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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2025

Schreiblust

Die Briefeschreiberin
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Auf diesen Roman war ich wirklich gespannt und hatte tatsächlich auch leise Bedenken - ein komplettes Buch in Briefform, ob das funktioniert?!
Was soll ich sagen ... Ja, funktioniert und das auch noch ...

Auf diesen Roman war ich wirklich gespannt und hatte tatsächlich auch leise Bedenken - ein komplettes Buch in Briefform, ob das funktioniert?!
Was soll ich sagen ... Ja, funktioniert und das auch noch richtig, richtig gut.
Die 73-jährige Sybil van Antwerp, geborene Stone, Juristin im Ruhestand und ehemalige Referentin und rechte Hand eines erfolgreichen Richters, 3-fach-Mutter, geschieden und, was ich besonders schön fand - begeisterte Buchliebhaberin.
Sie begleiten wir durch ihre Vergangenheit und das Hier und Jetzt.
Das geschriebene Wort ist ihre favorisierte Ausdrucksform, da kann sie vorher genau überlegen, was sie zu sagen hat, und Sybil hat viel zu sagen.
Ich bin völlig eingetaucht in ihren Briefwechsel mit Freunden, Familie, Verehrern und Unbekannten.
Ich fand ihre ehrliche Art äußerst erfrischend und habe oft geschmunzelt, aber auch mitgelitten oder mich über Sybil geärgert, wenn sie doch wieder mal überraschend kritisch über zwei ihrer Kinder spricht.
Im hinteren Teil des Buches gibt es ein Verzeichnis der Menschen, mit denen sie schreibt, und nach und nach entwickelt sich eine Geschichte, ein Leben.
Ein sehr schöner und kurzweiliger Roman, der mich komplett mitgenommen hat in Sybils Welt.
Ich hatte viel Freude an dem Roman und habe immer gerne danach gegriffen.
Überzeugt Euch gerne selbst.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Rauschhaft

Top Girls
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Den Debütroman 'Top Girls' von Ana Drezga kann man schwer anhand einer Story beschreiben, sondern als Gefühl oder noch eher als Rausch.
Wir begleiten Liv und ihre Mitbewohner Dana und Nore durch den kalten ...

Den Debütroman 'Top Girls' von Ana Drezga kann man schwer anhand einer Story beschreiben, sondern als Gefühl oder noch eher als Rausch.
Wir begleiten Liv und ihre Mitbewohner Dana und Nore durch den kalten November in Wien. Hin und wieder eine wilde Party mit offenem Ende - ekstatisch.
Liv ist Tänzerin am Theater, aber es ist nicht ihre Passion. Sie ist eine Suchende, verloren gegangen in dieser großen Stadt. Sie ist auf der Suche nach sich selbst, nach Schlaf, nach Liebe und nach ihren Gefühlen. Bindungs- und Existenzängste machen ihr das Leben schwer.
Nach einem Schicksalsschlag in der Familie besucht sie ihre alte Heimat und findet auch dort keine Ruhe.
Die Top Girls in Livs Straße sind Spiegel ihrer Seele und repräsentieren für mich die Vergänglichkeit der schillerndsten Momente.
Ein Buch, das einen durch die Seiten treibt, wie der harte Bass durch eine Clubnacht.
Meine Lesevorliebe hat es nicht ganz getroffen - das Tempo war mir persönlich zu schnell und ich damit leicht überfordert.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Zeitgeschichte

Treppe aus Papier
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Mit dem Roman 'Treppe aus Papier' hat Henrik Szántó ein beeindruckendes Werk geschaffen, das durch seine erzählerische Tiefe und seine vielschichtige Thematik besticht.
Das besondere an diesem Buch ist ...

Mit dem Roman 'Treppe aus Papier' hat Henrik Szántó ein beeindruckendes Werk geschaffen, das durch seine erzählerische Tiefe und seine vielschichtige Thematik besticht.
Das besondere an diesem Buch ist die Erzählung, die sich um ein Mehrfamilienhauses dreht und die vielfältigen Geschichten und Ereignisse, die dieses Haus im Laufe der Jahrzehnte erlebt hat.
Da ein Haus Erinnerungen anders speichert als ein Mensch, sind die Erzählungen oft vielschichtig und überlagert.
Dies macht das Lesen manchmal herausfordernd, da man gelegentlich einen Moment zurückblättern muss, um den zeitlichen Kontext besser zu erfassen.
Der Roman spannt den Bogen von der NS-Zeit bis in die Gegenwart und schildert die Geschichte der Bewohner*innen sowie die Zeitgeschichte, die das Haus geprägt hat.
Irma, die 90 Jahre alt ist, hat vieles miterlebt.
Sie lebte bereits während der Hitlerzeit mit ihren regimegetreuen Eltern in diesem Haus und kehrte später zurück - getragen von einer schweren Schuld, die sie nie ganz loslassen konnte.
Nele, die im vierten Stock wohnt - ehemals die Wohnung der jüdischen Familie Sternheim - lernt durch Irma viel über diese dunkle Zeit.
Durch die Erzählungen der Zeitzeugin wird Nele neugierig und vertieft sich in die Geschichte, insbesondere in die Familiengeschichte ihrer eigenen Vorfahren.
Mich hat der poetische Schreibstil von Szántó sehr fasziniert.
Trotz gelegentlicher Unterbrechungen im Lesefluss hat mich die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, tief berührt.
Besonders begeistert hat mich die originelle Idee eines erzählenden Hauses, das die Geschichte seiner Bewohner lebendig werden lässt.
Ich kann Euch 'Treppe aus Papier' nur ans Herz legen und finde, dass es ein berührendes Buch ist, das zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Eine verhängnisvolle Affäre

Bittersüß
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Einmal schon vorweg mein Fazit - der Roman 'Bittersüß', geschrieben von Hattie Williams, ist so gut und intensiv, ich hätte noch weiterlesen können.
Charlie ist Anfang 20 und arbeitet als Presseassistentin ...

