Profilbild von Karin1910

Karin1910

Lesejury Star
offline

Karin1910 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Karin1910 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2025

Mörderjagd in Bad Gastein

Leichenschmaus mit Kaiserschmarrn
0

Valerie Thaller betreibt gemeinsam mit ihrem Mann das seit langem im Familienbesitz befindliches Grand Hotel in Bad Gastein. Doch die Idylle wird jäh gestört, als sie auf die Leiche von Lieselotte Hehenberg ...

Valerie Thaller betreibt gemeinsam mit ihrem Mann das seit langem im Familienbesitz befindliches Grand Hotel in Bad Gastein. Doch die Idylle wird jäh gestört, als sie auf die Leiche von Lieselotte Hehenberg stößt, Erbin einer großen Möbelhauskette, Moderatorin einer beliebten Fernsehsendung und Stammgast im Grand Hotel. Dass es Mord war, ist offensichtlich, wer der Täter ist, dagegen völlig unklar. Als das Hotel in negative Schlagzeilen gerät und die Polizei auf der Stelle zu treten scheint, entschließen sich Valerie und ihre beste Freundin Nora, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen.

Der Klappentext bezeichnet dieses Buch als „Wohlfühlkrimi“, und dies sicher zurecht.
Valerie, aus deren Perspektive durchgehend erzählt wird, ist eine sympathische Protagonistin. Ein großer Teil des Inhalts dreht sich um den Alltag ihrer Familie und in ihrem Hotel. Sie sowie die Personen aus ihrem Umfeld sind nachvollziehbar und lebendig gezeichnet. Ich konnte mich daher wunderbar in sie hineinversetzen und es ist schön, sie bei ihren Abenteuern zu begleiten.
Auch Bad Gastein als Schauplatz ist an sich gut gewählt, kommt meiner Meinung nach jedoch nicht genug zur Geltung. Valerie spaziert zwar immer wieder durch die Gegend, wobei Straßen, Wege und Orte weitgehend mit ihrem richtigen Namen bezeichnet werden, die Namen von Hotels etc jedoch in der Regel erfunden bzw verfremdet wurden. Die Beschreibungen von Gebäuden oder Landschaften hätten aber ausführlicher und plastischer sein können, damit auch Leute, die noch nie in Gastein waren, sich die jeweilige Umgebung besser vorstellen können.
Der Kriminalfall kann mit einigen Verdächtigen und möglichen Motiven aufwarten, ist objektiv betrachtet allerdings nicht besonders aufregend und die Auflösung nicht wirklich überraschend. Die Handlung schreitet Großteils sehr gemächlich voran, erst gegen Ende gibt es eine beinahe übertrieben dramatische Szene.
Dennoch hat mich die Lektüre gut unterhalten und ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Typische Krimi-Spannung darf man eben nicht erwarten, dafür wird ein paar Mal gekocht (allerdings kein Leichenschmaus) und die Rezepte im Anhang stellen einen interessanten Mehrwert dar.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Was von der Menschheit bleibt

Die Welt ohne uns
0

Was würde mit der Erde und ihren Lebewesen passieren, wenn „morgen“ alle Menschen plötzlich verschwinden? Welche Tier- und Pflanzenarten wären die Nutznießer, wie lange würden die Hinterlassenschaften ...

Was würde mit der Erde und ihren Lebewesen passieren, wenn „morgen“ alle Menschen plötzlich verschwinden? Welche Tier- und Pflanzenarten wären die Nutznießer, wie lange würden die Hinterlassenschaften der Menschheit (etwa Kohlendioxid, radioaktive Abfälle oder Plastikmüll) die Umwelt noch belasten und könnte die Natur tatsächlich zu dem Zustand zurückkehren, in dem sie sich befand, bevor der Aufstieg des Homo sapiens begann? Derartigen Fragen geht dieses Buch nach.
Es handelt sich hier um ein spannendes Gedankenexperiment, von dem ausgehend der Autor immer weitere Kreise zieht. Neben (für ihn) naheliegenden Zielen wie einem Haus in der amerikanischen Vorstadt oder der New Yorker U-Bahn besucht er zahlreiche unterschiedliche Orte, von afrikanischen Nationalparks bis zu entvölkerten Grenzstreifen in Zypern oder Korea, von Industrieanlagen bis zu einem Korallenriff im Pazifik. Der Schwerpunkt liegt aber auf (Nord)Amerika.
Die Herkunft des Autors aus den USA ist also deutlich erkennbar, ebenso seine Herkunft aus dem Journalismus. Die einzelnen Kapitel wirken eher wie unabhängige Zeitungsartikel, was durch viele Interviews und Geschichten zum Hintergrund der Interviewpartner noch verstärkt wird. Mir hat ein bisschen der rote Faden gefehlt. Dennoch ist die Zusammenstellung von Einzelbeispielen aus der ganzen Welt interessant und regt zum Nachdenken an.
Für die „aktualisierte Ausgabe“ 2022 wurde das Buch nur um ein Nachwort ergänzt, der Rest ist jedoch auf dem Stand von 2007. Was die behandelten Themen betrifft, führte dies zwar manchmal zu „Zeitreisefeeling“ (vom Ozonloch habe ich beispielsweise seit Jahren nichts mehr gehört), viele Dinge haben sich aber erschreckend wenig geändert bzw sind in den letzten 17 Jahren noch weitaus schlimmer geworden.
Insgesamt kann ich dieses Werk weiterempfehlen. Obwohl es von den harten Fakten her keine großen Neuigkeiten zu bieten hat, wird sehr gut deutlich gemacht, dass das Leben auch ohne uns weiterexistieren wird und nur hinreichend viel Zeit verstreichen muss, bis fast nichts mehr auf die einstige Existenz der Menschheit hindeutet.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Für Fans von Abenteuerromanen

