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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.09.2019

Ein Lesehighlight

Es wird Zeit
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Das ist nicht mein erster Roman von Ildiko von Kürthy, der mich gut unterhalten hat, aber der erste, der mich dabei auch beeindruckt hat, weil ich mich zwischen den Zeilen so oft wiedererkannt habe.
Für ...

Das ist nicht mein erster Roman von Ildiko von Kürthy, der mich gut unterhalten hat, aber der erste, der mich dabei auch beeindruckt hat, weil ich mich zwischen den Zeilen so oft wiedererkannt habe.
Für dieses wundervolle Buch braucht man allerdings meiner Meinung nach schon ein/e gewisse/s Lebensalter und -erfahrung, um manche Gedankengänge nachvollziehen zu können.

Judith als Protagonistin war mir sofort sehr nah, weil mir einige ihrer Fragen über das bisher gelebte Leben sehr bekannt vorgekommen sind. Die 2. Lebenshälfte, also ü 50, hat bei mir zumindest auch die eine oder andere gedankliche Verwirrung hervorgerufen, so dass ich mich gut in sie hineinversetzen konnte. Im Roman gibt es jede Menge Lebensweisheiten, mein Lieblingszitat ist dieses: "Ich finde, zum gelungenen Älterwerden gehört, zu akzeptieren, dass nicht alles so gelaufen ist, wie man sich das Anfang zwanzig mal ausgedacht hatte." Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Aber dieser Roman hat noch so viel mehr zu bieten als gut Ratschläge. Es geht um langjährige Freundschaften, Träume, auch unerfüllte, den Mut zum Neubeginn und zu seinen eigenen Entscheidungen und um Abschiede. Mit Judith und ihrem durchweg sympathischem Freundeskreis hatte ich viel Spaß, aber die eine oder andere Träne war auch dabei.

Schon das Cover hat mir sehr gut gefallen und mich an die 50-er Jahre erinnert. Zufall oder ein Bezug zum Alter der Protagonistin? Durch den angenehmen Schreibstil sind die Kapitel nur so dahingeflogen und ich war sehr schnell mitten im Geschehen.

Ich habe jede Buchseite genossen, auch wegen der schönen colorierten Zeichnungen, die auf die einzelnen Kapitel abgestimmt sind.
Meine Empfehlung lautet daher: "Es wird Zeit", dies Buch möglichst schnell zu lesen.

Veröffentlicht am 30.08.2019

Das Leben geht weiter

Die andere Hälfte der Augusta Hope
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„Die andere Hälfte der Augusta Hope“ ist ihre einige Minuten ältere Zwillingsschwester Julia. Wie schon die Vornamen zeigen, sind die Mädchen im Juli und August geboren worden und auch sonst so unterschiedlich ...

„Die andere Hälfte der Augusta Hope“ ist ihre einige Minuten ältere Zwillingsschwester Julia. Wie schon die Vornamen zeigen, sind die Mädchen im Juli und August geboren worden und auch sonst so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Julia ist die eher introvertierte, angepasste, die viele Dinge nur den Eltern zuliebe erledigt. Augusta dagegen ist extrovertiert, laut, neugierig und extrem wissensdurstig. Sie schreckt auch nicht vor unbequemen Fragen zurück und überfordert mit ihrem Verhalten oft ihre Eltern.

Joanna Glen beschreibt aus der Sicht Augustas das Familienleben von der Kindheit bis zu jungen Erwachsenen. Erlebnisse der Schulzeit, die erste Liebe, Familienurlaube und auch das tägliche Einerlei werden ausdrucksstark beschrieben und lassen sich flüssig lesen. Im Vordergrund dieses Handlungsstrangs steht allerdings fast immer Augusta und Julia taucht so auf, wie sie auch gelebt hat, eher im Hintergrund.

Parallel dazu wird in einem zweiten Handlungsstrang das Leben von Parfait beschrieben, der in Burundi in einer großen Familie aufwächst. Als diese durch Krieg und Gewaltverbrechen zerstört wird, flüchtet er mit seinem kleinen Bruder nach Spanien. Nur er allein kommt dort an.