Einmal schon vorweg mein Fazit - der Roman 'Bittersüß', geschrieben von Hattie Williams, ist so gut und intensiv, ich hätte noch weiterlesen können.
Charlie ist Anfang 20 und arbeitet als Presseassistentin in einem renommierten Londoner Verlag.
Es ist definitiv ihr Traumjob und mit viel Engagement erarbeitet sie sich die Anerkennung ihrer Vorgesetzten Cecile und bekommt immer mehr Verantwortung übertragen.
Einen absoluten Fangirl-Moment hat Charlie, als sie auf den berühmten Autor Richard Aveling trifft.
Sie bewundert und schwärmt schon seit Jugendtagen für ihn und sein stetig steigendes Interesse an ihr lässt sie quasi schweben.
Der verheiratete und dazu noch 30 Jahre ältere Richard wickelt die junge Charlie um den Finger und eine Affäre, basierend auf psychischer Abhängigkeit, Machtmissbrauch und bittersüßen Momenten, beginnt.
Das Setting rund um das Verlagswesen hat mir sehr gut gefallen und lässt wahrscheinlich das Herz eines jeden Bookies höher schlagen.
Dieser starke und eindringlich geschriebene Roman aus Charlies Sicht lässt einen ganz tief eintauchen in ihre Gefühlswelt.
Entgegen einigen Meinungen empfand ich Charlie nicht als naiv, sondern als sehr authentisch beschrieben.
Ich finde, mit Anfang 20 ist es doch recht realistisch, dass man sich noch nicht zur Gänze gefunden hat und ein 30 Jahre älterer und voll im Leben stehender Mann einen durchaus stark beeinflussen kann.
Sie selbst sieht sich schon von Geburt an als nicht wie andere, mit einem Hang zum Düsteren.
Kein Wunder - dadurch, dass sie im Alter von 16 Jahren ihre Mutter verliert und auch andere negative Erfahrungen macht, trägt sie einige Traumata mit sich herum.

"Es war sehr niedlich, ihn so glücklich zu sehen, selbst für mich, die ich nichts spürte."

Auch diese toxische Beziehung sieht sie sehr realistisch, ist aber einfach nicht in der Lage auszubrechen.
Ich liebe alle Charaktere in dem Roman - Charlie mit ihren tollen Freunden Ophelia und Eddy, ihre Vorgesetzte Cecile, Charlies Familie, Finn etc. Und natürlich empfand ich große Abneigung Richard gegenüber.
Dieses Buch ist bitter, es bewertet zwar nicht, aber es erzählt, zeigt auf und tut weh.
Es beschönigt nicht, sondern lässt auch das Hässliche zu.
Auf der anderen Seite ist es süß, da es auch von schönen Momenten, wertvollen Freundschaften und unerwarteter Unterstützung voller Verständnis erzählt.
Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung, ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Freundschaft

Der Weg nach Hause
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Ein relativ unaufgeregtes Buch über eine Freundschaft und eine tiefe Sehnsucht über viele Jahre hinweg hat die Autorin Sofia Lundberg mit ihrem Roman 'Der Weg nach Hause' geschaffen.
Wir begleiten in ...

Ein relativ unaufgeregtes Buch über eine Freundschaft und eine tiefe Sehnsucht über viele Jahre hinweg hat die Autorin Sofia Lundberg mit ihrem Roman 'Der Weg nach Hause' geschaffen.
Wir begleiten in zwei Zeitebenen die Freundinnen Viola und Lilly durch ihr Leben.
Beginnend am 12. August 1948 in Gotland/Schweden als fröhliche kleine Mädchen in schönen Zeiten. Es folgen auch schwierige Zeiten, einschneidende Erlebnisse, Geburten und Karrieren, bis wir im Jahr 2019 ankommen.
Die Geschichte handelt von einer starken Freundschaft, die trotz Jahren der Entfremdung bestehen bleibt.
Ich habe am liebsten über die jungen Freundinnen gelesen, es war so schön, dieser liebevollen Verbindung beizuwohnen.
Im Laufe des Buches ist Lilly mir etwas fremd geworden, und ich habe vieles nicht nachvollziehen können.
Der Roman hat jetzt nicht das Rad neu erfunden - aber das muss es auch nicht immer.
Ich bin einfach der Erzählung von Lilly und Viola gefolgt und hatte eine entspannte Lesezeit.
Der Schreibstil ist schön und klar und lässt einen nur so durch die Seiten fliegen.
Wer einfach mal etwas abschalten will und Familien- und Freundschaftserzählungen mag, der kann gerne zu diesem Buch greifen und wird nicht enttäuscht werden.






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