Tankred: Weihrauch und Schwert
0

Ostfränkisches Reich im Jahr 882: Der Überfall der Dänen auf Kloster Prüm ist für Tankred einerseits ein Schock, letztlich aber auch eine Befreiung. Denn so sehr er auch in seiner Tätigkeit als Bibliothekar ...

Ostfränkisches Reich im Jahr 882: Der Überfall der Dänen auf Kloster Prüm ist für Tankred einerseits ein Schock, letztlich aber auch eine Befreiung. Denn so sehr er auch in seiner Tätigkeit als Bibliothekar aufgeht, befindet er sich doch nicht freiwillig im Kloster, sondern wurde vor zwölf Jahren nach einem Aufsehen erregenden Skandal dorthin verbannt.
Bevor er sich Gedanken über seine eigene Zukunft machen kann, muss er jedoch erst seiner Schwester Judith zu Hilfe eilen. Denn diese befand sich in Aachen, das ebenfalls von den Dänen verheert wurde. Und Tankred ist – aus gutem Grund - der Einzige in seiner Familie, der weiß, dass Judith noch am Leben ist.

Am Anfang hat mir der Roman richtig gut gefallen. Tankred ist ein sympathischer Held, der in Ich-Form und mit einigem Humor von seinen Erlebnissen erzählt. Wie der Autor im Nachwort eingesteht, liegt er mit seiner kritischen Einstellung zur Religion und seinem Rationalismus am Rand des für einen Menschen der damaligen Zeit denkbaren, doch macht ihn dies auch nahbar und seine Gedankengänge weitgehend nachvollziehbar.
Mit der Zeit wird die Handlung jedoch immer eintöniger. Tankred reist durch entvölkerte und vielfach von den Dänen verwüstete Landstriche, fragt (mit wechselndem Erfolg) so ziemlich jeden nach seiner Schwester, nimmt an der einen oder anderen Schlacht teil etc. Die Geschichte dreht sich über weite Strecken im Kreis. Echte Spannung kommt nicht auf und es gibt auch keine Überraschungen. Das Ende kommt dann zu abrupt.
Immerhin treten viele interessante Personen auf. Über manche hätte ich gern mehr erfahren, aber vielleicht kommt das ja noch in den Fortsetzungen.
Insgesamt ein ganz gelungener Abenteuerroman, in den auch ein paar Informationen zum historischen Hintergrund eingearbeitet wurden. Wirklich begeistern konnte er mich jedoch nicht. Mir hat das „gewisse Etwas“ gefehlt.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Die Geschichte des Standardmodells der Teilchenphysik

Das größte Abenteuer der Menschheit
0

„Das größte Abenteuer der Menschheit“ - nach Meinung von Lawrence Krauss handelt es sich dabei um die Aufdeckung der unserer Erfahrungswelt zugrunde liegenden verborgenen Wirklichkeiten durch die Wissenschaft. ...