Augusta als auch Parfait teilen viele Gemeinsamkeiten und Vorlieben, ohne sich zu kennen, und beide müssen schwere Schicksalsschläge verarbeiten. Es geht immer wieder um Trauer- und Verlustbewältigung, aber auch Hoffnung und Neuanfänge.
Erst im letzten Viertel des Romans treffen sie sich aufeinander und schreiben eine gemeinsame Geschichte.

Obwohl mir der Schreibstil sehr gut gefallen hat und auch die Protagonisten sehr sympathisch und authentisch wirken bin ich mit der Handlung an sich nicht wirklich warm geworden. Daher bewerte ich auch „nur“ mit 3,5 Sternen.

Veröffentlicht am 29.08.2019

KEIN leichter Sommerroman

Die Gärten von Monte Spina
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Die 30-jährige Toni ist immer noch völlig gefangen in ihrer Trauer um ihren verstorbenen Ehemann, gibt sie sich doch die Schuld an seinem Tod. Lediglich die Arbeit mit Blumen und Pflanzen gibt ihr Halt ...

Die 30-jährige Toni ist immer noch völlig gefangen in ihrer Trauer um ihren verstorbenen Ehemann, gibt sie sich doch die Schuld an seinem Tod. Lediglich die Arbeit mit Blumen und Pflanzen gibt ihr Halt und das Angebot eines Jobs auf einer kleinen Insel im Atlantik kommt wie gerufen.

Schon das Cover hat mich bezaubert und ich habe mir einen romantischen Liebesroman voller Emotionen in malerischer Kulisse vorgestellt – eben eine locker leichte Sommerlektüre.

Malerische Kulissen gab es im Überfluß und eine schöner als die andere, aber locker leicht war die Geschichte nicht gerade, zumindest dann nicht, wenn Bror, der Besitzer der Insel, in Erscheinung getreten ist.

Toni ist an sich ein sympathischer Mensch und geht völlig in ihrem Beruf auf. Allerdings ist sie für ihr Alter doch ziemlich blauäugig und glaubt anscheinend an das Gute im Menschen Ihre Neugierde bringt sie auch oft in unangenehme Situationen.

Sie trifft auf Bror, der Spaß daran hat, Menschen zu manipulieren, zu drangsalieren, sich an ihrer Schwäche zu ergötzen und dabei auch vor Handgreiflichkeiten nicht zurückschreckt: kurz gesagt er ist ein Dreckstück, wie es im Buche steht.

Und doch ist Toni davon überzeugt, dass er auch eine gute Seite an sich hat.

Obwohl ich Menschen wie Bror geradezu verabscheue habe ich mich dabei ertappt, dass ich allein beim Lesen von der Ausstrahlung dieses Mannes völlig fasziniert war und so doch nachvollziehen konnte, welche Gefühlsachterbahn Toni gerade durchlief. Gut gefallen hat mir auch ihre Entwicklung vom eingeschüchterten Mäuschen zu einer mutigen Frau mit eigener Meinung, auch dem Arbeitgeber gegenüber. Dieser Roman lebt vom Aufeinandertreffen der Gegensätze „Gut“ und „Böse“, und ich war öfter kurz davor, das Buch in die Ecke zu feuern, weil ich einige Szenen unterirdisch fand. Meine Neugier hat mich aber weiterlesen lassen und darüber bin ich nun doch froh. Denn letzten Endes geht es „nur“ um zwei verwundete Seelen und ihre Art, sich ihren Platz in der Welt zu suchen.

Für den schönen Schreibstil, die wunderbaren Gartenbeschreibungen, die interessanten Charaktere und die Kunst, selbst ein Dreckstück so faszinierend zu beschreiben, gibt es von mir 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 25.08.2019

Svea Kopetzkis erster Fall

Der Tote vom Elbhang
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Anke Küppers erster Krimi um die sympathische Ermittlerin Svea Kopetzki spielt in einem hamburger Vorzeigeviertel.

