicht immer einfach zu behandeln, und das ist der Autorin hier sehr gut gelungen.
Der Roman verurteilt nicht - er nimmt sich der unterschiedlichen Themen und Überzeugungen an.
Schön zu spüren und zu lesen war diese große Solidarität der Frauen untereinander.
Trotz der Zerrissenheit im Denken und Handeln. Das hat mich am meisten begeistert und auch berührt.
Die Thematik um Alina und ihre Tochter Inès ist zwar schwierig und traurig, aber auch hoffnungsvoll.
Einzig das Ende ging mir dann doch zu flott und ich hätte gerne noch ein paar Seiten Zeit gehabt, um mich aus der Erzählung zu verabschieden.

Wer gerne Bücher dieser Art liest, dem kann ich nur ans Herz legen, hierbei zuzugreifen.
Ein wirklich gutes Buch.

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