„Das größte Abenteuer der Menschheit“ - nach Meinung von Lawrence Krauss handelt es sich dabei um die Aufdeckung der unserer Erfahrungswelt zugrunde liegenden verborgenen Wirklichkeiten durch die Wissenschaft. Er erzählt hier daher davon, wie das Standardmodell der Teilchenphysik hergeleitet wurde, was dieses über Vergangenheit und Zukunft des Universums (und damit eventuell auch unsere Zukunft) aussagt und welche teilweise heroischen Akteure an seiner Formulierung beteiligt waren.
Die Reise führt von Isaac Newtons Versuch, die Natur des Lichts zu erklären, bis zum Nachweis des Higgs-Bosons. Es ist eine Geschichte von überraschenden Durchbrüchen und unerwarteten Rückschlägen, von ausgeklügelten Experimenten und großartigen Entdeckungen, aber auch von Zeiten der Verwirrung und Resignation, die jedoch immer wieder durch grandiose Geistesblitze beendet wurden. Auch heute sind in diesem Bereich noch viele Fragen offen, was allerdings in der Wissenschaft der Normalfall ist und immerhin bedeutet, dass das Abenteuer weitergeht.
Trotz des komplexen Inhalts ist dieses Werk in einem lockeren Tonfall gehalten und in einem angenehmen, leicht lesbaren Stil verfasst. Der Autor hat es nicht nötig, sich hinter Wortungetümen oder Schachtelsätzen zu verstecken, auch der Einsatz von Fachvokabular beschränkt sich auf das tatsächlich nötige. Das einzige, das mich ein bisschen gestört hat, waren die vor allem im ersten Teil zu häufigen Seitenhiebe auf die Religion.
Auch kompliziertere Konzepte werden mittels Analogien aus dem Alltag (beispielsweise die Spiegelung von linker und rechter Hand oder Eisblumen am Fenster) veranschaulicht, was es für mich einfacher gemacht hat, zumindest die Grundzüge der hier vorgestellten Theorien und Modelle nachzuvollziehen.
Fazit: Dieses Buch ist eine durchaus anspruchsvolle Lektüre. Ich habe sicher nicht jedes Detail des Inhalts verstanden. Trotzdem (oder gerade deswegen) ist es ein sehr gelungenes populärwissenschaftliches Werk, der Autor traut den Lesern eben auch zu, sich mit echter Wissenschaft auseinander zu setzen.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Selbstgerechte und selbstmitleidige Protagonistin

Wovon wir leben
0

Die Grundidee dieses Romans und die Tatsache, dass es sich bei der Autorin um eine Bachmannpreisträgerin handelt, haben mein Interesse geweckt. Die Geschichte konnte mich jedoch nicht überzeugen. Dies ...

Die Grundidee dieses Romans und die Tatsache, dass es sich bei der Autorin um eine Bachmannpreisträgerin handelt, haben mein Interesse geweckt. Die Geschichte konnte mich jedoch nicht überzeugen. Dies liegt vor allem an der wehleidigen und selbstgerechten Ich-Erzählerin:
Julia hat ihren Job als Krankenschwester in Salzburg verloren und seither auch mit großen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Sie sieht sich daher gezwungen, in ihr Elternhaus in Innergebirg zurück zu kehren. Doch dort sind die Verhältnisse anders als erwartet. Die Mutter lebt nun in Italien und statt dass die Eltern sich um sie kümmern, ist Julia gezwungen, sich um den Vater zu kümmern. Was für sie natürlich ganz furchtbar ist.
Dass etwa der Vater alleine nach Salzburg fährt, dort ihre Wohnung ausräumt und übergibt, all ihre Sachen zusammenpackt und zurück transportiert, sieht sie als selbstverständlich an. Wenn sie mal eine Suppe für ihn kocht, erscheint dies dagegen bereits als beinahe unzumutbare Anstrengung.
Wie sie auch sonst alles an ihrer Familie und ihrem nunmehrigen Wohnort in düsteren Farben sieht.
Auch die Bekanntschaft mit dem ebenfalls rekonvaleszenten „Städter“ Oskar, der eine deutlich positivere Lebenseinstellung hat, ändert daran nichts, sondern lässt ihren Negativismus nur umso deutlicher hervortreten.
Bei all dem fiel es mir zunehmend schwerer, Sympathien für die Protagonistin aufzubringen oder mit ihr mitzufühlen. Bei der von ihr gezeigten Geisteshaltung ist es kein Wunder, dass es ihr mit fast 40 Jahren nicht gelungen ist, sich ein eigenes soziales Umfeld abseits von (entfremdeter) Familie und (verhasstem) Herkunftsort aufzubauen, von dem sie Unterstützung erwarten könnte.
Auch das hier vermittelte Frauenbild ist problematisch. Schlimm genug beispielsweise, dass es Männer gibt, die Frauen als unfähige Hascherln sehen. Dieses Bild muss nicht auch noch von einer Autorin transportiert werden. Beispiel: Dem Vater wird mehrmals, um nicht zu sagen ständig, vorgeworfen, dass er Jahrzehnte vorher – diese Episode dürfte ca in den 1980er oder 1990er Jahren spielen – der Bitte der Mutter nicht nachgekommen ist, mit dem kranken Bruder rechtzeitig ins Krankenhaus zu fahren. Der Mutter wird an der mutmaßlich daraus resultierenden Behinderung jedoch keinerlei Schuld gegeben. Dabei hätte sie wohl - auch wenn sie, wie ebenfalls ständig beklagt wird, keinen Führerschein hatte - ein Taxi oder die Rettung rufen oder eine Freundin oder einen Nachbarn um Hilfe bitten können.
Irgendeine Form von Eigeninitiative ist aber offensichtlich nicht vorgesehen, lieber jammern und den Umständen die Schuld geben. (Zugegeben, auch die meisten Männer machen diesbezüglich keine bessere Figur.)
Aus all diesen Gründen fand ich die Lektüre über weite Strecken nervig und häufig richtiggehend ärgerlich. Außerdem war für mich nicht erkennbar, worauf die Autorin mit ihrer Geschichte eigentlich hinaus will.