Die Zwangsversteigerung eines ziemlich verwahrlosten Hauses in einem Schickimicki-Viertel ...

Anke Küppers erster Krimi um die sympathische Ermittlerin Svea Kopetzki spielt in einem hamburger Vorzeigeviertel.

Die Zwangsversteigerung eines ziemlich verwahrlosten Hauses in einem Schickimicki-Viertel kann trotz eines unvorstellbar hohen Gebotes nicht beendet werden, da das Grundstück gerade zum Tatort erklärt werden musste. Kinder hatten dort Knochen gefunden. Weitere Knochenfunde kommen ans Tageslicht – alle waren sorgfältig in Felle gehüllt und in Kartons vergraben.

Sowohl der derzeitige Eigentümer, ein in ständiger Geldnot lebender Einzelgänger, der auch gerne mal ein Tütchen raucht, als auch ein mit allen Wassern gewaschener Immobilienhai, dem auch Korruption kein Fremdwort ist, sind schnell auf der Liste möglicher Verdächtiger.
Unklar sind lange noch Opfer und Motiv. Hier durchlebt die Geschichte im Rahmen der Spurensuche und –verfolgung auch eine kleine spannungsarme Hängepartie, die zum Glück nicht lange anhält. Die Handlung nimmt wieder Fahrt auf, nachdem der Name des Opfers ermittelt werden konnte und langsam ergeben viele verschiedene Puzzleteilchen ein stimmiges Ganzes. Und das Endergebnis hat mich überraschen können.

Neben dem Haupthandlungsstrang der Tätersuche gibt es auch Einblicke in das Privatleben von Svea und ihrem Team, zu dem noch Tamme und Franzi gehören. Obwohl ich die Ermittler auch sehr gerne etwas von der privaten Seite kennenlerne, gab es mir hier bei den dreien doch eindeutig zu viele private Baustellen, die manchmal zu Lasten der Ermittlungsarbeit gingen.
Trotzdem freue ich mich schon auf den 2. Teil, der schon in Arbeit ist, denn ich bin schon sehr gespannt darauf, ob der nette Rechtspfleger Svea Hamburg etwas Schmackhafter machen kann.

Veröffentlicht am 18.08.2019

Die Interpretation von Achtsamkeit

Achtsam morden
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Der Strafverteidiger Björn D. nimmt notgedrungen an einem Achtsamkeitsseminar teil, um Strategien zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erlernen, denn vor allem möchte er mehr Zeit mit seiner ...

Der Strafverteidiger Björn D. nimmt notgedrungen an einem Achtsamkeitsseminar teil, um Strategien zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erlernen, denn vor allem möchte er mehr Zeit mit seiner kleinen Tochter verbringen.
Als sich sein Mandant, ein brutaler Gangster, in ein geplantes Vater-Tochter-Wochenende drängt, befolgt Björn seine verinnerlichten Achtsamkeitsregeln auf seine ganz eigene Art und lässt den Störfaktor für alle Zeit schweigen.
Was folgt ist eine rabenschwarze, bissige, skurrile, gesellschaftskritische, teilweise überzogene, aber trotz allem unglaublich amüsante und komische Geschichte, die aus Björns Perspektive erzählt wird. Jedem Kapitel ist eine Achtsamkeitsregeln vorangestellt, die dann durch ein Beispiel mit Leben gefüllt und auf Björns ganz besondere Art interpretiert und umgesetzt wird.
Obwohl ich den Typ Mensch, den Björn darstellt, eigentlich nicht leiden kann, wird er mir im Laufe der Handlung doch irgendwie sympathisch, merzt er doch die bösen Buben ganz im Sinne des Erlernten aus.

Liebhaber*innen herkömmlicher Krimis werden hier unter Umständen nicht auf ihre Kosten kommen, denn der Humor ist schon ein ganz spezieller.
Mich hat das Buch auf das Beste unterhalten.